Text: Apostelgeschichte 2,1–13 (14-42)

Liebe Christus-Gemeinde nah und fern,

Pfingsten ist nicht einfach ein emotionales Erlebnis einiger damals Apostel gewesen. Pfingsten ist eine göttliche Zeitenwende. Gott beginnt etwas Neues in der Geschichte der Erlösung.

Vor Pfingsten sehen wir wartende, ängstliche Jünger.
Nach Pfingsten sehen wir mutige Zeugen Christi.

Und dieselbe Frage steht heute vor uns:
Was bedeutet Pfingsten für unsere Gemeinde und für mein persönliches Christenleben?

Der Heilige Geist war nicht erst im Neuen Testament tätig. Schon im Alten Testament wirkte Gottes Geist.

Er kam über Männer wie Mose, David, Simson oder die Propheten. Aber meistens geschah dies nur zeitweise und für besondere Aufgaben:

  • zum Regieren,
  • zum Weissagen,
  • zum Kampf,
  • oder zur Leitung des Volkes Gottes.

Doch der Geist blieb nicht dauerhaft auf allen Menschen. Bei König Saul wich der Geist sogar wieder.

Und am Ende des Alten Testaments geschieht etwas Auffälliges:
Die prophetische Stimme verstummt. Zwischen Maleachi und Johannes dem Täufer liegen etwa 400 Jahre des Schweigens. Selbst jüdische Geschichtsschreiber wie Josephus bezeugen, dass die prophetische Offenbarung aufgehört hatte.

Das Volk wartete. Aber Gott hatte durch Joel und Hesekiel verheißen: „Ich will meinen Geist ausgießen auf alles Fleisch.“ Pfingsten ist die Erfüllung dieser Verheißung.

Nicht mehr nur einzelne Propheten sollten Gottes Geist empfangen — sondern Gottes Gemeinde weltweit durch Jesus gegründet.

Dann befinden wir uns in Apostelgeschichte 2. Die 12 Apostel sind beieinander. Früher stritten sie oft darüber, wer der Größte sei. Jetzt beten sie gemeinsam auch mit anderen. Sie warten auf Gottes Verheißung. Und plötzlich geschieht es: Ein gewaltiges Brausen erfüllt das Haus. Feuerzungen erscheinen.

Wind und Feuer sind Zeichen der Gegenwart Gottes:

  • der Wind steht für Gottes Kraft,
  • das Feuer für seine heilige Gegenwart.

Doch das größte Wunder ist nicht das Geräusch oder das Feuer. Das größte Wunder ist: Der Heilige Geist erfüllt die Jünger. Die ängstlichen Männer werden mutige Zeugen Jesu Christi.

Petrus, der vorher aus Angst Jesus verleugnete, predigt nun öffentlich über Jesus den Erlöser vor Tausenden. Was hat sich verändert? Der Heilige Geist richtet ihren Blick weg von sich selbst — hin zu Christus und seinem Auftrag. Jesus hatte gesagt:

Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und werdet meine Zeugen sein.“(Apg. 1,8)

Das ist der eigentliche Sinn von Pfingsten:
Nicht ein besonderes persönliches Erlebnis zu suchen, sondern Kraft durch den Heiligen Geist zu empfangen, um Christus zu bezeugen.

Dann geschieht etwas Besonderes:
Die Apostel reden in anderen Sprachen. Lukas beschreibt hier keine unverständlichen Laute. Die Menschen aus vielen Ländern hörten die Botschaft Gottes in ihren eigenen Sprachen. Es war also kein bloßes Hörwunder, sondern echte, von Gott gegebene Fremdsprachen.

Warum tat Gott das? Weil mit Pfingsten die Weltmission beginnt. Denn Israel hatte als Zeuge darin versagt.

Bei Babel (Verwirrung) wurden die Sprachen zur Trennung der Menschen.
Zu Pfingsten gebraucht Gott die Sprachen zur Sammlung der Menschen unter Christus.

Die Botschaft des Evangeliums sollte nun alle Völker erreichen. Aber wichtig ist: Die Apostelgeschichte sagt nicht, dass jeder Christ später dieselbe Erfahrung machen müsse.

Lukas berichtet, was damals geschah — nicht unbedingt, was immer oder neu geschehen muss. Die Zungenrede erscheint in der Apostelgeschichte nur an wenigen besonderen Übergangspunkten als Bestätigung:

  • bei Juden,
  • bei Heiden,
  • und bei den Jüngern des Johannes.

Sie ist die Erfüllung und das Zeichen des Beginns des neuen Zeitalters des Heiligen Geistes.

Das eigentliche Dauerhafte ist nicht die besondere Sprache — sondern die Kraft des Geistes zum Dienst für Christus in der Weltmission.

Und nun sehen wir die eigentliche Frucht von Pfingsten. 3000 Menschen kommen zum Glauben. Aber es bleibt nicht bei einer Entscheidung oder einem Gefühlserlebnis. Apostelgeschichte 2,42 beschreibt die neue Gemeinde- Sie blieben:

  • in der Lehre der Apostel (die von Jesus)
  • in der (helfenden) Gemeinschaft,
  • im Brotbrechen, (so wie Jesus es mit seinen Aposteln zur Einsetzung gefeiert hatte)
  • und im Gebet – (den bekannten Gebeten!).

Das ist bis heute das Kennzeichen einer echten christlichen Gemeinde oder Kirche Jesu. Nicht Sensationen. Nicht ständige außergewöhnliche Zeichen.
Nicht Konferenzen oder tolle religiöse Sprecher oder Musik-Unterhaltung.

Sondern:

  • Gottes Wort – und seine Bedeutung für den Christen
  • helfende Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und für den Nächsten,
  • regelmäßiges Abendmahl / Eucharistie – nicht nur 3-4 x im Jahr
  • Gebete  – im Sinne von AT & NT
  • und ein Leben im Dienst für Christus.

Pfingsten bedeutet:
Christus baut seine Gemeinde durch den Heiligen Geist. Und derselbe Geist wirkt auch heute:

  • wenn Christus gepredigt wird, – nicht Erlebnisse – sein Werk und sein Wort
  • wenn Herzen verändert werden,
  • wenn Menschen Buße tun, – damals 3000
  • wenn Christen treu dienen,
  • wenn eine Gemeinde in Liebe zusammensteht.

Pfingsten heute

Liebe Geschwister, wir leben nicht mehr in der Zeit des Alten Testaments. – Aber wir leben auch nicht mehr in der einmaligen Anfangszeit der Apostel. Doch der Auftrag Jesu bleibt derselbe:

„Ihr werdet meine Zeugen sein.“

Wir brauchen heute keine neuen Apostel.
Wir brauchen keine künstlich erzeugten oder begeisterte Sensationen.

Aber wir brauchen dringend Gemeinden Jesu, die vom Heiligen Geist erfüllt sind:

  • mit seiner Liebe,
  • mit biblischer Wahrheit,
  • mit Gebet das verändert,
  • mit Mut zum Zeugnis für die Fernstehende,
  • und mit echter Hingabe an Christus.

Der Heilige Geist will auch heute uns Christen verändern:

von Angst zu Freimut,
von Selbstbezogenheit zu Dienstbereitschaft,
von geistlicher Müdigkeit zu lebendigem Glauben.

Darum bitten wir zu Pfingsten: „Herr, erfülle mich und die Gemeinde neu mit deiner Liebe und mit Kraft zum Zeugnis von Jesus und seinem Heil.“

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