Aktuelles Bild: Group of men, women, and children with raised hands praying in a stone room

Liebe Christus-Gemeinde nah und fern,

der Sonntag Exaudi liegt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus Christus ist in den Himmel aufgefahren. Die Jünger warten auf die Verheißung des Heiligen Geistes. Es ist eine Zeit des Wartens, des Betens und der inneren Ausrichtung auf Christus.

Auch wir leben in einer solchen Zwischenzeit. Unser Herr ist zur Rechten des Vaters erhöht. Er wird wiederkommen. Und bis dahin lebt die Gemeinde in dieser Welt – mit beiden Füßen auf der Erde, aber mit dem Herzen im Himmel.

Petrus beschreibt in 1. Petrus 4,7–11 vier Prioritäten, die eine Gemeinde kennzeichnen sollen, die auf ihren Herrn wartet.

Petrus beginnt mit den Worten: „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet.“

Die Wiederkunft Jesu ist keine Theorie, sondern für uns eine lebendige Hoffnung. Und diese Hoffnung führt uns nicht zu Panik oder Spekulationen, sondern zu besonnenem und überlegenden Gebet.

Wer von uns weiß, dass Christus wiederkommt, lernt die wichtigen Dinge richtig einzuordnen. Nicht jede Sorge ist entscheidend. Nicht jede Nachricht muss uns erschüttern. Nicht jede Schwierigkeit darf unser Herz bestimmen. Erst recht nicht dauernd unser Smartphon mit unwichtigen Nachrichten.

Stattdessen ruft Gott uns ins Gebet. Gebet, wie letzten Sonntag betont wurde, ist die geistliche Lebensader der Gemeinde. Wo nicht mehr gebetet, nicht geistlich geatmet wird, vertrocknet das geistliche Leben.

Anwendung: Nimmst du dir täglich bewusst Zeit zum Gebet und Lesen in der Bibel? Beginne jeden den Tag mit der Frage: „Herr Jesus, was ist heute in Deinen Augen wirklich wichtig?“ Nur eine betende Gemeinde ist eine starke Gemeinde.

Petrus fährt fort: „Vor allen Dingen habt untereinander anhaltende Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge.“ „Vor allen Dingen“ – das heißt für uns: Liebe hat oberste Priorität. Gemeint ist nicht eine wechselhafte Gefühlsregung, sondern die göttliche Liebe, die sich entscheidet, dem Nächsten Gutes zu tun.

Diese Liebe wird besonders dann relevant und gefordert, wenn wir verletzt worden sind. Liebe deckt auch eine Menge von Sünden. Das bedeutet nicht, Sünde zu entschuldigen. Es bedeutet, bereit zu sein, sie beim Nächsten zu vergeben und nicht jede Verletzung festzuhalten, damit abschließen. Nicht mehr daran denken, nicht mehr davon erzählen. – Wo uns Liebe fehlt, entstehen Misstrauen, Kränkungen und Streit. Wo Liebe regiert, kann Heilung untereinander in der Gemeinde wachsen.

Frage dich deshalb: „Gibt es jemanden in der Gemeinde, dem ich vergeben sollte?“ Denn Vergebung ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen geistlicher Reife. Es ist die Aufgabe der von Jesus eingesetzten Aposteln und Berufenen, die Vergebung zu verkünden und zuzusprechen.

Petrus schreibt: „Seid gastfrei untereinander ohne Murren.“

Gastfreundschaft ist gelebte Liebe. Im ersten Jahrhundert öffneten Christen ihre Häuser für umherziehende Reisende, Missionare, Gemeindeglieder und Nichtchristen. Heute bedeutet Gastfreundschaft: ein offenes Haus, ein offenes Ohr, ein offenes Herz. Das ist unsere Mission. – Viele Menschen leiden heute an Einsamkeit trotz Hektik, Trubel und Internet. Eine Einladung zum Kaffee oder Tee, ein gemeinsames Essen oder ein Besuch kann ein großer geistlicher Dienst sein.

Petrus fügt hinzu: „ohne Murren“. Wahre Gastfreundschaft geschieht nicht widerwillig, sondern freudig.

Anwendung:

Überlege einmal: „Wen könnte ich in den nächsten Wochen bewusst einladen oder besuchen?“ Oft beginnt wirklich Seelsorge am Küchentisch oder an der Haustür.

Petrus schreibt: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“ Jeder Christ hat von Gott eine Gabe empfangen. Manche dienen durch Predigen, Lehren, Kinderstunde oder im Altenkreis. Andere durch Ermutigung, praktische Hilfe, Musik, Verwaltung, Besuche oder Gebet.

Keine vorhandene Gabe ist unwichtig. Entscheidend ist, dass wir unsere Gaben nicht zur Selbstdarstellung einsetzen, sondern zum Aufbau der gesamten Gemeinde.

Petrus sagt: „Wenn jemand dient, so tue er es aus der Kraft, die Gott darreicht.“ Wir dienen nicht aus eigener Stärke, sondern in Abhängigkeit von Gott.

Frage dich: „Welche Gabe hat Gott mir gegeben, und wo kann ich sie konkret einsetzen?“

Denn Gott beruft keinen Christen zur Untätigkeit. Er hat Talente verteilt, die wir nicht vergraben, sondern bis zu seinem zweiten Kommen beständig gebrauchen sollen.

Das Ziel dabei: Gott wird verherrlicht

Petrus fasst alles zusammen: „Damit in allen Dingen Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus.“

Das Ziel unseres Betens, Liebens, Einladens und Dienens ist nicht unser persönliches Ansehen und Gutfühlen, sondern allein Gottes Ehre. Eine Gemeinde, die so lebt, wird zu einem lebendigen Zeugnis für Christus. Menschen sollen nicht sagen: „Was für bemerkenswerte Christen!“ Welch tolle Internet Stars, Influencer, sondern:

„Was ist das für ein großer und herrlicher Gott! – der hinter allem steht.

Täglich in die Gegenwart Christi treten

Liebe Geschwister, wir warten nicht auf ein ungewisses Ereignis. Wir warten auf eine Person: unseren auferstandenen und erhöhten Herrn Jesus Christus. Er hat uns versprochen: „Ich will euch zu mir ziehen.“

Darum leben wir als wartende Gemeinde:

  • mit nüchternem Gebet,
  • mit herzlicher Liebe,
  • mit gelebter Gastfreundschaft,
  • mit treuem Dienst.

Deshalb plane täglich bewusst in die Gegenwart Jesu zu treten: Bringe Ihm deine Sorgen und deine Freuden. – Empfangen Seine Liebe. – Lass dich vom Heiligen Geist erfüllen. – Und diene Ihm mit Freude, bis der Tag kommt, an dem er dich zu Ihm in den Himmel zieht.

Dann wird die wartende Gemeinde zur vollendeten Gemeinde. – Dann werden wir unseren Herrn sehen, wie er ist und für immer bei ihm sein.

Ihm sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.