Predigt zum 6. Sonntag nach Trinitatis
Epistel: Rö. 6,3–11; Mat 5,20–26

Das Wochengebet dieses Sonntags beginnt mit einer wunderbaren Zusage:
„O Gott, Du hast denen, die Dich lieben, solche Güter bereitet, die alles menschliche Verstehen übersteigen.“
Gott hat für seine Kinder etwas vorbereitet, das größer ist als alles, was wir erkennen, verstehen oder uns wünschen können. Wir denken dabei zuerst an das ewige Leben, an die Auferstehung und an die Herrlichkeit bei Gott. Doch das Gebet spricht nicht nur von der Zukunft. Es bittet darum, dass Gottes Liebe schon heute unser Denken, Wollen und Handeln bestimmt.
1. Gott hat für die, die ihn lieben, ewige Güter bereitet
Unser Leben ist oft von den sichtbaren Dingen bestimmt: Gesundheit, Familie, Arbeit, Besitz, Anerkennung, Sicherheit, Harmonie und Entspannung. Diese Dinge sind nicht unwichtig. Sie sind irdische Gaben Gottes. Aber sie sind endlich und vergänglich.
Unser Wochengebet hebt unseren Blick über das Sichtbare und Irdische hinaus. Gott hat solche Güter vorbereitet, die unser menschliches Verstehen übersteigen. Paulus schreibt:
„Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1. Korinther 2,9).
Wir können uns die Herrlichkeit des künftigen ewigen Lebens nicht vollständig vorstellen. Wir wissen aber: Dort wird keine Sünde mehr sein, keine Trennung von Gott, keine Schuld, keine Krankheit oder Tod. Christus wird einst alle Dinge neu machen.
Diese Hoffnung ist keine Vertröstung. Sie verändert unser gegenwärtiges Leben. Wer weiß, dass sein wahres Leben bei Christus verborgen ist, muss sich nicht verzweifelt an den vergänglichen Dingen festhalten. Er darf dankbar gebrauchen, was Gott ihm heute schon gibt, ohne es zu seinem Gott oder Götzen zu machen.
Unsere größte Zukunft liegt nicht auf dieser Erde. Sie liegt bei Jesus Christus im Himmel.
2. Gott muss aber seine Liebe in unsere Herzen geben
Das Kollektengebet fährt fort:
„Gieße in unsere Herzen eine solche Liebe zu Dir, dass wir Dich über alles lieben.“
Das ist ein bemerkenswerter Satz. Wir werden nicht einfach aufgefordert: „Strengt euch mehr an und liebt Gott stärker!“ Wir bitten Gott selbst, seine Liebe in unser Herz zu gießen.
Von Geburt an aus lieben wir uns selbst am meisten. Wir suchen unseren persönlichen Vorteil, unsere Bequemlichkeit und unsere Ehre. Selbst unsere Frömmigkeit kann sich manchmal um uns selbst drehen: Was bekomme ich von Gott? Warum hilft er mir nicht? Warum erfüllt er meine Wünsche nicht? – Auf diesem Wohlfühl-Gebiet bewegen sich moderne und liberale Prediger, Evangelisten und Irrlehrer.
Wahre Liebe zu Gott entsteht auch nicht aus menschlicher Anstrengung. Sie beginnt dort, wo wir erkennen, wie sehr Gott uns zuerst geliebt hat. Johannes schreibt:
„Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ (1. Johannes 4,19).
Gottes Liebe wird am Kreuz sichtbar. Jesus Christus, sein eigener Sohn gab sich für uns hin, als wir noch von Gott getrennt und Sünder waren. Jesus nahm unsere Schuld auf sich. Er starb unseren Tod und öffnete uns den Weg zum Vater.
Je mehr wir diese Gnade Gottes erkennen, desto mehr wächst in uns die Liebe zu Gott. Wir lieben ihn nicht, um gerettet zu werden. Wir lieben ihn, weil er uns durch Christus gerettet hat.
3. Die Liebe zu Gott führt zu einem neuen veränderten Leben
Die Epistel aus Römer 6 erinnert uns daran, dass wir durch die Taufe mit Christus verbunden sind. Wir sind dort mit ihm gestorben, und sollen uns im Glauben dafürhalten mit ihm in einem neuen Leben wandeln.
Paulus sagt: „So auch ihr: Haltet euch dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus.“
Christlicher Glaube bedeutet also nicht nur, bestimmte Wahrheiten für richtig zu halten. Er bedeutet, mit Christus zu sterben und mit ihm neu zu leben.
Der alte Mensch möchte selbst bestimmen. Er hält an Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, wiederholen von alten Geschichten, Hochmut und verborgener Sünde fest. Der neue Mensch dagegen fragt: Was gefällt Christus? Wie kann ich Gott mit meinem Leben ehren?
Diese Erneuerung soll aber täglich geschehen. Immer wieder müssen wir unsere Sünde vor Gott bekennen und uns auf Christi Vergebung berufen. Immer wieder dürfen wir sagen: Ich gehöre nicht mehr der Sünde, dem alten egoistischem Leben. Ich gehöre Jesus Christus. Er ist mein Herr.
Die Liebe zu Gott bleibt deshalb nicht nur ein Gefühl. Sie zeigt sich im Gehorsam, in der Treue, im Gebet und in einem veränderten Umgang mit unseren Mitmenschen.
4. Versöhnung gehört zu unserem neuen Leben
Im Evangelium sagt Jesus:
„Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst, und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder.“
Jesus zeigt damit, dass Frömmigkeit und zwischenmenschliches Verhalten nicht voneinander getrennt werden können. Wir können nicht Gott lieben und gleichzeitig bewusst an Hass, Verachtung und Unversöhnlichkeit festhalten.
Zorn beginnt oft im Herzen. Vielleicht sagen wir nichts, aber innerlich verurteilen wir den anderen. Reden gern über ihn, seine Fehler und Sünden.Wir tragen alte Verletzungen weiter, erzählen sie immer wieder und halten dem anderen seine Schuld vor.
Jesus ruft uns zur Versöhnung. Das bedeutet nicht, Unrecht gutzuheißen. Es bedeutet auch nicht, dass jedes zerstörte Vertrauen sofort wiederhergestellt werden kann. Aber ein Christ soll bereit sein, den ersten Schritt zu tun, Schuld zu bekennen, Vergebung anzubieten und den anderen nicht innerlich zu vernichten.
Gerade hier zeigt sich, ob Gottes Liebe unser Herz erfüllt.
Schlussgedanken für die neue Woche:
Gott schenkt mehr, als wir ersehnen oder begehren können
Das Wochengebet endet mit der Bitte, dass wir Gottes gute Verheißungen erlangen, „die alles übersteigen, was wir begehren können“.
Unsere Wünsche sind oft klein und kurzsichtig. Wir bitten um Erleichterung, Erfolg und die Lösung unserer unmittelbaren Probleme. Gott darf uns auch darin helfen. Aber seine größte Gabe ist mehr: Er schenkt uns Christus und mit ihm: Vergebung, ein neues Leben und eine ewige Heimat.
Darum dürfen wir heute beten:
Herr, gieße Deine Liebe neu in unser Herz. Lass uns Dich mehr lieben als unsere eigenen Wünsche. Hilf uns, der Sünde – dem Eigenwillen – zu sterben und mit Christus in einem neuen Leben zu wandeln. Zeige uns, wo Versöhnung notwendig ist. Und richte unseren Blick auf die ewigen Güter, die Du denen bereitet hast, die Dich lieben.
Denn Gott gibt seinen Kindern nicht nur das, was sie sich vorstellen können. Er gibt in Jesus Christus mehr, als unser Verstand begreifen und unser Herz ersehnen kann. Amen.