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„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt.“ (Gal 4,4)

Der 25. März ist ein stilles, aber tiefes Fest im Kirchenjahr. Neun Monate vor Weihnachten erinnert uns dieser Tag daran: Die Menschwerdung Christi begann nicht erst in der Krippe von Bethlehem, sondern im verborgenen Gehorsam einer Jungfrau in Nazareth, Israel. Gott handelt heilsgeschichtlich sehr genau – seine Zeit ist nun erfüllt, sein Plan ist vollkommen.

In Lukas 1,26–38 tritt der Engel Gabriel zu Maria mit einer Botschaft, die alle menschliche Vorstellung übersteigt. Gottes Erlösung beginnt nicht mit menschlicher Initiative und Streben, sondern mit göttlicher Initiative und einem Wunder. Maria ist „begnadet“ – nicht aufgrund eigener Leistung, sondern weil Gott sie als sein Gefäß erwählt.

Hier erkennen wir ein Grundprinzip des Evangeliums: Gott handelt immer zuerst. Wie schon in Jesaja 7 verheißen („Siehe, eine Jungfrau wird schwanger werden“), erfüllt sich Gottes Wort zuverlässig. Die Menschwerdung Christi ist keine religiöse oder philosophische Idee, sondern ein reales Eingreifen Gottes in Raum und Zeit unserer Geschichte und erfüllt sich durch und in der Jungfrau Maria.

Auch wir leben aus dieser Gnade. Unser Glaube beginnt nicht mit unserer Suche nach Gott, sondern mit seinem Ruf an uns und unserer Antwort. Antwortest Du wie Maria?

Marias berühmte Antwort lautet: „Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe nach deinem Wort.“

Diese Haltung ist kein passives Ertragen, sondern ein aktiver Glaube. Maria vertraut Gottes Verheißung, obwohl sie den Weg ihrer berufenen Schwangerschaft nicht überblickt. Ihr „Ja“ steht am Anfang des Heilsweges, der über Bethlehem hinaus direkt nach Golgatha führt.

Das Tagesgebet – siehe am Ende -bringt diese Verbindung wunderbar zum Ausdruck:
Wir hören von der Menschwerdung Gottes in Jesus,– doch wir gelangen erst durch sein Kreuz und sein Leiden zur Auferstehungsherrlichkeit. Weihnachten und Karfreitag gehören zusammen. Die Krippe steht bereits im Schatten des Kreuzes.

Für uns bedeutet das: Echter Glaube zeigt sich wie bei Maria im Gehorsam gegenüber Gottes Wort – auch wenn der Weg für unseren Glaubens zunächst unverständlich erscheint.

Galater 4 erinnert uns daran, warum Christus geboren wurde: „Damit wir die Kindschaft empfingen.“

Der ewige Sohn wird Mensch, damit wir verlorene und verirrte Menschen geliebte und wirkliche Kinder Gottes werden. Dieses Heil beginnt verborgen im Schoß Marias, wird sichtbar in Bethlehem und vollendet sich im leeren Grab.

Darum ist der 25. März auch ein Hoffnungsfest für uns. Gott beginnt sein größtes Werk im Verborgenen – der seliggepriesenen Mutter unseres Herrn Christus. So wirkt er oft auch heute: verborgen, im Stillen und treu für Dich. Was Gott in seinem Wort verheißen hat, wird er in Dir vollenden.

Zum Nachdenken

Zwischen Verkündigung Jesu und seiner Geburt liegen neun Monate des Wartens. Zwischen Verheißung und Erfüllung liegt oft auch in unserem Leben eine bestimmte Zeit des Glaubens. Doch wie Maria dürfen wir glauben sagen: „Herr, mir geschehe nach deinem Wort.“

Wer wie Maria, die Mutter unsers Herrn Jesus Christus glaubt und lebt, wird erfahren: Gottes Gnade trägt mich durch Warten und Leiden hindurch zur Herrlichkeit meiner Auferstehung.

Herr. Wir bitten Dich: Gieße Deine himmlische Gnade in unsere Herzen, dass – die wir durch die Botschaft eines Engels die Menschwerdung Deines Sohnes vernommen haben – wir auch durch sein Kreuz und sein Leiden zu der Herrlichkeit seiner Auferstehung gelangen. Durch denselben Jesus Christus, unseren Herrn.  Amen.

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Liebe Gemeinde und entfernte Zuhörer,

die Fastenzeit führt uns näher an das Kreuz Christi. Der heutige Sonntag erinnert uns daran, warum Jesus als Hohepriester kam:

Er kam, um uns von toten Werken zu befreien, unser Gewissen zu reinigen und uns fähig zu machen, dem lebendigen Gott zu dienen.

Hebräer 9,11-15

11 Christus aber ist gekommen als Hohepriester der künftigen Güter durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist. 12 Nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut ist er ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und so hat er eine ewige Erlösung bewirkt. 13 Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden, 14 um wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst als makelloses Opfer kraft des ewigen Geistes Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen. 15 Und darum ist er der Mittler eines neuen Bundes; sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt, damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten.

Das Evangelium ist nicht nur Vergebung der Vergangenheit – es ist besonders die Erneuerung für unsere Gegenwart und Sendung für in unsere Zukunft.

Im Alten Testament hatten alle Priester eine wichtige Aufgabe: Sie brachten sündige Menschen dem heiligen Gott nahe. Durch Opfer, durch Reinigungsrituale und ihren Dienst im Heiligtum, im und um den Tempel Gottes wurde deutlich, dass Sünde nicht einfach übergangen werden kann. Niemand sollte sich als Sünder beschmutzt ins Heiligtum Gottes begeben,.

Die äußere Reinigung war vorerst notwendig, damit Menschen wieder am Gottesdienst teilnehmen konnten. Auch das Heiligtum selbst musste immer wieder gereinigt werden. Einmal im Jahr trat der Hohepriester in das Allerheiligste ein und brachte Opfer für sich und für das Volk dar.

Doch all diese Handlungen hatten eine Grenze. Sie konnten das Gewissen der Menschen nur für eine kurze Zeit erleichtern – aber nicht endgültig befreien. Die Opfer mussten jedes Jahr wiederholt werden. Und so wartete das Volk wartete auf eine tiefere Erlösung, auf den vorgeschatteten Messias, das wirkliche Lamm Gottes.

Anwendung:
Auch heute versuchen Menschen, ihr Gewissen durch äußere Leistungen zu beruhigen: durch religiöse Aktivität, moralische Anstrengung oder soziales Engagement oder auch psychologische Behandlung und Befreiung. Das alles kann hilfreich sein – aber es ersetzt nicht die innere Reinigung durch Christus, es ersetzt nicht den Gemeindehirten und Priester Gottes, der zuhört und die Vergebung zuspricht.

Die jetzige Fastenzeit lädt uns ein, uns zu prüfen: Vertraue ich auf meine eigenen Werke und Befreiungsversuche oder wirklich auf das Opfer Jesu? Suche ich äußere Ordnung, Selbsterlösung und Techniken – oder echte Versöhnung und Vergebung mit Gott durch Christus?

2. Christus, der Hohepriester des neuen Bundes – Reinigung des Gewissens

Jesus ist nicht nur ein weiterer Priester. Er ist der vollkommene verheißene Hohepriester. Er bringt nicht fremdes Blut dar, sondern sein eigenes. Sein Opfer geschieht nur ein für alle Mal.

Damit erfüllt sich die Sehnsucht des Alten Bundes. Christus trägt die Sünde nicht nur symbolisch oder zeitlich fort – er nimmt sie wirklich weg, ein für allemal. Sein Opfer reicht bis in das himmlische Heiligtum.

Das Ziel seines Handelns ist klar: unser Gewissen von toten Werken zu reinigen. Tote Werke sind Handlungen ohne Glauben, ohne Liebe zu Gott und dem Nächsten, ohne Ausrichtung auf Gott. Sie prägen unser altes egozentrisches Leben.

Christus ruft uns heraus aus diesem antigöttlichen Zustand. Er schenkt echte Vergebung und neues Leben. Wer an ihn glaubt, ist nicht mehr gefangen in Schuld oder Selbstrechtfertigung und Verzweiflung. Der neue Mensch in Verbindung mit Christus darf wachsen.

Anwendung:
Ein gereinigtes Gewissen entsteht nicht automatisch. Es wird aber genährt durch Gottes Wort, durch Gebet, durch ehrliche und beständige Umkehr. Wo das Gesetz, der Wille Gottes, ernst genommen wird, wächst auch ein feines Gewissen.

In unserer Zeit erleben wir oft das Gegenteil: Die meisten Menschen fühlen sich nur sich selbst verantwortlich. Sie vergeben sich selbst. Doch Christen wissen: Wir leben vor Gottes Angesicht.

Darum ist es wichtig, dass wir regelmäßig die Heilige Schrift lesen, die Predigt hören, unser Leben ständig prüfen. Ein empfindsames Gewissen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von geistlicher Lebendigkeit.

Das Ziel der Reinigung ist nicht Passivität. Gott reinigt uns, damit wir ihm dienen können.

Christlicher Dienst beginnt im Alltag. Er geschieht mit Händen und Herz: in Besuchen bei Kranken, in Fürsorge für Bedürftige, in Treue in der Familie, in ehrlicher Arbeit. Jeder Christ ist berufen, Gottes Liebe sichtbar zu machen.

Doch auch der feiernde Gottesdienst gehört dazu. Unsere Gaben sollen eingebracht werden – in Gemeindegruppen, in der Evangelisation, in der Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation.

Ein gereinigtes Gewissen schenkt Freude im Dienst. Wir müssen Gott nichts beweisen. Wir dürfen ihm aus Dankbarkeit dienen.

Fragen wir uns konkret:
Wo kann ich in der kommenden Woche dienen?
Welche Gabe hat Gott mir anvertraut?
Wo ruft er mich zu mehr Einsatz oder zu neuer Hingabe auf?

Vielleicht ist es ein Besuch, ein ermutigendes Wort, Mitarbeit in der Gemeinde oder mutiges Zeugnis im Alltag.

Der Heilige Geist gibt Kraft dazu. Er erneuert unsere Motivation. Er macht aus Pflicht Freude und aus Unsicherheit Vertrauen.

Liebe Geschwister, die Botschaft dieses Sonntags ist äußerst trostreich und zugleich herausfordernd.

Christus hat alles vollbracht. Sein Opfer am Kreuz reinigt unser Gewissen. Wir dürfen frei werden von der Last der Vergangenheit. Für immer!

Doch diese Freiheit führt uns in die Verantwortung. Gott ruft uns zu einem freien, eifrigen und hingegebenen Leben.

Lasst uns deshalb in dieser Fastenzeit neu zum Kreuz kommen. Lasst uns Vergebung durch den Hohenpriester annehmen, unser Gewissen von Handlungen des Unglaubens reinigen lassen – und dann mit neuer Freude dem lebendigen Gott dienen. Amen.

AT Lesung Genesis 3,1-24; NT Lesung Mt 4,1–11)

Leitgedanke: Die Fastenzeit ist nicht nur Verzicht, sondern Training: Gott stärkt unseren Charakter durch seinen Gegenwind. Jesus zeigt uns, wie Versuchung überwunden wird – nicht durch „starkes Gefühl“, sondern durch klare Bindung an Gottes Wort.

Im Paradies war alles gut – und doch gab es dort ein klares Stoppschild. Die Versuchung begann nicht mit einer drohenden Faust Satans, sondern mit seiner verlockenden Stimme: „Sollte Gott gesagt haben…?“ Dieser Angriff ging durch die Sinne Evas und Adams (denn die verbotene Frucht „war herrlich anzusehen“), dann durch die Begierde (die Frucht haben zu wollen), und schließlich durch vorgetäuschten geistlichen Hochmut: „Ihr werdet sein wie Gott.“

Dies Muster ist bis heute gleich: Satan versucht uns, Gottes guten Plan zu verdunkeln und sein gutes Gebot als Einschränkung zu verkaufen. Am Ende geht es hier nicht nur um einen „Fehler“, sondern um einen Bundes-Bruch und Wechsel in der Anbetung: Der Mensch setzt sich innerlich auf Gottes Stuhl und bestimmt ohne Gott.

Anwendung: Unsere modernen „Früchte“ sind oft digital glänzend: Ein Klick auf dem Smartphone, ein Bild, ein kurzer Kick. Vieles beginnt harmlos – aber die Frage ist dieselbe: Wer bestimmt dort Wahrheit und was ist gut für mich? Gottes Wort – oder mein Appetit, mein Gefühl, mein Ego?

Nach der Taufe, nach der himmlischen Bestätigung durch die Worte: „Du bist mein geliebter Sohn“, führt der Geist Jesus in die Wüste nicht zu einer Allerwelts-Prüfung. Nicht im Sinne, mal sehen, ob er durch die Führerschein-prüfung kommt. Sondern es geht um den Beweis Jesu Treue und um seine Kraft. Diese Versuchung Jesu ist nicht Sünde.

Anw. Viele Christen verlieren in der Versuchung, weil sie in ihrem Kampf falsch entscheiden, wem sie vertrauen sollen. Denn Versuchung ist der Moment, in dem Du entscheidest, wem Du glaubst. – Jesus war versucht „wie wir“, doch ohne Sünde (Hebr 4,15). Er vertraute Gott mit scharfsinniger Überlegung und begründete dazu Gottes geschriebenes Wort.

Selbstversorgung ohne Gehorsam: „Mach Brot aus Steinen.“ Nicht, das Brot ist böse – sondern: Hier geht es um Unabhängigkeit. „Sorge selbst für dich, nimm dein Recht in die Hand, nimm Abkürzungen.“ Jesus antwortet mit der Schrift (Dtn 8,3): „Gottes Wort trägt mehr als ein schnelles Brot“.
Anwendung: Der Druck zur Selbstrettung ist heute riesig: „Optimiere dich, rette dich selbst, erfinde dich neu, du schaffst das schon.“ Auch geistlich übertragen: „Mach dir dein eigenes Evangelium, das zu deinem Leben passt.“ Jesu Antwort bleibt: Ich lebe aus der Beziehung zu Vater, nicht aus meinem Impuls.

Show-Glaube und missbrauchte Bibel

Satan zitiert Psalm 91 – aber verdreht ihn. Er will Jesus „fromm“ dazu bringen, Gott zu testen: Spektakulär, populär, bekannt, messianisch zu sein, aber ohne Demut. Jesus kontert mit Dtn 6,16: Du sollst Gott nicht versuchen.
Anwendung: Das ist brandaktuell: Viele Bibelverse als Slogans täglich zu posten, vielleicht aus dem Zusammenhang gerissen – Themen um Angst, Macht, Heilung, Endzeit, für viele Likes, fürs Ego. Auch sogenannte „Prophetien“ und „Eindrücke“ übers Internet können sich zwar geistlich anhören und doch führen sie andere Menschen in Stolz, Druck oder Manipulation hinein. Falsche Geister lieben die religiöse Sprache. Darum: Die Schrift nicht als Dauer-Munition verschießen, sondern als Wahrheit in ihrem Zusammenhang benutzen.

Herrschaft ohne Kreuz

„Ich gebe dir die Reiche der Welt – ohne zu leiden.“ Satan bietet uns eine „bessere“ und einfachere Lösung an – zu Ruhm kommen, ohne Opfer zu bringen. Jesus befiehlt ihm: „Weg mit dir!“ und zitiert Dtn 6,13: Denn Anbetung gehört allein Gott allein!
Anwendung: Das ist heute die große moderne Versuchung: Christsein als Erfolgsprogramm – Konferenzen mit Hunderten oder Tausenden, aber ohne Buße, ohne Selbstverleugnung, ohne Kreuz. Oder anders: Spiritualität als Krafttechnik, spirituelle Übung und Kurse, ohne die Herrschaft Jesu. Aber das Reich Gottes kommt nicht durch Deals, Kurse oder Konferenzen, sondern allein durch Treue und Gebet.

Die Tore der Versuchung sind weiterhin: Körper – Seele – Geist. Doch die Waffen Gottes bleiben auch weiterhin: Wahrheit, Gehorsam, Anbetung – auf dem Grund der Heilige Schrift.

  •  Wenn uns die Versuchung „Brot“- körperliche Stärke verspricht: Frage dich, ob dies die Unabhängigkeit von Gott fördert.
  •  Wenn die Versuchung sogar die Bibel“ zitiert: prüfe den Kontext – den Gesamtzusammenhang der Schrift und ob es dem Wesen Gottes entspricht.
  •  Wenn die Versuchung dir „Erfolg“ anbietet: frage, ob dies ein Kreuz-loser Weg ist.

Praktisch:

  • Lies die Schrift so, dass sie dich liest. (Nicht nur einen Vers, sondern im Zusammenhang.)
  • Sprich bei Versuchung aus deinem Dunkel zu Gott: im Gebet, in Beichte, im Gespräch mit Christen.
  • Erkenne den Kern: Es geht selten nur um „eine Sache“ – es geht um Anbetung: Ideen, Götzen, Geld, Macht.
  • Überlege und antworte wie Jesus: „Es steht geschrieben“ – nicht als Formel, sondern als Unterordnung unter den Willen Gottes.

Ermutigung als Christ

Du kämpfst bei Versuchungen als Kind Gottes. In Verbindung mit Christus hast du Sieg. Und wenn du gefallen bist: Lauf nicht weg von Gott, geh wieder hin zu Gott. Der, der bereits in der Wüste neben dir stand, trägt dich auch durch deine gegenwärtige Wüste. Das ist Nachfolge.

Abschlussgebet
Herr Jesus Christus, du treuer Sieger über den Versucher, schenke uns in dieser Fastenzeit einen nüchternen Geist und ein brennendes Herz. Bewahre uns vor falschen Stimmen, vor verdrehter Schriftauslegung und vor dem Wunsch nach Abkürzungen ohne Kampf und Kreuz. Leite uns durch deinen Heiligen Geist in die Wahrheit deines Wortes, damit wir dir allein vertrauen, dich allein anbeten und dir gehorsam folgen. Amen.

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(Mt 6,16–21)

Liebe Zuhörer, liebe Gemeinde,
Aschermittwoch heute ist ein ehrlicher Tag. Er sagt uns ohne Umwege: Du bist Staub – und du kehrst zum Staub zurück. – Staub sucht Leben und Ewigkeit. Gerade deshalb stellt Jesus uns heute das Wesentliche vor Augen: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit.“ Nicht zuerst nach Erfolg oder Anerkennung trachten. Sondern zuerst nach Gott selbst suchen.

1) Fasten im Alten Testament: Selten geboten, oft zur Umkehr berufen

Im Alten Testament ist Fasten kein Dauerprogramm und keine fromme Äußerung. Geboten wird es ausdrücklich besonders am Versöhnungstag (Jom Kippur) – als „Selbsterniedrigung“ vor Gott. Darüber hinaus begegnet Fasten meist freiwillig: wenn Schuld erkannt wird, wenn Not drängt, wenn Menschen Gottes Hilfe suchen. Esra und Nehemia verbindet Fasten mit Sündenbekenntnis des Volkes; Daniel fastet, während er um Erbarmen und Wiederherstellung Israels fleht; die Psalmen kennen Fasten als Ausdruck des gebeugten und zerschlagenen Herzens.
Und zugleich kommt die ernste Warnung der Propheten:

Fasten kann zur religiösen Kulisse werden. Man verzichtet äußerlich – und bleibt innerlich hart, ungerecht und lieblos.

Genau das prangert Jesaja an: Ein Fasten, das sein Volk nicht zu Demut, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit führt, verfehlt sein Ziel. So lernt uns das Alte Testament zweierlei:

Fasten ist nicht sich selbst bestmöglich darzustellen, sondern meine Seele in Ruhe vor Gott zu bringen. Wissend, Gott lässt sich nicht durch Verzicht beeindrucken – er sucht Wahrhaftigkeit in unserem Leben.

2) Fasten im Neuen Testament: Nicht befohlen, wird neu ausgerichtet

Im Neuen Testament finden wir tatsächlich keine Vorschriften über Häufigkeit oder Dauer. Aber wir finden etwas Tieferes: Jesus richtet das Fasten auf unser Herz. In Matthäus 6 sagt er nicht: „Wenn ihr fastet, dann sorgt dafür, dass es alle merken.“ Sondern: „Wenn du fastest…“ – also: Es wird hin und wieder vorkommen. Und dann gilt dies: nicht für Menschen, sondern ist auf den Vater im Himmel gerichtet.

Darum diese erstaunlichen Worte: „Salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht.“ Das bedeutet: Geh gepflegt, freundlich, normal unter die Leute. Auch keine fromme Miene zeigen. Keine geistliche Leistung zeigen. Kein Halleluja rufen. Fasten ist eine „Kämmerlein-Frömmigkeit“: Sie ist verborgen, still, aber echt. Und unser Vater, der ins Verborgene sieht, in dein Herz, wird es belohnen – nicht unbedingt mit Applaus, nicht in einer großen christlichen Ansammlung, sondern mit dem größeren Geschenk: Nämlich mehr von ihm selbst zu erkennen.

3) „Dann werden sie fasten“: Die Sehnsucht nach dem Bräutigam wenn er entrückt ist.

Dazu kommt nun Jesu Wort vom Bräutigam: Solange der Bräutigam da ist, feiern die Hochzeitsgäste. „Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten.“ (Mt 9,15)
Fasten ist im Neuen Bund daher besonders ein Zeichen der Sehnsucht: Christus ist auferstanden – und doch ist er nicht mehr sichtbar unter uns wie damals in Galiläa bei den Aposteln. Wir leben zwischen Himmelfahrt und der zweiten Wiederkunft Jesu. Fasten sagt mir: „Herr, ich will dich mehr als alles andere erkennen. Herr Jesus, komme bald und regiere.“

Darum fastete auch die frühe Kirche, etwa vor wichtigen Entscheidungen und Sendungen (vgl. Apg 13; 14). Und sehr früh entwickelte sich eine gemeinsame Vorbereitungszeit vor Ostern: Aus einem kürzeren „Passa-Fasten“ wurde vielerorts eine längere Ordnung, die sich am biblischen Vierzig-Tage-Fasten-Motiv Jesu orientierte. Bereits im 4. Jahrhundert ist diese „Quadragesima“ weithin bezeugt.

4) Fastenzeit als Weg mit den Taufbewerbern

Ein besonders schöner Ursprung ist die Verbindung zur Katechese: In der alten Kirche bereiteten sich Taufbewerber auf die Taufe in der Osternacht durch Gebet, Fasten und Unterweisung vor – und die Gemeinde ging diesen Weg solidarisch mit ihnen bis zur Taufe.

So ist die Fastenzeit nicht nur „Verzicht“, sondern unser Weg auf Ostern zu: Hin zu Christus, hin zur Taufe (oder zur Erneuerung meines Taufbundes), hin zur Freude der Auferstehung.

Aschermittwoch ermutigt darum:

Zieh dich bewusst aus vielen weltlichen Ablenkungen zurück – nicht um dich zu zeigen, sondern um in der persönlichen Stille Gott zu suchen.

Und wenn du dann wieder unter vielen Menschen bist und weißt, dass dein Schatz im Verborgenen und im Himmel ist, und von dort der Bräutigam wiederkommen wird, dann lebe deinen Alltag mit einem fröhlichen Gesicht. Lass die Menschen erkennen, Du kommst von Gott her. Amen.

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Lukas 18,31-43; 1.Kor. 13

der letzte Sonntag vor der Fastenzeit ist wie ein Torbogen: Wir stehen noch im Licht des Epiphanias, der Zeit der Erscheinung Jesu den Heiden – Ägypten und dem heidnischen Galiläa – und jetzt beginnt im Kirchenjahr schon sein Weg nach Jerusalem.

Gottes Liebe bleibt nicht allgemein, sie ist nicht nur „ein schönes Gefühl“, nicht nur ein Gedanke oben im Himmel. Die Liebe Gottes nimmt Gestalt an – in Jesus Christus – und geht bis zum Ende: hinauf nach Jerusalem, hin ans Kreuz, hier auf der Erde. Darum hören wir heute auch noch das Hohelied der Liebe aus 1. Kor. 13: Nicht als romantisches Gedicht oder eine tolle Hochzeitspredigt, sondern als geistliche Beschreibung, wie Gott selbst handelt – und wie Christus seine Jünger in diese sich opfernd Liebe hineinführt.

Doch genau hier liegt die Spannung des Evangeliums: Jesus kündigt seinen Leidensweg klar an – doch die Jünger verstehen ihn nicht. Direkt nach diesem Ereignis steht ein Blinder am Weg, der sehend wird. Die einen haben Augen und sehen nicht. Der andere ist blind und erkennt den Messias. Das ist nicht nur eine Geschichte von damals. Es ist ein Spiegel für uns heute, für Christen besonders, die meinen Ihn zu kennen, aber sind blind wie die damaligen Jünger.


Jesus nimmt seine Zwölf beiseite und sagt es nun zum dritten Mal: Er wird ausgeliefert, verspottet, misshandelt, getötet – und am dritten Tag auferstehen. Nichts davon geschieht zufällig. Es ist nicht das tragische Ende eines guten Menschen. Es ist der Heilsplan Gottes klar im Alten Testament.

Später erklärt Jesus selbst: „Es muss erfüllt werden, was über mich geschrieben steht.“ (vgl. Lk 22,37) Und nach Ostern wird es noch klarer: Er zeigt seinen Jüngern aus der Schrift, dass der Messias leiden und auferstehen musste (vgl. Lk 24,26–27.44). Damit sagt Jesus: Die Heilige Schrift ist nicht schöne Dekoration – sie ist Gottes ewiger Wegweiser. Und Jesus ist nicht nur ein Thema der Schrift – er ist ihre Mitte.

Das ist entscheidend für unseren Glauben: Christlicher Glaube ruht nicht auf Stimmung, nicht auf Tradition allein, nicht auf „meiner religiösen Erfahrung noch auf Erlebnisgeschichten oder spirituellen musikalischen Treffen“. Er ruht darauf, dass Gott durch seine Propheten gesprochen hat – und dass Jesus dieses Wort auslegt und durch sein eigenes Leben erfüllt. Darum ist wahre Frömmigkeit nicht zuerst: „Wie fühle ich mich?“ Sondern: „Was hat Gott gesagt, und wie führt Christus mich in dieses Wort hinein?“


Warum verstehen die Jünger Jesus nicht? Unsere Lesung sagt: Es blieb ihnen verborgen. Aber praktisch sieht man: Sie haben ein anderes Messias-Bild im Kopf. Ein starker König, ein Sieger, eine schnelle Lösung. Leiden passt nicht in ihre Erwartungen seiner Nachfolger.

Und hier wird es sehr aktuell. Auch wir möchten gern den Herrn, der alles ordnet, mich segnet, schnell heilt, mich trägt – und das tut er ja auch. Aber wir geraten in Gefahr, Jesus auf „Hilfe für mein Leben“ zu reduzieren. Dann wird das Kreuz ein Randthema. Dann wird Nachfolge bequem. Dann wird unser Glaube, wie bei seinen Jügern zu einem religiösen Zusatzprogramm.

Die geistliche Blindheit zeigt sich bei den Jüngern sogar darin, dass sie kurz danach über Größe streiten (vgl. Lk 22,24ff). Wer das Kreuz nicht versteht, wird unweigerlich nur um sich selbst kreisen: um Anerkennung, Einfluss, Rechtbehalten, Verletzungen. Denn ohne das Kreuz bleibt mein ICH im Mittelpunkt.

1. Korinther 13 hält uns dabei einen Spiegel vor: Liebe sucht nicht das Ihre, sie bläht sich nicht auf, sie rechnet das Böse nicht zu, sie erträgt, sie hofft, sie bleibt. Das ist nicht nur ein Ideal. Das ist die Handschrift Christi, sein Leben im Alltag. Und diese Liebe führt ihn – nicht von Schwierigkeiten weg – sondern mitten hinein, bis ans Kreuz.


Und dann: ein blinder Bettler am Weg. Er hört, dass Jesus vorbeikommt, und er schreit: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Das ist Glaube. Er kennt sein Elend. Er ruft um Hilfe. Er nennt Jesus mit dem messianischen Titel. Er klammert sich an Jesus als Retter, obwohl andere ihn zum Schweigen bringen wollen.

Jesus bleibt stehen und stellt eine Frage, die fast zärtlich wirkt: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Der Mann antwortet schlicht: „Herr, dass ich sehend werde.“ Und Jesus sagt: „Dein Glaube hat dich gerettet.“

Hier geschieht mehr als Augenheilkunde. Es geschieht ein Prinzip des Glaubens:

  • Er erkennt seine Not und beschönigt sie nicht.
  • Er sucht Hilfe nicht in sich selbst, sondern bei Christus.
  • Er lässt sich nicht ablenken oder einschüchtern.
  • Und als er sieht, folgt er Jesus nach.

Das ist genau die Erfahrung, die später in Lukas 24 vollendet wird: Als der Auferstandene ihnen die Schrift öffnet, da öffnen sich auch ihre Augen – und ihr Herz brennt. (vgl. Lk 24,45–48) Wahrer Glaube entsteht, wo Jesus selbst durch sein Wort gegenwärtig wird und uns die Augen öffnet.

Das ist auch heute noch die Norm und Methode:
Nicht wir „schaffen“ uns Glauben. Christus schenkt Einsicht. Er tut es vorrangig durch sein geschriebenes und gesprochenes Wort und seinen gegenwärtigen Geist.

Weiter im Hören, im Beten, im Gehorsam, in der Gemeinschaft seiner wahren Kirche, in Predigt und Sakrament. Und oft ganz persönlich: indem er uns wie die Emmaus-Jünger trifft, uns korrigiert, uns die Schrift öffnet und sie uns lebendig macht.


Lieber Mitchrist, Estomihi heißt: „Sei mir ein starker Fels“ – ein Ruf um Halt. Und Gott antwortet nicht zuerst mit Erleichterung, sondern mit Christus. Er gibt uns den, der die Liebe bis zum Ende geht.

Darum möchte ich dich heute einladen, deinen Glauben neu auf diese Grundlage zu stellen:


  1. Bitte Jesus ehrlich: „Herr, öffne mir die Augen – für dich, dein Kreuz, deinen deinen Liebes-Weg zu erkennen.“
  2. Bleibe ganz an der Schrift: Lese die Evangelien in den kommenden Wochen der Fastenzeit wie Menschen, die geführt werden wollen.
  3. Gehe bewusst in die Nachfolge: Nicht nur „an Jesus glauben“, sondern mit Jesus gehen – auch dann, wenn sein Weg durch Verzicht, Geduld, Wahrheit und Kreuz führt.

Und wenn du spürst: „Ich bin eher wie die Jünger – ich verstehe so vieles nicht“ – dann ist das kein Grund zur Resignation. Es ist ein Grund zum Gebet. Denn der Herr, der den Blinden sehend machte, ist derselbe, der nach Ostern den Jüngern das Verständnis öffnete. Er kann auch dir aus der geistlichen Blindheit ins Sehen führen.

So dürfen wir heute antworten wie der Blinde am Weg:


„Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“
Und dann: mit geöffneten Augen ihm nachfolgen – Schritt für Schritt – bis dahin, wo das Kreuz nicht das Ende ist, sondern der Durchgang zur Herrlichkeit. Amen.

(Letzter Sonntag nach Epiphanias | Matthäus 24,23–31 | Jesaja 60,2)

Am Ende der Epiphaniaszeit stellt uns die Kirche Gottes noch einmal die Herrlichkeit Christi vor Augen – nicht nur seine Herrlichkeit in der Geburt, sondern auch seine Herrlichkeit bei seiner Wiederkunft. Gerade, bevor die Passionszeit beginnt, ist das ein geistlicher „Vorausblick“: Wir schauen schon jetzt über Kreuz und Leiden hinaus auf die kommende Vollendung.

Der Wochenspruch bündelt diese Spannung:
„Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jes 60,2)
Die Welt ist dunkel – aber Gottes Herrlichkeit bricht ungehindert durch.

Und das Tagesgebet macht daraus eine Bitte mit dem Zweck: Christus ist erschienen, die dunklen Werke des Teufels zu zerstören und uns zu Kindern und Erben des ewigen Lebens zu machen. Darum bitten wir: „Verleihe, dass wir uns in dieser Hoffnung selbst reinigen, gleichwie er rein ist; damit, wenn er in Kraft und großer Herrlichkeit wiederkommen wird, wir … ihm ähnlich gemacht werden.“
Die Logik ist klar: Die kommende Herrlichkeit Christi → die Hoffnung seiner Gemeinde → die Reinigung unseres Lebens → die baldige Herrlichkeit mit Christus.

Aus Matthäus 24,23–31 treten drei Schwerpunkte hervor.

Jesus warnt zuerst: „Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus!, oder: da!, so sollt ihr’s nicht glauben.“ (Mt 24,23) Es gibt Zeiten, in denen religiöse Sensationen, starke Persönlichkeiten oder „Retterfiguren“ auftreten. Jesus sagt nicht nur: „Passt auf“, sondern: Lasst euch nicht dadurch treiben.

Denn die Wiederkunft Christi braucht keine Werbung, auch nicht das Internet! Sie ist nicht verborgen, betrifft keine Elitetruppe, ist auch nicht nur für speziell „Eingeweihte“. Sie ist so eindeutig, dass man sie nicht verwechseln kann. Darum ist jede Botschaft, die sagt: „Christus ist hier – aber nur wir wissen es“, schon entlarvt.

Anwendung:

  •  Prüfen wir, wovon wir geistlich „gezogen“ werden: Von frommer Aufregung oder von Christus selbst?
  •  Reinheit beginnt oft mit Nüchternheit: nicht alles auf dem Smartphon anklicken, nicht jedem „Internet Propheten“ folgen, nicht auf jeder Angstwelle mitreiten.
  •  Wer Christus liebt, lernt zu sagen: Ich bleibe beim Gottes-Wort, beim Gebet, bei meiner Gemeinde, bei dem schlichten Gehorsam – statt beim christlichen Spektakel.

Das erst bewirkt Reinigung: Ein Herz, das nicht ständig „neueste Lichter“ sucht, sondern beim wahren Licht bleibt.

Jesus beschreibt sein Kommen: „Wie der Blitz ausfährt vom Osten und scheint bis zum Westen, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein.“ (Mt 24,27). Kein Geheimnis, kein Schatten, kein „vielleicht“.

Das Kommen des Messias wird von weltumfassenden Zeichen begleitet –  an Himmelskörpern, so dass alle Menschen es sehen. „Dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel … und sie werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ (Mt 24,30) Wahrscheinlich aber ist Christus selbst „das Zeichen“ – der letzte, entscheidende Hinweis. Und diese kommende Herrlichkeit ist nicht neutral: Sie ist Gericht über die Finsternis der Welt. Darum „werden wehklagen alle Geschlechter der Erde“ – besonders aber die, die ihn ablehnen.

Anwendung:

  • Epiphanias zeigt: Christus ist das Licht. Matthäus 24 zeigt: Dieses Licht wird alles offenlegen.
  • Reinigung ist darum heilsame Vorbereitung: Herr, bring ans Licht, was nicht in dein Reich passt.
  • Wer aber in dunkler Sünde „wohnen“ will, fürchtet den hellen Blitz. Wer Christus vertraut, lernt: Der Blitz ist nicht nur Schrecken – er ist auch Rettung. Endlich kommt der König. Endlich wird die Lüge beendet. Endlich kommt Licht in die Dunkelheit. So wird aus dem Wochenspruch ein Trost:Finsternis bedeckt die Erde – aber über dir geht der Herr auf.

„Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden.“ (Mt 24,31). Die Posaune ist ein alttestamentliches Bild –Ein königlicher Herold verkündet Gottes furchtbares Erscheinen, er sammelt die Treuen, und das Heer Gottes bricht auf. Es ist Gott, der ruft, und niemand kann ihn mehr überhören.

Und entscheidend ist: Nicht alle werden dann trauern. Die einzigen, die nicht wehklagen, sind seine Erwählten. Nicht, weil sie besser wären – sondern weil sie zu Christus gehören. Und genau darum betet die Kirche: „Verleihe, dass wir uns in dieser Hoffnung selbst reinigen … damit wir ihm ähnlich gemacht werden.“

Anwendung:

  • Reinigung heißt: Ich lebe heute schon so, wie ich bei seinem herrlichen Kommen gefunden werden möchte.
  • Reinigung heißt: Ich verberge und rechtfertige nichts mehr vor Gott.
  • Reinigung heißt auch: Ich stelle mich ins Licht: Beichte, Vergebung, Versöhnung, klare Schritte weg von dem, was mein Gewissen verdunkelt.

Wenn Christus uns sammelt, dann nicht, um uns zu beschämen, sondern um uns heimzuholen – und uns wirklich herrlich zu machen, ihm ähnlich, mit ihm herrlich.

Ermutigung

Die bevorstehende Passionszeit führt uns zum Kreuz und zum Mitleiden. Aber dieser heutige Sonntag sagt: Schau nicht nur auf das Dunkel – sieh doch den schon kommenden Glanz. Der Herr, der in Niedrigkeit und Krippe geboren wurde, kommt am Ende in Macht und Herrlichkeit. Der Herr, der sich am Kreuz hingab, kommt bald als König über sein Reich.

Darum: Reinige dich schon heute „in dieser Hoffnung“. Nicht aus Angst, sondern weil du zu Jesus gehörst, nicht weil du aktiv selbst an dir arbeitest, sondern als Antwort auf seine Gnade.

Und wenn du dich auch schwach fühlst: Genau dafür beten wir gemeinsam in der Kirche – dass Gott selbst die Reinigung wirkt. Bitte ihn einfach:
Herr Jesus Christus, du Licht der Welt: heile, was finster ist in mir. Reinige mich so, wie du rein bist.

Und lass dein Licht so über und in mir aufgehen, dass ich jetzt schon als Kind des Lichts lebe – bis du kommst in großer Herrlichkeit. Amen.

Weitere Info: www.rekd.de – www.benediktseminar.com

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Kaum eine Frage bewegt Christen so sehr wie diese: Wie erkenne ich den Willen Gottes für mein Leben? Besonders fragen wir uns dies zu Beginn eines neuen Jahres.

Doch wer seinen Glauben ernst nimmt, möchte Gott gefallen und gehorsam für ihn leben. Jedoch suchen wir oft an der falschen Stelle. Denn es ist gerade die Bibel, die uns hilft, den Willen Gottes richtig zu verstehen – und sie unterscheidet dabei drei wichtige Bereiche.

Nicht alles, was Gott weiß und plant, hat er uns offenbart. Ein großer Teil seines Handelns bleibt für uns verborgen. Egal wie lange du auch fastest oder betest. Wir kennen weder alle Zusammenhänge unseres Lebens noch unsere Zukunft. Das gilt für unser persönliches Leben ebenso wie für Gottes Plan mit dieser weiten Welt.

Darum warnt die Bibel uns davor, die Zukunft erforschen zu wollen – durch Horoskope, Kartenlegen oder Wahrsagerei oder auch Träume und Visionen. Sondern: Wer mein Wort hat, predige das Wort. Ist mein Wort nicht wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt? Diese Wege versprechen kurze Sicherheit, führen aber alle weg von Gott. Denn der verborgene Wille Gottes ist nicht dazu da, entschlüsselt zu werden. Er gehört Gott allein. Gott sprach, er wolle im Dunkel wohnen.

Das ist keine Einschränkung, sondern eine Entlastung, keine Beruhigung. Doch wir müssen und sollen nicht alles Göttliche wissen. Wir dürfen aber Gott vertrauen, dass er unsere Wege richtig lenkt – auch dann, wenn wir nicht oder nicht alles verstehen, warum so manches geschieht. Meist erkennen wir Gottes verborgenen Willen erst im Rückblick. Heute und besonders im Jahr 2026 ruft Gott uns nicht zum Grübeln oder zur Ängstlichkeit auf, sondern zum entspannenden Vertrauen.

Gott ist souverän, unabhängig von allem und allen. Was er beschlossen hat, wird geschehen. Nichts kann seinen Plan aufhalten. Die Schöpfung Gottes, seine gesamte Geschichte mit Israels, das Datum der Geburt Jesu, das Jahr und die Uhrzeiten seiner Verurteilung und seinen vorherbestimmten Tod am Kreuz, sowie den Tag der Auferstehung Jesu. Dieses und mehr zeigt: Gott führt seine Geschichte geplant und zuverlässig zu seinem Ende.

Dieser Wille Gottes kann nicht verfehlt werden. Niemand lebt außerhalb davon. In ihm leben, bewegen wir uns, haben unser Sein oder unser Leben. Auch unsere Fehler und Umwege heben Gottes Plan nicht auf. Er schreibt auf noch so krummen und sündigen Wegen der Menschen seinen geraden Weg zu seinem Ziel hin. Das bewahrt uns vor Zweifel und Angst: Wir müssen nicht befürchten, durch eine falsche Entscheidung „aus Gottes Plan zu fallen“.

Gerade deshalb richtet die Bibel unseren Blick auf einen anderen Bereich – den, der uns tatsächlich anvertraut ist.

Der offenbarte Wille Gottes ist der wichtigste für unser tägliches Leben. Er ist klar, zugänglich und verbindlich. Gott hat ihn in seinem Wort offenbart, damit wir seinen Willen kennen, tun und weitergeben.

Dabei geht es nicht in erster Linie um Zukunftskenntnis, sondern um Gehorsam im Heute und Jetzt – in unserem Alltag. Die Bibel sagt:
„Das ist der Wille Gottes: eure Heiligung.“ (1. Thessalonicher 4,3) – Damit ihr nach dem vollkommenen Vorbild Jesu Christi verändert werdet und Ihm gemäß handelt.

Gottes Wort zeigt uns, was ihm gefällt, wie wir leben sollen und worauf sein Segen ruht. Es ist „eine Leuchte für unseren Fuß und ein Licht auf unserem Weg“ (Psalm 119,105).

Unsere Anwendung im Alltag

Berufswahl
Wenn wir vor einer beruflichen Entscheidung stehen, fragt Gottes Wort nicht zuerst: Wo verdiene ich am meisten? sondern: Welche Gaben hat Gott mir gegeben? und Wo kann ich verantwortungs-voll dienen?
Eine nüchterne Prüfung der eigenen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen ist ein geistlicher Akt nach Gottes Willen. Passt eine Stelle nicht zu meinen Gaben oder zwingt sie mich dauerhaft zu Kompromissen, dann ist es sicher Gottes Wille, weiterzusuchen. Gottes Wille wird erkannt, indem wir sein Wort auf unsere konkreten Situationen anwenden.

Partnerwahl
Auch bei der Frage nach Ehe und Partnerschaft gibt die Bibel klare Orientierung für beide: Glaube an Gott, Verlässlichkeit zueinander, Liebe und Verantwortung. Oft gibt es mehr als eine gläubige Person, die diesen Maßstäben entspricht. Dann gilt: Du bist frei darin zu entscheiden. Gott zwingt uns nicht in eine einzige Option. Wer innerhalb seines offenbarten Willens handelt, darf mit Frieden entscheiden.

Familienplanung
Die Fragen nach Kindern, Zeitpunkt und Verantwortung sind sensibel und persönlich. Die Bibel gibt keine festen Zahlen oder Zeitpläne vor, wohl aber klare Prinzipien bei diesen: Verantwortung, Liebe, Schutz des Lebens, gegenseitige Rücksichtnahme und Vertrauen auf Gottes Versorgung. Familienplanung geschieht nicht durch Angst oder gesellschaftlichen Druck, sondern im Gebet, im Gespräch und im Hören auf Gottes Wort.

Altersruhestand – Wohnen und Leben
Auch der wohl verdiente Ruhestand ist kein geistlich neutraler Raum. Wo und wie wir leben, uns auch fest einer biblischen Gemeinde anschließen, wie wir Zeit, unsere Alters- Ressourcen und gute Erfahrungen einsetzen, steht unter Gottes Willen. Die Bibel ermutigt uns in diesem Ruhestand zu Weisheit, Genügsamkeit und weiterhin fruchtbarem Leben. Ruhestand heißt nicht Stillstand, sondern ein neuer Abschnitt verantwortlichen Lebens vor Gott.

Christlicher Dienst in Kirche und Umfeld
Gott ruft jeden Christen zum Dienst – nicht nur einige wenige. Die Frage ist nicht:

Was ist spektakulär? sondern: Wo hat Gott mich hingestellt?
In meine Gemeinde, die Nachbarschaft, Familie und Beruf gibt es unzählige Möglichkeiten, meinen Glauben sichtbar zu leben. Wer Gottes Willen, seine Gebote liebt und anwendet, wird Frucht bringen – zur rechten Zeit.

Ermutigung für morgen:

Viele fragen: Was will Gott morgen?
Die Bibel fragt: Lebst du heute nach meinem Wort?

Der verborgene Wille Gottes bleibt bei Gott.
Der absolute Wille Gottes erfüllt sich sicher.
Der offenbarte Wille Gottes

liegt offen vor uns – in der Heiligen Schrift.

Darum: Warte nicht auf besondere Zeichen. Öffne Gottes Wort. Setze das Erkannte um. Vertraue Gott die Zukunft an – und lebe seinen Willen hier und jetzt.

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext (Matthäus 2,19–23) erzählt uns kein romantisches Weihnachtsidyll, sondern eine gefährliche Kindheits-geschichte.

Jesus wird als der verheißene König bekannt: Aus der Linie Abrahams und Davids kommend; angekündigt durch Engel; verehrt von Weisen; von einigen erkannt als der Gesalbte Gottes. Und doch: Dieser König beginnt sein Leben nicht im Palast, sondern unter großer Bedrohung.

Nach Herodes’ Tod könnte man meinen: „Jetzt wird alles gut.“ Aber so einfach ist es nicht. Herodes’ Reich wurde unter drei seiner Söhne aufgeteilt. Besonders Archelaus, der über Judäa, Samaria und Idumäa herrschte, er war berüchtigt für Brutalität und Tyrannei. Viele Menschen litten darunter – Aber Gott nimmt diese politische Wirklichkeit sehr ernst. Auch Joseph spürt Gefahr, als sie nach zwei Jahren Aufenthalt aus Ägypten zurückkamen, und Gott bestätigt diese durch eine Warnung im Traum: „Geh nicht nach Judäa.“ Joseph gehorcht. Seine Familie kehrt nicht in die Nähe Bethlehems oder Jerusalems zurück, sondern zieht weiter nach Norden, nach Galiläa, nach Nazareth.

Das ist auch für uns wichtig: Gottes Führung bedeutet nicht, dass es keine Gefahren mehr gibt. Aber sie bedeutet: Gott ist nicht überrascht. Er darum und führt uns Schritt für Schritt. – Jesus liegt hier nicht zufällig in dieser Geschichte, sondern gsnz bewusst „in Gottes Hand“: Bewahrt in Ägypten, bewahrt auf dem Weg zurück, bewahrt vor dem falschen Herrscher, bewahrt ab jetzt in einem unscheinbaren Ort.

Und noch etwas: Gottes Hand führt Jesus nicht nur weg von Gefahr eines unberechbaren Herrschers, sondern auch hinein in einen neuen Weg der Demut. Nazareth war nicht „erste Adresse“. Es hatte einen zweifelhaften Ruf: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen?“ (Joh 1,46). Für viele war „Nazarener“ damals schon ein Spottwort. Matthäus sagt sogar: So sollte es sein – der Messias wird verachtet werden, wie es die Propheten beschreiben (z.B. Jes 53). Schon in der Kindheit zeigt sich: Der Retter kommt nicht im Glanz, sondern in Niedrigkeit. Und dennoch: Er ist sicher in Gottes Hand.


Wenn Jesus als Kind und Heranwachsender in Gottes Hand behütet wurde, dann ist das nicht nur ein Stück beruhigende Geschichte. Es ist auch ein Trost für uns persönlich. Denn wir erleben ja auch verschiedene Lebensabschnitte: Kindheit, Jugend, Familienjahre, Beruf, Krankheit, Alter, Umbrüche. Und in jedem Abschnitt fragt sich unser Herz: „Bin ich gehalten? Oder muss ich alles allein tragen?“ Liege ich in Gottes Hand?

Joseph ist in unserem Text ein stiller Zeuge des Glaubens. Er bekommt nicht den ganzen Plan erklärt. Er bekommt jeweils den nächsten Schritt gesagt: „Steh auf … nimm das Kind und seine Mutter … geh …“ Und er geht. So sieht Vertrauen oft aus:

Wir müssen nicht alles wissen, aber wir sollen gehorchen. Wir müssen nicht alles kontrollieren, aber wir sollen uns führen lassen.

„In Gottes Hand“ heißt nicht: Wir werden nie Angst spüren.

Joseph hatte Angst. „In Gottes Hand“ heißt doch: Ich bringe meine Angst zu Gott und handle im Gehorsam. „In Gottes Hand“ heißt auch nicht: Es wird immer bequem.

Nazareth war nicht der Ort der Ehre. Aber es war der Ort, an dem Gott Jesus aufwachsen ließ.

Vielleicht beginnt das neue Jahr 2026 für manche von uns mit großer Unsicherheit: gesundheitlich, familiär, finanziell, gemeindlich, gesellschaftlich. Dann ist diese Botschaft schlicht und wirksam für dich: Du musst nicht zuerst stark werden, um in Gottes Hand zu sein. Du darfst zuerst hingehen – und dich in Seiner Hand halten lassen.

Darum ist christlicher Glaube nicht nur ein Satz im Kopf, sondern eine Haltung des Herzens: „Herr, hier bin ich. Ich vertraue dir meinen Weg an. Leite du meine Schritte.“ Manchmal ist das Gebet nicht lang. Es ist einfach: Nur einfach diese Worte:

„Vater, halte mich. Halte mich fest in deiner Hand.

Nazareth war ein Ort, über den man die Nase rümpfte. Ein Randgebiet. Ein Ort, der nicht „fromm“ wirkte. Und gerade dort wächst Jesus heran. Dort lernt er das Leben einfacher Menschen kennen. Dort sieht er Kranke, Schwache, Sünder – und lernt Mitgefühl. Lukas sagt von dort: „Das Kind wuchs und wurde stark… und die Gnade Gottes war auf ihm“ (Lk 2,40). Seine spätere Nähe zu Ausgestoßenen (Mt 9,10–13) fällt nicht vom Himmel wie ein plötzlicher Einfall. Gott prägt ihn in einem Umfeld, das menschlich gesehen „nicht ideal“ war. – Und das tut er mit jedem, in Seiner Hand. Nicht das Umfeld wird dich prägen, sondern Gottes Hand.

Hier hilft eine kleine Klarstellung: Matthäus schreibt: „Er wird Nazarener genannt werden.“ Das ist nicht dasselbe wie ein „Nazoräer“-Gelübde (Num 6), bei dem jemand sich für eine Zeit besonders Gott weiht. „Nazarener“ meint zuerst: „aus Nazareth“. Und genau dieses Wort wurde später zum Spott. In Apostelgeschichte 24,5 nennt man die ersten Christen verächtlich die „Sekte der Nazarener“. Gott nimmt das Schimpfwort – und macht daraus ein Ehrenzeichen: Der verachtete Jesus ist der Retter. Und die verachteten Christen gehören zu ihm.

Das ist unsere Hoffnung: Auch unsere „Nazareth-Orte“ können Orte des Wachstums werden. Vielleicht ist dein Ort schwierig: Eine komplizierte Familie, ein belastender Arbeitsplatz, deine Einsamkeit, ein Dorf mit viel Gerede, eine alte Vergangenheit, die dich beschämt. Dann flüstert die Versuchung in dir: „Aus mir wird nichts Gutes.“ Aber Gott sagt: „In meiner Hand kann Gutes wachsen – gerade dort.“ Nicht weil der Ort gut ist, sondern weil Gott gut ist.

Ermutigung zum Beginn des neuen Jahres

Liebe Geschwister, am Anfang dieses Jahres wollen wir nicht groß reden, sondern schlicht glauben: Der gleiche Gott, der Jesus in der Gefahr bewahrt hat, hält auch uns. Er führt oft still, Schritt für Schritt. Er gebraucht auch unscheinbare Orte um im Glauben zu wachsen. Und er verwandelt sogar vergangene Verachtung in ein anziehendes Zeugnis.

Darum:

Legen wir unser Leben neu in Gottes Hand – unsere Kinder, unsere Jugend, unsere Familien, unsere Entscheidungen, unsere Sorgen.

Und wenn wir heute an einem „Nazareth-Ort“ stehen und fragen: „Was kann da schon Gutes herkommen?“ – dann antwortet das Evangelium:

Aus Nazareth kam Jesus.

Und an jedem Ort in Gottes Hand kommt Segen. Amen.


Einleitung

Lola – (geändert) wurde als Säugling adoptiert. Ihre Adoptiveltern machten daraus nie ein Geheimnis. Schon als Kind hörte sie nicht: „Du bist zufällig bei uns“, sondern: „Du bist gewollt.“ Diese einfache, klare Botschaft gab ihr festen Boden unter den Füßen. Adoption war kein Makel, sondern ein Geschenk – und zugleich Verantwortung.

Viele Jahre hatte Lola keinen inneren Druck, nach ihrer Herkunft zu suchen. Sie hatte eine Familie, die sie liebte und prägte. Erst als sie selbst Mutter wurde, kamen neue Fragen: Woher komme ich? Wie sieht meine Geschichte ganz aus? Mit Hilfe einer Beratungsstelle fand sie ihre leibliche Mutter. Das Treffen war nicht von Anklage bestimmt, sondern von Würde: Die leibliche Mutter hatte in schwerer Lage einen Schritt getan, der Lola ein gutes Zuhause eröffnete.


So wird Adoption zu einem Bild des Evangeliums:

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen“ (Joh 1,14a).


Dieses Wort ist keine Weihnachtsromantik. Es ist die große, tröstliche Tatsache: Gott hat nicht aus sicherer Distanz gerettet, sondern ist uns tatsächlich nahegekommen. Unser Tagesgebet fasst diese Wahrheit in drei starken Punkten zusammen:

  • Christus nimmt unsere Natur an,
  •  wir werden Gottes Kinder, und
  •  der Geist erneuert uns täglich.

Johannes sagt nicht: „Das Wort tat so, als wäre es Mensch geworden.“ Er sagt: Es wurde Fleisch. Gott wählte nicht nur einen Propheten, nicht nur ein Symbol, nicht nur eine Idee. Der ewige Sohn nahm unsere wirkliche Menschlichkeit an – mit allem, was menschlich ist, nur ohne Sünde.

Damit wird Joh 1,14 zum Trost für alle, die sagen: „Mein Leben ist zu schwer, zu zerbrechlich, zu verworren.“

Christus ist nicht in eine heile Welt gekommen, sondern in eine Welt, die ihn nicht kannte, ja, die ihn ablehnte. Und gerade dort „wohnte“ er unter uns – wörtlich: er „zeltete“ unter uns. Der heilige Gott schlägt sein Zelt, wie das AT Bundeszelt, in unserer Nachbarschaft auf.

Hier passt der Gedanke sehr gut: Gottes Heil geschieht nach seinem Plan und zu seiner Zeit. Prophetie ist dabei nicht nur ein Beweisstück, sondern ein Trost: Gott handelt nicht hektisch, nicht zufällig, nicht improvisiert, sondern lange geplant. Die Geburt Jesu ist also keine religiöse Legende, noch eine schöne Geschichte, sondern Gottes festes Handeln in Raum und Zeit. Darum dürfen wir sagen: Wenn Gott sein Wort in Christus erfüllt hat, dann wird er auch seine Verheißungen an uns persönlich erfüllen.

Und das Ziel der Menschwerdung Jesu ist sehr klar: „Du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“ Christus kommt jedoch nicht zuerst, um unsere Umstände zu verschönern, damit es uns gut geht, sondern um unsere Schuld zu tragen und die Krankheit der Trennung mit Gott zu heilen. Seine Krippe weist schon auf sein Kreuz: Er wurde Fleisch, ganzer Mensch, für uns, damit er für Fleisch und Blut, für uns Menschen, sterben konnte.

Das Tagesgebet geht weiter: „Verleihe, dass wir, die von neuem geboren und als Deine Kinder adoptiert wurden…“ Hier liegt ein Evangelium im Evangelium. Weihnachten ist nicht nur Gottes Nähe, sondern Gottes Annahme. ICH DARF KIND GOTTES SEIN!

Adoption ist mehr als ein schönes Bild. Es bedeutet: Gott sagt nicht nur „Ich dulde dich“, sondern „Du gehörst zu mir“. Wer an Christus glaubt, wird nicht bloß verbessert, sondern neu geboren. Wir werden nicht durch Leistung Kinder Gottes, sondern durch gnädige Annahme. So werden rechtlich Kinder Gottes.

Hier kann uns Joseph als stiller Zeuge helfen. Was macht Joseph so wertvoll für diesen Sonntag? Er zeigt, wie Gott in unsere zerbrechlichen Geschichten hineinwirkt: Da ist Unverständnis, Angst, Fragen. Joseph lernt, Gottes Wort mehr zu glauben als Gerüchten, mehr als eigener Schlussfolgerung, mehr als öffentlicher Meinung. Er nimmt zuerst Maria an – und übernimmt Verantwortung.

Hier finden wir ein Echo der großen Wahrheit. Und weiter, wie Joseph den nicht eigenen Sohn, Jesus, annimmt und ihn rechtlich als seinen Sohn adoptiert, so nimmt Gott uns in Christus an.  Gott adoptiert uns durch Glauben an Jesu Versöhnungstat und äußerlich durch das Zeichen der Taufe.

Und wer sich so angenommen weiß, kann anfangen, selbst anders zu handeln: Als Gotteskind, aus Zugehörigkeit zu ihm, weil ich von Gott geliebt bin.

Der dritte Schwerpunkt ist der vielleicht praktischste und schwierigste: „…dass wir … täglich durch Deinen Heiligen Geist auch erneuert werden.“ Beachten wir dieses Wort: täglich. Das Christfest ist kein einmaliger Höhepunkt, der dann wieder in den Alltag abfällt. Es ist der Beginn einer täglichen Erneuerung. Christsein beginnt bei Dir in der Krippe, mit der Ernährung durch regelmäßige und reine Milch des Wortes Gottes und zunehmen, wachsen, dadurch.

Was erneuert der Geist Gottes? Nicht nur schöne Gefühle, sondern meinen ganzen Menschen: Besonders mein Denken, mein Wollen, mein Reden und dann mein tägliches Leben und Handeln. Und diese Erneuerung ist nicht Selbstoptimierung, ich gebe immer mein Bestes, sondern Christus nimmt so Gestalt und Handeln in meinem Leben an: Der Geist Gottes formt uns nach dem, dessen Herrlichkeit wir in der Krippe gesehen und nach dem Leben und Handeln Jesu erkannt haben.

Das heißt sehr konkret:

  • Wenn Christus „unter uns wohnt“, dann darf er auch in unseren Beziehungen wohnen: in Ehe und Familie, in Gemeinde, am Arbeitsplatz, Verwandtschaft und unter Freunden. Der Geist schenkt Geduld, wo wir ansonsten ausflippen oder schnell hart werden. Er schenkt Wahrheit, wo wir ausweichen. Er schenkt Versöhnung, wo wir uns festgefahren haben, uns nicht verändern wollen.
  • Wenn wir adoptierte Kinder sind, dann müssen wir nicht mehr um jeden Preis Recht behalten oder gut dastehen. Kinder Gottes dürfen Fehler machen, Fehler bekennen, umkehren und wieder neu anfangen.
  • Wenn der Geist uns täglich erneuert, dann gibt es Hoffnung für Gewohnheiten, die uns binden. Nicht durch Druck werden wir verändert, sondern durch neue Liebe, durch Christi Liebe in uns.

Ermutigung

Liebe Geschwister: Weihnachten sagt nicht nur „Gott war einmal da“. Es sagt: Gott ist immer noch da – und er bleibt für immer. Das Wort ist Fleisch geworden. Der Sohn nahm unsere Natur, unser Wesen an. Gott hat uns zu Kindern gemacht, uns in seine Familie adoptiert. Und er erneuert uns in dieser Beziehung täglich durch seinen Heiligen Geist.

Darum gehen wir in diese neue Woche nicht mit einer Last: „Ich muss besser werden“, sondern mit dem Trost: „Christus wohnt jetzt bei mir.“

Wir bitten ihn nun:

„Herr, erneuere heute so mein Herz, dass es die Krippe für Jesus ist. Lass deine Gegenwart meine Gedanken, meine Worte und mein Haus prägen.“.

Denn wer die Herrlichkeit des Sohnes Gottes gesehen hat, der wird für immer Kind Gottes bleiben.    Amen.


das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu – und mit der Weihnachtszeit danken wir neu für das größte Geschenk:

Christus ist gekommen, um uns mit Gott zu versöhnen. Krippe, Kreuz und Krone gehören zusammen: Jesus trat in unser menschliches Leben ein, trug unsere Schuld und schenkt allen, die an ihn glauben, ewiges Leben. Dieser Trost trägt – auch durch ein bewegtes Jahr 2025.

(Haupteingang – im Hintergrund: Hauptgebäude)

Dieses Jahr war voller Aktivitäten und Ermutigungen im Knüllcamp (www.knuellcamp.de) und im Kirchendienst (www.rekd.de). Wir sind dankbar für die vielen Gäste, die Gott zu uns geführt hat: Familien, Gruppen, Tagesgäste – und Menschen, die einfach einen Ort der Ruhe und ein offenes Ohr brauchten.

Eine der größten Gruppen war eine Motorradfahrerinnen-Gruppe – etwa 200 Frauen mit großen Maschinen. Ein beeindruckender Anblick – und für uns ein Zeichen dafür, wie weit Gastfreundschaft reichen kann, wenn Türen offenstehen und man mit Freude dient.

Kurz darauf feierten wir unser jährliches Jausenfest mit einem Blasorchester. Rund 160 Personen waren dabei: Zuerst fand ein Gottesdienst im Freien statt, nach drei Stunden gab es anhaltender Regen – und dennoch ging es weiter, dicht gedrängt im Jausen-Restaurant, mit Musik und Begegnung. Solche Momente zeigen, was das Camp sein kann: Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Gott ehren und christliche Gastfreundschaft ganz praktisch erleben.

1.851 in Gebäuden und 176 in Zelten. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, eine Familie, eine Geschichte – oft verbunden mit Gemeinschaft, Erholung und Gesprächen über den Glauben.

Ende Juli kamen zwei Ehepaare aus Texas, um die Arbeit im Camp fortzuführen. Wir ziehen uns damit aus der täglichen Leitung zurück und sind dankbar, dass unser HERR Menschen bereitgestellt hat, die das nächste Kapitel mitgestalten werden. Bitte betet für ein gutes Ankommen, weise Entscheidungen und tragfähige Beziehungen.

Die rechtliche Übertragung des Knüllcamps ist noch nicht vollständig abgeschlossen, aber wir sind in der Endphase.  Die Treffen mit Notaren und Rechtsberatern laufen weiter, damit Grundstück und Gebäude vom bisherigen Träger (Euro Ruf Mission / Mission GO) in eine neue Struktur (Board of Foreign Mission / REC, USA) übergehen können. Wenn Gott es schenkt, soll der Abschluss Anfang 2026 erfolgen. Wir danken Euch sehr für eure Gebete um Klarheit, Frieden und einen geordneten Übergang.

In der Anglikanischen Kirche in Deutschland (www.rekd.de) diente Bischof Meyer regelmäßig in der Christus Gemeinde Schwarzenborn – neben der Verantwortung als Geschäftsführer der Euro Ruf Mission. Im Jahr 2025 durfte er zwei Männer zu Geistlichen in der AKD weihen.

Auch das Seminar (www.benediktseminar.org) lief weiter: Vier Präsenz-Wochenenden mit intensiven Lehrveranstaltungen (auch durch andere Dozenten), um Grundlagen für Theologie, Gemeindearbeit und Leitung zu vermitteln – zur Ausbildung von Diakonen/Diakoninnen und Pfarrern besonders für die AKD in Deutschland.

Im Mai 2025 nahm Bischof Meyer an einer Bischofsweihe der Free Church of England teil und weihte gemeinsam mit anderen anglikanischen Bischöfen zwei neue Bischöfe in Liverpool. Das erinnert uns: Christus baut seine Kirche ordentlich und fundiert – damit das Evangelium an vielen Orten neue Frucht bringt.


Persönliches

Im Herbst waren wir dankbar für zwei Wochen Erholung an der Ostsee mit dem Wohnwagen (https://www.camping-california.de/). Diese Zeit tat gut – und wir kehren gestärkt in die kommenden Aufgaben zurück.

Ihr Lieben, danke für eure Gebete, eure Ermutigung und unterschiedliche Unterstützung. Dies hilft mit, dass Gastfreundschaft, Seelsorge, Lehre und Glaubens-Gespräche im Zusammenhang mit dem Knüllcamp und der Anglikanischen Kirche in Deutschland weiter möglich sind. Wir nehmen Eure Anteilnahme nicht als selbstverständlich hin und vertrauen, dass Gott Eure Großzügigkeit segnet.

Möge Christus – der in Demut gekommen ist und in Herrlichkeit wiederkommen wird – euer Zuhause mit Frieden erfüllen, euren Glauben stärken und euch Freude im Heiligen Geist schenken wird.

Email: bischof.meyer@rekd.de