Das Tagesgebet des 3. Advent erinnert uns daran: Gott kommt nicht zufällig in die Welt – er kommt mit Absicht, mit Verheißung und mit Vorbereitung. „Bei deiner ersten Ankunft hast du deinen Boten gesandt, deinen Weg zu bereiten.“ Advent heißt: Wir schauen zurück auf die erste Ankunft Christi – und zugleich nach vorn auf sein zukünftiges Kommen.

Darum stellt die Schrift uns Johannes den Täufer so deutlich vor Augen. Er ist nicht nur eine interessante Gestalt am Rand der Weihnachtsgeschichte, sondern Gottes Weckruf vor Gottes Kommen. Die Verheißung Maleachis klingt mit: „Siehe, ich sende meinen Boten … der deinen Weg bereiten soll.“ Johannes ist nicht „ein Rohr, das der Wind bewegt“. Er ist kein religiöser Entertainer, kein politischer Taktierer, kein „Fähnchen im Wind“. Sein Auftrag kommt „vom Himmel und nicht durch Menschen“.

Und gerade das ist für den Advent wichtig: Wenn Gott kommt, dann ruft er uns aus der Bequemlichkeit heraus. Johannes’ Leben passt zur Botschaft: Wüste, Bußgewand, Einfachheit – nicht weil äußere Strenge uns rettet, sondern weil sein ganzes Dasein sagt: „Es geht nicht um mich. Es geht um den Herrn.“ So wirkt Gott: Er stellt uns einen Zeugen hin, der von sich wegzeigt – damit wir auf Christus sehen.

Das ist auch ein Trost: Wir müssen den Weg zu Gott nicht „erfinden“. Gott bereitet ihn selbst. Er sendet den Boten. Er spricht. Er ruft. Und er ruft nicht, um uns klein zu machen, sondern um uns bereit zu machen für das größte Geschenk: den kommenden König.

2. Den Weg für Ihn zu bereiten bedeutet: unsere Herzen auf IHN hinzuwenden – unser Leben zu reinigen.

Das Tagesgebet bittet: Die Diener Gottes sollen Christi Weg bereiten, „indem sie die Herzen der Ungehorsamen zur Weisheit der Gerechten hinwenden“. Das ist Advent in einem Satz: Herzenswende. Nicht Kosmetik, sondern Umkehr. Nicht ein bisschen religiöser Glanz, sondern ein neuer Kurs.

Johannes predigt Buße – und Buße ist nicht Stimmung, sondern Neuaus-richtung. Umkehr von bösen Wegen, Taten, Worten, Gedanken. Johannes ruft alle Schichten: Fromme und Fernstehende, Zolleinnehmer und Soldaten. Er sagt nicht: „Bleibt, wie ihr seid, Gott wird’s schon richten.“ Er sagt: „Bereitet dem Herrn den Weg!“ – das heißt: räumt weg, was bei euch den Weg versperrt.

Hier trifft Johannes besonders unsere religiöse Selbstsicherheit. Damals sagte man: „Wir haben Abraham zum Vater.“ Heute sagen wir leicht: „Ich bin getauft. Ich gehöre zur Kirche. Ich bin christlich sozialisiert.“ Das ist alles wertvoll – aber das Tagesgebet und Johannes drücken uns auf den Punkt: Gott will nicht nur äußere Zugehörigkeit, sondern ein hingewendetes Herz. „Die Beschneidung des Herzens“ – so nennt es Paulus. Der Herr sucht kein äußeres Etikett, sondern Wahrheit im Inneren.

Darum ist der Advent auch eine Bußzeit – nicht freudlose Dunkelheit, sondern heilsame Klarheit. Wenn wir ehrlich werden, merken wir: Wie schnell tragen wir „schmutzige Kleider“ – Neid, Ärger, harte Worte, Unbarmherzigkeit, üble Gedanken, heimliches Richten über andere. Und dann klingt das Wort aus 1. Johannes 3 wie ein Lichtstrahl: Wer diese Hoffnung hat, reinigt sich, wie Christus rein ist. Nicht um sich selbst zu erlösen – sondern weil wir dem König begegnen wollen.

Das ist sehr praktisch: Willst du in dieser Adventszeit einen Schritt tun? Nicht nur „Kirche“ darstellen, sondern mehr Christus sein? Ein Gespräch klären. Ein bitteres Urteil lassen. Gott um Vergebung bitten. Einen Menschen segnen, statt schlecht über ihn zu reden. Das sind keine Nebensachen. Das ist Wegbereitung.

Das Tagesgebet endet mit dem Ziel: „dass wir bei deiner zweiten Ankunft … als ein annehmbares Volk gefunden werden.“ Johannes predigt also nicht Moral, sondern Erwartung. Der Advent schaut nach vorn: Christus kommt wieder, um die Welt zu richten – und gerade darum ist heute der Tag der Gnade.

Wie werden wir „annehmbar“? Nicht durch religiöse Leistung, sondern dadurch, dass wir den Kommenden selbst empfangen. Johannes zeigt nicht auf sich, sondern sagt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“ Der Kern ist: Christus trägt Schuld. Christus schenkt Vergebung. Christus rettet aus der Macht der Sünde und des Bösen. Wer ihn empfängt, wird wirklich Kind Abrahams – nicht äußerlich, sondern im Glauben wie Abraham.

Und Johannes sagt noch mehr: „Ich taufe mit Wasser – er aber wird mit Heiligem Geist und Feuer taufen.“ Das heißt: Christus will nicht nur vergeben, er will erneuern. Er will Herzen entzünden, Gewohnheiten verwandeln, Glauben stärken, Liebe wachsen lassen. Advent ist deshalb nicht nur Rückblick und nicht nur Warnruf, sondern Hoffnung auf echte Veränderung – jetzt schon, bevor wir ihn einst „sehen, wie er ist“.

Für die Gemeinde heißt das: Lasst uns Christus nicht nur „denken“, sondern aufnehmen. Gib ihm dein Herz als Krippe. Lass ihn wohnen, regieren, heilen. Und lass deine Stimme – wie Johannes’ Stimme – andere nicht an dich binden, sondern zu Christus hinführen.

Ermutigender Abschluss:
Liebe Christen, der 3. Advent ist kein drohender Zeigefinger, sondern eine offene Tür. Gott bereitet uns den Weg. Gott ruft zur Umkehr. Gott schenkt uns den Retter. Darum: Verliere nicht den Mut über das, was in dir noch unvollendet ist. Die Hoffnung ist nicht, dass du dich selbst perfektionierst – die Hoffnung ist, dass Christus kommt und dich reinigt. Geh heute einen Schritt ins Licht: bekenne, was dich bindet; nimm Vergebung an; bitte um den Heiligen Geist; und richte deinen Blick auf den Kommenden.

Römer 15,4–13 – Predigt zum 2. Advent

Gepriesener Herr. Du hast die gesamte Heilige Schrift uns zur Belehrung schreiben lassen. Schenke, dass wir sie so hören, überdenken und in unseren Herzen bewegen, dass wir durch die Geduld und den Trost Deines Wortes die selige Hoffnung des ewigen Lebens ergreifen und auch immer festhalten, die Du uns in Jesus Christus, unserem Erlöser, verliehen hast.  Amen.
Die 3fache Schriftwirkung:

Am zweiten Advent – oft im Anglikanischen auch „Bibelsonntag“ genannt – erinnert uns Römer 15,4 daran, warum die Heilige Schrift uns gegeben ist:

„Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre oder Belehrung geschrieben, dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben.“

Unser 2. Adventsgebet schließt sogar damit, dass wir das ewige Leben in Christus für immer festhalten.

Paulus spricht hier zunächst vom Alten Testament, dass es uns belehrt auf Hoffnung. Doch genauso gilt dies für die Schriften des Neuen Testaments: Die Bibel ist für unser Lernen geschrieben. Es geht allerdings nicht darum, Verse wie Gedichte mechanisch auswendig aufzusagen. Die Schrift hat ein größeres Ziel:

Wir sollen Gott erkennen – sein Wesen, seine Liebe, seine Gnade, seine Heiligkeit. Regelmäßiges Lesen der Bibel lehrt uns, wie barmherzig Gott mit seinem Volk umgeht und wie er Menschen trotz ihrer Schuld annimmt.

Die Schrift zeigt uns auch unseren eigenen Zustand: den kranken, sündigen Menschen, der getrennt von Gott lebt. Sie zeigt uns den Weg der Heilung – allein durch Jesus Christus. Und sie lehrt uns, wie wir als erneuerte Menschen mit Gott und dem Nächsten leben sollen.

Wer die Bibel aufmerksam liest, bemerkt: Der Mensch hat sich in Jahrtausenden kaum verändert. Die gleichen Sünden und Probleme, die Paulus beschreibt, sind heute gegenwärtig – oft in verschärfter Form. Moderne Menschen halten sich gerne für „aufgeklärter“, aber die Bibel hält uns einen ehrlichen Spiegel vor.

Doch das Ziel des Bibellesens ist nicht bloße Information, sondern Transformation. Gott will unser Denken, unser Herz oder auch Willen und so unser ganzes Leben verändern. Hoffnung in unserem Leben entsteht dann, wenn die Botschaft der Bibel unser Herz erreicht und deutlich verändert.

Ein Beispiel dafür: Ein amerikanischer Millionär, Eugene Lang, versprach in New York einer verarmten Schulklasse jedem Schüler ein bezahltes Studium – wenn sie die Schule durchhalten. Zum ersten Mal hatten diese Kinder ein Zukunftsziel eine wirkliche Hoffnung für Ihre Zukunft. Die Folge war: Fast alle bestanden ihren High School Abschluss. Wir erkennen: Echte Hoffnung bewegt zur Veränderung im Leben. Dies zeigt in kleinem Maß, was Gott in großem Maß durch sein Wort in deinem Leben tut kann.

Die Heilige Schrift schenkt echte Hoffnung – und diese Hoffnung gründet sich auf Christus, auf die Frohe Botschaft:
• Sein Kommen in die Welt – Advent
• Sein Sterben und Auferstehen – Ostern
• Seine Himmelfahrt
• Seine Wiederkunft in Herrlichkeit

Besonders im Advent richten wir  unseren Blick nun auf seine zweite Wiederkunft: Jesus wird seine Gemeinde, die Gemeinschaft der Heiligen sammeln und alle vollenden und das ewige Leben schenken. Hoffnung bedeutet für uns: Wir wissen jetzt, wohin wir gehen. Und darum können wir geduldig warten.

Die Hoffnung, die die Schrift schenkt, wirkt sich praktisch unter uns aus: Sie verändert den Umgang und die Beziehung unter uns Christen.

Paulus fordert deshalb zur Einheit auf (V. 5–6). Einheit bedeutet nicht, dass alle Christen dieselbe Meinung über zweitrangige Dinge haben müssen. Im Kapitel 14 zeigt Paulus, dass Gläubige unterschiedliche Gewissensfragen verschieden beantworten können – über Fleisch essen oder Alkohol trinken, solange es nicht um klare Sünde geht.

Doch trotz aller Unterschiede in der Lebensgestaltung sollen wir uns gegenseitig würdigen und annehmen:

„Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat zur Herrlichkeit Gottes.“ (V. 7)

Christus hat Juden und Heiden, Gläubige aus allen Volksgruppen zusammengeführt – zu Pfingsten, als die Kirche gegründet wurde, und in der weltweiten Mission danach. Deshalb gibt es in seiner Christus-Gemeinde keinen Platz für Überheblichkeit, kulturelle Abwertung oder  soziale Ausgrenzung. Das Ziel der Einheit ist klar:

„…dass ihr eines Sinnes mit einem Mund Gott verherrlicht…“ (V. 6)

Gemeinsame Anbetung – trotz Verschiedenheit der Herkunft und Bildung. Das ist ein kraftvolles Zeugnis. Liturgie, die gemeinsame Energie der gemeinsamen Gebete und gemeinsamen Bekenntnisse im Gottesdienst erinnern uns daran: Wir sprechen und beten zu Gott mit einer Stimme, wir gehören zu demselben Herrn. Was uns selbst persönlich trennt, das verbindet Christus.

Wenn wir uns einander annehmen, wie Christus uns und alle Menschen angenommen hat, jeder der so ganz anders ist, wird die Gemeinde Gottes zu einem Ort der Hoffnung – für uns selbst und für die ganze Welt.

Paulus schließt mit einem Segenswunsch, der das Ziel des Glaubens klar vor Augen stellt: „Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr vollkommene Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes.“ (V. 13)

„Hoffnung“ ist im biblischen Sinn keine zweideutige Wunschvorstellung, sondern eine feste Gewissheit: Gott hält sein Wort.
Die Grundlage dieser Gewissheit ist:

• Gottes Liebe gilt zu uns
• Christi Opfer ist für uns
• der Heilige Geist, wirkt und wohnt in uns.

Hoffnung, Freude und Frieden – das sind Früchte des Geistes (Galater 5,22). Gott selbst wirkt sie in uns durch seinen Geist. Deshalb ist diese Hoffnung stärker als unsere persönlichen Umstände. Sie trägt uns durch Leid, Zweifel und Wartezeiten. Sie verändert unser ganzes Leben – von innen heraus.

Die Bibel hält uns die Zukunft vor Augen:
Wir erwarten Christus. Wir leben hin auf Gottes Herrlichkeit. Wir wissen, wem wir gehören. Und weil wir wissen, wohin wir gehen, können wir heute mutig, liebevoll und treu leben.

Schlussgedanken

Die Adventszeit lädt uns ein, die Bibel neu aufzuschlagen und ihr zu vertrauen – denn:

  • Die Heilige Schrift schenkt Hoffnung
    Gottes Wort lehrt uns und richtet unseren Blick auf Jesus, der unsere Zukunft sichert.
  • Die Heilige Schrift erneuert Gemeinschaft
    Wer Christus kennt, lernt, andere anzunehmen – so entsteht geistliche Einheit.
  • Die Heilige Schrift verfestigt das ewige Leben in Christus
    Durch den Heiligen Geist wächst in uns Freude, Frieden und eine feste Hoffnung.

So wird der Advent zu einer Zeit der Bibel – einer Zeit, in der Gott unser Herz stärkt, unsere Gemeinschaft erneuert und unsere Hoffnung in Christus für das ewige Leben verfestigt.
Der Gott der Hoffnung sei mit uns – heute und bis zu seiner Wiederkunft.

Amen.

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( Sprüche 14,34; Jesaja 1,10–17; Römer 2,1–11)

Liebe Geschwister in Christus,

der Buß- und Bettag wir kaum noch beachtet. Er erinnert uns an etwas, das in unserer Zeit beinahe vergessen scheint – die Verantwortung des Menschen vor Gott. Es ist ein Tag der inneren Einkehr, an dem wir nicht zuerst auf die Fehler anderer, sondern auf das eigene Herz schauen sollen. Der Tagesspruch bringt dies auf den Punkt: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, der Völker Schmach ist die Sünde.“

Hier geht es nicht nur um Moral oder politische Ordnung. Es geht um den geistlichen Zustand einer ganzen Gesellschaft – und um das einzelne Herz, das vor Gott steht. Ein Volk wird nicht durch Reichtum, Technik oder Bildung groß, sondern durch Gerechtigkeit – durch Menschen, die das Rechte tun, weil sie Gott fürchten und lieben. Wo aber Sünde, Selbstsucht und Ungerechtigkeit überhandnehmen, da zerbricht die innere Kraft eines Volkes.

1. Gott sucht nicht äußere Formen, sondern ein reines Herz (Jesaja 1,10–17)

Der Prophet Jesaja richtet sein Wort an ein Volk, das Gott noch eifrig verehrt – Opfer, Gebete und Gottesdienste waren zahlreich. Doch Gott sagt: „Ich habe die Brandopfer eurer Widder satt … eure Feste hasse ich; sie sind mir eine Last.“

Warum diese harten Worte? Weil die äußere Frömmigkeit nicht mit dem inneren Leben übereinstimmte. Man ehrte Gott mit den Lippen, aber die Hände waren voll Blut, das Herz war kalt, das Leben ungerecht. Gott aber sagt: „Wascht euch, reinigt euch! Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten!“

Wahre Buße besteht also nicht nur im Bekenntnis der Schuld, sondern in einer Umkehr, die Frucht bringt. Wo ein Herz zerbrochen ist über die eigene Schuld, da öffnet sich Raum für Gnade.

2. Der Maßstab Gottes ist gerecht und ohne Ansehen der Person (Römer 2,1–11)

Der Apostel Paulus führt diesen Gedanken weiter: Wir alle neigen dazu, auf andere zu zeigen. Doch er sagt: „Darum bist du nicht zu entschuldigen, Mensch, der du richtest … denn worin du den andern richtest, verurteilst du dich selbst.“

Gott misst nicht nach menschlichen Maßstäben, sondern nach Wahrheit. Ob Jude oder Heide, religiös oder säkular – „Gott wird einem jeden vergelten nach seinen Werken“. Das ist keine Drohung, sondern eine ernste Erinnerung: Es gibt keinen Zufall in Gottes Gericht. Seine Gerechtigkeit ist vollkommen.

Aber mitten in dieser Strenge leuchtet das Evangelium auf: Gott will nicht verdammen, sondern zur Buße leiten. „Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr leitet?“ Das ist der Kern des heutigen Tages. Die Güte Gottes ist der Ruf zur Umkehr – nicht Strafe, sondern Gnade will uns verändern.

3. Das zerschlagene Herz – Quelle wahrer Freiheit

Das Tagesgebet fasst dies wunderbar zusammen:
„Schaffe in uns neue und zerschlagene Herzen, dass wir – unsere Sünden beklagend und unser Elend erkennend – vollkommene Verzeihung und Vergebung erlangen.“

Ein zerschlagenes Herz ist kein zerstörtes Herz. Es ist ein Herz, das aufhört, sich selbst zu rechtfertigen – und sich Gott anvertraut. In solcher Demut liegt die wahre Freiheit. Denn wer seine Schuld bekennt, der muss sie nicht länger verstecken. Wer sich in die Hand des barmherzigen Gottes begibt, der wird von der Macht der Sünde befreit.

Buße ist also kein düsteres Ritual, sondern der Weg ins Licht. Sie führt uns von der Selbsttäuschung zur Wahrheit, von der Last zur Ruhe, von der Schuld zur Vergebung.


4. Anwendung: Buße als Anfang von Erneuerung

Wenn ein Volk durch Gerechtigkeit erhöht wird, dann beginnt diese Erneuerung nicht in der Politik, sondern in den Herzen. Es beginnt dort, wo Christen mit zerbrochenem Herzen beten: „Herr, erneuere mich, und erneuere unser Land.“

Die Geschichte zeigt: Erweckung und Erneuerung kommen immer dort, wo Menschen ihre Schuld bekennen und

Gott ernst nehmen. Nicht Empörung über die Welt, sondern Demut vor Gott verändert sie.

Darum ist der Buß- und Bettag ein Tag der Hoffnung. Denn Gott ist noch derselbe: Er verwirft niemanden, der reumütig zu ihm kommt. Sein Ziel ist nicht Verdammnis, sondern Heil.

Schlussgedanke

Gerechtigkeit erhöht ein Volk – aber diese Gerechtigkeit wächst nicht aus eigener Kraft, sondern aus dem Kreuz Christi. Dort hat Gott selbst unsere Schuld getragen.
Wer das erkennt, kann mit David beten:
„Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten“ (Psalm 51,19).

Möge dieser Tag uns lehren, Buße zu tun – nicht aus Furcht, sondern aus Vertrauen – und möge Gottes Gnade unser Herz erneuern, dass auch unser Volk durch seine Gerechtigkeit erhöht werde.

Amen.

TAGESGEBET:
O Gott, dein gepriesener Sohn ist erschienen, die Werke des Teufels zu zerstören und uns zu Kindern und Erben des ewigen Lebens zu machen. Verleihe, dass wir uns in dieser Hoffnung selbst reinigen, gleichwie er rein ist; damit, wenn er in Kraft und großer Herrlichkeit wiederkommen wird, wir in seinem ewigen und herrlichen Reich ihm ähnlich gemacht werden. Amen.

Die letzten Sonntage des Kirchenjahres richten unseren Blick nach vorn – auf die Wiederkunft Christi. Viele Menschen verbinden damit Angst: Gericht, Ende, Katastrophen. Doch das Tagesgebet und der Text aus dem 1. Thessalonicher lenken uns auf einen ganz anderen Schwerpunkt: Hoffnung.
Paulus schreibt an eine junge Gemeinde, die in Sorge war. Einige ihrer christliche Geschwister waren gestorben, und man fragte sich: Werden sie den großen Tag des Herrn verpassen? Würden sie beim Kommen Christi benachteiligt sein?

Paulus antwortet mit einer einfachen, aber alles verändernden Wahrheit:

„Wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist.“ (V.14)

Das ist das wichtigeste Fundament christlicher Hoffnung. Wer an den auferstandenen Christus glaubt, braucht sich nicht zu fürchten – weder vor dem Tod noch vor dem, was kommt. Unser Herr hat den Tod besiegt. Seine Auferstehung ist der erste Sieg, unsere eigene Auferstehung ist die Folge.

Deshalb beginnt christliche Hoffnung nicht erst am Ende der Zeit, sondern heute. Wir leben in der Gewissheit: Was immer geschieht – Christus kommt wieder, um zu vollenden, was er begonnen hat. Diese Hoffnung reinigt uns von Angst und Verzweiflung und lässt uns nüchtern, mutig und getröstet leben.

Paulus führt seine Gemeinde weiter hinein in das Geheimnis dieses kommenden Ereignisses. Er beschreibt, wie der Herr selbst vom Himmel herabkommen wird – mit Macht und Herrlichkeit, mit dem Ruf des Erzengels und der Posaune Gottes. Kein dunkles, stilles Ende, sondern ein triumphaler Beginn der Ewigkeit.

„Die Toten in Christus werden zuerst auferstehen, danach werden wir, die wir leben, zusammen mit ihnen entrückt werden.“ (V.16–17)

Das ist nicht Spekulation, sondern Trost. Christus lässt keinen seiner Erlösten zurück. Alle gehören zu ihm – die Lebenden und die Entschlafenen. Nichts kann uns trennen von seiner Liebe, nicht einmal der Tod.

Und das Ziel: „Wir werden allezeit beim Herrn sein.“ (V.17)
Das Tagesgebet fasst diesen Gedanken wunderbar zusammen: „…damit wir in seinem ewigen und herrlichen Reich ihm ähnlich gemacht werden.“

Das ist die höchste Hoffnung des Christen: nicht einfach mit letzter Puste in den Himmel zu kommen, sondern Christus gleich zu werden. In Reinheit, in Herrlichkeit, in vollkommener Liebe. Die Wiederkunft Christi ist nicht nur ein himmlisches Ereignis – sie ist die Vollendung unserer Verwandlung.

Doch Paulus und das Gebet erinnern uns: Diese Hoffnung ist nicht passiv. „Verleihe, dass wir uns in dieser Hoffnung selbst reinigen, gleichwie er rein ist.“

Das bedeutet: Wer auf Christus wartet, soll heute schon beginnen, so zu leben, wie er ist. Hoffnung und Heiligung gehören zusammen.
Paulus sagt nicht: „Lasst uns auf das Ende warten und abwarten.“ Er sagt vielmehr: „Lebt heute in einer Weise, die dem Herrn gefällt.“ (vgl. 4,1)

Die Zukunft formt die Gegenwart.
Wer weiß, dass Christus kommt, achtet darauf, wie er heute lebt.
Wer hofft, ihm ähnlich zu werden, beginnt schon jetzt, in seinem Charakter verändert zu werden.

Wie geschieht das?

  • Durch tägliche Gemeinschaft mit Christus – im Gebet + in seinem Wort.
  • Durch den Heiligen Geist, der in uns wirkt und die Gesinnung Christi in uns formt.
  • Durch unsere praktische Liebe im Alltag, die das Wesen Christi widerspiegelt.

Die Hoffnung auf die Wiederkunft ist also kein theologisches Wissen, sondern eine Kraft zur Reinigung unseres Wesens. Sie verändert, wie wir über Geld, Zeit, Beziehungen und das eigene Herz denken. Sie macht uns wachsam, dankbar und bereit.

Viele Christen denken, die Verwandlung zur Christusähnlichkeit geschehe erst im Himmel. Doch die Schrift zeigt: Sie beginnt schon hier auf Erden.
Paulus schreibt an anderer Stelle:

„Wir alle spiegeln mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit.“ (2. Kor 3,18)

Das heißt: Jeder Schritt des Glaubens, jedes Überwinden von Sünde, jedes Wachsen in Liebe ist bereits ein Vorgeschmack des Himmels. Wenn wir vergeben, wo andere verbittern, wenn wir dienen, wo andere herrschen wollen, wenn wir hoffen, wo andere verzweifeln –
dann zeigt sich schon jetzt etwas von der zukünftigen Herrlichkeit Christi in uns.

Die Wiederkunft ist also nicht nur das Ende, sondern das Ziel, auf das unser jetziges Leben hinwächst. Jeder Gottesdienst, jedes Gebet, jedes Opfer, jeder Akt der Liebe ist eine Vorbereitung auf den Tag, an dem wir JESUS sehen, wie er ist (1. Joh 3,2).

Paulus schließt mit einer Aufforderung:

„Darum ermutigt einander mit diesen Worten.“ (V.18)

Die Hoffnung auf Christi Wiederkunft ist nicht nur persönlicher Trost – sie ist gemeinschaftliche Ermutigung.
In Zeiten von Krankheit, Tod oder Unsicherheit dürfen wir uns gegenseitig daran erinnern:
Christus kommt.
Unsere Lieben in Christus sind nicht verloren. Die Geschichte endet nicht im Chaos, sondern in der Herrlichkeit seines Reiches. Diese Hoffnung lässt uns anders trauern, anders leben, anders lieben.
Sie reinigt uns – weil sie uns auf das Ziel hinführt: Christus gleich zu werden.
Und sie tröstet uns – weil sie uns zeigt: Kein Leid, keine Trennung, keine Dunkelheit hat das letzte Wort.

Am Ende dieses Kirchenjahres, wenn das Licht kürzer und die Tage dunkler werden, ruft uns das Wort Gottes zu einer hellen, festen Hoffnung:
Der Herr kommt.
Er kommt, um alles neu zu machen,
um das Werk des Teufels endgültig zu zerstören,
um uns zu Kindern der Herrlichkeit zu vollenden.

Bis dahin leben wir – gereinigt durch seine Gnade,
gestärkt durch seine Hoffnung,
verwandelt durch seinen Geist.

Darum:
Lasst uns in dieser Hoffnung selbst reinigen, wie er rein ist – damit wir, wenn er kommt, ihm ähnlich werden in Ewigkeit.

Amen.

Liebe Mitbürger nah und fern – rückblickende und vorausschauende Menschen.

Am 3. Oktober gedenken wir mit Dankbarkeit der Wiedervereinigung unseres Landes vor nunmehr 35 Jahren. Damals fiel die Mauer, als ich in Philadelphia weiter Theologie studierte und im Seminar der Ref. Episkopalkirche dies Ereignis auf einem schwarz-weißen Fernseher fast ungläubig mit ansah. Nun Weltgeschichte, auch unsere persönliche und die biblische Geschichte ist sehr wichtig. Der Mitreformator und Humanist Melanchthon sagte einst: Der Mensch ohne Kenntnis der Geschichte ist wie eine beständige Blindheit und fortwährende Kindheit.

In diesem Sinne erinnert uns der Wochenspruch in unserem anglikanischen Gebetbuch www.rekd.de dabei an den Ursprung allen Segens, der von unserem Schöpfer Himmels und der Erden stammt:

Die Einheit und Freiheit im Himmel, auf Erden und in unserem Land sind kein Werk menschlicher Kraft allein, sondern ist ein Geschenk Gottes, das wir in Demut empfangen dürfen.

In der alttestamentlichen Lesung (5. Mose 8,2–6) werden die Israeliten daran erinnert, wie Gott sie durch ihre 40-jährige Wüstenwanderung dann in die Freiheit geführt hat, damit sie lernen, auf ihn weiter zu vertrauen. Auch die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert ist geprägt von schweren Wegen, Trennung und Leid über 40 Jahre (ca. 1949-1989/90). Doch Gott hat uns aus dieser Zeit der „Wüste und Versuchung“ geführt – nicht, weil wir die Einheit verdient hätten, sondern weil er treu ist und die Hoffnung auf die Wiedervereinigung und viele Gebete erhört hat.

Die Epistel (1. Petrus 2,13–17) weist uns auf die rechte Haltung in Freiheit hin:

Wir sollen die Freiheit nicht als Deckmantel des Bösen gebrauchen, sondern als Diener Gottes leben – Menschen, die der Obrigkeit in Ordnung und Frieden begegnen, die aber ihr Herz an Christus gebunden haben. Wahre Freiheit im Leben ist nicht Willkür, sondern ein Leben, das aus der Bindung an Christus Freiheit lebt und praktiziert.

Im Evangelium (Johannes 17,20–26) hören wir das hohepriesterliche Gebet Jesu. Christus bittet seinen Vater darum, dass seine Jünger „eins seien, so wie er und der Vater eins sind“. Diese Einheit ist mehr als politische oder gesellschaftliche Einigkeit – sie ist geistliche Gemeinschaft in Verbindung Christus, die äußere Mauern und Schwierigkeit überwindet und Herzen mit dem Nächsten verbindet. Ohne diese innere Einheit bleibt jede äußere Einheit, ob kirchlich oder politisch brüchig.

Tagesgebet:

Wollen wir dankbar zurückschauen auf die neu gewonnene Einheit unseres Vaterlandes, aber noch mehr nach vorn schauen: dass unser ganzes Volk, unsere christliche Kirche und unser persönliches Leben zuerst aus der Güte Gottes heraus gestaltet werden.

Gebet:
Herr, unser Gott, wir danken Dir für die Gabe der Einheit und Freiheit unseres Landes. Erneuere uns durch Deinen Heiligen Geist, dass wir nicht nur äußerlich vereint bleiben, sondern in Dir, Christus, wahrhaft eins werden. Amen.

Liebe Geschwister, wir leben in einer Zeit, in der die Sorgen der Gesellschaft und auch unsere persönlichen nicht kleiner, sondern immer größer und komplizierter zu werden scheinen. Nachrichten über Kriege – Ukraine, Israel und Hams -Terror, Drohnen, Naturkatastrophen, massive Überschwemm-ungen durch den Klimawandel, über Inflation, Energiepreise, nicht mehr bezahlbare Mieten und Altersarmut prägen unser Denken. Viele Familien fragen sich: „Reicht das Geld am Monatsende? Werden unsere Kinder eine Zukunft haben? Wer hält diese Welt überhaupt noch in seiner Hand?“ Trump oder Putin. Die EU oder die UN?

Manche suchen Antworten in politischen Programmen oder in technischen Lösungen, andere demonstrieren auf der Straße oder geben sich dem Pessimismus hin. Aber unser Wochenspruch ruft uns zu:
„Werft alle eure Sorgen auf ihn; denn er kümmert sich um euch.“ (1 Petr 5,7).

Doch ist das mehr als ein schöner Spruch? Kann man das wirklich glauben, mitten in den Nöten der Zeit? – Ja, und die Geschichte von Elia und der Witwe von Zarpat zeigt uns, warum.

Der Prophet Elia trat in einer dunklen Zeit in Israel auf. König Ahab und seine Frau Isebel hatten den Götzendienst der umliegenden Völker eingeführt. Baal, angeblich der Herr, ein Gott über Regen, Blitz und Fruchtbarkeit, sollte den Bundesgott Jahwe Israels verdrängen.

Doch der lebendige Gott lässt sich nicht verspotten. Er zeigt, dass ER – und nicht Baal – Herr über Regen und Dürre ist. Deshalb kündigt er durch Elia eine mehrjährige Trockenheit an. Das Land wird ausgedörrt, die Ernten bleiben aus, Menschen hungern und verzweifeln. – Damals gab es schon Erderwärmung und Wassermangel – oder war es das Resultat, dass man den lebendi5gen Gott verlassen und mit nichtigen Ideen ersetzt hat? – Ist das auch heute der wirkliche Grund für unseren Klimawandel? – 50% leben in Deutschland ohne Gott und von den restlich Karteichristen kennen und leben nur wenige in der Nachfolge Christ.

Der Prophet Gottes, Elia selbst musste deshalb fliehen, weil er das Gericht Gottes verkündet hatte. Gott führt ihn aber zuerst an den Bach Krit, wo er ihn durch Raben ernährt, die ihn täglich mit Speise versorgen. Doch als auch dort am Bach Krit das Wasser versiegt, schickt Gott ihn in das heidnische Gebiet nach Zarpat – mitten hinein in die Heimat, dem Kultland des sogenannten Gottes Baal.

Dort begegnet Elia einer Witwe. Sie hat nur noch eine Handvoll Mehl und ein wenig Öl in ihrem Haus und einen einzigen Sohn. Sie sammelt gerade Holz für die beiden, um eine letzte Mahlzeit vorzubereiten. Danach, so sagt sie, bleibt für beide nur noch der Tod.

An dieser Stelle geschieht das Entscheidende: Elia fordert sie auf, zuerst für ihn einen Brotfladen zu backen, den Rest für die beiden zum Essen zu benutzen.

  • Das klingt hart und unverständlich – wie kann man von einer hungernden Frau und ihrem Sohn so etwas verlangen?
  • Doch dahinter steckt eine Glaubensprüfung: Traut sie dem Wort des Propheten, dem Wort Gottes, mehr als der gegenwärtigen Angst und Not?

Und sie gehorcht. Sie teilt das Letzte, was sie hat, zuerst mit ihm – und erfährt darin das Wunder: Das Mehl im Topf geht nicht aus, das Öl im Krug versiegt nicht, Tag für Tag.

Diese Geschichte zeigt uns zweierlei:

  • Baal ist ohnmächtig, er ist gar kein Gott. Selbst in seiner Heimat kann er nicht helfen. Die Dürre trifft auch Phönizien. Der angebliche Fruchtbarkeitsgott ist ein Nichts.
  • Der HERR ist der wahre Gott. Er allein gibt Regen und Leben. Und er sorgt sich nicht nur um sein Volk Israel, sondern auch um eine namenlose Witwe sogar in einem heidnischen Gebiet.

Damit wird jetzt die Macht Gottes über alle Grenzen hinweg sichtbar. Er ist kein Stammes- oder Landesgott, sondern der Schöpfer der Welt, der „Waisen und Witwen erhält“ (Ps 146,9).

Dieses Handeln Gottes zieht sich durch die ganze Bibel:

  • Schon in der Wüste versorgte er Israel mit Manna und Wasser (2 Mose 16).
  • Der Psalm 37, den wir heute lesen, sagt: „Ich bin jung gewesen und alt geworden, doch habe ich noch nie den Gerechten verlassen gesehen oder seine Kinder um Brot betteln.“ (V. 25).
  • Im Neuen Testament sagt Jesus in der Bergpredigt: „Seht die Vögel unter dem Himmel: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr wert?“ (Mt 6,26).

Diese Linie zeigt uns: Gott ist treu. Er lässt die Seinen nicht im Stich – auch Dich nicht in größter Not.

Liebe Geschwister, was heißt das für uns?

Wir sind zwar nicht in der gleichen Situation wie die Witwe, aber viele von uns kennen das Gefühl, „am Ende der Vorräte oder unserer eigenen Kräfte“ zu sein:

  • Der finanziellen Vorräte – die steigenden Kosten, eine unsichere Zukunft.
  • Manche seelisch verzagt – am Ende ihrer Kraft durch Krankheit oder Konflikte.
  • Manche geistlich am Ende – ausgelaugt, ohne Hoffnung.

Die Geschichte sagt uns: Gib zuerst Gott dein Vertrauen. Trachte zuerst nach seinem Reich – und er wird dir geben, was du brauchst (Mt 6,33).

Das bedeutet nicht, dass wir immer im Überfluss leben. Aber es heißt: Wir werden nicht vergessen, wir werden nicht allein gelassen. Gottes „Mehltopf“ ist nie leer, seine Gnade reicht für Dich für jeden Tag.

  • Sorgen ablegen: Wir dürfen unsere Ängste bewusst im Gebet vor Gott bringen.
  • Gehorsam üben: Wie die Witwe zuerst gab, so sind auch wir eingeladen, Gott an die erste Stelle zu setzen – mit unserer Zeit, im Vertrauen und mit unseren Gaben.
  • Gemeinschaftssinn leben: Gott sorgt sich besonders für die Schwachen. Auch wir sollen denen beistehen, die wenig besitzen – finanziell, seelisch oder auch geistlich.
  • Zeugnis geben: Die Witwe bekannte: „So wahr der HERR, dein Gott, lebt.“ Auch wir dürfen Menschen bezeugen, dass unser Gott lebt und handelt.

Die Geschichte von Elia und der Witwe ist kein Märchen oder eine Legende, sondern ein lebendiges Zeugnis: Gott ist Herr über alle Umstände, auch über unsere Dürre, Not und Krisen , damals und heute.

Darum gilt uns heute wie damals das Wort:
„Werft alle eure Sorgen auf ihn; denn er kümmert sich um euch.“

Download des Gebetbuchs und mehr: www.rekd.de

Wochenspruch:
„Denn Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade.“ (1 Petr 5,5c)

Einleitung:

Vor vielen Jahren verabschiedeten sich zwei Politiker von der Bildfläche: Einer war ein Mitglied der CDU der andere der FDP:

Es war der fallschirmspringende Möllemann und der Fernsehmoderator Friedmann. Möllemann mit seinen erhofften 18% für seine FDP, stürzte sich am 5. Juli 2013 nach einer Immunitätsaufhebung in den Tod, als er aus dem Flugzeug sprang, ohne den Fallschirm zu öffnen.

Friedmann dagegen, dessen Show „Vorsicht Friedmann“, hieß, zog beim Auffliegen seiner Ungesetzlichkeiten die Konsequenzen anders. Er legte seine Messlatte genauso, aber hart an sich selbst, wie in seinen Talkshows bei anderen und trat von allen seinen öffentlichen Ämtern zurück. Wer von den beiden hatte nun aufrichtige Buße getan? Heute machen wir einen Rückblick auf zwei von Jesus erwähnte Personen, besonders steht ihr Charakter im Mittelpunkt.

Liebe christliche Gemeinde, lieber Leser,

in der Lesung des heutigen Evangelium begegnen uns zwei sehr unterschiedliche Menschen: Der Pharisäer und der Zöllner. Jesus stellt uns diese beiden als Beispiele für den rechten und den falschen Weg der Demut und Buße vor.

Der Pharisäer ist ein Mann, der von sich überzeugt ist, dass er gerecht vor Gott steht, während der Zöllner als ein Mann voller Schuldbewusstsein und Demut beschrieben wird.

Wir erinnern uns heute an ein Gleichnis, das uns hilft, den Blick auf das eigene Herz zu werfen und uns vor Selbstgerechtigkeit zu hüten. Wer sind wir in diesem Bild: der Pharisäer oder der Zöllner?

Jesus erzählt uns, dass der Pharisäer im Tempel steht und sich selbst in den höchsten Tönen lobt. „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Menschen: Räuber, Unrechtshandlanger, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.“ (Lk 18,11)

Der Pharisäer ist davon überzeugt, dass er durch sein Verhalten Gott gefallen wird. Er fastet zweimal die Woche und gibt den Zehnten von allem, was er verdient. Doch trotz dieser religiösen Disziplin und Hingabe erkennt er nicht, dass seine Haltung vor Gott nicht das ist, was er erwartet.

Dieser Pharisäer ist stolz auf sich selbst. Der Blick in den Tempel, der Blick zu Gott, ist für ihn ein Moment der Selbstverge-wisserung. Er fühlt sich besser als die anderen und vergleicht sich mit dem Zöllner, den er als weniger wertvoll ansieht. Er ist so beschäftigt damit, sich selbst zu bestätigen, dass er nicht bemerkt, wie er sich von Gott entfernt hat.

In unserem Leben gibt es vielleicht auch Menschen, die aus ähnlichen Motiven heraus ihr Leben gestalten. Sie sind in der Gemeinde aktiv, sie tun „gute Werke“, sie leben nach den Geboten Gottes. Doch im Inneren sind sie stolz und vergessen, dass wahre Gerechtigkeit vor Gott nicht aus äußeren Taten kommt, sondern aus einem demütigen Herzen, das erkennt, dass es auf Gottes Gnade angewiesen ist.

Im Gegensatz zum Pharisäer steht der Zöllner ganz hinten. „Er aber stand fern und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Bru und sagte: Gott, sei mir Sünder gnädig.“ (Lk 18,13) Der Zöllner steht nicht im Vordergrund und prahlt nicht mit sich und seinen Taten. Er weiß, dass er vor Gott schuldig ist und bittet ihn um Gnade. In seiner Haltung erkennen wir wahre Buße und Demut.

Der Zöllner ist sich seiner Unwürdigkeit bewusst. Er zeigt keinen Stolz, keine Selbstgerechtigkeit, die ihn hindern würde, vor Gott zu treten und seine Sünden zu bekennen. In seinem Gebet geht es nicht um sein dickes Ich, nicht um tolle Taten oder Vergleiche mit anderen, sondern um die tiefe Erkenntnis, dass er allein auf Gottes Gnade  und Hilfe angewiesen ist. Diese Demuts-Haltung ist der wahre Weg der Buße zu Gott.

Was können wir aus diesem Gleichnis lernen? Wir sind alle wie der Zöllner. Wir sind in unserem Leben immer wieder schuldig geworden vor Gott und den Mitmenschebn, ob in Gedanken, Worten oder Taten. Wie oft neigen wir dazu, uns mit anderen zu vergleichen und uns besser zu darzustellen als diejenigen, die uns in irgendeiner Weise als „schlechter“ erscheinen? Aber das führt uns von der Wahrheit über uns und zu Gott weg. Der Zöllner zeigt uns den richtigen Weg: Er erkennt seine Fehler und bittet um Gnade.

Die wahre Buße zeigt sich nicht in Worten allein, sondern in einer ersten und beständigen Haltung der Demut. Es geht nicht darum, wie gut wir uns an religiöse Regeln halten oder wie oft wir in der Kirchengemeinde sind. Es geht darum, dass wir uns unserer Unwürdigkeit bewusst sind und vor Gott kommen, ohne dabei auf unsere Taten zu vertrauen. Der Zöllner schlägt sich an die Brust und spricht: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Die äußere Haltung stimmt mit seiner inneren überein. In dieser einfachen, aber echten Bitte steckt die ganze Wahrheit über unser wirkliches Verhältnis zu Gott.

a) Buße und Gnade – der Weg zur Rechtfertigung durch Gott
Jesus schließt das Gleichnis mit den Worten: „Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, der Pharisäer aber nicht.“ (Lk 18,14)

Der Zöllner wird gerechtfertigt, weil er in einer Haltung der Demut und Buße (Umkehr) zu Gott kommt. Der Pharisäer hingegen geht leer aus, weil er sich selbst für gerecht hält und keine Gnade von Gott erbittet.

Auch wir sind allein auf Gottes Gnade angewiesen. Wir dürfen unsere leeren Hände ausstrecken, um sie von Gott füllen zu lassen. Wir können uns selbst nicht rechtfertigen, vor Gott als gut hinstellen. Und je mehr wir uns in unserem Stolz auf unsere eigenen guten Werke verlassen, die wir nicht für Gott, sondern zu unserer eigenen Ehre tun, desto weiter entfernen wir uns von Gottes Gnade und Erlösung.

Doch wer sich in Demut vor Gott beugt, erniedrigt, der empfängt die Gnade, die uns in Jesus Christus angeboten wird. Denn nur durch das Opfer Jesu am Kreuz, für unsere Verfehlungen, können wir durch ihn vor Gott gerechtfertigt werden. Nur durch unser Vertrauen auf Jesus Sühnopfer am Kreuz werden wir vor Gott als gerechtfertigt angesehen und werden angenommen.

b) Anwendung auf unser Leben
Wenn wir heute auf unser eigenes Leben schauen, erkennen wir, wie oft auch wir in der Gefahr stehen, uns selbstgerecht zu fühlen und darzustellen. Aber gerade in dieser falschen Haltung sind wir weit entfernt von Gott. Der Weg zur Gnade Gottes führt nur über die innere Haltung der Demut und Buße. – Erst ein zerschlagenes und demütiges Herz wird Gott nicht verachten.

Lasst uns daher wie der Zöllner kommen und Gott um Gnade, seine Hilfe, bitten. Lasst uns mit einem zerbrochenen Herzen zu ihm kommen und sagen: „Gott, sei auch mir Sünder gnädig.“

Ein Schlussgedanke
Erinnern wir uns noch an den FDP Politiker Möllemann, der von seiner eigenen Überlegenheit überzeugt war, stürzte 2013 sich tragisch in den Tod, ohne den Fallschirm zu öffnen, und ohne seine politischen Fehler einzugestehen. Jedoch der Fernsehmoderator Friedmann mit seiner Show: „Vorsicht Friedmann“ hingegen zeigte Einsicht. Er trat zurück und bekannte seine persönlichen Mängel. –

Auch in unserem Leben gibt es immer wieder Momente, in denen wir an unserem Stolz und unserer Selbstgerechtigkeit arbeiten müssen. Aber nur, wenn wir unsere Unwürdigkeit erkennen und Gottes Gnade annehmen, finden wir echten Frieden und echte Rechtfertigung. – Hast du Frieden mit Gott? Möge dir die Haltung des Zöllners ein Vorbild sein: Es ist die Demut vor Gott, das Eingeständnis unserer Fehler und das Vertrauen allein auf Gottes Gnade allein. Nur so können wir in Gottes Gnade stehen und ihm die Ehre geben. Amen.

Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis

Thema: Gott und sein Volk
Textgrundlagen: Jeremia 7,1–11; 1. Korinther 12,1–11; Lukas 19,41–47a
Wochenspruch: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ (Ps 33,12)

Liebe Christus-Gemeinde, Teilnehmer über ZOOM oder Leser auf Word-Press.
Der Wochenspruch in unserem anglikanischen Gebetbuch sagt uns heute:

„Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist…“

 Was für ein wunderbarer Zuspruch! Wir dürfen uns zu diesem Volk zählen, denn Gott hat uns durch Jesus Christus erwählt. Aber was bedeutet das eigentlich – erwählt zu sein? Bedeutet das, dass wir uns zurücklehnen können, weil wir „auf der sicheren Seite“ sind? Oder bedeutet es etwas anderes?

Heute wollen wir gemeinsam entdecken, was es heißt, Gottes Volk zu sein. Drei biblische Texte begleiten uns dabei: Jeremia ruft sein Volk zur Umkehr, Paulus erinnert an die Gaben des Geistes, und Jesus weint über Jerusalem.

Diese Texte zeigen uns einen roten Faden vom AT zur Epistel: Gottes Gaben und Jesu Sorge im Evangelium über sein Volk um die wahre Anbetung – unsere Anbetung heute.

Denn Gottes Volk lebt nicht aus äußerer Form und Festhalten an Religion, sondern aus innerer Hingabe zu Jesu – und sie empfängt von ihm geistliche Gaben zum Dienst für Gott.

Jeremia predigt vor dem beeindruckenden wundervollen Tempel in Jerusalem. Er ruft den Menschen zu: „Macht eure Wege und Taten gut, lasst euer Leben als Kinder Gottes mit seinem Willen übereinstimmen. so will ich bei euch wohnen!“ Warum dieser Ruf? Weil das Volk zwar den Tempel verehrt, aber Gott vergessen hat. Sie meinen: „Wir haben den Tempel, wir sind sicher.“ Doch Gott sagt: „Meint ihr, mein Haus sei eine Räuberhöhle?“ – Ja euer Inneres steht an erster Stelle und ist voller Raub.

Das ist für sei eine unbequeme Botschaft: Es reicht nicht, am heiligen Ort zu stehen, wenn das Herz fern von Gott ist. Erwählung ist kein Freibrief, sondern ein Ruf zur Heiligung, Heiligung, nach den Geboten Gottes, seinem Willen leben..

Wie ist das bei uns? Auch wir können versucht sein, uns auf Äußerlichkeiten zu verlassen: „Ich gehe in die Kirche, in die Gemeinde, ich bete.“ Vielleicht auch nur, weil es da einen guten Brunch gibt. Aber Gott fragt uns: „Lebst du nach meinem Willen? In der Heiligung? Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Liebe – sind das deine Wege? Das ist Glaube im Alltag!“

Gottes Volk erkennt man nicht daran, dass es fromme Worte kennt, kopiert und postet, sondern daran, dass es Gottes Willen tut. Das ist die erste Lektion: Erwählung bedeutet nicht Selbstzufriedenheit, sondern Umkehr.

Der zweite Text bringt eine wunderbare Ergänzung: Wenn ein Volk sich Gott zuwendet, dann schenkt Gott seinem Volk Gaben. Paulus schreibt: „Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist.“

Was bedeutet das? Gott gibt jedem Christen eine Gabe – nicht zu seinem eigenen Ruhm, sondern zum Nutzen aller. Die Gemeinde ist kein Ort des Konsums, sondern ein Leib, in dem jeder Teil eine Aufgabe hat.

Vielleicht fragst du dich: „Was kann ich schon tun?“ Aber Gott hat dir etwas gegeben, was nur du einbringen kannst. Vielleicht ein offenes Ohr, ein ermutigendes Wort, die Gabe der Fürbitte, der Musik, der Organisation oder des praktischen Helfens.

Gottes Volk ist nicht nur erwählt, sondern auch begabt. Und wenn wir unsere Gaben einsetzen, wird die Gemeinde lebendig.

Der dritte Text führt uns auf den Ölberg. Jesus sieht Jerusalem vor sich – die Heilige Stadt, das Zentrum des Glaubens – und er weint. Warum? Weil sie nicht erkannt haben, was Ihnen zum Frieden dient. Sie kannten alle religiösen Formen, die religiöse Autorität dachte nur an Macht und Geld, aber sie hörten nicht auf Gottes Ruf.

Dann geht Jesus in den Tempel. Er sieht, wie daraus ein Marktplatz geworden ist – und er handelt radikal: „Mein Haus soll ein Bethaus sein, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.“

Liebe Christus-Gemeinde, das ist eine ernste Mahnung: Auch wir können Gefahr laufen, dass unser Gottesdienst ein Ort wird, an dem wir unsere Traditionen, unsere Vorstellungen und unser Ego pflegen, dass aber Gott draußen bleibt. Jesus ruft uns: „Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein!“ Das ist nicht nur der Kirchenraum, das ist auch und besonders unser Herz. Ist unser Herz ein Ort der Begegnung mit Gott – oder ist es voll anderer, Egogedanken- und Worte und Umsetzung eigener Wünsche in den Alltag? Aber nichts nach dem Willen Gottes?

Wollen wir festhalten:

Mein Herzenshaus soll immer ein Bethaus sein. Dort soll niemand drin wohnen als Jesus allein.

Diese drei Texte malen uns ein Bild vor die Augen, was es heißt, wirklich Gottes Volk zu sein:

  1. Erwählung heißt gleichzeitig Umkehr. Nicht: „Jetzt bin ich sicher erwählt“, sondern: „Herr, erneuere mich in und durch deine Erwählung.“
  2. Gottes Volk empfängt Gaben. Nicht: „Ich konsumiere“, sondern: „Ich diene Gott und seinem Volk mit diesen Gaben.“
  3. Jesus ruft uns in die Nähe Gottes. Nicht äußerer Schein wie bei den Pharisäern zählt, sondern ein Herz, das auf Jesus hört und in Gottes Gegenwart betet.

Der Wochenspruch fasst es zusammen: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist…“ – Ja, wohl uns, wenn wir auf Jesus hören und in seinen Wegen gehen.

Darum: Lasst uns heute neu fragen: „Herr, wo rufst du mich zur Umkehr? Welche Gabe hast du mir gegeben, und wo setze ich sie in der Gemeinde ein? und ganz wichtig: Wie kann mein Herz ein Haus des Gebets werden?“

Wenn wir als Christus-Gemeinde diesen Weg gehen – im Hören, im Gebet und gemeinsamen Dienst – dann wird sich das Versprechen erfüllen: Gottes Volk lebt in seinem Segen.

Gebet

Barmherziger Herr, öffne unsere Ohren für Dein Wort und unsere Herzen für Deine Nähe. Lehre uns, Deine Wege zu gehen. Zeige uns, wie wir unsere Gaben zum Wohl der Gemeinde einsetzen können. Mach unser Leben zu einem Haus des Gebets.

Dies bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

1. Die Freude, wenn ein Mensch gefunden wird.

Liebe Wanderfreunde, liebe Kinder, liebe Gemeinde, habt ihr euch schon einmal verlaufen? Beim Wandern den falschen Weg eingeschlagen? Oder auf einem Stadtfest den Anschluss an eure Gruppe verloren – und plötzlich ist keiner mehr da, den ihr kennt? O Schreck. Hilfe!

Kinder, stellt euch vor: Ihr seid mit eurer Gruppe unterwegs, ihr singt fröhlich einige eurer Musical-Lieder, ihr lacht und redet – aber plötzlich merkt ihr: „Ich habe gequatscht mit meinem Freund oder Freunde, und jetzt sind wir zwei ganz alleine. Keiner unserer Gruppe ist mehr da.“
Da wird einem schon mal mulmig. Und man ruft vielleicht: „Hallo! Wo seid ihr denn?“

Auch uns Erwachsenen geht das so – nicht nur im Wald, sondern auch im wirklichen Leben. Manchmal ist so viel Trubel, trotzdem fühlt man sich innerlich einsam du verloren:

In der Bibel hören wir heute: Jesus suchte genau solche Menschen auf.

Nicht die Frommen und Hochangesehenen zuerst, sondern Menschen, die ausgestoßen waren, voller Fragen, manchmal und oft voller Schuld, weil sie sich nur um sich selbst kümmerten und nie nach Gott fragten. Die Frommen damals sagten: „Was soll das? Warum trifft Jesus sich mit solchen Leuten und isst auch noch mit ihnen?“

Aber Jesus wusste: Diese Menschen erkennen, dass sie Hilfe und Rettung brauchen. Sie waren und fühlten sich verloren


2. Verloren ja, aber das heißt nicht wertlos

Jesus erzählt deshalb zwei kurze, aber sehr eindrucksvolle Geschichten:

Ein Hirte hat 100 Schafe – eines ist plötzlich weg. Aber, was tut er?
Er lässt die 99 zurück und sucht nur das eine, bis er es endlich gefunden hat. Er trägt es auf den Schultern nach Hause – und dann gibt es ein großes Fest. Er schmeißt eine Party, weil das Verlorene gefunden wurde.

Oder die zweite Geschichte: Eine Frau verliert eine Silbermünze – ein ganzer Tagelohn. Und sie räumt alles um, fegt den Holzboden, schaut in jeden Ritz, sucht in jeder Ecke – bis sie die Münzel endlich findet. Und auch sie ruft ihre Nachbarinnen zusammen: „Freut euch mit mir!“

Genauso reagiert Gottes inneres Herz: Jeder zählt, jeder und jede Einzelne zählt. Gott liebt und freut sich über jeden Gefundenen.
Du bist nicht nur „einer oder eine von vielen“ – du bist einzig geliebt, besonders gesucht, und sollst gerettet werde. Lässt du dich aber finden und retten? Und wenn du dann zurückgebracht wirst –  zu Gott, gibt es – so sagt uns Jesus –dort eine große Freuden-Party im Himmel!


3. Auch heute wieder Party? Warum das Himmelreich Grund zur Freude hat.

Liebe Fest-Gemeinde,
wir feiern heute mit Wanderstöcken, Jausenschmaus und Trompetenschall. Wir wandern, wir singen und genießen die sommerlich Natur – und wir hören heute: Im Himmel wird gefeiert, wenn ein Mensch umkehrt und sich finden lässt. Ja, finden lassen. Das verirrte Schaft tut nichts. Es lässt sich in die Arme nehmen.

Das ist kein genötigter Zwang, sondern eine echte herzlich Einladung:

  • zuzugeben, dass ich oft falsch im Leben abgebogen bin
  • dass ich nicht alles richtig im Griff

  • dass ich Hilfe brauche –
  • und diese Hilfe heißt: Jesus.

Jesus feiert nicht mit stolzen Selbstgerechten Menschen, sondern mit solchen, die sagen: „Herr Jesus, ich brauche dich.“

Und dann ist er da. Jesus trägt mich heim. Er feiert dann mit uns. Mit viel Musik, mit großer Freude – und mit einem besonderen Platz am Tisch für mich – direkt bei Gott.

4. Was heißt das für uns heute?

Gerade bei einem Wandertag ist das Bild so klar:
Wir sind unterwegs. Auf Wegen. In Gruppen.

  • Manche laufen voraus.
  • Manche bleiben zurück.
  • Manche verirren sich.

Als Christen – evangelisch, katholisch, anglikanisch – wir alle sind auch eingeladen, nicht nur gefunden zu werden, sondern besonders so wie Jesus zu handeln:

  • Nämlich den Blick zu haben für den, der nicht mehr mitkommt, der sich verirrt hat,
  • für das Kind, das nicht mehr gesehen wird,
  • für den Erwachsenen, der sich hinter
  • seinem Lächeln  oder Witzen versteckt.

Wenn wir als Christen – so wie Jesus – solche Menschen suchen, sie wertschätzen, und einladen, dann ist das Evangelium doch mitten unter uns. Dann wird Gottes Himmel ein Stück auf der Erde sichtbar, weil wir wie Jesus handeln, auch wir werden Suchende für Gottes Fest und Freude.


5. Für die Kinder und ihr Großen: Ihr seid nicht zu klein für diese Botschaft

Liebe Kinder,
Jesus sucht nicht nur Große, sondern auch euch. Er sagt, lasst die Kinder zu mir kommen, (die vertrauen noch und brauchen nicht wie Erwachsene bedrängt zu werden.) Er freut sich, wenn ihr vertrauensvoll singt, lacht, glaubt, auch Fragen stellt – und manchmal auch kritisch zweifelt.
Wenn ihr Kinder euer Herz für Jesus öffnet, dann sagt er:

„Ich freue mich über dich – mehr als über viele, die meinen, alles richtig zu machen.“

Und ihr dürft heute wissen: Du bist nicht verloren – du bist gefunden. Du bist geliebt, wenn du Jesus vertraust.


Schluss:

Jesus ist der gute Hirte.
Er sucht dich.
Er sieht dich.
Er trägt dich.

Und wenn du heute sagst: „Herr Jesus, ich will gefunden werden“, dann sagt und singt der ganze Himmel mit allen Engeln:

 „Jubel über Jubel! Party ohne Ende! Einer oder Eine ist heimgekommen!“

– Zu Gott.

Predigt 2. Sonntag nach Trinitatis – Lukas 14,16–24 EÜ

Heute Morgen, eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst erschienen fremde Menschen vor die Christuskapelle vorgefahren. O, das sind neue Besucher, dachte ich. Der Fahrer stieg aus und sagte: „Pater, wir brauchen Benzin oder Geld. Kannst Du mir geben?“ „Woher seid ihr?“ „Wir kommen aus Ungarn. Ich kann nicht gut Deutsch.“ Ich antwortete ihm: „Bei uns beginnt gleich um 10 Uhr der Gottesdienst hier in der Christuskapelle. Ich lade euch vier Leute ein, daran teilzunehmen. Danach essen wir gemeinsam „Brunch. Dann könnt ihr mit eurem Kind auch mitessen. Kommt Ihr?“ „Oh, das geht nicht. Wir müssen heute noch weiter“.

Ich verstand. Die waren mit wehleidigen und mitleidserweckenden angelernten Worten auf Betteltour am Sonntagmorgen. Dann gab ihm trotzdem ein „Almosen von 20 € mit, auch dass wir nicht noch lang gestört den Gottesdienst pünktlich beginnen könnten.

DIE GROßE EINLADUNG GOTTES

Jesus erzählt hier von einem Menschen, der ein großes Abendmahl veranstaltet und viele einlädt. Doch dessen Einladung wird abgelehnt – und zwar nicht aus Mangel an Höflichkeit, sondern wegen eigennütziger Prioritäten. Drei Entschuldigungen werden genannt, die damals wie auch heute noch geistliche Gefahren für die Ewigkeit darstellen.  Wir nennen diese die „3 B’s“.

1. Die Einladung – Gottes großzügiges Angebot

Der Hausherr in Jesu Gleichnis ist niemand anderes als Gott selbst. Und der Knecht, der die Einladung überbringt, ist sein Sohn – Jesus Christus. Er lädt ein zum großen Fest: Zum Heil in Christus, der Gemeinschaft mit Gott und dem ewigen Leben ein. Es ist eine Einladung zur Freude – und sie gilt zuerst seinem Bundesvolk, den Juden, aber heute auch allen, die Christus kennen, an sein Erlösungswerk glauben: Allen wahren Christen, also auch uns.

Diese Einladung geschieht nicht halbherzig. Denn Gott plant groß – lädt aber ein mit großem Ernst. Er will, dass alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Er möchte, dass sein Haus voll wird.

Auch wir als Christen sind durch den Missionsbefehl und dem Geist Gottes aufgerufen, mit derselben Liebe und Ausdauer einzuladen – zu Gottes Reich, zu seiner Gemeinde, zum Mahl des Heils.

2. Die Entschuldigungen – Spiegel unserer Herzen und jeder kulturellen Gesellschaft

Doch die zuerst Geladenen lehnen unter verstecktem Vorwand ab. Nicht ärgerlich oder mit offener Rebellion, nein, sondern scheinheilig, höflich, aber bestimmt: „Ich habe einen Acker gekauft…“, „Ich habe fünf Ochsengespanne…“, „Ich habe gerade geheiratet…“.

Es sind keine schlimmen Dinge an sich – nämlich Besitz, Arbeit und Familie – oder 3xB. Doch diese alltäglichen Dinge und Beziehungen werden zum Vorwand genom-men, Gottes Einladung nicht anzunehmen.

Hier liegt unser aller Problem: Das Gute, das Gott uns irdisch schenkt, wird wichtiger als das Höchste. Weltliche, geldliche, menschliche Dinge verdrängen geistliche Prioritäten, sie entfernen uns von Gott.

Der Acker steht für Besitz und finanziellen Gewinn. (Nach der Thora / Gesetz gehört er Gott und ist immer 50 Jahre ausgeliehen.) Wer immer zuerst mit den Augen auf diesen Boden und Besitz schaut und sich von diesen irdischen vergänglichen Dingen leiten lässt, wird den Blick zum Himmel und damit Gott verlieren. Text klicken zum Lesen: (z.B. der reiche Jüngling)

Die Frau steht für erfüllende Beziehungen und familiäres Glück.  Umgekehrt der Mann für die Frau. Es sind oft der Ehepartner, die Familie, auch andere Beziehungen, die uns hintern die Einladung Gottes ausschlagen. Gerade diese Bindungen können zu unseren Götzen werden, wenn sie uns wichtiger als Gott selbst werden. – Familie zuerst oder Gott? Diese drei Themen stehen für die großen „B’s“ unserer Zeit:  Besitz, Beruf, Beziehungen – Dies drei sind die häufigsten Gründe, warum heute Menschen Gottes Große Einladung heuchlerisch ablehnen.

Und gerade Christen sind nicht immun: Wer von uns regelmäßig den Gottesdienst vernachlässigt, die Gemeinschaft der Heiligen verpasst, sein Gebet aufschiebt, sich nicht mehr für das Reich Gottes engagiert, keine Last für die Nichtchristen und Nichterlösten hat, der folgt denselben Mustern heute wie damals.

Und wie geht Gott mit diesen Ausflüchten und absagenden Antworten um? Er nimmt diese Ablehnung ernst: „Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Mahl schmecken.“ – Und dies gilt natürlich auch gleichberechtigt für die Frauen, Jungen und Mädchen. Das ist aber keine Rache von Gott, sondern gerechte Konsequenz. Sollte nicht ein Geschöpf seinem Schöpfer danken und zuvorkommend antworten.

Wer aber Gott absagt, verpasst das größte Fest. Das Fest im Himmel, und Jesu Festmahl.

3. Seine Gnade für die Geringen

Doch Gott, der Gastgeber sagt das Fest nicht ab. Er öffnet die Türen weiter – für die Ausgestoßenen, Kranken, Blinden und Lahmen, für alle, die von der Gesellschaft übersehen werden. Damals waren es Zöllner, Bettler, Dirnen. Heute sind es Menschen ohne Stimme: die Armen, die Vergessenen, die geistlich Hungrigen. Ihnen gilt Gottes Einladung mit besonderer Liebe.

Und er sendet seine Apostel und treuen Nachfolger nach Pfingsten bis heute aus.

Als dann noch Platz ist, sendet er seinen Knecht „an die Hecken und Zäune“. Ein Bild für das Hinausgehen über alle Grenzen: geografische, kulturelle und religiöse. Hier beginnt nun die Mission unter den Völkern. Die Apostel – besonders Paulus – führen diese Einladung über die jüdische Welt hinaus und laden ein: Die Griechen, die Römer, die Germanen – laden ein die Heiden. Das Evangelium überschreitet damit alle Grenzen bis nach Spanien, nach England, zum Schwarzen Meer und mit dem Apostel Thomas kommt es bis nach Indien.

4. Die „Hecken und Zäune-Mission“, unser Auftrag heute!

Doch das Haus Gottes ist noch nicht voll. Seine Einladung gilt weiterhin – und er sucht gerade heute seine Boten: Menschen, Männer und Frauen, die wie der Gottes-Knecht Jesus selbst, die Einladung zum Reich Gottes weitertragen. An die „Hecken und Zäune“! In unserer Zeit sind dies die Orte, wo Menschen fern vom Glauben leben: Die Großstädte, die sozialen Brennpunkte, die Flüchtlings-Unterkünfte, auch die weiten digitalen und virtuellen Räume – überall dort, wo das Evangelium kaum gehört wird, gib’s „Hecken und Zäune“. Auch wir als anglikanische Gemeinde in Deutschland stehen in dieser Berufung. Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele Namens-Christen Gottes diese Einladung gleichgültig ablehnen, aber auch viele äußerlich gehetzte Menschen sind im Inneren einsam und warten, dass sie jemand anspricht.

Darum lautet unser Auftrag auch heute:
Geht hin! Ladet ein! Mit Liebe, mit Ernst, mit Ausdauer. Nicht nur zum Sonntagsgottesdienst – sondern zu Christus selbst, ihm nachzufolgen. Nicht nur mit Worten – sondern auch mit Gastfreundschaft, Barmherzigkeit und dem Zeugnis unseres täglichen Lebens, Glaube im Alltag.

5. Gott freut sich über ein volles Haus

Er gibt sich nicht zufrieden mit einem halbleeren Haus. Er möchte, dass viele gerettet werden. Und er gebraucht uns dazu. „Es ist noch Raum da“, sagt der Knecht. Diese Worte gelten auch heute – in den leeren Kirchen, in unserer Wohnung und für unsere Stadt. Auch in Deutschland, dass die vielen Ausländer das Evangelium annehmen.

Möge der Herr uns gebrauchen, als Boten Seiner Einladung. Mögen wir nicht auf der Seite der sich Entschuldigenden zu finden sein, sondern bei denen, die einladen und sagen komm. Wollen wir fest im wahren Glauben stehen – und von dort andere mit uns ziehen – zum großen Gastmahl Gottes.

Amen.                                              Bf. Meyer