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Text: Apostelgeschichte 2,1–13 (14-42)

Liebe Christus-Gemeinde nah und fern,

Pfingsten ist nicht einfach ein emotionales Erlebnis einiger damals Apostel gewesen. Pfingsten ist eine göttliche Zeitenwende. Gott beginnt etwas Neues in der Geschichte der Erlösung.

Vor Pfingsten sehen wir wartende, ängstliche Jünger.
Nach Pfingsten sehen wir mutige Zeugen Christi.

Und dieselbe Frage steht heute vor uns:
Was bedeutet Pfingsten für unsere Gemeinde und für mein persönliches Christenleben?

Der Heilige Geist war nicht erst im Neuen Testament tätig. Schon im Alten Testament wirkte Gottes Geist.

Er kam über Männer wie Mose, David, Simson oder die Propheten. Aber meistens geschah dies nur zeitweise und für besondere Aufgaben:

  • zum Regieren,
  • zum Weissagen,
  • zum Kampf,
  • oder zur Leitung des Volkes Gottes.

Doch der Geist blieb nicht dauerhaft auf allen Menschen. Bei König Saul wich der Geist sogar wieder.

Und am Ende des Alten Testaments geschieht etwas Auffälliges:
Die prophetische Stimme verstummt. Zwischen Maleachi und Johannes dem Täufer liegen etwa 400 Jahre des Schweigens. Selbst jüdische Geschichtsschreiber wie Josephus bezeugen, dass die prophetische Offenbarung aufgehört hatte.

Das Volk wartete. Aber Gott hatte durch Joel und Hesekiel verheißen: „Ich will meinen Geist ausgießen auf alles Fleisch.“ Pfingsten ist die Erfüllung dieser Verheißung.

Nicht mehr nur einzelne Propheten sollten Gottes Geist empfangen — sondern Gottes Gemeinde weltweit durch Jesus gegründet.

Dann befinden wir uns in Apostelgeschichte 2. Die 12 Apostel sind beieinander. Früher stritten sie oft darüber, wer der Größte sei. Jetzt beten sie gemeinsam auch mit anderen. Sie warten auf Gottes Verheißung. Und plötzlich geschieht es: Ein gewaltiges Brausen erfüllt das Haus. Feuerzungen erscheinen.

Wind und Feuer sind Zeichen der Gegenwart Gottes:

  • der Wind steht für Gottes Kraft,
  • das Feuer für seine heilige Gegenwart.

Doch das größte Wunder ist nicht das Geräusch oder das Feuer. Das größte Wunder ist: Der Heilige Geist erfüllt die Jünger. Die ängstlichen Männer werden mutige Zeugen Jesu Christi.

Petrus, der vorher aus Angst Jesus verleugnete, predigt nun öffentlich über Jesus den Erlöser vor Tausenden. Was hat sich verändert? Der Heilige Geist richtet ihren Blick weg von sich selbst — hin zu Christus und seinem Auftrag. Jesus hatte gesagt:

Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und werdet meine Zeugen sein.“(Apg. 1,8)

Das ist der eigentliche Sinn von Pfingsten:
Nicht ein besonderes persönliches Erlebnis zu suchen, sondern Kraft durch den Heiligen Geist zu empfangen, um Christus zu bezeugen.

Dann geschieht etwas Besonderes:
Die Apostel reden in anderen Sprachen. Lukas beschreibt hier keine unverständlichen Laute. Die Menschen aus vielen Ländern hörten die Botschaft Gottes in ihren eigenen Sprachen. Es war also kein bloßes Hörwunder, sondern echte, von Gott gegebene Fremdsprachen.

Warum tat Gott das? Weil mit Pfingsten die Weltmission beginnt. Denn Israel hatte als Zeuge darin versagt.

Bei Babel (Verwirrung) wurden die Sprachen zur Trennung der Menschen.
Zu Pfingsten gebraucht Gott die Sprachen zur Sammlung der Menschen unter Christus.

Die Botschaft des Evangeliums sollte nun alle Völker erreichen. Aber wichtig ist: Die Apostelgeschichte sagt nicht, dass jeder Christ später dieselbe Erfahrung machen müsse.

Lukas berichtet, was damals geschah — nicht unbedingt, was immer oder neu geschehen muss. Die Zungenrede erscheint in der Apostelgeschichte nur an wenigen besonderen Übergangspunkten als Bestätigung:

  • bei Juden,
  • bei Heiden,
  • und bei den Jüngern des Johannes.

Sie ist die Erfüllung und das Zeichen des Beginns des neuen Zeitalters des Heiligen Geistes.

Das eigentliche Dauerhafte ist nicht die besondere Sprache — sondern die Kraft des Geistes zum Dienst für Christus in der Weltmission.

Und nun sehen wir die eigentliche Frucht von Pfingsten. 3000 Menschen kommen zum Glauben. Aber es bleibt nicht bei einer Entscheidung oder einem Gefühlserlebnis. Apostelgeschichte 2,42 beschreibt die neue Gemeinde- Sie blieben:

  • in der Lehre der Apostel (die von Jesus)
  • in der (helfenden) Gemeinschaft,
  • im Brotbrechen, (so wie Jesus es mit seinen Aposteln zur Einsetzung gefeiert hatte)
  • und im Gebet – (den bekannten Gebeten!).

Das ist bis heute das Kennzeichen einer echten christlichen Gemeinde oder Kirche Jesu. Nicht Sensationen. Nicht ständige außergewöhnliche Zeichen.
Nicht Konferenzen oder tolle religiöse Sprecher oder Musik-Unterhaltung.

Sondern:

  • Gottes Wort – und seine Bedeutung für den Christen
  • helfende Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und für den Nächsten,
  • regelmäßiges Abendmahl / Eucharistie – nicht nur 3-4 x im Jahr
  • Gebete  – im Sinne von AT & NT
  • und ein Leben im Dienst für Christus.

Pfingsten bedeutet:
Christus baut seine Gemeinde durch den Heiligen Geist. Und derselbe Geist wirkt auch heute:

  • wenn Christus gepredigt wird, – nicht Erlebnisse – sein Werk und sein Wort
  • wenn Herzen verändert werden,
  • wenn Menschen Buße tun, – damals 3000
  • wenn Christen treu dienen,
  • wenn eine Gemeinde in Liebe zusammensteht.

Pfingsten heute

Liebe Geschwister, wir leben nicht mehr in der Zeit des Alten Testaments. – Aber wir leben auch nicht mehr in der einmaligen Anfangszeit der Apostel. Doch der Auftrag Jesu bleibt derselbe:

„Ihr werdet meine Zeugen sein.“

Wir brauchen heute keine neuen Apostel.
Wir brauchen keine künstlich erzeugten oder begeisterte Sensationen.

Aber wir brauchen dringend Gemeinden Jesu, die vom Heiligen Geist erfüllt sind:

  • mit seiner Liebe,
  • mit biblischer Wahrheit,
  • mit Gebet das verändert,
  • mit Mut zum Zeugnis für die Fernstehende,
  • und mit echter Hingabe an Christus.

Der Heilige Geist will auch heute uns Christen verändern:

von Angst zu Freimut,
von Selbstbezogenheit zu Dienstbereitschaft,
von geistlicher Müdigkeit zu lebendigem Glauben.

Darum bitten wir zu Pfingsten: „Herr, erfülle mich und die Gemeinde neu mit deiner Liebe und mit Kraft zum Zeugnis von Jesus und seinem Heil.“

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Aktuelles Bild: Group of men, women, and children with raised hands praying in a stone room

Liebe Christus-Gemeinde nah und fern,

der Sonntag Exaudi liegt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus Christus ist in den Himmel aufgefahren. Die Jünger warten auf die Verheißung des Heiligen Geistes. Es ist eine Zeit des Wartens, des Betens und der inneren Ausrichtung auf Christus.

Auch wir leben in einer solchen Zwischenzeit. Unser Herr ist zur Rechten des Vaters erhöht. Er wird wiederkommen. Und bis dahin lebt die Gemeinde in dieser Welt – mit beiden Füßen auf der Erde, aber mit dem Herzen im Himmel.

Petrus beschreibt in 1. Petrus 4,7–11 vier Prioritäten, die eine Gemeinde kennzeichnen sollen, die auf ihren Herrn wartet.

Petrus beginnt mit den Worten: „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet.“

Die Wiederkunft Jesu ist keine Theorie, sondern für uns eine lebendige Hoffnung. Und diese Hoffnung führt uns nicht zu Panik oder Spekulationen, sondern zu besonnenem und überlegenden Gebet.

Wer von uns weiß, dass Christus wiederkommt, lernt die wichtigen Dinge richtig einzuordnen. Nicht jede Sorge ist entscheidend. Nicht jede Nachricht muss uns erschüttern. Nicht jede Schwierigkeit darf unser Herz bestimmen. Erst recht nicht dauernd unser Smartphon mit unwichtigen Nachrichten.

Stattdessen ruft Gott uns ins Gebet. Gebet, wie letzten Sonntag betont wurde, ist die geistliche Lebensader der Gemeinde. Wo nicht mehr gebetet, nicht geistlich geatmet wird, vertrocknet das geistliche Leben.

Anwendung: Nimmst du dir täglich bewusst Zeit zum Gebet und Lesen in der Bibel? Beginne jeden den Tag mit der Frage: „Herr Jesus, was ist heute in Deinen Augen wirklich wichtig?“ Nur eine betende Gemeinde ist eine starke Gemeinde.

Petrus fährt fort: „Vor allen Dingen habt untereinander anhaltende Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge.“ „Vor allen Dingen“ – das heißt für uns: Liebe hat oberste Priorität. Gemeint ist nicht eine wechselhafte Gefühlsregung, sondern die göttliche Liebe, die sich entscheidet, dem Nächsten Gutes zu tun.

Diese Liebe wird besonders dann relevant und gefordert, wenn wir verletzt worden sind. Liebe deckt auch eine Menge von Sünden. Das bedeutet nicht, Sünde zu entschuldigen. Es bedeutet, bereit zu sein, sie beim Nächsten zu vergeben und nicht jede Verletzung festzuhalten, damit abschließen. Nicht mehr daran denken, nicht mehr davon erzählen. – Wo uns Liebe fehlt, entstehen Misstrauen, Kränkungen und Streit. Wo Liebe regiert, kann Heilung untereinander in der Gemeinde wachsen.

Frage dich deshalb: „Gibt es jemanden in der Gemeinde, dem ich vergeben sollte?“ Denn Vergebung ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen geistlicher Reife. Es ist die Aufgabe der von Jesus eingesetzten Aposteln und Berufenen, die Vergebung zu verkünden und zuzusprechen.

Petrus schreibt: „Seid gastfrei untereinander ohne Murren.“

Gastfreundschaft ist gelebte Liebe. Im ersten Jahrhundert öffneten Christen ihre Häuser für umherziehende Reisende, Missionare, Gemeindeglieder und Nichtchristen. Heute bedeutet Gastfreundschaft: ein offenes Haus, ein offenes Ohr, ein offenes Herz. Das ist unsere Mission. – Viele Menschen leiden heute an Einsamkeit trotz Hektik, Trubel und Internet. Eine Einladung zum Kaffee oder Tee, ein gemeinsames Essen oder ein Besuch kann ein großer geistlicher Dienst sein.

Petrus fügt hinzu: „ohne Murren“. Wahre Gastfreundschaft geschieht nicht widerwillig, sondern freudig.

Anwendung:

Überlege einmal: „Wen könnte ich in den nächsten Wochen bewusst einladen oder besuchen?“ Oft beginnt wirklich Seelsorge am Küchentisch oder an der Haustür.

Petrus schreibt: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“ Jeder Christ hat von Gott eine Gabe empfangen. Manche dienen durch Predigen, Lehren, Kinderstunde oder im Altenkreis. Andere durch Ermutigung, praktische Hilfe, Musik, Verwaltung, Besuche oder Gebet.

Keine vorhandene Gabe ist unwichtig. Entscheidend ist, dass wir unsere Gaben nicht zur Selbstdarstellung einsetzen, sondern zum Aufbau der gesamten Gemeinde.

Petrus sagt: „Wenn jemand dient, so tue er es aus der Kraft, die Gott darreicht.“ Wir dienen nicht aus eigener Stärke, sondern in Abhängigkeit von Gott.

Frage dich: „Welche Gabe hat Gott mir gegeben, und wo kann ich sie konkret einsetzen?“

Denn Gott beruft keinen Christen zur Untätigkeit. Er hat Talente verteilt, die wir nicht vergraben, sondern bis zu seinem zweiten Kommen beständig gebrauchen sollen.

Das Ziel dabei: Gott wird verherrlicht

Petrus fasst alles zusammen: „Damit in allen Dingen Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus.“

Das Ziel unseres Betens, Liebens, Einladens und Dienens ist nicht unser persönliches Ansehen und Gutfühlen, sondern allein Gottes Ehre. Eine Gemeinde, die so lebt, wird zu einem lebendigen Zeugnis für Christus. Menschen sollen nicht sagen: „Was für bemerkenswerte Christen!“ Welch tolle Internet Stars, Influencer, sondern:

„Was ist das für ein großer und herrlicher Gott! – der hinter allem steht.

Täglich in die Gegenwart Christi treten

Liebe Geschwister, wir warten nicht auf ein ungewisses Ereignis. Wir warten auf eine Person: unseren auferstandenen und erhöhten Herrn Jesus Christus. Er hat uns versprochen: „Ich will euch zu mir ziehen.“

Darum leben wir als wartende Gemeinde:

  • mit nüchternem Gebet,
  • mit herzlicher Liebe,
  • mit gelebter Gastfreundschaft,
  • mit treuem Dienst.

Deshalb plane täglich bewusst in die Gegenwart Jesu zu treten: Bringe Ihm deine Sorgen und deine Freuden. – Empfangen Seine Liebe. – Lass dich vom Heiligen Geist erfüllen. – Und diene Ihm mit Freude, bis der Tag kommt, an dem er dich zu Ihm in den Himmel zieht.

Dann wird die wartende Gemeinde zur vollendeten Gemeinde. – Dann werden wir unseren Herrn sehen, wie er ist und für immer bei ihm sein.

Ihm sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Palmsonntag – Heute die Frage nach dem echten rettenden Glauben
Evangelium: Johannes 12,12–26


Liebe Zuhörer und Leser nah und fern,

Palmsonntag ist ein Tag großer Begeisterung. Menschen rufen „Hosianna!“, sie legen Palmzweige nieder, sie ehren Jesus als König. Und doch zeigt uns gerade dieses Kapitel im Johannesevangelium: Nicht jede Begeisterung ist echter Glaube. Nicht jeder, der „Jesus sehen“ will, erkennt ihn wirklich.

Johannes führt uns drei Gruppen vor Augen – drei Arten von Glauben. Und wir stellen uns eine entscheidende Frage: Welcher Glaube rettet wirklich? Welcher rettet mich?

Da ist zunächst die Menge um Lazarus; DEN Jesus vom Tode auferweckt hatte. Viele waren dabei, als Jesus ihn aus dem Grab rief. Andere hatten davon gehört. Dieses Wunder verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Die Folge? Menschen strömen herbei. Sie wollen Jesus sehen – aber warum?
Weil sie den Wundertäter sehen wollen. Den, der Tote auferweckt. Den, der spektakulär ist.

Doch hier liegt die Gefahr auch für uns:
Ein Glaube, der nur auf Wunder schaut, bleibt an der Oberfläche. Er fragt: Was kann Jesus für mich tun? – aber nicht: Wer ist Jesus wirklich und auch für mich?

Die Pharisäer erkennen das sogar ironisch: „Die ganze Welt läuft ihm nach.“ Aber es ist ein Nachlaufen ohne echte Christus-Kenntnis. Beobachten wir heute z.B. die spektakulären Youtube Zusammenstellungen über die politische / prophetische Endzeit oder auch Aufrufe zu Heilungsveranstaltungen ohne wirkliche Orts-Gemeinde Beteiligung der anerkannten Hirten und Pastoren?

Anwendung
Auch heute kann man sich für Jesus begeistern – durch besondere Erlebnisse, Gebetserhörungen, äußere Segnungen und Worship Veranstaltungen. Doch wenn der Glaube nur an das Wunder, Vision oder tolle Musik gebunden ist, bricht er bald zusammen, wenn das Wunder und die nächste Konferenz ausbleiben.

Dann sehen wir die Jünger. Sie sind Jesus nahe. Sie folgen ihm täglich. Und doch sagt Johannes: Sie verstanden es zuerst nicht.

Erst nach der Verherrlichung Jesu – nach Kreuz und Auferstehung – erkennen sie, was wirklich geschehen ist. Das ist erstaunlich:
Sie hören oft die Worte Jesu, sie sehen seine sogar seine Taten – und dennoch fehlt ihnen das Verständnis über seine Person, weil sie die Schrift nicht wirklich kennen noch innerlich durchdrungen haben.

Ihr Glaube ist nur begrenzt echt – verkürzt, aber noch unvollständig.
Er ist geprägt von Erwartungen eines irdischen Messias, nicht von dem leidenden Gottesknecht, den die Propheten als König angekündigt haben.

Anwendung

Auch wir können Jesus irgendwie kennen – regelmäßig Gottesdienste besuchen, Bibel hören oder lesen – und doch innerlich an einem verkürzten Bild von meinem Jesus, wie ich ihn sehe, festhalten.

  •  Echter Glaube wächst dort, wo wir Christus im Licht der ganzen Schrift, AT und NT erkennen: als den gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Jesus wählt an diesem Palmsonntag bewusst kein weißes Kriegsross eines Herrschers, sondern das Lasttier eines Esels, der den Lastenweg Jesu verdeutlicht.

Dann treten plötzlich die Griechen als Pilger in den Vorpassah-Tagen auf. Es sind Nichtjuden. Suchende. Menschen von außen, Menschen der Welt.

Sie kommen zu Philippus und sagen:
„Wir wollen Jesus sehen.“

Das ist mehr als Neugier. Im Johannesevangelium bedeutet „sehen“: Jesus erkennen, glauben, vertrauen.

Diese Griechen stehen für die ganze damalige Welt. Hier öffnet sich der Blick:
Jesus ist nicht nur für Israel gekommen – sondern für alle Völker, alle Ethnien und Kulturen.

Und genau hier spricht Jesus vom Kern seines Weges, Grund seines Kommens:
Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, damit es Frucht bringt.

Und noch mehr:
Wer ihm folgen will, muss diesen Weg teilen. „Wer sein Leben liebt, wird es verlieren; wer es aber verliert um meinetwillen, wird es bewahren.“

Anwendung
Der suchende Glaube der Griechen führt zur entscheidenden Erkenntnis:
Jesus wirklichen sehen wollen, wie und wer er ist, Ihn erkennen wollen heißt, ihm mit seinem ganzen Leben nachfolgen – im Vertrauen, in Hingabe, im Sterben und Opfern des alten egoistischen Lebens.

Unsere Entscheidung am Palmsonntag

Liebe Geschwister, unser Palmsonntag stellt uns vor eine klare Wahl:

  • Wollen wir Jesus nur wegen seiner Wunder? – Ein Lazarus-Glaube?
  • Folgen wir ihm mit einem unklaren, verkürzten Verständnis? – ein verkürzter Jünger-Glaube
  • Oder suchen wir ihn wirklich – als den gekreuzigten und auferstandenen Retter? – Jesus so sehen, wie ihn die gesamte Welt sehen soll?

Die Menge von damals rief „Hosianna!“ – und wenige Tage später „Kreuzige ihn!“
Warum? Weil ihr Glaube nicht tief genug, nicht echt war.

+ Ein echter rettender Glaube erkennt:
Jesus ist der König – aber ein sich opfernder König am Kreuz. Ein Retter, der sein Leben gibt. Und ein Herr, dem wir unser Leben anvertrauen.

Ein Weckruf

Heute, am Palmsonntag, ruft Christus auch uns zu:

„Willst du mich wirklich sehen?“
Nicht nur als Helfer – sondern als Herrn.
Nicht nur als Wundertäter – sondern als Erlöser.

Entscheide Dich für diesen Glauben:
Einen Glauben, der tiefer geht als Begeisterung.
Einen Glauben, der auf dem Kreuz gegründet ist.
Einen Glauben, der Jesus folgt
– ganz.

Aufruf
Wer Jesus wirklich sieht, glaubt echt. Wer wirklich echt glaubt, folgt ihm nach.
Und wer ihm wirklich nachfolgt, wird Frucht bringen – bleibende Frucht für Zeit und Ewigkeit. Amen.

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext (Matthäus 2,19–23) erzählt uns kein romantisches Weihnachtsidyll, sondern eine gefährliche Kindheits-geschichte.

Jesus wird als der verheißene König bekannt: Aus der Linie Abrahams und Davids kommend; angekündigt durch Engel; verehrt von Weisen; von einigen erkannt als der Gesalbte Gottes. Und doch: Dieser König beginnt sein Leben nicht im Palast, sondern unter großer Bedrohung.

Nach Herodes’ Tod könnte man meinen: „Jetzt wird alles gut.“ Aber so einfach ist es nicht. Herodes’ Reich wurde unter drei seiner Söhne aufgeteilt. Besonders Archelaus, der über Judäa, Samaria und Idumäa herrschte, er war berüchtigt für Brutalität und Tyrannei. Viele Menschen litten darunter – Aber Gott nimmt diese politische Wirklichkeit sehr ernst. Auch Joseph spürt Gefahr, als sie nach zwei Jahren Aufenthalt aus Ägypten zurückkamen, und Gott bestätigt diese durch eine Warnung im Traum: „Geh nicht nach Judäa.“ Joseph gehorcht. Seine Familie kehrt nicht in die Nähe Bethlehems oder Jerusalems zurück, sondern zieht weiter nach Norden, nach Galiläa, nach Nazareth.

Das ist auch für uns wichtig: Gottes Führung bedeutet nicht, dass es keine Gefahren mehr gibt. Aber sie bedeutet: Gott ist nicht überrascht. Er darum und führt uns Schritt für Schritt. – Jesus liegt hier nicht zufällig in dieser Geschichte, sondern gsnz bewusst „in Gottes Hand“: Bewahrt in Ägypten, bewahrt auf dem Weg zurück, bewahrt vor dem falschen Herrscher, bewahrt ab jetzt in einem unscheinbaren Ort.

Und noch etwas: Gottes Hand führt Jesus nicht nur weg von Gefahr eines unberechbaren Herrschers, sondern auch hinein in einen neuen Weg der Demut. Nazareth war nicht „erste Adresse“. Es hatte einen zweifelhaften Ruf: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen?“ (Joh 1,46). Für viele war „Nazarener“ damals schon ein Spottwort. Matthäus sagt sogar: So sollte es sein – der Messias wird verachtet werden, wie es die Propheten beschreiben (z.B. Jes 53). Schon in der Kindheit zeigt sich: Der Retter kommt nicht im Glanz, sondern in Niedrigkeit. Und dennoch: Er ist sicher in Gottes Hand.


Wenn Jesus als Kind und Heranwachsender in Gottes Hand behütet wurde, dann ist das nicht nur ein Stück beruhigende Geschichte. Es ist auch ein Trost für uns persönlich. Denn wir erleben ja auch verschiedene Lebensabschnitte: Kindheit, Jugend, Familienjahre, Beruf, Krankheit, Alter, Umbrüche. Und in jedem Abschnitt fragt sich unser Herz: „Bin ich gehalten? Oder muss ich alles allein tragen?“ Liege ich in Gottes Hand?

Joseph ist in unserem Text ein stiller Zeuge des Glaubens. Er bekommt nicht den ganzen Plan erklärt. Er bekommt jeweils den nächsten Schritt gesagt: „Steh auf … nimm das Kind und seine Mutter … geh …“ Und er geht. So sieht Vertrauen oft aus:

Wir müssen nicht alles wissen, aber wir sollen gehorchen. Wir müssen nicht alles kontrollieren, aber wir sollen uns führen lassen.

„In Gottes Hand“ heißt nicht: Wir werden nie Angst spüren.

Joseph hatte Angst. „In Gottes Hand“ heißt doch: Ich bringe meine Angst zu Gott und handle im Gehorsam. „In Gottes Hand“ heißt auch nicht: Es wird immer bequem.

Nazareth war nicht der Ort der Ehre. Aber es war der Ort, an dem Gott Jesus aufwachsen ließ.

Vielleicht beginnt das neue Jahr 2026 für manche von uns mit großer Unsicherheit: gesundheitlich, familiär, finanziell, gemeindlich, gesellschaftlich. Dann ist diese Botschaft schlicht und wirksam für dich: Du musst nicht zuerst stark werden, um in Gottes Hand zu sein. Du darfst zuerst hingehen – und dich in Seiner Hand halten lassen.

Darum ist christlicher Glaube nicht nur ein Satz im Kopf, sondern eine Haltung des Herzens: „Herr, hier bin ich. Ich vertraue dir meinen Weg an. Leite du meine Schritte.“ Manchmal ist das Gebet nicht lang. Es ist einfach: Nur einfach diese Worte:

„Vater, halte mich. Halte mich fest in deiner Hand.

Nazareth war ein Ort, über den man die Nase rümpfte. Ein Randgebiet. Ein Ort, der nicht „fromm“ wirkte. Und gerade dort wächst Jesus heran. Dort lernt er das Leben einfacher Menschen kennen. Dort sieht er Kranke, Schwache, Sünder – und lernt Mitgefühl. Lukas sagt von dort: „Das Kind wuchs und wurde stark… und die Gnade Gottes war auf ihm“ (Lk 2,40). Seine spätere Nähe zu Ausgestoßenen (Mt 9,10–13) fällt nicht vom Himmel wie ein plötzlicher Einfall. Gott prägt ihn in einem Umfeld, das menschlich gesehen „nicht ideal“ war. – Und das tut er mit jedem, in Seiner Hand. Nicht das Umfeld wird dich prägen, sondern Gottes Hand.

Hier hilft eine kleine Klarstellung: Matthäus schreibt: „Er wird Nazarener genannt werden.“ Das ist nicht dasselbe wie ein „Nazoräer“-Gelübde (Num 6), bei dem jemand sich für eine Zeit besonders Gott weiht. „Nazarener“ meint zuerst: „aus Nazareth“. Und genau dieses Wort wurde später zum Spott. In Apostelgeschichte 24,5 nennt man die ersten Christen verächtlich die „Sekte der Nazarener“. Gott nimmt das Schimpfwort – und macht daraus ein Ehrenzeichen: Der verachtete Jesus ist der Retter. Und die verachteten Christen gehören zu ihm.

Das ist unsere Hoffnung: Auch unsere „Nazareth-Orte“ können Orte des Wachstums werden. Vielleicht ist dein Ort schwierig: Eine komplizierte Familie, ein belastender Arbeitsplatz, deine Einsamkeit, ein Dorf mit viel Gerede, eine alte Vergangenheit, die dich beschämt. Dann flüstert die Versuchung in dir: „Aus mir wird nichts Gutes.“ Aber Gott sagt: „In meiner Hand kann Gutes wachsen – gerade dort.“ Nicht weil der Ort gut ist, sondern weil Gott gut ist.

Ermutigung zum Beginn des neuen Jahres

Liebe Geschwister, am Anfang dieses Jahres wollen wir nicht groß reden, sondern schlicht glauben: Der gleiche Gott, der Jesus in der Gefahr bewahrt hat, hält auch uns. Er führt oft still, Schritt für Schritt. Er gebraucht auch unscheinbare Orte um im Glauben zu wachsen. Und er verwandelt sogar vergangene Verachtung in ein anziehendes Zeugnis.

Darum:

Legen wir unser Leben neu in Gottes Hand – unsere Kinder, unsere Jugend, unsere Familien, unsere Entscheidungen, unsere Sorgen.

Und wenn wir heute an einem „Nazareth-Ort“ stehen und fragen: „Was kann da schon Gutes herkommen?“ – dann antwortet das Evangelium:

Aus Nazareth kam Jesus.

Und an jedem Ort in Gottes Hand kommt Segen. Amen.


Das Tagesgebet des 3. Advent erinnert uns daran: Gott kommt nicht zufällig in die Welt – er kommt mit Absicht, mit Verheißung und mit Vorbereitung. „Bei deiner ersten Ankunft hast du deinen Boten gesandt, deinen Weg zu bereiten.“ Advent heißt: Wir schauen zurück auf die erste Ankunft Christi – und zugleich nach vorn auf sein zukünftiges Kommen.

Darum stellt die Schrift uns Johannes den Täufer so deutlich vor Augen. Er ist nicht nur eine interessante Gestalt am Rand der Weihnachtsgeschichte, sondern Gottes Weckruf vor Gottes Kommen. Die Verheißung Maleachis klingt mit: „Siehe, ich sende meinen Boten … der deinen Weg bereiten soll.“ Johannes ist nicht „ein Rohr, das der Wind bewegt“. Er ist kein religiöser Entertainer, kein politischer Taktierer, kein „Fähnchen im Wind“. Sein Auftrag kommt „vom Himmel und nicht durch Menschen“.

Und gerade das ist für den Advent wichtig: Wenn Gott kommt, dann ruft er uns aus der Bequemlichkeit heraus. Johannes’ Leben passt zur Botschaft: Wüste, Bußgewand, Einfachheit – nicht weil äußere Strenge uns rettet, sondern weil sein ganzes Dasein sagt: „Es geht nicht um mich. Es geht um den Herrn.“ So wirkt Gott: Er stellt uns einen Zeugen hin, der von sich wegzeigt – damit wir auf Christus sehen.

Das ist auch ein Trost: Wir müssen den Weg zu Gott nicht „erfinden“. Gott bereitet ihn selbst. Er sendet den Boten. Er spricht. Er ruft. Und er ruft nicht, um uns klein zu machen, sondern um uns bereit zu machen für das größte Geschenk: den kommenden König.

2. Den Weg für Ihn zu bereiten bedeutet: unsere Herzen auf IHN hinzuwenden – unser Leben zu reinigen.

Das Tagesgebet bittet: Die Diener Gottes sollen Christi Weg bereiten, „indem sie die Herzen der Ungehorsamen zur Weisheit der Gerechten hinwenden“. Das ist Advent in einem Satz: Herzenswende. Nicht Kosmetik, sondern Umkehr. Nicht ein bisschen religiöser Glanz, sondern ein neuer Kurs.

Johannes predigt Buße – und Buße ist nicht Stimmung, sondern Neuaus-richtung. Umkehr von bösen Wegen, Taten, Worten, Gedanken. Johannes ruft alle Schichten: Fromme und Fernstehende, Zolleinnehmer und Soldaten. Er sagt nicht: „Bleibt, wie ihr seid, Gott wird’s schon richten.“ Er sagt: „Bereitet dem Herrn den Weg!“ – das heißt: räumt weg, was bei euch den Weg versperrt.

Hier trifft Johannes besonders unsere religiöse Selbstsicherheit. Damals sagte man: „Wir haben Abraham zum Vater.“ Heute sagen wir leicht: „Ich bin getauft. Ich gehöre zur Kirche. Ich bin christlich sozialisiert.“ Das ist alles wertvoll – aber das Tagesgebet und Johannes drücken uns auf den Punkt: Gott will nicht nur äußere Zugehörigkeit, sondern ein hingewendetes Herz. „Die Beschneidung des Herzens“ – so nennt es Paulus. Der Herr sucht kein äußeres Etikett, sondern Wahrheit im Inneren.

Darum ist der Advent auch eine Bußzeit – nicht freudlose Dunkelheit, sondern heilsame Klarheit. Wenn wir ehrlich werden, merken wir: Wie schnell tragen wir „schmutzige Kleider“ – Neid, Ärger, harte Worte, Unbarmherzigkeit, üble Gedanken, heimliches Richten über andere. Und dann klingt das Wort aus 1. Johannes 3 wie ein Lichtstrahl: Wer diese Hoffnung hat, reinigt sich, wie Christus rein ist. Nicht um sich selbst zu erlösen – sondern weil wir dem König begegnen wollen.

Das ist sehr praktisch: Willst du in dieser Adventszeit einen Schritt tun? Nicht nur „Kirche“ darstellen, sondern mehr Christus sein? Ein Gespräch klären. Ein bitteres Urteil lassen. Gott um Vergebung bitten. Einen Menschen segnen, statt schlecht über ihn zu reden. Das sind keine Nebensachen. Das ist Wegbereitung.

Das Tagesgebet endet mit dem Ziel: „dass wir bei deiner zweiten Ankunft … als ein annehmbares Volk gefunden werden.“ Johannes predigt also nicht Moral, sondern Erwartung. Der Advent schaut nach vorn: Christus kommt wieder, um die Welt zu richten – und gerade darum ist heute der Tag der Gnade.

Wie werden wir „annehmbar“? Nicht durch religiöse Leistung, sondern dadurch, dass wir den Kommenden selbst empfangen. Johannes zeigt nicht auf sich, sondern sagt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“ Der Kern ist: Christus trägt Schuld. Christus schenkt Vergebung. Christus rettet aus der Macht der Sünde und des Bösen. Wer ihn empfängt, wird wirklich Kind Abrahams – nicht äußerlich, sondern im Glauben wie Abraham.

Und Johannes sagt noch mehr: „Ich taufe mit Wasser – er aber wird mit Heiligem Geist und Feuer taufen.“ Das heißt: Christus will nicht nur vergeben, er will erneuern. Er will Herzen entzünden, Gewohnheiten verwandeln, Glauben stärken, Liebe wachsen lassen. Advent ist deshalb nicht nur Rückblick und nicht nur Warnruf, sondern Hoffnung auf echte Veränderung – jetzt schon, bevor wir ihn einst „sehen, wie er ist“.

Für die Gemeinde heißt das: Lasst uns Christus nicht nur „denken“, sondern aufnehmen. Gib ihm dein Herz als Krippe. Lass ihn wohnen, regieren, heilen. Und lass deine Stimme – wie Johannes’ Stimme – andere nicht an dich binden, sondern zu Christus hinführen.

Ermutigender Abschluss:
Liebe Christen, der 3. Advent ist kein drohender Zeigefinger, sondern eine offene Tür. Gott bereitet uns den Weg. Gott ruft zur Umkehr. Gott schenkt uns den Retter. Darum: Verliere nicht den Mut über das, was in dir noch unvollendet ist. Die Hoffnung ist nicht, dass du dich selbst perfektionierst – die Hoffnung ist, dass Christus kommt und dich reinigt. Geh heute einen Schritt ins Licht: bekenne, was dich bindet; nimm Vergebung an; bitte um den Heiligen Geist; und richte deinen Blick auf den Kommenden.

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( Sprüche 14,34; Jesaja 1,10–17; Römer 2,1–11)

Liebe Geschwister in Christus,

der Buß- und Bettag wir kaum noch beachtet. Er erinnert uns an etwas, das in unserer Zeit beinahe vergessen scheint – die Verantwortung des Menschen vor Gott. Es ist ein Tag der inneren Einkehr, an dem wir nicht zuerst auf die Fehler anderer, sondern auf das eigene Herz schauen sollen. Der Tagesspruch bringt dies auf den Punkt: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, der Völker Schmach ist die Sünde.“

Hier geht es nicht nur um Moral oder politische Ordnung. Es geht um den geistlichen Zustand einer ganzen Gesellschaft – und um das einzelne Herz, das vor Gott steht. Ein Volk wird nicht durch Reichtum, Technik oder Bildung groß, sondern durch Gerechtigkeit – durch Menschen, die das Rechte tun, weil sie Gott fürchten und lieben. Wo aber Sünde, Selbstsucht und Ungerechtigkeit überhandnehmen, da zerbricht die innere Kraft eines Volkes.

1. Gott sucht nicht äußere Formen, sondern ein reines Herz (Jesaja 1,10–17)

Der Prophet Jesaja richtet sein Wort an ein Volk, das Gott noch eifrig verehrt – Opfer, Gebete und Gottesdienste waren zahlreich. Doch Gott sagt: „Ich habe die Brandopfer eurer Widder satt … eure Feste hasse ich; sie sind mir eine Last.“

Warum diese harten Worte? Weil die äußere Frömmigkeit nicht mit dem inneren Leben übereinstimmte. Man ehrte Gott mit den Lippen, aber die Hände waren voll Blut, das Herz war kalt, das Leben ungerecht. Gott aber sagt: „Wascht euch, reinigt euch! Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten!“

Wahre Buße besteht also nicht nur im Bekenntnis der Schuld, sondern in einer Umkehr, die Frucht bringt. Wo ein Herz zerbrochen ist über die eigene Schuld, da öffnet sich Raum für Gnade.

2. Der Maßstab Gottes ist gerecht und ohne Ansehen der Person (Römer 2,1–11)

Der Apostel Paulus führt diesen Gedanken weiter: Wir alle neigen dazu, auf andere zu zeigen. Doch er sagt: „Darum bist du nicht zu entschuldigen, Mensch, der du richtest … denn worin du den andern richtest, verurteilst du dich selbst.“

Gott misst nicht nach menschlichen Maßstäben, sondern nach Wahrheit. Ob Jude oder Heide, religiös oder säkular – „Gott wird einem jeden vergelten nach seinen Werken“. Das ist keine Drohung, sondern eine ernste Erinnerung: Es gibt keinen Zufall in Gottes Gericht. Seine Gerechtigkeit ist vollkommen.

Aber mitten in dieser Strenge leuchtet das Evangelium auf: Gott will nicht verdammen, sondern zur Buße leiten. „Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr leitet?“ Das ist der Kern des heutigen Tages. Die Güte Gottes ist der Ruf zur Umkehr – nicht Strafe, sondern Gnade will uns verändern.

3. Das zerschlagene Herz – Quelle wahrer Freiheit

Das Tagesgebet fasst dies wunderbar zusammen:
„Schaffe in uns neue und zerschlagene Herzen, dass wir – unsere Sünden beklagend und unser Elend erkennend – vollkommene Verzeihung und Vergebung erlangen.“

Ein zerschlagenes Herz ist kein zerstörtes Herz. Es ist ein Herz, das aufhört, sich selbst zu rechtfertigen – und sich Gott anvertraut. In solcher Demut liegt die wahre Freiheit. Denn wer seine Schuld bekennt, der muss sie nicht länger verstecken. Wer sich in die Hand des barmherzigen Gottes begibt, der wird von der Macht der Sünde befreit.

Buße ist also kein düsteres Ritual, sondern der Weg ins Licht. Sie führt uns von der Selbsttäuschung zur Wahrheit, von der Last zur Ruhe, von der Schuld zur Vergebung.


4. Anwendung: Buße als Anfang von Erneuerung

Wenn ein Volk durch Gerechtigkeit erhöht wird, dann beginnt diese Erneuerung nicht in der Politik, sondern in den Herzen. Es beginnt dort, wo Christen mit zerbrochenem Herzen beten: „Herr, erneuere mich, und erneuere unser Land.“

Die Geschichte zeigt: Erweckung und Erneuerung kommen immer dort, wo Menschen ihre Schuld bekennen und

Gott ernst nehmen. Nicht Empörung über die Welt, sondern Demut vor Gott verändert sie.

Darum ist der Buß- und Bettag ein Tag der Hoffnung. Denn Gott ist noch derselbe: Er verwirft niemanden, der reumütig zu ihm kommt. Sein Ziel ist nicht Verdammnis, sondern Heil.

Schlussgedanke

Gerechtigkeit erhöht ein Volk – aber diese Gerechtigkeit wächst nicht aus eigener Kraft, sondern aus dem Kreuz Christi. Dort hat Gott selbst unsere Schuld getragen.
Wer das erkennt, kann mit David beten:
„Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten“ (Psalm 51,19).

Möge dieser Tag uns lehren, Buße zu tun – nicht aus Furcht, sondern aus Vertrauen – und möge Gottes Gnade unser Herz erneuern, dass auch unser Volk durch seine Gerechtigkeit erhöht werde.

Amen.

Wochenspruch:
„Denn Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade.“ (1 Petr 5,5c)

Einleitung:

Vor vielen Jahren verabschiedeten sich zwei Politiker von der Bildfläche: Einer war ein Mitglied der CDU der andere der FDP:

Es war der fallschirmspringende Möllemann und der Fernsehmoderator Friedmann. Möllemann mit seinen erhofften 18% für seine FDP, stürzte sich am 5. Juli 2013 nach einer Immunitätsaufhebung in den Tod, als er aus dem Flugzeug sprang, ohne den Fallschirm zu öffnen.

Friedmann dagegen, dessen Show „Vorsicht Friedmann“, hieß, zog beim Auffliegen seiner Ungesetzlichkeiten die Konsequenzen anders. Er legte seine Messlatte genauso, aber hart an sich selbst, wie in seinen Talkshows bei anderen und trat von allen seinen öffentlichen Ämtern zurück. Wer von den beiden hatte nun aufrichtige Buße getan? Heute machen wir einen Rückblick auf zwei von Jesus erwähnte Personen, besonders steht ihr Charakter im Mittelpunkt.

Liebe christliche Gemeinde, lieber Leser,

in der Lesung des heutigen Evangelium begegnen uns zwei sehr unterschiedliche Menschen: Der Pharisäer und der Zöllner. Jesus stellt uns diese beiden als Beispiele für den rechten und den falschen Weg der Demut und Buße vor.

Der Pharisäer ist ein Mann, der von sich überzeugt ist, dass er gerecht vor Gott steht, während der Zöllner als ein Mann voller Schuldbewusstsein und Demut beschrieben wird.

Wir erinnern uns heute an ein Gleichnis, das uns hilft, den Blick auf das eigene Herz zu werfen und uns vor Selbstgerechtigkeit zu hüten. Wer sind wir in diesem Bild: der Pharisäer oder der Zöllner?

Jesus erzählt uns, dass der Pharisäer im Tempel steht und sich selbst in den höchsten Tönen lobt. „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Menschen: Räuber, Unrechtshandlanger, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.“ (Lk 18,11)

Der Pharisäer ist davon überzeugt, dass er durch sein Verhalten Gott gefallen wird. Er fastet zweimal die Woche und gibt den Zehnten von allem, was er verdient. Doch trotz dieser religiösen Disziplin und Hingabe erkennt er nicht, dass seine Haltung vor Gott nicht das ist, was er erwartet.

Dieser Pharisäer ist stolz auf sich selbst. Der Blick in den Tempel, der Blick zu Gott, ist für ihn ein Moment der Selbstverge-wisserung. Er fühlt sich besser als die anderen und vergleicht sich mit dem Zöllner, den er als weniger wertvoll ansieht. Er ist so beschäftigt damit, sich selbst zu bestätigen, dass er nicht bemerkt, wie er sich von Gott entfernt hat.

In unserem Leben gibt es vielleicht auch Menschen, die aus ähnlichen Motiven heraus ihr Leben gestalten. Sie sind in der Gemeinde aktiv, sie tun „gute Werke“, sie leben nach den Geboten Gottes. Doch im Inneren sind sie stolz und vergessen, dass wahre Gerechtigkeit vor Gott nicht aus äußeren Taten kommt, sondern aus einem demütigen Herzen, das erkennt, dass es auf Gottes Gnade angewiesen ist.

Im Gegensatz zum Pharisäer steht der Zöllner ganz hinten. „Er aber stand fern und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Bru und sagte: Gott, sei mir Sünder gnädig.“ (Lk 18,13) Der Zöllner steht nicht im Vordergrund und prahlt nicht mit sich und seinen Taten. Er weiß, dass er vor Gott schuldig ist und bittet ihn um Gnade. In seiner Haltung erkennen wir wahre Buße und Demut.

Der Zöllner ist sich seiner Unwürdigkeit bewusst. Er zeigt keinen Stolz, keine Selbstgerechtigkeit, die ihn hindern würde, vor Gott zu treten und seine Sünden zu bekennen. In seinem Gebet geht es nicht um sein dickes Ich, nicht um tolle Taten oder Vergleiche mit anderen, sondern um die tiefe Erkenntnis, dass er allein auf Gottes Gnade  und Hilfe angewiesen ist. Diese Demuts-Haltung ist der wahre Weg der Buße zu Gott.

Was können wir aus diesem Gleichnis lernen? Wir sind alle wie der Zöllner. Wir sind in unserem Leben immer wieder schuldig geworden vor Gott und den Mitmenschebn, ob in Gedanken, Worten oder Taten. Wie oft neigen wir dazu, uns mit anderen zu vergleichen und uns besser zu darzustellen als diejenigen, die uns in irgendeiner Weise als „schlechter“ erscheinen? Aber das führt uns von der Wahrheit über uns und zu Gott weg. Der Zöllner zeigt uns den richtigen Weg: Er erkennt seine Fehler und bittet um Gnade.

Die wahre Buße zeigt sich nicht in Worten allein, sondern in einer ersten und beständigen Haltung der Demut. Es geht nicht darum, wie gut wir uns an religiöse Regeln halten oder wie oft wir in der Kirchengemeinde sind. Es geht darum, dass wir uns unserer Unwürdigkeit bewusst sind und vor Gott kommen, ohne dabei auf unsere Taten zu vertrauen. Der Zöllner schlägt sich an die Brust und spricht: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Die äußere Haltung stimmt mit seiner inneren überein. In dieser einfachen, aber echten Bitte steckt die ganze Wahrheit über unser wirkliches Verhältnis zu Gott.

a) Buße und Gnade – der Weg zur Rechtfertigung durch Gott
Jesus schließt das Gleichnis mit den Worten: „Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, der Pharisäer aber nicht.“ (Lk 18,14)

Der Zöllner wird gerechtfertigt, weil er in einer Haltung der Demut und Buße (Umkehr) zu Gott kommt. Der Pharisäer hingegen geht leer aus, weil er sich selbst für gerecht hält und keine Gnade von Gott erbittet.

Auch wir sind allein auf Gottes Gnade angewiesen. Wir dürfen unsere leeren Hände ausstrecken, um sie von Gott füllen zu lassen. Wir können uns selbst nicht rechtfertigen, vor Gott als gut hinstellen. Und je mehr wir uns in unserem Stolz auf unsere eigenen guten Werke verlassen, die wir nicht für Gott, sondern zu unserer eigenen Ehre tun, desto weiter entfernen wir uns von Gottes Gnade und Erlösung.

Doch wer sich in Demut vor Gott beugt, erniedrigt, der empfängt die Gnade, die uns in Jesus Christus angeboten wird. Denn nur durch das Opfer Jesu am Kreuz, für unsere Verfehlungen, können wir durch ihn vor Gott gerechtfertigt werden. Nur durch unser Vertrauen auf Jesus Sühnopfer am Kreuz werden wir vor Gott als gerechtfertigt angesehen und werden angenommen.

b) Anwendung auf unser Leben
Wenn wir heute auf unser eigenes Leben schauen, erkennen wir, wie oft auch wir in der Gefahr stehen, uns selbstgerecht zu fühlen und darzustellen. Aber gerade in dieser falschen Haltung sind wir weit entfernt von Gott. Der Weg zur Gnade Gottes führt nur über die innere Haltung der Demut und Buße. – Erst ein zerschlagenes und demütiges Herz wird Gott nicht verachten.

Lasst uns daher wie der Zöllner kommen und Gott um Gnade, seine Hilfe, bitten. Lasst uns mit einem zerbrochenen Herzen zu ihm kommen und sagen: „Gott, sei auch mir Sünder gnädig.“

Ein Schlussgedanke
Erinnern wir uns noch an den FDP Politiker Möllemann, der von seiner eigenen Überlegenheit überzeugt war, stürzte 2013 sich tragisch in den Tod, ohne den Fallschirm zu öffnen, und ohne seine politischen Fehler einzugestehen. Jedoch der Fernsehmoderator Friedmann mit seiner Show: „Vorsicht Friedmann“ hingegen zeigte Einsicht. Er trat zurück und bekannte seine persönlichen Mängel. –

Auch in unserem Leben gibt es immer wieder Momente, in denen wir an unserem Stolz und unserer Selbstgerechtigkeit arbeiten müssen. Aber nur, wenn wir unsere Unwürdigkeit erkennen und Gottes Gnade annehmen, finden wir echten Frieden und echte Rechtfertigung. – Hast du Frieden mit Gott? Möge dir die Haltung des Zöllners ein Vorbild sein: Es ist die Demut vor Gott, das Eingeständnis unserer Fehler und das Vertrauen allein auf Gottes Gnade allein. Nur so können wir in Gottes Gnade stehen und ihm die Ehre geben. Amen.

Übersetzt und ergänzt: Aus „The Book of the Mysteries“, Jonathan Cahn.

Detail aus dem Isenheimer Altar von M. Grünewald (1506-1551


Das Lamm und das Geheimnis

des 10. – und 14. Nisan – vom Palmsonntag bis Gründonnerstag

Der Lehrer brachte mich zurück zur Kammer der Schriftrollen, näherte sich der Bundeslade, nahm die Schriftrolle heraus, deckte den Tisch, entrollte sie bis zu der Stelle, nach der er suchte, und begann dann, sie laut zu übersetzen.

Exodus 12, 3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. 4 Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. 5 Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr’s nehmen 6 und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. 7 Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, in denen sie’s essen, 8 und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen“.

Am zehnten Tag dieses Monats soll sich jeder ein Lamm nehmen … ein Lamm für ein Haus, ein Lamm für jede Familie. Dies ist einer der wichtigsten biblischen Feiertage“, sagte er, „und doch haben die meisten Menschen noch nie davon gehört.“

„Welcher heiliger Tag?“

„Der 10. Tag des hebräischen Monats Nisan (April). Das Passah fiel auf den 15. Tag des Nisan. Aber der 10. Nisan war der Tag, an dem das Lamm ausgewählt und in das Haus einer Familie gebracht wurde, die es am Passah opfern und essen sollte.“

Er hob den Blick von der Schriftrolle und drehte sich zu mir um.

„Der 10 Nisan ist also der Tag des Lammes“, sagte er, „der Tag seiner Erwählung, um dann genommen und mit der Familie identifiziert zu werden, für das es dann 4 Tage später geopfert werden würde. Kennst du den Palmsonntag?“ fragt er? (Text klicken, um zu lesen: Matthäus 21,1-11)

„Natürlich. Es ist der Tag, an dem der Messias auf einem Esel durch die Straßen Jerusalems geführt und vom Volk mit Jubel und Palmzweigen begrüßt wurde.“

„Ja, aber es ist auch ein Tag voller Geheimnisse. –  Wenn der Messias dies Passahlamm ist, dann muss er auch mit dem 10. des Monats Nisan verbunden sein.“

„Das Geheimnis ist also …“ „Was wir heute Palmsonntag nennen, ist in Wirklichkeit der 10. Nisan, der Tag des Lammes. Damals, als die Menschen in Jerusalem die Pessach-Lämmer zu ihren Häusern und Familien führten, wurde der Messias vom Ölberg durch die Stadttore nach Jerusalem geführt. Das Hineinbringen des Messias in die Stadt mit Palmen und Hosianna war tatsächlich die Erfüllung dessen, was seit alters her geboten war, das Einbringen des Lammes. Genauso wie an dem Tag, an dem das Pessach-Lamm in das Haus gebracht wurde, brachte Gott Christus, das Lamm Gottes, in das Haus Gottes nach Jerusalem, dem Tempel, dem Ort seiner Wohnung. Und so wie die Lämmer des 10. Nisan dann am Pessach von denen geopfert werden musste, die dort in jedem Haus wohnten, so musste auch das Lamm Gottes damals am Passah von all denen geopfert werden, die in Jerusalem wohnten. Jesus, das Lamm Gottes, musste zum Haus Gottes kommen, damit die Segnungen der Erlösung kommen könnten.

Auf die gleiche Weise, wenn du Segen Gottes erfahren möchtest, musst du das Lamm zu dir nach Hause bringen. Du musst Ihn an den Ort bringen, wo du dein Leben lebst … in jedes Zimmer, jeden Schrank, jede Ecke und Spalt deines Lebens. Der Segen beginnt dann, wenn das Lamm (Gottes als Erlöser zu dir) nach Hause kommt.“

Die Botschaft: Bringe das Lamm Gottes zu dir nach Hause an den Ort, an dem du dein Leben wirklich lebst, und lasse Ihn in jeden Raum, jeden dunklen Raum, Schrank und jede Spalte deines Lebens kommen. – Gib mir dein Herz, um darin zu wohnen.

Danach wieder zu diesem Text / Predigt schriftlich zurückkehren.

Evangeliumslesung nach Matthäus 24,15-22 (klicken zum Bibeltext)

Jesus beschreibt zuvor allgemeine Zeichen der Endzeit, moralisch und kriegerisch und weltweit. Aber doch auch, dass das Evangelium bis zum Ende der Welt verkündigt werden wird. Dann erst wird das Ende der Welt kommen.

In den nächsten acht Versen nimmt Jesus konkret Bezug auf prophetische Stellen. Der Gräuel oder Schrecken, der Verwüstung anrichtet, beim Prophet Daniel, und die große Bedrängnis, die vom Anbeginn der Welt bis heute beispiellos ist, sind zwei dieser verständlichen Hinweise.

 Ein spezifisches Zeichen des Endes wäre der „Gräuel, ein „abscheuliches Ding“, das Verwüstung bringt, Zerstörung und Entvölkerung.  Es macht wüst und leer! Jesus übernahm diesen Ausdruck aus Daniel Kap. 8,13; 9,27; 11,31; 12,11. Dieser verwendete es, um einen besonderen Wendepunkt in der Endzeit festzumachen. Konkret handelte es sich bei diesem „Gräuel“ um eine Art verunreinigendes, zerstörerisches Ereignis im Tempel, das die täglichen Opfer beenden würde. Jesus macht deutlich, wo dies geschehen soll: Es wird an heiliger Stätte stehen. Das wäre der zweitheiligsten Raum im Tempel.

Das „Allerheiligste“, der innerste und heiligste Raum, enthielt zu Salomos Zeiten noch die ursprüngliche Bundeslade. Zur Zeit Jesu gab es diese nicht mehr, weil die Bundeslade Jahrhunderte bei der Wegführung nach Babylon verloren gegangen war. An der heiligen Stätte des damaligen Tempels, außerhalb des Allerheiligsten, also vor dem trennenden Vorhang, befanden sich der Räucheraltar, der Tisch mit den Schaubroten und zehn Leuchter im restaurierten Tempel Salomos. Doch zur Zeit Jesu gab es nur noch einen Leuchter. Mit der „heiligen Stätte“, wo die Verwüstung geschehen soll, verstehen die meisten Ausleger den gesamten Tempelkomplex.

Eine dritte und weitaus größere Entweihung steht heute noch aus. Die beiden früheren Entweihungen unter Antiochus Epiphanes 168 v. Chr. und Titus im 70 n. Chr. waren das Vorspiel für die endgültige Entweihung durch „den Menschen der Sünde“, die erst noch kommen sollte. Der Apostel Paulus schrieb von diesem Antichristen, der sich in der Endzeit als Gott erheben wird (2. Thess. 2:3 Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise; denn zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch der Bosheit offenbart werden, der Sohn des Verderbens. 4 Er ist der Widersacher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott.

 Obwohl Jesus mit ziemlicher Sicherheit an den „Gräuel“ von 70 n. Chr. dachte (vgl. 24,2.16-20), blickten sowohl er als auch Daniel auf einen weiteren solchen Gräuel im Tempel voraus, der für uns noch in der Zukunft liegt. Das bedeutete wahrscheinlich, dass der Tempel wieder auf dem Tempelberg in Jerusalem aufgebaut werden würde, wo der muslimische Felsendom seit 1300 Jahren steht. (634 n. Chr. begonnen)

Die Warnungen in 24,16-20 waren einmal eine direkte Prophezeiung auf die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. und die Verfolgung der Juden durch Rom. Jesus warnte, dass die Bewohner Judäas (der Provinz Jerusalem) in die Berge fliehen sollten, wo sie sich vor den Verfolgern verstecken könnten, wenn der „Gräuel“ unmittelbar bevorzustehen scheint) (24,16).

Die Zerstörung würde so schnell kommen, dass diejenigen, die sich auf ihren flachen Hausdächern befanden (die oft zum Gebet genutzt wurden), sofort die Außentreppe hinuntersteigen und fliehen müssten, ohne Vorräte oder Wertsachen mitzunehmen. Diejenigen, die auf den Feldern arbeiteten, mussten sich in ein Versteck flüchten (24,17-18).

Doch diejenigen, die zu lange zögerten, würden von der Zerstörung erfasst werden. –

Wir wissen, dass im Jahr 70 n. Chr. viele Christen tatsächlich nach Pella flohen, um der Belagerung von Jerusalem und den damit verbundenen schweren Ereignissen zu entkommen. Pella ist eine Stadt östlich des Jordan. Dieses Ereignis könnte als Erfüllung der Anweisung Jesu in Matthäus 24,16 betrachtet werden, in der er die Bewohner Judäas auffordert, zuvor in die Berge zu fliehen.

Die endgültige Erfüllung dieser prophetischen Elemente aber, die noch in der Zukunft liegt, wird stattfinden, wenn der Antichrist das Allerheiligste einnimmt. Daniel 9,27 beschreibt diese Ereignisse. Dieser antigöttliche Fürst wird „einen Bund mit vielen in [Israel] für einen Zeitraum von sieben Jahren bestätigen. In der „Mitte der ‚Sieben‘ wird er einen Gräuel aufstellen, das Verwüstung anrichtet“. In 2. Thess. 2,4, wird dasselbe Ereignis beschrieben, wie dieser Herrscher sich im Tempel als Gott aufstellt.

 Die Tatsache, dass Israel sich wieder als nationale politische Einheit fest gegründet hat und die heilige Stätte des Tempels wieder besetzt hat, lässt viele Gelehrte die Endzeit schon sehr bald erwarten. Keine andere Nation hat 2000 Jahre kultureller Zerstreuung erlebt und ihre nationale Unverletzlichkeit bewahrt. Gott ist noch nicht fertig mit dem jüdischen Volk. Und in der großen Trübsal, die in der siebzigsten und letzten der vom Propheten Daniel (Dan. 9,24-27) für Israel vorhergesagten „siebzig Wochen“ (Zeiträume von sieben Jahren) kommen wird, wird das Volk geläutert und auf die Rückkehr seines Messias-Königs vorbereitet. – Hat sich der Antichrist – der Islam, der Christus als Sohn Gottes leugnet, nicht schon jetzt in der Al Aqsa Moschee und dem Felsendom auf den Tempelberg gesetzt?

Diese „Trübsalszeit“ ist ein bestimmter Zeitraum, der mit dem Gräuel beginnt und der Verwüstung beginnt und mit dem zweiten Kommen Christi endet (Offb 11,2; 13,5). Während dieser Zeit werden die schrecklichen Gerichte aus Offenbarung 6-19 mit ihren Siegeln und Posaunen große Teile der Erde zerstören. Diese Zeit der Not wird in der Weltgeschichte ohne Beispiel sein. – Hat diese Zeit der göttlichen Gerichte mit dem Krieg in der Ukraine und fortgesetzt mit Israel durch den radikalen Islam begonnen?

24,21-22. Damit die Jünger den Schrecken dieser großen Trübsal nicht unterschätzen, erklärte Jesus, dass es sich um das schlimmste Leid in der ganzen Geschichte handeln werde – beispiellos vom Anbeginn der Welt bis heute (24,21). Er fügte noch hinzu, dass diese Trübsal alles Leben vernichten könnte, was einige moderne Studien dazu veranlasst, an einen Atomkrieg oder Ähnliches zu denken. Doch es ist offensichtlich, dass eine solche Große Trübsal für uns noch in der Zukunft liegt. Es geht hier also um viel mehr als nur um die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. Diese Zerstörung, so schlimm sie auch war, hat sich allein im 20. und 21. Jahrhundert in ihrer Stärke und ihrem Umfang noch vervielfacht.

 Die Welt hat die große noch kommende Not noch nicht gesehen, die kommen, aber nie wieder geben wird (24,21). Das sagte Jesus auch, als er andeutete, dass diese Tage verkürzt werden, was ein göttliches Eingreifen voraussetzt (24,22). Christus wird eingreifen, um einen totalen Völkermord und die völlige Vernichtung der Menschheit zu verhindern.

 Aber selbst im Gericht wird der Herr Barmherzigkeit walten lassen, vor allem um der Auserwählten willen, das sind diejenigen, die auf ihn vertraut haben und ihm als seine Jünger gefolgt sind. Sind wir diese Ihm Vertrauenden? Die Verwendung des Begriffs „Auserwählte“ unterstreicht auch die freie Entscheidung des Herrn, welche Menschen als Gläubige zu sich ziehen wird.- Doch diese Trübsal wird aufgrund des Eingreifens Gottes nicht ihre volle zerstörerische Stärke erreichen. Durch sein Eingreifen werden diese Tage verkürzt werden. Da Jesus in seinem Abschnitt die Frage nach dem Zeitpunkt und den Zeichen seines Kommens beantwortete, können wir daraus schließen, dass die Trübsal durch die Wiederkunft Jesu unterbrochen wird. Er wird die Zerstörung auf der Erde beenden.


Im vorliegenden Abschnitt wird die Erscheinung Melchisedeks zum ersten Mal erwähnt. Danach nur noch in Ps 110, 4.
Der HERR hat geschworen und es wird ihn nicht gereuen: »Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.« – und später noch einmal im NT im Hebräerbrief in Kapitel 7. Dies ist die Grundlage für eines der wichtigsten Themen der christlichen Theologie. Hier wird das ewig wirksame Hohepriestertum Christi beschrieben.
In dem allgemeinen priesterlichen Dienst und der Verwaltung Gottes bestimmt das Wesen des Priesters deutlich die Art seines priesterlichen Dienstes (vgl. Hebr 7,26-28).
26 Ein solcher Hohepriester ziemte sich in der Tat für uns: einer, der heilig ist, frei vom Bösen, makellos, abgesondert von den Sündern und erhöht über die Himmel; 27 einer, der es nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohepriester zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen und dann für die des Volkes; denn das hat er ein für allemal getan, als er sich selbst dargebracht hat. 28 Das Gesetz nämlich macht Menschen zu Hohepriestern, die der Schwachheit unterworfen sind; das Wort des Eides aber, der später als das Gesetz kam, setzt den Sohn ein, der auf ewig vollendet ist.
Deshalb beginnt die Abhandlung über Melchisedek in Hebr. 7 mit einer ausführlichen Diskussion über seinen Titel und seine Namen. Melchisedek bedeutet „König der Gerechtigkeit“ und „König von Salem“ d.h. „König des Friedens“. Die Bedeutung und der Hinweis hier besteht darin, dass Melchisedek kein anderer als Gott selbst ist, Christus im AT- ein weiteres Beispiel für die vielen Theophanien, (bevor Christus ins Fleisch kam) als Gotteserscheinungen des Sohnes im AT. Diese beiden Namen werden nirgendwo im AT für einen Einzelkönig oder einzelnen Priester verwendet. Sie werden aber prophetisch auf den Messias in seiner endzeitlichen Herrschaft auf den ewigen Priesterkönig angewandt: „Der Herr, unsere Gerechtigkeit“ ‚Adonay YHWH in Jer 23,6 und „Prinz des Friedens“ (SHAR-SHALOM) in Jes 9,6. Diese Identifizierung von Melchisedek mit Gott erklärt, warum Abraham Melchisedeks Überlegenheit sofort anerkannte – und zwar nicht nur aus gesellschaftlichem Respekt und damaliger Knigge – sondern, dies war Abrams Ausdruck seines Glaubens und seiner göttlichen Verehrung. Abram glaubte und erfuhr in seinem ganzen Leben, dass er gesegnet war. Gewöhnlich aber segnete der Größere. Denn nach der Schrift wird „der Kleinere vom Größeren gesegnet“.
Diesen Segen aber empfängt Abraham durch Melchisedek, als dieser ihm nach der gelungenen Schlacht seines Lebens Brot und Wein herausbringt. Dies ist deutlich ein Vorbild auf unseren Herrn Jesus Christus, der uns unter Brot und Wein sein Leben und seine Erlösung bringt. Das ist die wirkliche Erquickung und Stärkung für unser irdisches und ewiges Leben. (AGB S. 509 …STÄRKE EUCH in allem Guten …). Dies sollten wir wöchentlich – wie in der Frühen Kirche – empfangen und uns für die neue Woche stärken lassen. Brot des Himmels und Kelch des Heils. – Christi Leib für dich gegeben, Christi Blut für dich vergossen. Und dies ist der wirkliche und wichtigste Segen: DieTeil- habe an der Erlösung zum ewigen Leben.
S. 2
Hebr 7,7 Zweifellos wird aber immer das Geringere vom Höheren gesegnet.
Abram antwortete als Gesegneter, dass er Melchisedek seinen Zehnten gab. Das ist die wirkliche Antwort auf Gottes Segen in unserem Leben. Denn wenn wir alles von ihm erhalten, dann sollten auch wir den „vollen Zehnten“ in das Kornhaus Gottes bringen. Wir entscheiden, rechnen, überschlagen, teilen ein, geben unseren Zehnten zuerst Gott durch die Gemeinde. Denn es liegt doch nur am Einteilen unserer Kraft und unseres Geldes für den jeweiligen Monat. Aber ohne Überschlagen der Kosten, bleibt doch nichts für Gott übrig. Kann er uns dann segnen wie Abraham?
Im ganzen AT wird immer wieder das Geben des Zehnten herausgestellt.
Das Volk unterstützt mit dem Zehnten die Leviten, die kein Land besaßen, aber dem Volk Gottes dienten. Die Leviten wiederum geben von diesem Zehnten auch wieder ihren Zehnten allen Priestern. Die Priester wiederum geben den Zehnten dem Hohenpriester.
In gleicher Weise handhaben wir dies in unserer Anglikanischen Kirche / REC. Gläubige und Freunde werden ermutigt ihren Zehnten oder Teil des Zehnten an die Ortsgemeinde zu geben, von dem dann die Kosten für die Unterhaltung des „Gebetshauses“, die Verwaltung, Fahrten und Gehalt des Priesters / Pfarrers bezahlt werden können. Im November sollten wir wieder ein Gemeindebudget für das Jahr 2024 aufstellen. Wir sollten dies Anliegen vor Gott bringen und darüber beten, wieviel wir der Ortsgemeinde monatlich geben können. Denn, wer einen Turm oder eine Gemeinde bauen und unterhalten will, der überschlage die die Kosten.
Die Bedeutung von Melchisedeks Gottheit wird ferner in Hebr 7 durch den Gegensatz in Hebr 7,8 zwischen dem Einnehmen des Zehnten durch die Leviten, die „sterbliche Menschen“ sind, und dem Empfangen des Zehnten durch Melchisedek, der „weiterlebt und unsterblich“ ist, nämlich Christus.
Die Aussage in Hebr 7,3, dass Melchisedek für „immer ein Priester bleibt“, weist auch darauf hin, dass er weiterhin im NT den Zehnten empfangen soll als unsere praktische Ehrung. – Wenn Jesus „als Hohepriester“ für immer fortlebt (Hbr 7,24 + Gen 14,18) – und es kann doch nur einen Hohenpriester geben – wie kann dann von Melchisedek in Gen 14, gesagt werden, dass er als „ein Priester ewig bleibt, (Präsens-Gegenwart) 7,3)? Das bedeutet dann, das ist niemand anderes als Jesus Christus der große Hohepriester aller Gläubigen! Deshalb ist Christus unser König und Hoherpriester, und ihm allein gebührt die Ehrung mit unserem Leben, Worten, Begabungen, Besitz und auch mit unseren Finanzen.
Eine kleine Anzahl von Juden vor der ersten Ankunft Christi, die sich auf die hebräischen Schriften gründeten, glaubten tatsächlich, dass Melchisedek kein anderer als Gott in menschlicher Gestalt war. Und er würde nicht nur für den Rest Israels kommen, sondern auch derjenige sein, der am Ende dieses Zeitalters vor der Errichtung des Reiches Gottes auf Erden das letzte Gericht über die Bösen führen würde. Diesen Glauben finden wir bereits im 1. Jahrhundert vor Christus und kann bereits aus den Schriftrollen vom Toten Meer ersehen werden.

Wollen wir uns so oft wie möglich Brot und Wein als Teilhabe an unserer Erlösung in unserer Gemeinde reichen lassen?
… und dabei gleichzeitig Christus unserem Hohenpriester dankbar unseren Zehnten geben?

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