Predigten


Predigt zum 6. Sonntag nach Trinitatis
Epistel: Rö. 6,3–11; Mat 5,20–26

Heart-shaped glass flask with glowing swirling light inside and extending from its opening

Das Wochengebet dieses Sonntags beginnt mit einer wunderbaren Zusage:

„O Gott, Du hast denen, die Dich lieben, solche Güter bereitet, die alles menschliche Verstehen übersteigen.“

Gott hat für seine Kinder etwas vorbereitet, das größer ist als alles, was wir erkennen, verstehen oder uns wünschen können. Wir denken dabei zuerst an das ewige Leben, an die Auferstehung und an die Herrlichkeit bei Gott. Doch das Gebet spricht nicht nur von der Zukunft. Es bittet darum, dass Gottes Liebe schon heute unser Denken, Wollen und Handeln bestimmt.

Unser Leben ist oft von den sichtbaren Dingen bestimmt: Gesundheit, Familie, Arbeit, Besitz, Anerkennung, Sicherheit, Harmonie und Entspannung. Diese Dinge sind nicht unwichtig. Sie sind irdische Gaben Gottes. Aber sie sind endlich und vergänglich.

Unser Wochengebet hebt unseren Blick über das Sichtbare und Irdische hinaus. Gott hat solche Güter vorbereitet, die unser menschliches Verstehen übersteigen. Paulus schreibt:

„Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1. Korinther 2,9).

Wir können uns die Herrlichkeit des künftigen ewigen Lebens nicht vollständig vorstellen. Wir wissen aber: Dort wird keine Sünde mehr sein, keine Trennung von Gott, keine Schuld, keine Krankheit oder Tod. Christus wird einst alle Dinge neu machen.

Diese Hoffnung ist keine Vertröstung. Sie verändert unser gegenwärtiges Leben. Wer weiß, dass sein wahres Leben bei Christus verborgen ist, muss sich nicht verzweifelt an den vergänglichen Dingen festhalten. Er darf dankbar gebrauchen, was Gott ihm heute schon gibt, ohne es zu seinem Gott oder Götzen zu machen.

Unsere größte Zukunft liegt nicht auf dieser Erde. Sie liegt bei Jesus Christus im Himmel.

2. Gott muss aber seine Liebe in unsere Herzen geben

Das Kollektengebet fährt fort:

„Gieße in unsere Herzen eine solche Liebe zu Dir, dass wir Dich über alles lieben.“

Das ist ein bemerkenswerter Satz. Wir werden nicht einfach aufgefordert: „Strengt euch mehr an und liebt Gott stärker!“ Wir bitten Gott selbst, seine Liebe in unser Herz zu gießen.

Von Geburt an aus lieben wir uns selbst am meisten. Wir suchen unseren persönlichen Vorteil, unsere Bequemlichkeit und unsere Ehre. Selbst unsere Frömmigkeit kann sich manchmal um uns selbst drehen: Was bekomme ich von Gott? Warum hilft er mir nicht? Warum erfüllt er meine Wünsche nicht? – Auf diesem Wohlfühl-Gebiet bewegen sich moderne und liberale Prediger, Evangelisten und Irrlehrer.

Wahre Liebe zu Gott entsteht auch nicht aus menschlicher Anstrengung. Sie beginnt dort, wo wir erkennen, wie sehr Gott uns zuerst geliebt hat. Johannes schreibt:

„Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ (1. Johannes 4,19).

Gottes Liebe wird am Kreuz sichtbar. Jesus Christus, sein eigener Sohn gab sich für uns hin, als wir noch von Gott getrennt und Sünder waren. Jesus nahm unsere Schuld auf sich. Er starb unseren Tod und öffnete uns den Weg zum Vater.

Je mehr wir diese Gnade Gottes erkennen, desto mehr wächst in uns die Liebe zu Gott. Wir lieben ihn nicht, um gerettet zu werden. Wir lieben ihn, weil er uns durch Christus gerettet hat.

Die Epistel aus Römer 6 erinnert uns daran, dass wir durch die Taufe mit Christus verbunden sind. Wir sind dort mit ihm gestorben, und sollen uns im Glauben dafürhalten mit ihm in einem neuen Leben wandeln.

Paulus sagt: „So auch ihr: Haltet euch dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus.“

Christlicher Glaube bedeutet also nicht nur, bestimmte Wahrheiten für richtig zu halten. Er bedeutet, mit Christus zu sterben und mit ihm neu zu leben.

Der alte Mensch möchte selbst bestimmen. Er hält an Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, wiederholen von alten Geschichten, Hochmut und verborgener Sünde fest. Der neue Mensch dagegen fragt: Was gefällt Christus? Wie kann ich Gott mit meinem Leben ehren?

Diese Erneuerung soll aber täglich geschehen. Immer wieder müssen wir unsere Sünde vor Gott bekennen und uns auf Christi Vergebung berufen. Immer wieder dürfen wir sagen: Ich gehöre nicht mehr der Sünde, dem alten egoistischem Leben. Ich gehöre Jesus Christus. Er ist mein Herr.

Die Liebe zu Gott bleibt deshalb nicht nur ein Gefühl. Sie zeigt sich im Gehorsam, in der Treue, im Gebet und in einem veränderten Umgang mit unseren Mitmenschen.

Im Evangelium sagt Jesus:

„Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst, und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder.“

Jesus zeigt damit, dass Frömmigkeit und zwischenmenschliches Verhalten nicht voneinander getrennt werden können. Wir können nicht Gott lieben und gleichzeitig bewusst an Hass, Verachtung und Unversöhnlichkeit festhalten.

Zorn beginnt oft im Herzen. Vielleicht sagen wir nichts, aber innerlich verurteilen wir den anderen. Reden gern über ihn, seine Fehler und Sünden.Wir tragen alte Verletzungen weiter, erzählen sie immer wieder und halten dem anderen seine Schuld vor.

Jesus ruft uns zur Versöhnung. Das bedeutet nicht, Unrecht gutzuheißen. Es bedeutet auch nicht, dass jedes zerstörte Vertrauen sofort wiederhergestellt werden kann. Aber ein Christ soll bereit sein, den ersten Schritt zu tun, Schuld zu bekennen, Vergebung anzubieten und den anderen nicht innerlich zu vernichten.

Gerade hier zeigt sich, ob Gottes Liebe unser Herz erfüllt.

Schlussgedanken für die neue Woche:

Das Wochengebet endet mit der Bitte, dass wir Gottes gute Verheißungen erlangen, „die alles übersteigen, was wir begehren können“.

Unsere Wünsche sind oft klein und kurzsichtig. Wir bitten um Erleichterung, Erfolg und die Lösung unserer unmittelbaren Probleme. Gott darf uns auch darin helfen. Aber seine größte Gabe ist mehr: Er schenkt uns Christus und mit ihm: Vergebung, ein neues Leben und eine ewige Heimat.

Darum dürfen wir heute beten:

Herr, gieße Deine Liebe neu in unser Herz. Lass uns Dich mehr lieben als unsere eigenen Wünsche. Hilf uns, der Sünde – dem Eigenwillen – zu sterben und mit Christus in einem neuen Leben zu wandeln. Zeige uns, wo Versöhnung notwendig ist. Und richte unseren Blick auf die ewigen Güter, die Du denen bereitet hast, die Dich lieben.

Denn Gott gibt seinen Kindern nicht nur das, was sie sich vorstellen können. Er gibt in Jesus Christus mehr, als unser Verstand begreifen und unser Herz ersehnen kann. Amen.

Römer 8,18–23 – 4. Sonntag nach Trinitatis

Unser Wochengebet führt uns heute in eine wichtige christliche Bitte hinein:
„Vergrößere und vermehre in uns Deine Gnade, damit wir unter Deiner Leitung und Führung die guten zeitlichen Güter so gebrauchen, dass wir darüber am Ende die ewigen nicht verlieren.“

Damit wird eine Spannung beschrieben, in der wir alle leben: Wir leben in dieser Welt, wir gebrauchen zeitliche Güter, wir erfahren Freude, Arbeit, Familie, Besitz, Gesundheit. Aber zugleich wissen wir: Diese Welt ist nicht das Letzte. Alles Irdische ist vergänglich. Darum bittet die Kirche Christi: Herr, gib uns so viel Gnade, dass wir das Zeitliche recht gebrauchen und darüber das Ewige nicht verlieren.

Paulus beschreibt diese Spannung in Römer 8 mit starken Worten:
„Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“

1. Das Leiden dieser Zeit ist wirklich

Paulus redet das Leid nicht klein. Er kennt Verfolgung, Enttäuschung, Schmerzen, Gefängnis, Angst und menschliche Schwachheit. Und er weiß: Das Leiden gehört zu dieser gefallenen Welt. Seit dem Sündenfall ist die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen. Krankheit, Tod, Krieg, Ungerechtigkeit, seelische Not, Enttäuschungen und Tränen gehören zu diesem gegenwärtigen Zeitalter.

Friedjof C., ein Bekannter aus Eisenach, durfte als Jugendlicher in der DDR nicht Musik studieren, weil er Mitglied der lutherischen Kirche war und nicht zur kommunistischen Partei oder zur FDJ gehören wollte. Seine Zukunft schien verbaut. Doch er ließ sich durch diese Schwierigkeit nicht zerstören. Später durfte er ein christliches Diakoniewerk mit Kindergärten und einem Therapiehof mit aufbauen und leiten.

Das zeigt: Leiden kann den Menschen bitter machen. Aber es kann ihn auch tiefer zu Gott führen. Entscheidend ist nicht nur, was uns widerfährt, sondern wie wir im Glauben darauf schauen, auf Gott warten und dann handeln.

Auch wir fragen: Gibt es heute noch Leid wegen des Christseins? In Europa vielleicht selten in Form offener Verfolgung. Aber es gibt Spott, Ablehnung, innere Kämpfe, Versuchungen, Müdigkeit, Glaubensnot. Und es gibt das allgemeine Leiden dieser Welt, das auch Christen trifft.

Paulus sagt nicht: Ein Christ leidet nicht. Er sagt: Das Leiden hat nicht das letzte Wort.

Man kann sich eine alte Apothekerwaage vorstellen. Auf der einen Seite liegt alles Leiden dieser Zeit: Krankheit, Schmerzen, Verluste, Schuld, Ängste, Tränen, das Seufzen der Schöpfung. Auf der anderen Seite liegt die Herrlichkeit Gottes, die an den Kindern Gottes offenbar werden soll.

Welche Schale ist schwerer?

Paulus sagt: Die zukünftige Herrlichkeit wiegt so viel mehr, dass die Leiden dieser Zeit dagegen nicht ins Gewicht fallen. Nicht weil das Leiden bedeutungslos wäre. Nicht weil unsere Tränen Gott egal wären. Sondern weil Gottes kommende Herrlichkeit größer ist als alles, was uns jetzt bedrückt.

Auch Mose hat so abgewogen. Er hielt „die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens“, denn er sah auf die zukünftige Belohnung. Mose schaute nicht nur auf das Sichtbare, sondern auf Gottes Verheißung.

So sollen auch wir lernen zu fragen: Was ist zeitlich? Was ist ewig? Was vergeht? Was bleibt? Genau darum beten wir im Wochengebet: dass wir die guten zeitlichen Güter gebrauchen, aber darüber die ewigen nicht verlieren.

Paulus weitet den Blick: Nicht nur wir Menschen seufzen. Die ganze Schöpfung seufzt. Alles ist der Vergänglichkeit unterworfen. Auch die Natur trägt Spuren des Sündenfalls. Schönheit und Schmerz liegen nah beieinander.

Aber dieses Seufzen ist nicht hoffnungslos. Paulus sagt: Die Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sie wartet auf den Tag, an dem Christus wiederkommt, an dem die Toten auferstehen, an dem der Leib erlöst wird, an dem Gott alles neu macht.

Das Bild ist stark: Es ist, als würden sich überall Fenster öffnen. Köpfe schauen heraus. Alle warten gespannt. Der Festzug ist schon zu hören, aber noch nicht sichtbar. Die Hoffnung streckt den Hals aus nach dem, was kommt.

So leben Christen: Wir seufzen noch, aber wir warten. Wir leiden noch, aber wir hoffen. Wir haben den Heiligen Geist als Erstlingsgabe empfangen, als Angeld der kommenden Herrlichkeit.

Darum ist die Bitte des Wochengebets so wichtig. Die zeitlichen Güter sind nicht böse. Essen, Arbeit, Haus, Familie, Gesundheit, Musik, Freude, Besitz — all das sind gute Gaben Gottes. Aber sie dürfen nicht zu unserem Gott werden. Sie dürfen uns nicht so gefangen nehmen, dass wir das Ewige verlieren.

Denn die größte Gabe ist nicht das irdische Glück, sondern Christus selbst. In ihm sind wir Kinder Gottes. In ihm sind wir Erben Gottes und Miterben Christi. In ihm wird die Herrlichkeit Gottes einmal an uns offenbar werden.

Wenn Christus erscheint, werden die Kinder Gottes sichtbar werden. Dann wird die Herrlichkeit nicht nur vor uns stehen, sondern an uns und in uns offenbar werden. Christus, das Licht der Welt, wird uns erleuchten. Wir werden ihn sehen, wie er ist.

Darum: Lasst uns das Zeitliche dankbar gebrauchen, aber das Ewige höher achten. Lasst uns im Leiden nicht verzweifeln, sondern auf Christus schauen. Lasst uns nicht an der Vergänglichkeit hängen, sondern auf die kommende Herrlichkeit warten.

Und wenn unsere Waagschale des Leidens heute schwer erscheint, dann lasst uns im Glauben die andere Schale sehen: die ewigen Güter Gottes im Himmel, die Herrlichkeit Christi, die Erlösung unseres Leibes, die neue Schöpfung, das Leben ohne Tränen, ohne Schuld, ohne Tod.

Diese Herrlichkeit will Gott seinen Kindern schenken.

Darum beten wir: Herr, vermehre in uns Deine Gnade, damit wir die zeitlichen Güter recht gebrauchen und am Ende die ewigen Güter im Himmel empfangen. Amen.

Aktuelles Bild: Angels and people in a cathedral worshiping a glowing throne surrounded by light and stained glass windows

TRINITATIS – SONNTAG – Wer dient wem?

Oder: Spiegelt unser Gottesdienst den himmlischen wider?

Offenbarung 4,1–11

Gottesdienst ist Verpflichtung und zugleich Privileg des Volkes Gottes – im Alten wie im Neuen Bund. Immer wieder stellt sich die Frage: Was ist rechter Gottesdienst? Hat Liturgie zuerst mit uns Menschen zu tun oder mit Gott? Geht es darum, dass wir etwas „mitnehmen“, dass wir aufgebaut werden und eine gute Zeit haben? Oder geht es zuerst darum, dass Gott geehrt wird?

Viele heutige Gottesdienstformen scheinen stark von den Bedürfnissen der Besucher bestimmt zu sein. Man fragt: Hat es mir gefallen? Hat mich die Musik angesprochen? Habe ich etwas gespürt? Doch die entscheidende Frage lautet: Dient im Gottesdienst Gott uns – oder dienen wir Gott? Geht es um menschliche Bedürfnisbefriedigung oder um die Ehrerbietung Gottes?

Wir wollen diese Frage nicht allgemein liturgiegeschichtlich beantworten, sondern aus unserem Predigttext: Offenbarung 4,1–11. Johannes erhält einen Blick in den himmlischen Thronraum. Dieser himmlische Gottesdienst ist Vorbild und Maßstab für unseren irdischen Gottesdienst.

Im Mittelpunkt steht „Er“, der auf dem Thron sitzt. Der Thron spricht von Würde, Herrschaft und Macht. Gott wird in leuchtender Heiligkeit beschrieben, mit Farben, die an Erlösung, Gericht, Herrlichkeit und den Regenbogen des Schöpfungsbundes erinnern.

Um den Thron sind die 24 Ältesten. Sie stehen sinnbildlich für das eine Gottesvolk aus Altem und Neuem Bund: Israel und die Gemeinde aus den Völkern. Auch die vier lebendigen Wesen erscheinen als mächtige himmlische Diener Gottes. Alles kreist um den Thron.

Damit ist klar: Der Mittelpunkt der Anbetung ist nicht der Mensch, nicht seine Stimmung, nicht seine religiöse Erfahrung, sondern Gott allein. Die Kirche des Alten und Neuen Bundes und die Engel beten gemeinsam den einen heiligen Gott an.

Die vier lebendigen Wesen leiten den himmlischen Lobpreis ein. Sie geben den Ton an. Danach fallen die 24 Ältesten nieder, beten Gott an und legen ihre Kronen vor seinen Thron.

Diese Kronen sind Zeichen geschenkter Ehre. Doch selbst diese Ehre behalten sie nicht für sich. Alles, was sie empfangen haben, geben sie Gott zurück. Vor Gottes Thron gibt es keine Selbstdarstellung, keinen Stolz auf Amt, Können oder Leistung. Alle Würde des Geschöpfes wird zur Anbetung des Schöpfers.

Das ist auch für unseren Gottesdienst wichtig. Wir kommen nicht zusammen, um uns selbst zu präsentieren. Prediger, Musiker, Liturgen und Gemeinde stehen nicht im Mittelpunkt. Alles, was uns gegeben ist, soll Gott wieder zu Füßen gelegt werden.

Die himmlischen Wesen sprechen:
„Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.“

Der Gottesdienst beginnt mit Gottes Heiligkeit. Gott ist vollkommen, allmächtig und ewig. Danach sprechen die Ältesten:
„Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft.“

Das sind Worte der Würdigung. Gott ist es wert, angebetet zu werden. Nicht weil wir gerade innerlich bewegt sind, sondern weil er Gott ist.

Auffällig ist auch: Die Anbetung geschieht geordnet, verständlich und gemeinsam. Die Worte sind nicht beliebig, sondern von Gottes Wesen und Werk geprägt. Biblischer Gottesdienst braucht biblische Worte. Stellvertretende Gebete der Leiter und gemeinsam gesprochene Gebete der Gemeinde haben hier ihren guten Platz. So betet das Volk Gottes „mit einem Mund“.

Vor dem Thron Gottes sehen wir keine ungeordnete Gleichzeitigkeit, kein religiöses Durcheinander, keine Anbetung, die sich selbst sucht. Alles geschieht ehrfürchtig, klar und auf Gott ausgerichtet. Das ist Anbetung „im Geist und in der Wahrheit“.

a) Gott ist der Schöpfer aller Dinge

Die Ältesten sprechen: „Denn du hast alle Dinge geschaffen.“
Das ist der erste Grund der Anbetung: Wir sind Geschöpfe. Unser Leben kommt nicht aus uns selbst. Gott schuf Himmel und Erde, den Makrokosmos und den Mikrokosmos, sichtbare und unsichtbare Wirklichkeit.

Und weil der Mensch in Sünde fiel, schuf Gott in Christus den neuen Menschen. Durch Wiedergeburt macht er uns zu Kindern Gottes. Darum darf kein geschaffenes Ding, keine Idee, kein Mensch und keine Macht angebetet werden. Der Schöpfer allein ist Grund und Ziel unserer Verehrung.

b) Gott ist der Erhalter aller Dinge

Weiter heißt es: „Durch deinen Willen waren sie“ – oder: „sind sie.“
Gott ist nicht wie ein Uhrmacher, der die Weltenuhr einmal aufgezogen hat und sie nun sich selbst überlässt. Er hält alle Dinge in seiner Hand. Er trägt die Schöpfung, hält unser Leben, bewahrt den Glauben und sichert das ewige Leben seiner Kinder.

Darum sollen wir nichts und niemanden anbeten, der selbst von Gottes Willen abhängig ist. Alles lebt nur durch ihn.

c) Gott ist Ursache und Ziel aller Dinge

Alle Dinge wurden durch seinen Willen geschaffen. Gottes Ratschluss besteht von Ewigkeit her und führt zu seinem Ziel. Ein Katechismus fragt: Warum hat Gott dich und alle Dinge erschaffen? Die Antwort lautet: Zu seiner eigenen Verherrlichung.

Darum ist Gottesdienst nicht zuerst Menschenpflege, sondern Gottesverherrlichung.

Schlussgedanke:

Der himmlische Gottesdienst mit Blick auf Offenbarung Kap. 4 beantwortet unsere Frage: Der Apostel Johannes sagt uns durch die persönliche Offenbarung von Jesus: „Im Gottesdienst steht allein Gott im Mittelpunkt. Der heilige, allmächtige und ewige Schöpfer ist Grund, Ziel und Zentrum aller Anbetung“

Darum dürfen wir uns jetzt prüfen: Trete ich vor Gottes Thron? Erkenne ich seine Heiligkeit? Beuge ich mich vor ihm – im Herzen, mit meinem Körper, mit meinem ganzen Leben? Spreche ich Worte biblischer Anbetung?

Dann verlieren manche Fragen ihr Gewicht: Hat mir der Gottesdienst gefallen? Hat mir die Musik zugesagt? Habe ich etwas gespürt?

Wir sind heute am Trinitatissonntag vor Gott versammelt, um ihm zu geben, was ihm gebührt:

Unser Lob, unser Bekenntnis, unser Hören, unsere Hingabe, unser ganzes Leben.   Amen.

Text: Apostelgeschichte 2,1–13 (14-42)

Liebe Christus-Gemeinde nah und fern,

Pfingsten ist nicht einfach ein emotionales Erlebnis einiger damals Apostel gewesen. Pfingsten ist eine göttliche Zeitenwende. Gott beginnt etwas Neues in der Geschichte der Erlösung.

Vor Pfingsten sehen wir wartende, ängstliche Jünger.
Nach Pfingsten sehen wir mutige Zeugen Christi.

Und dieselbe Frage steht heute vor uns:
Was bedeutet Pfingsten für unsere Gemeinde und für mein persönliches Christenleben?

Der Heilige Geist war nicht erst im Neuen Testament tätig. Schon im Alten Testament wirkte Gottes Geist.

Er kam über Männer wie Mose, David, Simson oder die Propheten. Aber meistens geschah dies nur zeitweise und für besondere Aufgaben:

  • zum Regieren,
  • zum Weissagen,
  • zum Kampf,
  • oder zur Leitung des Volkes Gottes.

Doch der Geist blieb nicht dauerhaft auf allen Menschen. Bei König Saul wich der Geist sogar wieder.

Und am Ende des Alten Testaments geschieht etwas Auffälliges:
Die prophetische Stimme verstummt. Zwischen Maleachi und Johannes dem Täufer liegen etwa 400 Jahre des Schweigens. Selbst jüdische Geschichtsschreiber wie Josephus bezeugen, dass die prophetische Offenbarung aufgehört hatte.

Das Volk wartete. Aber Gott hatte durch Joel und Hesekiel verheißen: „Ich will meinen Geist ausgießen auf alles Fleisch.“ Pfingsten ist die Erfüllung dieser Verheißung.

Nicht mehr nur einzelne Propheten sollten Gottes Geist empfangen — sondern Gottes Gemeinde weltweit durch Jesus gegründet.

Dann befinden wir uns in Apostelgeschichte 2. Die 12 Apostel sind beieinander. Früher stritten sie oft darüber, wer der Größte sei. Jetzt beten sie gemeinsam auch mit anderen. Sie warten auf Gottes Verheißung. Und plötzlich geschieht es: Ein gewaltiges Brausen erfüllt das Haus. Feuerzungen erscheinen.

Wind und Feuer sind Zeichen der Gegenwart Gottes:

  • der Wind steht für Gottes Kraft,
  • das Feuer für seine heilige Gegenwart.

Doch das größte Wunder ist nicht das Geräusch oder das Feuer. Das größte Wunder ist: Der Heilige Geist erfüllt die Jünger. Die ängstlichen Männer werden mutige Zeugen Jesu Christi.

Petrus, der vorher aus Angst Jesus verleugnete, predigt nun öffentlich über Jesus den Erlöser vor Tausenden. Was hat sich verändert? Der Heilige Geist richtet ihren Blick weg von sich selbst — hin zu Christus und seinem Auftrag. Jesus hatte gesagt:

Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und werdet meine Zeugen sein.“(Apg. 1,8)

Das ist der eigentliche Sinn von Pfingsten:
Nicht ein besonderes persönliches Erlebnis zu suchen, sondern Kraft durch den Heiligen Geist zu empfangen, um Christus zu bezeugen.

Dann geschieht etwas Besonderes:
Die Apostel reden in anderen Sprachen. Lukas beschreibt hier keine unverständlichen Laute. Die Menschen aus vielen Ländern hörten die Botschaft Gottes in ihren eigenen Sprachen. Es war also kein bloßes Hörwunder, sondern echte, von Gott gegebene Fremdsprachen.

Warum tat Gott das? Weil mit Pfingsten die Weltmission beginnt. Denn Israel hatte als Zeuge darin versagt.

Bei Babel (Verwirrung) wurden die Sprachen zur Trennung der Menschen.
Zu Pfingsten gebraucht Gott die Sprachen zur Sammlung der Menschen unter Christus.

Die Botschaft des Evangeliums sollte nun alle Völker erreichen. Aber wichtig ist: Die Apostelgeschichte sagt nicht, dass jeder Christ später dieselbe Erfahrung machen müsse.

Lukas berichtet, was damals geschah — nicht unbedingt, was immer oder neu geschehen muss. Die Zungenrede erscheint in der Apostelgeschichte nur an wenigen besonderen Übergangspunkten als Bestätigung:

  • bei Juden,
  • bei Heiden,
  • und bei den Jüngern des Johannes.

Sie ist die Erfüllung und das Zeichen des Beginns des neuen Zeitalters des Heiligen Geistes.

Das eigentliche Dauerhafte ist nicht die besondere Sprache — sondern die Kraft des Geistes zum Dienst für Christus in der Weltmission.

Und nun sehen wir die eigentliche Frucht von Pfingsten. 3000 Menschen kommen zum Glauben. Aber es bleibt nicht bei einer Entscheidung oder einem Gefühlserlebnis. Apostelgeschichte 2,42 beschreibt die neue Gemeinde- Sie blieben:

  • in der Lehre der Apostel (die von Jesus)
  • in der (helfenden) Gemeinschaft,
  • im Brotbrechen, (so wie Jesus es mit seinen Aposteln zur Einsetzung gefeiert hatte)
  • und im Gebet – (den bekannten Gebeten!).

Das ist bis heute das Kennzeichen einer echten christlichen Gemeinde oder Kirche Jesu. Nicht Sensationen. Nicht ständige außergewöhnliche Zeichen.
Nicht Konferenzen oder tolle religiöse Sprecher oder Musik-Unterhaltung.

Sondern:

  • Gottes Wort – und seine Bedeutung für den Christen
  • helfende Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und für den Nächsten,
  • regelmäßiges Abendmahl / Eucharistie – nicht nur 3-4 x im Jahr
  • Gebete  – im Sinne von AT & NT
  • und ein Leben im Dienst für Christus.

Pfingsten bedeutet:
Christus baut seine Gemeinde durch den Heiligen Geist. Und derselbe Geist wirkt auch heute:

  • wenn Christus gepredigt wird, – nicht Erlebnisse – sein Werk und sein Wort
  • wenn Herzen verändert werden,
  • wenn Menschen Buße tun, – damals 3000
  • wenn Christen treu dienen,
  • wenn eine Gemeinde in Liebe zusammensteht.

Pfingsten heute

Liebe Geschwister, wir leben nicht mehr in der Zeit des Alten Testaments. – Aber wir leben auch nicht mehr in der einmaligen Anfangszeit der Apostel. Doch der Auftrag Jesu bleibt derselbe:

„Ihr werdet meine Zeugen sein.“

Wir brauchen heute keine neuen Apostel.
Wir brauchen keine künstlich erzeugten oder begeisterte Sensationen.

Aber wir brauchen dringend Gemeinden Jesu, die vom Heiligen Geist erfüllt sind:

  • mit seiner Liebe,
  • mit biblischer Wahrheit,
  • mit Gebet das verändert,
  • mit Mut zum Zeugnis für die Fernstehende,
  • und mit echter Hingabe an Christus.

Der Heilige Geist will auch heute uns Christen verändern:

von Angst zu Freimut,
von Selbstbezogenheit zu Dienstbereitschaft,
von geistlicher Müdigkeit zu lebendigem Glauben.

Darum bitten wir zu Pfingsten: „Herr, erfülle mich und die Gemeinde neu mit deiner Liebe und mit Kraft zum Zeugnis von Jesus und seinem Heil.“

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Aktuelles Bild: Group of men, women, and children with raised hands praying in a stone room

Liebe Christus-Gemeinde nah und fern,

der Sonntag Exaudi liegt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus Christus ist in den Himmel aufgefahren. Die Jünger warten auf die Verheißung des Heiligen Geistes. Es ist eine Zeit des Wartens, des Betens und der inneren Ausrichtung auf Christus.

Auch wir leben in einer solchen Zwischenzeit. Unser Herr ist zur Rechten des Vaters erhöht. Er wird wiederkommen. Und bis dahin lebt die Gemeinde in dieser Welt – mit beiden Füßen auf der Erde, aber mit dem Herzen im Himmel.

Petrus beschreibt in 1. Petrus 4,7–11 vier Prioritäten, die eine Gemeinde kennzeichnen sollen, die auf ihren Herrn wartet.

Petrus beginnt mit den Worten: „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet.“

Die Wiederkunft Jesu ist keine Theorie, sondern für uns eine lebendige Hoffnung. Und diese Hoffnung führt uns nicht zu Panik oder Spekulationen, sondern zu besonnenem und überlegenden Gebet.

Wer von uns weiß, dass Christus wiederkommt, lernt die wichtigen Dinge richtig einzuordnen. Nicht jede Sorge ist entscheidend. Nicht jede Nachricht muss uns erschüttern. Nicht jede Schwierigkeit darf unser Herz bestimmen. Erst recht nicht dauernd unser Smartphon mit unwichtigen Nachrichten.

Stattdessen ruft Gott uns ins Gebet. Gebet, wie letzten Sonntag betont wurde, ist die geistliche Lebensader der Gemeinde. Wo nicht mehr gebetet, nicht geistlich geatmet wird, vertrocknet das geistliche Leben.

Anwendung: Nimmst du dir täglich bewusst Zeit zum Gebet und Lesen in der Bibel? Beginne jeden den Tag mit der Frage: „Herr Jesus, was ist heute in Deinen Augen wirklich wichtig?“ Nur eine betende Gemeinde ist eine starke Gemeinde.

Petrus fährt fort: „Vor allen Dingen habt untereinander anhaltende Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge.“ „Vor allen Dingen“ – das heißt für uns: Liebe hat oberste Priorität. Gemeint ist nicht eine wechselhafte Gefühlsregung, sondern die göttliche Liebe, die sich entscheidet, dem Nächsten Gutes zu tun.

Diese Liebe wird besonders dann relevant und gefordert, wenn wir verletzt worden sind. Liebe deckt auch eine Menge von Sünden. Das bedeutet nicht, Sünde zu entschuldigen. Es bedeutet, bereit zu sein, sie beim Nächsten zu vergeben und nicht jede Verletzung festzuhalten, damit abschließen. Nicht mehr daran denken, nicht mehr davon erzählen. – Wo uns Liebe fehlt, entstehen Misstrauen, Kränkungen und Streit. Wo Liebe regiert, kann Heilung untereinander in der Gemeinde wachsen.

Frage dich deshalb: „Gibt es jemanden in der Gemeinde, dem ich vergeben sollte?“ Denn Vergebung ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen geistlicher Reife. Es ist die Aufgabe der von Jesus eingesetzten Aposteln und Berufenen, die Vergebung zu verkünden und zuzusprechen.

Petrus schreibt: „Seid gastfrei untereinander ohne Murren.“

Gastfreundschaft ist gelebte Liebe. Im ersten Jahrhundert öffneten Christen ihre Häuser für umherziehende Reisende, Missionare, Gemeindeglieder und Nichtchristen. Heute bedeutet Gastfreundschaft: ein offenes Haus, ein offenes Ohr, ein offenes Herz. Das ist unsere Mission. – Viele Menschen leiden heute an Einsamkeit trotz Hektik, Trubel und Internet. Eine Einladung zum Kaffee oder Tee, ein gemeinsames Essen oder ein Besuch kann ein großer geistlicher Dienst sein.

Petrus fügt hinzu: „ohne Murren“. Wahre Gastfreundschaft geschieht nicht widerwillig, sondern freudig.

Anwendung:

Überlege einmal: „Wen könnte ich in den nächsten Wochen bewusst einladen oder besuchen?“ Oft beginnt wirklich Seelsorge am Küchentisch oder an der Haustür.

Petrus schreibt: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“ Jeder Christ hat von Gott eine Gabe empfangen. Manche dienen durch Predigen, Lehren, Kinderstunde oder im Altenkreis. Andere durch Ermutigung, praktische Hilfe, Musik, Verwaltung, Besuche oder Gebet.

Keine vorhandene Gabe ist unwichtig. Entscheidend ist, dass wir unsere Gaben nicht zur Selbstdarstellung einsetzen, sondern zum Aufbau der gesamten Gemeinde.

Petrus sagt: „Wenn jemand dient, so tue er es aus der Kraft, die Gott darreicht.“ Wir dienen nicht aus eigener Stärke, sondern in Abhängigkeit von Gott.

Frage dich: „Welche Gabe hat Gott mir gegeben, und wo kann ich sie konkret einsetzen?“

Denn Gott beruft keinen Christen zur Untätigkeit. Er hat Talente verteilt, die wir nicht vergraben, sondern bis zu seinem zweiten Kommen beständig gebrauchen sollen.

Das Ziel dabei: Gott wird verherrlicht

Petrus fasst alles zusammen: „Damit in allen Dingen Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus.“

Das Ziel unseres Betens, Liebens, Einladens und Dienens ist nicht unser persönliches Ansehen und Gutfühlen, sondern allein Gottes Ehre. Eine Gemeinde, die so lebt, wird zu einem lebendigen Zeugnis für Christus. Menschen sollen nicht sagen: „Was für bemerkenswerte Christen!“ Welch tolle Internet Stars, Influencer, sondern:

„Was ist das für ein großer und herrlicher Gott! – der hinter allem steht.

Täglich in die Gegenwart Christi treten

Liebe Geschwister, wir warten nicht auf ein ungewisses Ereignis. Wir warten auf eine Person: unseren auferstandenen und erhöhten Herrn Jesus Christus. Er hat uns versprochen: „Ich will euch zu mir ziehen.“

Darum leben wir als wartende Gemeinde:

  • mit nüchternem Gebet,
  • mit herzlicher Liebe,
  • mit gelebter Gastfreundschaft,
  • mit treuem Dienst.

Deshalb plane täglich bewusst in die Gegenwart Jesu zu treten: Bringe Ihm deine Sorgen und deine Freuden. – Empfangen Seine Liebe. – Lass dich vom Heiligen Geist erfüllen. – Und diene Ihm mit Freude, bis der Tag kommt, an dem er dich zu Ihm in den Himmel zieht.

Dann wird die wartende Gemeinde zur vollendeten Gemeinde. – Dann werden wir unseren Herrn sehen, wie er ist und für immer bei ihm sein.

Ihm sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Aktuelles Bild: Congregation kneeling and praying in a stone church with stained glass windows and an open Bible

5. Sonntag nach Ostern –

Wochenspruch:Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20)

Liebe Gemeinde und Geschwister in Christus nah und fern,

der Name dieses Sonntags ist kurz und klar: Rogate – Betet!

Damit erinnert uns der Apostel Paulus und die weltweite Kirche daran, dass das Gebet nicht nur eine fromme Übung, sondern der Lebensatem der Gemeinde Jesu Christi ist. Eine Kirche ohne Gebet ist wie ein Körper ohne Atem. Paulus zeigt uns, dass die Gemeinde ihre Mission nicht mit menschlichen Strategien beginnt, sondern auf den gebeugten Knien. Gott will, dass Menschen gerettet werden. Darum ruft er seine Kirche zuerst zum Gebet.

Paulus schreibt: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen darbringe für alle Menschen, für Könige und alle Obrigkeit.“ V 1–2

Das Erste, was Paulus der Gemeinde aufträgt, ist nicht Organisation, sondern Fürbitte. Die Gemeinde soll beten: für alle Menschen,

  • für Regierende,
  • für Verantwortliche,
  • für die Verlorenen,
  • für Mission und Evangelisation.

Vier Formen des Gebets Paulus verwendet hier vier Begriffe:

  • Bitten – konkretes Flehen.
  • Gebete – ehrfürchtige Anbetung.
  • Fürbitten – vertrauensvolles Eintreten für andere Menschen.
  • Danksagungen – Lob für Gottes Güte in unserem Leben.

Damit macht Paulus deutlich: Das Gebet soll ganz umfassend sein.

Warum für die Obrigkeit beten? Selbst unter Kaiser Nero fordert Paulus zum Gebet auf. Auch eine unvollkommene Regierung kann von Gott gebraucht werden, um Frieden und Ordnung zu bewahren, besonders damit das Evangelium frei verkündigt werden kann. „Das Herz des Königs ist in der Hand des HERRN.“ (Sprüche 21,1)

Beten wir regelmäßig?

  • für Deutschland, andere Länder
  • für Bürgermeister, für unseren Kreis- & Landtag
  • und für die Bundesregierung,
  • für Religionsfreiheit, unsere Mission
  • für Frieden, in der BRD und aller Welt
  • für offene Türen für das Evangelium.

Eine betende Gemeinde sieht weiter als nur bis zu ihren eigenen persönlichen Anliegen.

Paulus schreibt: 2,4 „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

Welch ein weiter Blick Gottes! Gott freut sich nicht am Verderben des Sünders. Sein Herz schlägt für die Rettung von Menschen aus allen Nationen, Kulturen und Sprachen. Darum ist Mission kein menschliches Hobby, sondern Ausdruck des Herzens Gottes.

Gebet und Mission gehören zusammen

Bevor wir sprechen, beten wir. Bevor wir senden, beten wir. Bevor Menschen glauben, wirkt Gott an ihren Herzen.

Unsere Aufgabe besteht darin: zu beten, – zu bezeugen, – zu vertrauen.

Das Tagesgebet leitet uns: „Von Dir stammt alles Gute.“

Auch die Bekehrung eines Menschen ist Gottes gutes Werk. Er schenkt gute Gedanken. Gottes gute Gedanken öffnet die Herzen der Menschen zu seiner Wahrheit.

Anwendung im Leben: Beten wir konkret für Menschen in unserem Umfeld: Schreibe eine Liste mit Namen:

  • Für Kinder und Enkel, Verwandte
  • Meine Nachbarn,
  • Meine Arbeits-Vereinskollegen, etc.
  • Freunde – und bete regelmäßig für sie.

Niemand ist außerhalb der Reichweite von Gottes Gnade.

Paulus fährt fort: V 5–6 „Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat.“

Das ist das Herzstück unseres christlichen Glaubens.

Ein Gott

Es gibt viele Wege zu falschen Göttern, die aber Nichtse sind – Ideals. Doch es gibt aber nur den einen lebendigen und wahren Gott, Schöpfer Himmels und der Erde.

Ein Mittler

Zwischen dem heiligen Gott und sündigen Menschen steht einer:

Nur Jesus Christus.

Nicht die Kirche – sie verkündet und sammelt.
Nicht Priester / Pfarrer – sind aber NAHEBRINGER – mit dem Evangelium
Nicht Heilige – Sie sind Vorbilder
Nicht unsere guten Werke – Nur das Werk Jesu: Allein Christus ist einziger Mittler.

Ein Lösegeld

Jesus gab sein schuldloses Leben am Kreuz. Er bezahlte den Preis für unsere Schuld. Er allein überbrückte die Kluft zwischen Gott und Mensch.

Die Exklusivität des Evangeliums

In einer Zeit, in der viele behaupten, jede Religion führe zu Gott, bleibt die Bibel klar: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh 14,6). Das ist Gottes liebevolle Wahrheit.

Anwendung für uns

Unser Gebet muss immer mit diesem Bekenntnis verbunden sein: Nur Jesus rettet. Darum verkündigen wir ihn mit Klarheit und Liebe.

Paulus bezeichnet sich als Prediger und Apostel. Er wusste: Er war nicht der Ursprung der Botschaft. – Er war ihr Bote. Er war Diener seines Königs.

Dasselbe gilt für uns. Wir sind seine Boten. Gott sucht auch heute Menschen, die:

beten, glauben, gehorchen und Zeugnis geben.

Die betende und bekennende Kirche ist Gottes Werkzeug in dieser Welt. Bist Du in diese eingebunden? Apg. 4,42 ?

Beten wir deshalb heute mit Zuversicht !

Liebe Gemeinde, Rogate erinnert uns: Die Zukunft der Kirche hängt nicht zuerst von Programmen, Finanzen oder Methoden dieser vergänglichen Welt ab. Die Zukunft der Kirche hängt an dem Gott, der Gebete hört.

Wir sind mit eingebunden in diese betende Kirche – SIE

  1. trägt diese Welt vor Gottes Thron,
  2. vertraut dabei auf Gottes Heilswillen für alle Menschen,
  3. bekennt Christus als ihren einzigen Mittler,
  4. und stellt sich Gott als Werkzeug ihm zur Verfügung.

Vielleicht betest du schon lange für einen Menschen. Vielleicht siehst du wenig Frucht? Dann höre den Wochenspruch: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

Kein aufrichtiges Gebet ist vergeblich. Gott hört. – Gott handelt. Gott rettet.

Darum, liebe Christus-Gemeinde: Betet! –Amen.

Palmsonntag – Heute die Frage nach dem echten rettenden Glauben
Evangelium: Johannes 12,12–26


Liebe Zuhörer und Leser nah und fern,

Palmsonntag ist ein Tag großer Begeisterung. Menschen rufen „Hosianna!“, sie legen Palmzweige nieder, sie ehren Jesus als König. Und doch zeigt uns gerade dieses Kapitel im Johannesevangelium: Nicht jede Begeisterung ist echter Glaube. Nicht jeder, der „Jesus sehen“ will, erkennt ihn wirklich.

Johannes führt uns drei Gruppen vor Augen – drei Arten von Glauben. Und wir stellen uns eine entscheidende Frage: Welcher Glaube rettet wirklich? Welcher rettet mich?

Da ist zunächst die Menge um Lazarus; DEN Jesus vom Tode auferweckt hatte. Viele waren dabei, als Jesus ihn aus dem Grab rief. Andere hatten davon gehört. Dieses Wunder verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Die Folge? Menschen strömen herbei. Sie wollen Jesus sehen – aber warum?
Weil sie den Wundertäter sehen wollen. Den, der Tote auferweckt. Den, der spektakulär ist.

Doch hier liegt die Gefahr auch für uns:
Ein Glaube, der nur auf Wunder schaut, bleibt an der Oberfläche. Er fragt: Was kann Jesus für mich tun? – aber nicht: Wer ist Jesus wirklich und auch für mich?

Die Pharisäer erkennen das sogar ironisch: „Die ganze Welt läuft ihm nach.“ Aber es ist ein Nachlaufen ohne echte Christus-Kenntnis. Beobachten wir heute z.B. die spektakulären Youtube Zusammenstellungen über die politische / prophetische Endzeit oder auch Aufrufe zu Heilungsveranstaltungen ohne wirkliche Orts-Gemeinde Beteiligung der anerkannten Hirten und Pastoren?

Anwendung
Auch heute kann man sich für Jesus begeistern – durch besondere Erlebnisse, Gebetserhörungen, äußere Segnungen und Worship Veranstaltungen. Doch wenn der Glaube nur an das Wunder, Vision oder tolle Musik gebunden ist, bricht er bald zusammen, wenn das Wunder und die nächste Konferenz ausbleiben.

Dann sehen wir die Jünger. Sie sind Jesus nahe. Sie folgen ihm täglich. Und doch sagt Johannes: Sie verstanden es zuerst nicht.

Erst nach der Verherrlichung Jesu – nach Kreuz und Auferstehung – erkennen sie, was wirklich geschehen ist. Das ist erstaunlich:
Sie hören oft die Worte Jesu, sie sehen seine sogar seine Taten – und dennoch fehlt ihnen das Verständnis über seine Person, weil sie die Schrift nicht wirklich kennen noch innerlich durchdrungen haben.

Ihr Glaube ist nur begrenzt echt – verkürzt, aber noch unvollständig.
Er ist geprägt von Erwartungen eines irdischen Messias, nicht von dem leidenden Gottesknecht, den die Propheten als König angekündigt haben.

Anwendung

Auch wir können Jesus irgendwie kennen – regelmäßig Gottesdienste besuchen, Bibel hören oder lesen – und doch innerlich an einem verkürzten Bild von meinem Jesus, wie ich ihn sehe, festhalten.

  •  Echter Glaube wächst dort, wo wir Christus im Licht der ganzen Schrift, AT und NT erkennen: als den gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Jesus wählt an diesem Palmsonntag bewusst kein weißes Kriegsross eines Herrschers, sondern das Lasttier eines Esels, der den Lastenweg Jesu verdeutlicht.

Dann treten plötzlich die Griechen als Pilger in den Vorpassah-Tagen auf. Es sind Nichtjuden. Suchende. Menschen von außen, Menschen der Welt.

Sie kommen zu Philippus und sagen:
„Wir wollen Jesus sehen.“

Das ist mehr als Neugier. Im Johannesevangelium bedeutet „sehen“: Jesus erkennen, glauben, vertrauen.

Diese Griechen stehen für die ganze damalige Welt. Hier öffnet sich der Blick:
Jesus ist nicht nur für Israel gekommen – sondern für alle Völker, alle Ethnien und Kulturen.

Und genau hier spricht Jesus vom Kern seines Weges, Grund seines Kommens:
Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, damit es Frucht bringt.

Und noch mehr:
Wer ihm folgen will, muss diesen Weg teilen. „Wer sein Leben liebt, wird es verlieren; wer es aber verliert um meinetwillen, wird es bewahren.“

Anwendung
Der suchende Glaube der Griechen führt zur entscheidenden Erkenntnis:
Jesus wirklichen sehen wollen, wie und wer er ist, Ihn erkennen wollen heißt, ihm mit seinem ganzen Leben nachfolgen – im Vertrauen, in Hingabe, im Sterben und Opfern des alten egoistischen Lebens.

Unsere Entscheidung am Palmsonntag

Liebe Geschwister, unser Palmsonntag stellt uns vor eine klare Wahl:

  • Wollen wir Jesus nur wegen seiner Wunder? – Ein Lazarus-Glaube?
  • Folgen wir ihm mit einem unklaren, verkürzten Verständnis? – ein verkürzter Jünger-Glaube
  • Oder suchen wir ihn wirklich – als den gekreuzigten und auferstandenen Retter? – Jesus so sehen, wie ihn die gesamte Welt sehen soll?

Die Menge von damals rief „Hosianna!“ – und wenige Tage später „Kreuzige ihn!“
Warum? Weil ihr Glaube nicht tief genug, nicht echt war.

+ Ein echter rettender Glaube erkennt:
Jesus ist der König – aber ein sich opfernder König am Kreuz. Ein Retter, der sein Leben gibt. Und ein Herr, dem wir unser Leben anvertrauen.

Ein Weckruf

Heute, am Palmsonntag, ruft Christus auch uns zu:

„Willst du mich wirklich sehen?“
Nicht nur als Helfer – sondern als Herrn.
Nicht nur als Wundertäter – sondern als Erlöser.

Entscheide Dich für diesen Glauben:
Einen Glauben, der tiefer geht als Begeisterung.
Einen Glauben, der auf dem Kreuz gegründet ist.
Einen Glauben, der Jesus folgt
– ganz.

Aufruf
Wer Jesus wirklich sieht, glaubt echt. Wer wirklich echt glaubt, folgt ihm nach.
Und wer ihm wirklich nachfolgt, wird Frucht bringen – bleibende Frucht für Zeit und Ewigkeit. Amen.

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Liebe Gemeinde und entfernte Zuhörer,

die Fastenzeit führt uns näher an das Kreuz Christi. Der heutige Sonntag erinnert uns daran, warum Jesus als Hohepriester kam:

Er kam, um uns von toten Werken zu befreien, unser Gewissen zu reinigen und uns fähig zu machen, dem lebendigen Gott zu dienen.

Hebräer 9,11-15

11 Christus aber ist gekommen als Hohepriester der künftigen Güter durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist. 12 Nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut ist er ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und so hat er eine ewige Erlösung bewirkt. 13 Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden, 14 um wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst als makelloses Opfer kraft des ewigen Geistes Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen. 15 Und darum ist er der Mittler eines neuen Bundes; sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt, damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten.

Das Evangelium ist nicht nur Vergebung der Vergangenheit – es ist besonders die Erneuerung für unsere Gegenwart und Sendung für in unsere Zukunft.

Im Alten Testament hatten alle Priester eine wichtige Aufgabe: Sie brachten sündige Menschen dem heiligen Gott nahe. Durch Opfer, durch Reinigungsrituale und ihren Dienst im Heiligtum, im und um den Tempel Gottes wurde deutlich, dass Sünde nicht einfach übergangen werden kann. Niemand sollte sich als Sünder beschmutzt ins Heiligtum Gottes begeben,.

Die äußere Reinigung war vorerst notwendig, damit Menschen wieder am Gottesdienst teilnehmen konnten. Auch das Heiligtum selbst musste immer wieder gereinigt werden. Einmal im Jahr trat der Hohepriester in das Allerheiligste ein und brachte Opfer für sich und für das Volk dar.

Doch all diese Handlungen hatten eine Grenze. Sie konnten das Gewissen der Menschen nur für eine kurze Zeit erleichtern – aber nicht endgültig befreien. Die Opfer mussten jedes Jahr wiederholt werden. Und so wartete das Volk wartete auf eine tiefere Erlösung, auf den vorgeschatteten Messias, das wirkliche Lamm Gottes.

Anwendung:
Auch heute versuchen Menschen, ihr Gewissen durch äußere Leistungen zu beruhigen: durch religiöse Aktivität, moralische Anstrengung oder soziales Engagement oder auch psychologische Behandlung und Befreiung. Das alles kann hilfreich sein – aber es ersetzt nicht die innere Reinigung durch Christus, es ersetzt nicht den Gemeindehirten und Priester Gottes, der zuhört und die Vergebung zuspricht.

Die jetzige Fastenzeit lädt uns ein, uns zu prüfen: Vertraue ich auf meine eigenen Werke und Befreiungsversuche oder wirklich auf das Opfer Jesu? Suche ich äußere Ordnung, Selbsterlösung und Techniken – oder echte Versöhnung und Vergebung mit Gott durch Christus?

2. Christus, der Hohepriester des neuen Bundes – Reinigung des Gewissens

Jesus ist nicht nur ein weiterer Priester. Er ist der vollkommene verheißene Hohepriester. Er bringt nicht fremdes Blut dar, sondern sein eigenes. Sein Opfer geschieht nur ein für alle Mal.

Damit erfüllt sich die Sehnsucht des Alten Bundes. Christus trägt die Sünde nicht nur symbolisch oder zeitlich fort – er nimmt sie wirklich weg, ein für allemal. Sein Opfer reicht bis in das himmlische Heiligtum.

Das Ziel seines Handelns ist klar: unser Gewissen von toten Werken zu reinigen. Tote Werke sind Handlungen ohne Glauben, ohne Liebe zu Gott und dem Nächsten, ohne Ausrichtung auf Gott. Sie prägen unser altes egozentrisches Leben.

Christus ruft uns heraus aus diesem antigöttlichen Zustand. Er schenkt echte Vergebung und neues Leben. Wer an ihn glaubt, ist nicht mehr gefangen in Schuld oder Selbstrechtfertigung und Verzweiflung. Der neue Mensch in Verbindung mit Christus darf wachsen.

Anwendung:
Ein gereinigtes Gewissen entsteht nicht automatisch. Es wird aber genährt durch Gottes Wort, durch Gebet, durch ehrliche und beständige Umkehr. Wo das Gesetz, der Wille Gottes, ernst genommen wird, wächst auch ein feines Gewissen.

In unserer Zeit erleben wir oft das Gegenteil: Die meisten Menschen fühlen sich nur sich selbst verantwortlich. Sie vergeben sich selbst. Doch Christen wissen: Wir leben vor Gottes Angesicht.

Darum ist es wichtig, dass wir regelmäßig die Heilige Schrift lesen, die Predigt hören, unser Leben ständig prüfen. Ein empfindsames Gewissen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von geistlicher Lebendigkeit.

Das Ziel der Reinigung ist nicht Passivität. Gott reinigt uns, damit wir ihm dienen können.

Christlicher Dienst beginnt im Alltag. Er geschieht mit Händen und Herz: in Besuchen bei Kranken, in Fürsorge für Bedürftige, in Treue in der Familie, in ehrlicher Arbeit. Jeder Christ ist berufen, Gottes Liebe sichtbar zu machen.

Doch auch der feiernde Gottesdienst gehört dazu. Unsere Gaben sollen eingebracht werden – in Gemeindegruppen, in der Evangelisation, in der Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation.

Ein gereinigtes Gewissen schenkt Freude im Dienst. Wir müssen Gott nichts beweisen. Wir dürfen ihm aus Dankbarkeit dienen.

Fragen wir uns konkret:
Wo kann ich in der kommenden Woche dienen?
Welche Gabe hat Gott mir anvertraut?
Wo ruft er mich zu mehr Einsatz oder zu neuer Hingabe auf?

Vielleicht ist es ein Besuch, ein ermutigendes Wort, Mitarbeit in der Gemeinde oder mutiges Zeugnis im Alltag.

Der Heilige Geist gibt Kraft dazu. Er erneuert unsere Motivation. Er macht aus Pflicht Freude und aus Unsicherheit Vertrauen.

Liebe Geschwister, die Botschaft dieses Sonntags ist äußerst trostreich und zugleich herausfordernd.

Christus hat alles vollbracht. Sein Opfer am Kreuz reinigt unser Gewissen. Wir dürfen frei werden von der Last der Vergangenheit. Für immer!

Doch diese Freiheit führt uns in die Verantwortung. Gott ruft uns zu einem freien, eifrigen und hingegebenen Leben.

Lasst uns deshalb in dieser Fastenzeit neu zum Kreuz kommen. Lasst uns Vergebung durch den Hohenpriester annehmen, unser Gewissen von Handlungen des Unglaubens reinigen lassen – und dann mit neuer Freude dem lebendigen Gott dienen. Amen.

AT Lesung Genesis 3,1-24; NT Lesung Mt 4,1–11)

Leitgedanke: Die Fastenzeit ist nicht nur Verzicht, sondern Training: Gott stärkt unseren Charakter durch seinen Gegenwind. Jesus zeigt uns, wie Versuchung überwunden wird – nicht durch „starkes Gefühl“, sondern durch klare Bindung an Gottes Wort.

Im Paradies war alles gut – und doch gab es dort ein klares Stoppschild. Die Versuchung begann nicht mit einer drohenden Faust Satans, sondern mit seiner verlockenden Stimme: „Sollte Gott gesagt haben…?“ Dieser Angriff ging durch die Sinne Evas und Adams (denn die verbotene Frucht „war herrlich anzusehen“), dann durch die Begierde (die Frucht haben zu wollen), und schließlich durch vorgetäuschten geistlichen Hochmut: „Ihr werdet sein wie Gott.“

Dies Muster ist bis heute gleich: Satan versucht uns, Gottes guten Plan zu verdunkeln und sein gutes Gebot als Einschränkung zu verkaufen. Am Ende geht es hier nicht nur um einen „Fehler“, sondern um einen Bundes-Bruch und Wechsel in der Anbetung: Der Mensch setzt sich innerlich auf Gottes Stuhl und bestimmt ohne Gott.

Anwendung: Unsere modernen „Früchte“ sind oft digital glänzend: Ein Klick auf dem Smartphone, ein Bild, ein kurzer Kick. Vieles beginnt harmlos – aber die Frage ist dieselbe: Wer bestimmt dort Wahrheit und was ist gut für mich? Gottes Wort – oder mein Appetit, mein Gefühl, mein Ego?

Nach der Taufe, nach der himmlischen Bestätigung durch die Worte: „Du bist mein geliebter Sohn“, führt der Geist Jesus in die Wüste nicht zu einer Allerwelts-Prüfung. Nicht im Sinne, mal sehen, ob er durch die Führerschein-prüfung kommt. Sondern es geht um den Beweis Jesu Treue und um seine Kraft. Diese Versuchung Jesu ist nicht Sünde.

Anw. Viele Christen verlieren in der Versuchung, weil sie in ihrem Kampf falsch entscheiden, wem sie vertrauen sollen. Denn Versuchung ist der Moment, in dem Du entscheidest, wem Du glaubst. – Jesus war versucht „wie wir“, doch ohne Sünde (Hebr 4,15). Er vertraute Gott mit scharfsinniger Überlegung und begründete dazu Gottes geschriebenes Wort.

Selbstversorgung ohne Gehorsam: „Mach Brot aus Steinen.“ Nicht, das Brot ist böse – sondern: Hier geht es um Unabhängigkeit. „Sorge selbst für dich, nimm dein Recht in die Hand, nimm Abkürzungen.“ Jesus antwortet mit der Schrift (Dtn 8,3): „Gottes Wort trägt mehr als ein schnelles Brot“.
Anwendung: Der Druck zur Selbstrettung ist heute riesig: „Optimiere dich, rette dich selbst, erfinde dich neu, du schaffst das schon.“ Auch geistlich übertragen: „Mach dir dein eigenes Evangelium, das zu deinem Leben passt.“ Jesu Antwort bleibt: Ich lebe aus der Beziehung zu Vater, nicht aus meinem Impuls.

Show-Glaube und missbrauchte Bibel

Satan zitiert Psalm 91 – aber verdreht ihn. Er will Jesus „fromm“ dazu bringen, Gott zu testen: Spektakulär, populär, bekannt, messianisch zu sein, aber ohne Demut. Jesus kontert mit Dtn 6,16: Du sollst Gott nicht versuchen.
Anwendung: Das ist brandaktuell: Viele Bibelverse als Slogans täglich zu posten, vielleicht aus dem Zusammenhang gerissen – Themen um Angst, Macht, Heilung, Endzeit, für viele Likes, fürs Ego. Auch sogenannte „Prophetien“ und „Eindrücke“ übers Internet können sich zwar geistlich anhören und doch führen sie andere Menschen in Stolz, Druck oder Manipulation hinein. Falsche Geister lieben die religiöse Sprache. Darum: Die Schrift nicht als Dauer-Munition verschießen, sondern als Wahrheit in ihrem Zusammenhang benutzen.

Herrschaft ohne Kreuz

„Ich gebe dir die Reiche der Welt – ohne zu leiden.“ Satan bietet uns eine „bessere“ und einfachere Lösung an – zu Ruhm kommen, ohne Opfer zu bringen. Jesus befiehlt ihm: „Weg mit dir!“ und zitiert Dtn 6,13: Denn Anbetung gehört allein Gott allein!
Anwendung: Das ist heute die große moderne Versuchung: Christsein als Erfolgsprogramm – Konferenzen mit Hunderten oder Tausenden, aber ohne Buße, ohne Selbstverleugnung, ohne Kreuz. Oder anders: Spiritualität als Krafttechnik, spirituelle Übung und Kurse, ohne die Herrschaft Jesu. Aber das Reich Gottes kommt nicht durch Deals, Kurse oder Konferenzen, sondern allein durch Treue und Gebet.

Die Tore der Versuchung sind weiterhin: Körper – Seele – Geist. Doch die Waffen Gottes bleiben auch weiterhin: Wahrheit, Gehorsam, Anbetung – auf dem Grund der Heilige Schrift.

  •  Wenn uns die Versuchung „Brot“- körperliche Stärke verspricht: Frage dich, ob dies die Unabhängigkeit von Gott fördert.
  •  Wenn die Versuchung sogar die Bibel“ zitiert: prüfe den Kontext – den Gesamtzusammenhang der Schrift und ob es dem Wesen Gottes entspricht.
  •  Wenn die Versuchung dir „Erfolg“ anbietet: frage, ob dies ein Kreuz-loser Weg ist.

Praktisch:

  • Lies die Schrift so, dass sie dich liest. (Nicht nur einen Vers, sondern im Zusammenhang.)
  • Sprich bei Versuchung aus deinem Dunkel zu Gott: im Gebet, in Beichte, im Gespräch mit Christen.
  • Erkenne den Kern: Es geht selten nur um „eine Sache“ – es geht um Anbetung: Ideen, Götzen, Geld, Macht.
  • Überlege und antworte wie Jesus: „Es steht geschrieben“ – nicht als Formel, sondern als Unterordnung unter den Willen Gottes.

Ermutigung als Christ

Du kämpfst bei Versuchungen als Kind Gottes. In Verbindung mit Christus hast du Sieg. Und wenn du gefallen bist: Lauf nicht weg von Gott, geh wieder hin zu Gott. Der, der bereits in der Wüste neben dir stand, trägt dich auch durch deine gegenwärtige Wüste. Das ist Nachfolge.

Abschlussgebet
Herr Jesus Christus, du treuer Sieger über den Versucher, schenke uns in dieser Fastenzeit einen nüchternen Geist und ein brennendes Herz. Bewahre uns vor falschen Stimmen, vor verdrehter Schriftauslegung und vor dem Wunsch nach Abkürzungen ohne Kampf und Kreuz. Leite uns durch deinen Heiligen Geist in die Wahrheit deines Wortes, damit wir dir allein vertrauen, dich allein anbeten und dir gehorsam folgen. Amen.

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Lukas 18,31-43; 1.Kor. 13

der letzte Sonntag vor der Fastenzeit ist wie ein Torbogen: Wir stehen noch im Licht des Epiphanias, der Zeit der Erscheinung Jesu den Heiden – Ägypten und dem heidnischen Galiläa – und jetzt beginnt im Kirchenjahr schon sein Weg nach Jerusalem.

Gottes Liebe bleibt nicht allgemein, sie ist nicht nur „ein schönes Gefühl“, nicht nur ein Gedanke oben im Himmel. Die Liebe Gottes nimmt Gestalt an – in Jesus Christus – und geht bis zum Ende: hinauf nach Jerusalem, hin ans Kreuz, hier auf der Erde. Darum hören wir heute auch noch das Hohelied der Liebe aus 1. Kor. 13: Nicht als romantisches Gedicht oder eine tolle Hochzeitspredigt, sondern als geistliche Beschreibung, wie Gott selbst handelt – und wie Christus seine Jünger in diese sich opfernd Liebe hineinführt.

Doch genau hier liegt die Spannung des Evangeliums: Jesus kündigt seinen Leidensweg klar an – doch die Jünger verstehen ihn nicht. Direkt nach diesem Ereignis steht ein Blinder am Weg, der sehend wird. Die einen haben Augen und sehen nicht. Der andere ist blind und erkennt den Messias. Das ist nicht nur eine Geschichte von damals. Es ist ein Spiegel für uns heute, für Christen besonders, die meinen Ihn zu kennen, aber sind blind wie die damaligen Jünger.


Jesus nimmt seine Zwölf beiseite und sagt es nun zum dritten Mal: Er wird ausgeliefert, verspottet, misshandelt, getötet – und am dritten Tag auferstehen. Nichts davon geschieht zufällig. Es ist nicht das tragische Ende eines guten Menschen. Es ist der Heilsplan Gottes klar im Alten Testament.

Später erklärt Jesus selbst: „Es muss erfüllt werden, was über mich geschrieben steht.“ (vgl. Lk 22,37) Und nach Ostern wird es noch klarer: Er zeigt seinen Jüngern aus der Schrift, dass der Messias leiden und auferstehen musste (vgl. Lk 24,26–27.44). Damit sagt Jesus: Die Heilige Schrift ist nicht schöne Dekoration – sie ist Gottes ewiger Wegweiser. Und Jesus ist nicht nur ein Thema der Schrift – er ist ihre Mitte.

Das ist entscheidend für unseren Glauben: Christlicher Glaube ruht nicht auf Stimmung, nicht auf Tradition allein, nicht auf „meiner religiösen Erfahrung noch auf Erlebnisgeschichten oder spirituellen musikalischen Treffen“. Er ruht darauf, dass Gott durch seine Propheten gesprochen hat – und dass Jesus dieses Wort auslegt und durch sein eigenes Leben erfüllt. Darum ist wahre Frömmigkeit nicht zuerst: „Wie fühle ich mich?“ Sondern: „Was hat Gott gesagt, und wie führt Christus mich in dieses Wort hinein?“


Warum verstehen die Jünger Jesus nicht? Unsere Lesung sagt: Es blieb ihnen verborgen. Aber praktisch sieht man: Sie haben ein anderes Messias-Bild im Kopf. Ein starker König, ein Sieger, eine schnelle Lösung. Leiden passt nicht in ihre Erwartungen seiner Nachfolger.

Und hier wird es sehr aktuell. Auch wir möchten gern den Herrn, der alles ordnet, mich segnet, schnell heilt, mich trägt – und das tut er ja auch. Aber wir geraten in Gefahr, Jesus auf „Hilfe für mein Leben“ zu reduzieren. Dann wird das Kreuz ein Randthema. Dann wird Nachfolge bequem. Dann wird unser Glaube, wie bei seinen Jügern zu einem religiösen Zusatzprogramm.

Die geistliche Blindheit zeigt sich bei den Jüngern sogar darin, dass sie kurz danach über Größe streiten (vgl. Lk 22,24ff). Wer das Kreuz nicht versteht, wird unweigerlich nur um sich selbst kreisen: um Anerkennung, Einfluss, Rechtbehalten, Verletzungen. Denn ohne das Kreuz bleibt mein ICH im Mittelpunkt.

1. Korinther 13 hält uns dabei einen Spiegel vor: Liebe sucht nicht das Ihre, sie bläht sich nicht auf, sie rechnet das Böse nicht zu, sie erträgt, sie hofft, sie bleibt. Das ist nicht nur ein Ideal. Das ist die Handschrift Christi, sein Leben im Alltag. Und diese Liebe führt ihn – nicht von Schwierigkeiten weg – sondern mitten hinein, bis ans Kreuz.


Und dann: ein blinder Bettler am Weg. Er hört, dass Jesus vorbeikommt, und er schreit: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Das ist Glaube. Er kennt sein Elend. Er ruft um Hilfe. Er nennt Jesus mit dem messianischen Titel. Er klammert sich an Jesus als Retter, obwohl andere ihn zum Schweigen bringen wollen.

Jesus bleibt stehen und stellt eine Frage, die fast zärtlich wirkt: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Der Mann antwortet schlicht: „Herr, dass ich sehend werde.“ Und Jesus sagt: „Dein Glaube hat dich gerettet.“

Hier geschieht mehr als Augenheilkunde. Es geschieht ein Prinzip des Glaubens:

  • Er erkennt seine Not und beschönigt sie nicht.
  • Er sucht Hilfe nicht in sich selbst, sondern bei Christus.
  • Er lässt sich nicht ablenken oder einschüchtern.
  • Und als er sieht, folgt er Jesus nach.

Das ist genau die Erfahrung, die später in Lukas 24 vollendet wird: Als der Auferstandene ihnen die Schrift öffnet, da öffnen sich auch ihre Augen – und ihr Herz brennt. (vgl. Lk 24,45–48) Wahrer Glaube entsteht, wo Jesus selbst durch sein Wort gegenwärtig wird und uns die Augen öffnet.

Das ist auch heute noch die Norm und Methode:
Nicht wir „schaffen“ uns Glauben. Christus schenkt Einsicht. Er tut es vorrangig durch sein geschriebenes und gesprochenes Wort und seinen gegenwärtigen Geist.

Weiter im Hören, im Beten, im Gehorsam, in der Gemeinschaft seiner wahren Kirche, in Predigt und Sakrament. Und oft ganz persönlich: indem er uns wie die Emmaus-Jünger trifft, uns korrigiert, uns die Schrift öffnet und sie uns lebendig macht.


Lieber Mitchrist, Estomihi heißt: „Sei mir ein starker Fels“ – ein Ruf um Halt. Und Gott antwortet nicht zuerst mit Erleichterung, sondern mit Christus. Er gibt uns den, der die Liebe bis zum Ende geht.

Darum möchte ich dich heute einladen, deinen Glauben neu auf diese Grundlage zu stellen:


  1. Bitte Jesus ehrlich: „Herr, öffne mir die Augen – für dich, dein Kreuz, deinen deinen Liebes-Weg zu erkennen.“
  2. Bleibe ganz an der Schrift: Lese die Evangelien in den kommenden Wochen der Fastenzeit wie Menschen, die geführt werden wollen.
  3. Gehe bewusst in die Nachfolge: Nicht nur „an Jesus glauben“, sondern mit Jesus gehen – auch dann, wenn sein Weg durch Verzicht, Geduld, Wahrheit und Kreuz führt.

Und wenn du spürst: „Ich bin eher wie die Jünger – ich verstehe so vieles nicht“ – dann ist das kein Grund zur Resignation. Es ist ein Grund zum Gebet. Denn der Herr, der den Blinden sehend machte, ist derselbe, der nach Ostern den Jüngern das Verständnis öffnete. Er kann auch dir aus der geistlichen Blindheit ins Sehen führen.

So dürfen wir heute antworten wie der Blinde am Weg:


„Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“
Und dann: mit geöffneten Augen ihm nachfolgen – Schritt für Schritt – bis dahin, wo das Kreuz nicht das Ende ist, sondern der Durchgang zur Herrlichkeit. Amen.

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