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Tagesgebet / Kollekte:

Unser Gottesdienst am Heilig Abend 16 Uhr Christuskapelle Richbergstr. 11, Schwarzenborn.

Unser Gottesdienst am Heilig Abend
16 Uhr Christuskapelle
Richbergstr. 11, Schwarzenborn.

 
O Herr! Wir bitten Dich: erheb Dich in Deiner Macht, komm in unsre Mitte und steh uns bei durch Deine große Kraft, damit wir nicht länger durch unsre Sünden und Schwachheiten in dem Kampf, der uns bestimmt ist, gehemmt und gehindert werden, sondern uns durch Deine Gnade und Barmherzigkeit Hilfe und Errettung zuteil wird. Durch Jesus Christus, unsern Herrn, dem mit Dir und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, jetzt und allezeit und in Ewigkeit.  Amen.

Predigt: Die Frage aller Fragen: Kennst du Ihn?

Evangelium Joh 1,19-28

Der Apostel Paulus verfolgte als junger Mann die Jünger Jesu, die Christen und verschleppte sie zur Anklage nach Jerusalem bis er die Worte hörte: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Warum verfolgte er sie? Weil er Jesus nicht kannte.

Kennst du Ihn? Dies ist der Titel einer Biografie über Christus von Ludwig Schneller. Kennen wir ihn? Kennst du Ihn? Ihn zu kennen, das ist Leben!
Kannten ihn die Juden zurzeit Johannes des Täufers als Jesus unter ihnen bereits wandelte?
Diese Juden, die uns hier vorgestellt werden, sind von den Pharisäern abgesandt (V24). Sie gehörten zu der Partei der Konservativen und Bibeltreuen, die sich als rechtschaffen, fromm und Wächter Israels ausgaben. Auch sie waren oft ähnlich wie Paulus gut ausgebildete Schriftenkenner und kannten jene Schriftstellen über den kommenden Messias.

Und selbst das einfache Volk wusste, dass man am Ende der Zeiten auf Elia oder den verheißenen Propheten oder auf den Messias wartete. Doch mit welcher Haltung und Einstellung fragten die Führer der Juden?

Waren ihre Fragen darin begründet, dass sie den Messias suchen, finden und anbeten wollten? Oder war dies genauso eine vordergründige Heuchelei wie bei König Herodes: Denn der wusste, wenn es der Messias, der neugeborene König der Juden wirklich wäre, dann müsste er ihm huldigen und ihn anbeten.
Worum ging es aber diesen Juden, die hier einige Priester und Leviten zu dem Priestersohn Johannes, einem vorbildhaften frommen Menschen sandten, um ihm Fragen zu seiner Person und seiner Tätigkeit zu stellen?
Waren es echte Fragen, ob Johannes Elia, der Prophet oder der Messias sei? Nein.
Einmal war es natürlich nur pure Neugier. Doch Fragen, die nur die Kuriosität der Menschen befriedigen, dienen nicht dazu jemanden kennen zulernen. Neugierde ist jedoch nur ein oberflächlicher Kontakt aus eigenem Interesse. Sie hält immer die Distanz und verhindert das rechte Kennenlernen des anderen.
Beispiel – Fragen von Händlern, Straßenverkäufer etc. aus Eigeninteresse! Weiter, haben ihre Fragen den gleichen Zweck, wie später bei Jesu Leidenszeit. Es sind Fragen, die letztendlich gegen ihn verwandt werden sollen, um ihn dann endgültig zum Schweigen zu bringen.

Lektion 1:
Um jemanden kennen zulernen müssen wir zuerst die rechte Einstellung zu ihm haben, um dann die rechten Fragen stellen. Wenn wir aber Fragen aus Neugierde stellen oder Fragen, die nur dazu verwendet werden sollen, um eine Abwehrhaltung aufrechtzuerhalten oder hervorzurufen oder persönlichen Gewinn zu erlangen, dann werden wir diese Menschen keinesfalls persönlich kennen lernen. Aber, wenn wir uns die Frage stellen lassen: Kennst du Ihn, und willst du ihn kennen lernen? Dann müssen wir bereit sein, auch die Verantwortung und Konsequenz auf uns nehmen, auch das Leben mit dieser Person teilen zu wollen und auch willig sein, Opfer zu bringen. Ist dies vielleicht dieser Grund, warum Menschen heute nicht bereit sind ehrliche und bedeutende Fragen zu stellen? Weil sie Angst um die Folgen, ihren persönlichen Einsatz haben? Viele wollen nur oberflächlich bleiben. Kennen lernen bedeutet auch sich verletzlich zu machen.

Ist es nicht so, dass oft keine aufrichtigen Fragen gestellt werden, weil jene Frager keine Verantwortung und Verpflichtungen übernehmen wollen? Liegt es vielleicht daran, dass sie keine Veränderungen wollen und Hingabe und Opfer scheuen?
Kennst du ihn? Willst du Jesus wirklich kennen lernen? Dann sei auch bereit Opfer zu bringen. Im gleichen Kapitel des Johannesevangeliums heißt es:

5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.
6 Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes.
7 Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten.
8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.
9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.
10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht.
11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Warum nahmen ihn die Seinen nicht auf? Weil sie wie einst Saulus in der Finsternis lebten, und die Finsternis es nicht ergriffen hat, sie Ihn wegen ihrem Leben in Finsternis nicht erkannt hatten.

Lektion 2. Fragen wegen Veränderung und Erneuerung im Leben?
Wie aber wird Jesu erkannt? ER wird erkannt, wenn jene kritischen Frager aufhören, ihr dickes Ich zu polieren, wenn sie sich nicht mehr in den Mittelpunkt stellen. Wenn sie von sich selbst wegweisen wie Johannes, der dreimal ihre Fragen verneinte und antwortet: Haltet mich nicht für den. Nein, ich bin es nicht, ich bin es nicht, ich bin es nicht. Auch wenn ihr mich dafür oder für eine andere bedeutende prophetische Figur haltet, ich bin diese nicht.
Nein, Johannes war nicht das Licht. Jesus ist das Licht der Welt. Doch Johannes sollte zeugen von diesem Licht. Johannes aber bezeichnet sich in seiner folgenden positiven Antwort schließlich als „eine Stimme“. Nur eine Stimme. Nichts mehr und nichts weniger. Eine Stimme:
23 Er sprach: »Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn!«, wie der Prophet Jesaja gesagt hat .
Warum sagte Johannes in einer Art Zynismus, einer Stilform des beißenden Spottes: Ich taufe mit Wasser; aber Er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt.
Beides, die Taufe und die Stimme sind ergänzende Scheinwerfer auf Christus. Die Stimme weist auf den Herrn, den Erlöser hin, und auch die Taufe (Reinigung auf Jesus) ist auf den Herrn, den Erlöser gerichtet.
Was will Johannes damit sagen?

Erstens: Ich leuchte mit dem Scheinwerfer des Wortes und durch die Taufe auf Christus, aber Ihr schaut trotzdem in eine falsche Richtung. Ihr wollt euch nicht ändern. Leute, er steht schon mitten unter euch. Schaut euch um! Erkennt ihr IHN? Oder steht Ihr noch im Mittelpunkt?
Wir können anders auch sagen: Das Wort (des Johannes) und das Sakrament der Taufe weisen auf den Erlöser hin. Die Stimme ist das hörbare Wort Gottes, das andere ist das anfassbare Wort Gottes (Wasser -Sakrament).

Zweitens gilt, und nur dann können wir Christus kennen lernen, wenn wir auch bereit sind, uns von ihm durch Wort und Taufe reinigen und verändern zulassen. Wollen sich die Fragenden verändern lassen?
Willst du dich reinigen und verändern lassen, durch Wort und Taufe, um den Retter und Herrn wirklich kennen zu lernen?

Wie können wir aber heute den Herrn kennen lernen? Doch nur, wenn wir auf die Stimme der Boten Jesu heute hören und unsere krummen Wege für den Herrn ebnen. Wo geschieht dieses Ebnen? In unseren Herzen oder in unserem Willen. Denn nur wo ein guter Wille ist, da können wir Christus wirklich kennen lernen. Ein Wille, der Gottes Willen gern tut.
Stellten nicht auch einige Menschen, die damals zur Taufe kamen, wichtige Fragen, Fragen der Opferbereitschaft, des guten Willens? Nämlich: Was sollen wir denn tun? Zuerst solche, die nicht im Herzen bereit waren:
7 Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen, sprach er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße!
Waren es nicht gerade diese Pharisäer, die diese Fragen beantwortet haben wollten, doch in ihren Herzen eine Schlangenbrut waren? Warum erkannten diese Schriftenkenner Jesus nicht? Weil sie ganz verschlagene Heuchler waren und sich keinesfalls ändern wollten. Doch der aufrichtigen Gruppe, den anderen Nachfolgenden, gab Johannes die rechte Antwort auf ihre aufrichtigen Fragen. Ihre Fragen hatten das Ziel, dass sich in ihrem Herzen und äußerem Leben etwas änderte sollte. Denn sie hatte es erfasst, dass sie nur mit einer solchen Einstellung,“der Hingabe ihres Willens an Gott“, den Weg für den Herr bereiten würden, und dass sie nur so durch die Opferung ihres Willens und durch ihre Bereitschaft zur Lebensveränderung Christus erkennen würden.

10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun?
11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso.
12 Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun?
13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist!
14 Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!

Ja, bei Ihnen war Christus, das Licht, in ihr Leben gekommen. Sie brachten ihren Willen als Opfer und fragten: Was sollen wir tun? Beten auch wir, dass Christus so in unser Leben kommt und wir täglich fragen: Herr, was sollen wir den tun?

Und wenn du diese ehrliche Frage stellst, dann sei gewiss, er ist auch unter uns, Er ist auch in deine Gegenwart getreten, und du wirst ihn deutlich erkennen. Amen.

http://www.rekd.de ; Bischof.Meyer@rekd.de

Matth 13,44-52 Perle und Schatz im Acker:
13,44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. 45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, 46 und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Das ist ein Bild eines Lebens mit Gott, das Leben im Reich der Himmel, im Himmel selbst.
Wir sind fast rein zufällig nach unserem Empfinden über solch einen Schatz gestolpert, den größten Schatz der Menschheit. Haben wir Gott selbst entdeckt? Haben wir das ewige Leben selbst gefunden und den, der ewiges Leben schenkt? Er hat uns gefunden. Mit ihm haben wir die größte Quelle des Segens entdeckt und damit des zukünftigen Lebens.
Wenn du solch einen Schatz gefunden hast, was würdest du für diesen Schatz geben? Was ist er dir wert? Würdest du eine Stunde Einsatz in der Woche dafür geben? oder
+ 10 Stunden die Woche?
Oder ist es dir noch wert, wenn es der größte Schatz der Menschheit ist, würdest du 10% deines Jahreseinkommens geben?
Ist es nicht einfach zu sagen: Ich bin Christ? Das kostet uns fast nichts. Aber, das Sagen ist nicht genug. Das ist etwas so als wenn wir um den größten Schatz in der Welt wissen, den Schatz im Acker, aber wir sind nicht bereit, alles, was wir besitzen zu verkaufen, um diesen Acker zu kaufen.
Es ist nicht genug zu sagen, ich weiß, dass der Acker den größten Schatz der Welt enthält, aber außer dem sagen nichts zu tun.
Wichtig: Um den Schatz auch zu erhalten, musst du auch etwas tun. Nur zu sagen: Ich weiß, dass Gott seinen Sohn zur Erde sandte, um die Welt zu retten – oder mich – ist nicht genug. Du musst auch etwas tun. Hier steht: Er verkaufte allen Besitz!

Kosten in der Nachfolge:
Mit anderen Worten. Es entstehen Kosten, ein Nachfolger Jesu zu sein. Aber anstatt die Kosten in Geld oder Besitz zu messen, beurteilt sie Gott nach der Hingabe unseres eigenen Lebens.
Gottes Anfrage: Wie viel deines Lebens bist du bereit für den Herrn Jesus zu geben, der sein eigenes Leben für dich gegeben hat, der alles für dich gab?

Achtung Verständnis: Diese Kosten der Jüngerschaft sind keine persönliche Rückzahlung für das ewige Leben. Dieses ist tatsächlich ein Geschenk Gottes. Aber jemand anderes bezahlte bereits dafür, Jesus.
Jesus Christus nachfolgen kostet tatsächlich das ganze Leben, alles was wir sind und haben, gehört ihm.
Ganz einfach: Er schenkt mir das ewige Leben, Segen jetzt und für immer in seiner Gegenwart zu sein, und ich gebe ihm dankbar dafür mein Leben. Doch oft haben wir vergessen, dass wir unser Leben ihm versprochen und angelobt haben, haben unser Tauf- oder Hingabegelübde vergessen. Oft wollen wir, dass Gott seinen Teil des Gelübdes hält, während wir unseres abmildern oder ganz vergessen.
Er gab sein Leben, und du hast versprochen, deines IHM zu übergeben! Aber was bedeutet es, an deinen Teil zu denken und einzulösen? Was kostet es dich? Viele Leute würde alles hergeben, um das Geheimnis dieses Lebens jetzt zu finden, selbst wenn es nur hier für die Erde gelten würde.
Aber, wozu und was bist du bereit zu geben für ein ewiges Leben mit Gott, das bereits hier auf der Erde beginnt?

Anstatt nun alle Kosten in allen Einzelheiten zusammen zu zählen, wollen wir diese in kleinere Einheiten aufteilen, so dass wir eher vom Wissen zum Handeln kommen.
In Angesicht dessen, was wir betrachtet haben, was Gott für uns tat, wollen wir über eine vollkommenere Hingabe nachdenken. Einige sprechen von Zeit, vom Schatz oder Talent.

Zeit:
Vielleicht solltest du in Gott und sein Himmelreich investieren indem du dir mehr Zeit zum Beten und Lesen in der Bibel nimmst oder anderen Menschen / Nächsten dienst. Lied: Meine Zeit, steht in deinen Händen. Nutze sie jetzt für Gott.

Elisa 1 Kö 19,19-21 Nachfolge. Mt 8,18-22; 10,1-15; Paulus beruftTimotheus: Apg 16,1+2

Schatz / Geld:
Gott hat sich deine Erlösung viel kosten lassen. In der Bibel sprechen die Ausführungsbestimmungen der 10 Gebote z.B. über den 10ten. Gott gehört eigentlich alles. Wenn wir den 10ten in sein Reich investieren (Kirche, für Diener und Mission), dann zeigen wir, dass Ihm alles gehört, und er kann uns durch diese Anerkennung mit unserem 10ten mehr segnen. Prinzip: Mt 6.19-21

Beispiele 10ten aus Dankbarkeit:
Abraham: Gen 14,20; Jakob: Gen 28,22
Deu 14,22+23; 26,12;  Leviten / Priester Nu 18,26-28;  2 Chr 31,5+6
Mal 3,9+10 Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.

Talente:
Gott hat seine Talente, Begabungen zu einem bestimmten Zweck gegeben. Er hat dir das Leben, deinen Körper, deine Kräfte, deinen Verstand und künstlerische Fähigkeit gegeben, damit du durch dein Leben, deinen Körper und den Verstand etwas an seinen Körper, seinen Leib, die Jesusfamilie, der Gemeinde etwas mitteilst und sie bereicherst.
Talente der Künstler Ex 31,1-12;

Gebet:
Herr, ich habe das herzliche Verlangen, das Geheimnis deines Königreichs zu entdecken und dafür mein alltägliches Leben leidenschaftlich einzusetzen. Ich möchte mit der Hilfe des Heiligen Geistes in dies Geheimnis eindringen. Herr, ich möchte großzügig sein und bin bereit, alles in meinem Leben um des Himmelreichs willen und der Seelen, die du mir anvertraut hast, abzugeben. Du weißt, dass ich dies nicht so einfach von mir aus tun kann. Hilf mir durch deine Gnade, dass ich bereitwillig und großzügig sein kann. Amen.

Zum Nachdenken:
1. Wie kannst du dich besser Gott hingeben und heute & morgen noch mehr für sein Königreich einsetzen (investieren Zeit, Schätze, Talente)?

2. Überlege, dass das Leben in Gottes Gegenwart schon heute in dieser Welt ein großer Schatz ist. Wie sieht dieser Schatz aus? Was ist deine Antwort darauf, diesen Schatz zu besitzen?

Hermeneutische Grundlage
Klassische anglikanische Lehre gründet sich zuvörderst auf der Heiligen Schrift, die allein verlässliche norma normans. Unsere Schriftauslegung geht aus einer Auseinandersetzung mit der Überlieferung der ungeteilten Kirche, insbesondere aus der Zeit der ersten vier Konzilien hervor. Im lehrmäßigen Konsens dieser Epoche erkennen traditionelle Anglikaner apostolische Tradition. Bei der Beurteilung „bloß kirchlicher“ (im Gegensatz zu offensichtlich apostolischer) Tradition im Lichte dieses Erbes aus Schrift und Überlieferung bedienen wir uns der vom Schöpfer gegebenen, von Christus vielfach gebrauchten und durch das Werk des Heiligen Geist in den Wiedergeborenen gereinigten Vernunft. Die kirchliche Verkündigung soll auf diese Weise die Gläubigen zu einem tieferen Verständnis der offenbarten Wahrheit führen. Allerdings kann die Kirche nie etwas als heilsnotwendigen Glaubenssatz vorlegen, was nicht direkt aus der Heiligen Schrift entnommen oder zwingend aus ihr ableitbar ist.

Die Umrisse traditioneller anglikanischer Lehre sind nicht allein und auch nicht hauptsächlich von unserem Bekenntnis, den Neununddreißig Religionsartikeln (in ihrem kontroverstheologischen historischen Kontext verstanden) vorgegeben, sondern – getreu der für den Anglikanismus äußerst wichtigen theologischen Regel lex orandi, lex credendi – auch durch unsere Agende, das Allgemeine Gebetbuch (Book of Common Prayer) samt dem anglikanischen Ordinale (Weiheliturgien zum Ordo: Diakonat, Presbyterat, Episkopat). Dieses wird von den meisten anglikanischen Geistlichen und Laien als ebenso wichtiges Lehrdokument für die anglikanische Identität betrachtet wie die Neununddreißig Artikel. Hierin liegt ein deutlicher Unterschied etwa zur evangelisch-lutherischen Tradition, in welcher niemals eine Agende auch nur ansatzweise die Bedeutung der Confessio Augustana oder von Luthers Katechismen erreicht hat.

Geschichte traditioneller anglikanischer Lehre
Die vorgenannten Grenzen lassen durchaus eine gewisse theologische Breite zu, die gelegentlich als „anglikanische Freiheit“ bezeichnet wird. (Diese betrifft auch das genaue Verständnis der Euraristie.) Dies lässt sich auch historisch gut nachvollziehen. Die kirchengeschichtlichen Wurzeln der anglikanischen Kirche liegen (a) in dem traditionell großen Selbstbewusstsein der beiden englischen Kirchenprovinzen unter den Provinzen der lateinischen Kirche, (b) in den Fernwirkungen der Vorreformation von John Wyclif (1330-1384), dem maßgeblichen Vorbild des tschechischen Vorreformators Jan Hus (1371-1415), (c) in der frühen Rezeption lutherischer Schriften durch spätere kirchenleitende Theologen wie Erzbischof Thomas Cranmer (1489-1556). Äußerer Anlass für den Bruch mit Rom war der bekanntermaßen rein machtpolitisch bedingte Wunsch König Heinrichs VIII. (1491-1547) nach einer katholischen Nationalkirche unabhängig von römischer Jurisdiktion.

Bereits während der Reformation unter der Regierungszeit König Eduards VI. (1547-1553) und der Konsolidierung unter der Herrschaft von Königin Elisabeth I. (1558-1603) versammelte die Anglikanische Kirche sowohl Theologen, die vom Calvinismus beeinflusst waren (Low Church) wie etwa Erzbischof Thomas Cranmer als auch dezidiert anglokatholische Stimmen, wie etwa die Theologen-Bischöfe John Jewel (1522-1571) und Lancelot Andrewes (1555-1626). Das Erstarken des anglokatholischen Flügels unter Erzbischof William Laud (1573-1645) führte zur calvinistisch-puritanischen Revolution und schließlich zu einer ausgleichenden Restauration, für die das Allgemeine Gebetbuch von 1662 steht.

Die Reformierte Episkopalkirche entstand in den 1870er Jahren aus der Opposition evangelikal geprägter Kleriker und Laien der Episkopalkirche unter Leitung des episkopalen Weihbischofs George Cummins gegen einen oberflächlichen Ritualismus in dieser Kirche. (Jener reformiert-evangelikale Einschlag wird etwa in unserer Präambel deutlich.) Gleichwohl war Bischof Cummins sehr wohlwollend gegenüber authentischem Anglokatholizismus eingestellt, was etwa in seiner Hochschätzung des hochkirchlich gesonnenen William Augustus Muehlenberg zum Ausdruck kam, welchen er für einen Bischofsstuhl der „neu-formierten“, eben Reformierten Episkopalkirche vorsah. (Er lehnte jedoch ab und blieb trotz aller Missstände der alten Episkopalkirche treu.)
Als die Episkopalkirche und andere Kirchenprovinzen der Anglikanischen Kirchengemeinschaft in den 1970er Jahren begannen, radikale Neuerungen einzuführen wie etwa die Ordination von „Priesterinnen“, entstanden neue traditionell-anglikanische, vorrangig anglokatholisch geprägte Jurisdiktionen in Nordamerika. Die Reformierte Episkopalkirche begann bald den Dialog mit diesen Jurisdiktionen. Mit der anglokatholischen Anglikanischen Provinz Amerikas wurde eine Vereinbarung über Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft geschlossen, nachdem zuvor ein (durchaus historisch zu nennendes) Konsensdokument mit dem Titel Anglican Belief and Practice ratifiziert worden war. Die Reformierte Episkopalkirche, einschließlich des deutschen Missionsbistums, vereint heute reformierte Anglikaner und Anglokatholiken. In gewissem Sinne kann Anglican Belief and Practice als eine Bekenntnisschrift angesehen werden.
Anglokatholische Theologie, deren frühe Exponenten hochgeachtete Theologen auf Bischofsstühlen wie Lancelot Andrewes und John Jewel waren, hat nicht nur alle theologischen Richtungen des Anglikanismus nachhaltig geprägt – einschließlich der Theologie der evangelikalen (nach ihrem Selbstverständnis vehement antikatholischen) Church Society des Vereinigten Königreichs und eben auch der offiziellen kirchenamtlichen Theologie der Reformierten Episkopalkirche (wie das zuvor zitierte Dokument Anglican Belief and Practice beweist). Einen noch größeren Einfluss hatte die anglokatholische Theologie auf die anglikanische Liturgie – und damit nach dem zuvor über die Rolle der Regel lex orandi, lex credendi im Anglikanismus auch auf die kirchenamtliche Theologie der gesamten Anglikanischen Kirchengemeinschaft. Zwar legte schon Erzbischof Cranmer eine gewisse Ehrfurcht vor der byzantinischen Liturgie an den Tag, indem er etwa das zweite Antiphongebet der Chrysostomus-Liturgie in das anglikanische Tagzeitengebet aufnahm. Doch war das von ihm unter Einfluss kontinentaler Reformatoren vorgesehene eucharistische Formular von 1552 – in deutlichem Gegensatz zu dem im besten Sinne katholischen von 1549 – insofern aus hochkirchlicher Perspektive defizitär als eine Epiklese fehlte. Dass diese Liturgie überhaupt eine Approbation erfuhr, lag an liturgischen Wendungen, die wörtlich verstanden auf die Realpräsenz Christi in den Elementen Brot und Wein anspielten; aufgrund dieser verweigerte auch ein an Rom orientierter Bischof wie Stephen Gardiner seine Zustimmung nicht, obgleich Erzbischof Cranmer dessen Interpretation der Agende zurückgewiesen haben soll. Das karolinische Formular von 1662 für die englische Kirche nahm dann die deutlichsten reformierten Änderungen zwischen den Liturgien von 1549 und 1552 zurück.

In der für den amerikanischen Anglikanismus später so wichtigen schottischen Kirchenprovinz (Schwurverweigerer gegenüber dem reformierten Thronfolger Wilhelm von Oranien) hingegen blieb man bei dem Kompromiss von 1662 nicht stehen, sondern stellte den katholischen Charakter der Liturgie von 1549 wieder her. Insbesondere enthält die schottische Liturgie eine explizite Epiklese nach den Einsetzungsworten. Der erste anglikanische Bischof in Amerika, Samuel Seabury, wurde von der Schottischen Episkopalkirche und nicht der Kirche von England konsekriert – mit der Auflage, dass er jenseits des Atlantiks die schottische Kommunionsliturgie und nicht die englische durchsetzen würde. Seit 1789 enthalten alle nordamerikanischen Agenden stets eine „schottische“ Abendmahlsliturgie mit Epiklese und Darbringungsgebet nach den Einsetzungsworten.

Die Wiederentdeckung des anglikanischen einschließlich anglokatholischen Erbes in der Reformierten Episkopalkirche in Nordamerika und Europa spiegelt sich auch liturgisch wider. Sowohl die englische Liturgie von 1662 („traditionell“) als auch („alternativ“) die schottisch-amerikanische in der Fassung von 1928 sind als eucharistische Liturgien zugelassen. Im deutschen Missionsbistum ist letztere die verbreitere, und auch die Kommunionsliturgie von 1549 darf für besondere Anlässe verwendet werden. Hier die Übersetzung der schottisch-amerikanischen Epiklese:
Nach Deiner allmächtigen Güte lass es Dir gefallen, mit Deinem Wort und heiligem Geist diese Deine Gaben und Geschöpfe des Brots und des Weins zu segnen und zu heiligen, damit wir, indem wir dieselben nach der heiligen Einsetzung Deines Sohnes, unseres Heilands Jesu Christi, empfangen, zum Andenken Seines Todes und Leidens an Seinem heiligen Leib und Blut Teil haben mögen.“
[Protestantisch-bischöfliche Kirche in den Vereinigten Staaten von Amerika: Das Buch des gemeinschaftlichen Gebets, New York 1847, Ordnung der Communion, S. 186.]

Abendmahlsverständnis der Reformierten Episkopalkirche in Deutschland

Wir lehren, dass die Gegenwart Christi im Heiligen Abendmahl geistlich und real ist: In den Elementen von Brot und Wein wird den Gläubigen eine geistliche, aber nicht minder reale, Stärkung durch Leib und Brot Christi angeboten. Die Gegenwart unseres gepriesenen Erlösers ist geistlich insoweit sie vom Heiligen Geist vermittelt wird und sich rationalistischen Erklärungsversuchen entzieht. Der Heilige Geist bewirkt die Gegenwart Christi, fokussiert auf die Elemente Brot und Wein als Leib und Blut Christi. Dass es sich hierbei nicht um eine subjektiv-figurative, sondern eine objektiv-reale Gegenwart handelt, wird aus den objektiv nachvollziehbaren Konsequenzen würdigen oder unwürdigen Empfangs des hochheiligen Sakraments deutlich. Die Eucharistie vergegenwärtigt Christi Sühnopfer am Kreuz aber ist selbst kein solches.

Schriftbeweis
[Alle Schriftstellen zitiert nach der Übersetzung D. Martin Luthers in der Überarbeitung von 1912.]
Der HErr Jesus beschreibt das Manna als alttestamentlichen Typos Seines Leibes. Sein gesegneter Leib und Sein gesegnetes Blut sind nicht nur Stärkung, sondern gewöhnlich Voraussetzung für das ewige Leben:
Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, daß ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. Da zankten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, also, wer mich isset, der wird auch leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist; nicht, wie eure Väter haben Manna gegessen und sind gestorben: wer dies Brot isset, der wird leben in Ewigkeit. [Joh 6,51-58]
Der HErr setzt Sein Blut mit dem eucharistischen Kelch gleich. Er offenbart, dass Sein Blut einen Neuen Bund begründet und bezeichnet das von Ihm vergossene Blut als Sühnopfer:
Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. [Mt 26,26-28]
Der heilige Apostel Paulus beschreibt die welt-immanenten Auswirkungen eines unwürdigen Empfangs des Sakraments des Leibes und Blutes des HErrn:
Denn so oft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des HERRN Tod verkündigen, bis dass er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem Brot isst oder von dem Kelch des HERRN trinket, der ist schuldig an dem Leib und Blut des HERRN. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig isst und trinket, der isst und trinket sich selber zum Gericht, damit, dass er nicht unterscheidet den Leib des HERRN. Darum sind auch viele Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Teil schlafen. [1 Kor 11,26-30]
Der Apostel stellt klar, dass das auf Golgatha vergossene Blut und nur dieses das Sühneopfer ist:
Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet die geheiligt werden. Es bezeugt uns aber das auch der heilige Geist. Denn nachdem er zuvor gesagt hatte: Das ist das Testament, das ich ihnen machen will nach diesen Tagen“, spricht der HERR: „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben, und in ihren Sinn will ich es schreiben, und ihrer Sünden und Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken.“ Wo aber derselben Vergebung ist, da ist nicht mehr Opfer für die Sünde. [Hebr 10,14-18; zitiert Jer 31,33-34]

Patristischer Traditionsbeweis
Der heilige Johannes von Damaskus lehrt, dass die Gegenwart Christi im Heiligen Abendmahl real ist, aber vom Heiligen Geist auf unerklärliche Weise vermittelt und insofern geistlich:
„Es sprach Gott: „Das ist mein Leib“, und: „Das ist mein Blut“, und: „Das tuet zu meinem Andenken.“ Und durch sein allmächtiges Gebot geschieht es, bis er kommt. Denn so heißt es: „Bis er kommt.“ [1Kor 11,26] Und es kommt durch die Anrufung (Epiklese) als Regen auf dies neue Ackerfeld die überschattende Kraft des Hl. Geistes. Denn wie Gott alles, was er gemacht, durch die Wirksamkeit des Hl. Geistes gemacht hat, so schafft auch jetzt die Wirksamkeit des Hl. Geistes das Übernatürliche, das nur der Glaube fassen kann. „Wie wird mir das geschehen,“ sagt die heilige Jungfrau, „da ich keinen Mann erkenne?“ Der Erzengel Gabriel antwortet: „Der Hl. Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten dich überschatten.“ [Lk 1,34f] Und jetzt fragst du, wie das Brot Leib Christi und der Wein und das Wasser Blut Christi wird. Auch ich sage dir: Der Hl. Geist kommt hinzu und wirkt das, was Begreifen und Denken übersteigt. […]
Zweckdienlich ist auch folgende Bemerkung: Wie auf natürliche Weise das Brot durch Essen und der Wein und das Wasser durch Trinken in Leib und Blut des Essenden und Trinkenden verwandelt werden, und nicht ein Leib entsteht, der von seinem früheren Leibe verschieden ist, so wird auch das Opferbrot und Wein und Wasser durch die Anrufung und Herabkunft des Hl. Geistes auf übernatürliche Weise in den Leib und das Blut Christi verwandelt, und es sind nicht zwei, sondern es ist ein und derselbe. Es gereicht denen, die es im Glauben würdig empfangen, „zur Vergebung der Sünden“ [Mt 26,28], zum ewigen Leben und zum Schutze des Leibes und der Seele; denen aber, die es im Unglauben unwürdig genießen, zur Züchtigung und Strafe, gleichwie auch der Tod des Herrn den Gläubigen Leben und Unvergänglichkeit zum Genusse der ewigen Seligkeit ist, den Ungläubigen und Mördern des Herrn aber zur ewigen Strafe und Pein gereicht. […]
Das Brot und der Wein sind nicht ein Bild des Leibes und Blutes Christi — das sei ferne —, sondern der vergottete Leib des Herrn selbst. Denn der Herr selber sprach: „Das ist mein Leib“, nicht: [Das ist] ein Bild des Leibes, und nicht: [Das ist] ein Bild des Blutes, sondern: „[Das ist] mein Blut.“ Und vorher sagte er zu den Juden: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esset und sein Blut nicht trinket, so habt ihr kein Leben in euch. Denn mein Fleisch ist wahrhaftige Speise, und mein Blut ist wahrhaftiger Trank.“ [Joh 6,53.55] Und wiederum: „Wer mich ißt, wird leben.“ [Joh 6,57]
[Johannes von Damaskus: Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens (Expositio fidei), Buch IV, Kapitel XIII, „Von den heiligen, makellosen Mysterien des Herrn“; BKV 1, Bd. 44, S. 210-13]

Klassisch-anglikanischer Traditionsbeweis (Neundunddreißig Artikel)
Wie eingangs erwähnt, ergibt sich ein korrektes Verständnis anglikanischer Lehre nur durch gleichzeitige Berücksichtigung des Bekenntnisses (Neununddreißig Artikel) und der Agende. En Auszug der Agende (Epiklese) ist bereits oben zitiert worden. Die Neununddreißig Artikel lehren:
„Das Mahl des Herrn ist nicht nur ein Zeichen der Liebe, welche die Christen untereinander – einer mit dem anderen – haben sollen, sondern es ist vielmehr das Sakrament unserer Erlösung durch Christi Tod.
Für diejenigen, die es auf rechte Art würdig und gläubig empfangen ist „das Brot, das wir brechen“, die Gemeinschaft des Leibes Christi und ebenso der „gesegnete Kelch“ die Gemeinschaft des Blutes Christi.
Die Transubstantiation (oder die Verwandlung der Substanz des Brotes und des Weines) beim Herrenmahl kann aus der Heiligen Schrift nicht bewiesen werden, sondern steht den klaren Worten der Schrift entgegen, zerstört das Wesen des Sakraments und hat zu mancherlei Aberglauben Anlaß gegeben. Der Leib Christi wird im Herrenmahl nur in himmlischer und geistlicher Weise gegeben, empfangen und gegessen. Das Mittel aber, wodurch der Leib Christi im Abendmahl empfangen und gegessen wird, ist der Glaube.“
[Neununddreißig Artikel. Artikel XXVIII. „Vom Heiligen Abendmahl“.]

Traditionsbeweis anhand einer neueren Bekenntnisschrift
[ABP = Anglican Belief and Practice. A Joint Affirmation of the Reformed Episcopal Church and the Anglican Province of America“, October 4, 2001]

Zur Hermeneutik wird festgestellt:
„Es wird anerkannt, dass die Neununddreißig Glaubensartikel, das Allgemeine Gebetbuch und das Ordinale die Grenzen anglikanischen Glaubens und seiner Ausübung festlegen.“ [ABP II, 1. Absatz]
„Der sicherste Weg, auf welchem die Kirche die Wahrheit ihrer Lehre prüfen kann ist das Studium der Heiligen Schrift. Dieses Studium soll innerhalb der Überlieferung der Kirche und mit Gebrauch rechter Vernunft erfolgen.“ [ABP III, Vorbemerkung]
Im Hinblick auf die Realpräsenz Christi im Heiligen Abendmahl wird bekannt:
„Die Heilige Schrift lehrt klarerweise das, was traditionell die Lehre von der Realpräsenz genannt wird. (Mt 26,26-29; Mk 14,22-25, Lk 22,17-20, Joh 6,48-58, 1Kor 11,23-32.) Kurz gefasst ist Jesus Christus wirklich, wahrhaft und einzigartig gegenwärtig in der Eucharistiefeier, in welcher die vom HErrn gebrauchten Elemente Brot und Wein als Fokus dienen. Die Gegenwart unseres HErrn soll auch im Leben der ganzen ecclesia militans et triumphans, dessen örtliche Manifestation die eucharistische Gemeinde ist, gefeiert werden. Anglikaner sind unwillig, über diese grundlegende Definition hinaus zu gehen – außer, dass die Theorie der Transsubstantiation als Dogmatismus abgewiesen und die Rolle des Heiligen Geistes bei der Feier des Sakraments betont wurde. (Beispielsweise schreibt Lancelot Andrewes in Responsio ad Apologiam Cardinalis Bellarmini: ,Bei der Ankunft der allmächtigen Kraft des Wortes, die Natur wird verändert, so dass das, was vorher ein bloßes Element war, nun ein göttliches Sakrament wird, wobei die Substanz nichtsdestotrotz das bleibt, was sie vorher war‘; vgl. auch Artikel XXVIII.) In den Worten von John Cosin: ,Was die Art und Weise der Gegenwart des Leibes Blutes unseres HErrn im gebenedeiten Sakrament betrifft, so […] gehen wir ihr nicht mit verwirrenden Untersuchungen nach; sondern nach dem Vorbild der ursprünglichen und reinsten Kirche Christi überlassen wir dies der Macht und Weisheit unseres HErrn.‘ (Historia Transubstantiatonis Papalis, cap. 1)“
[ABP IV, Vorbemerkung, Taufe]

Еs wird auch bekräftigt, dass die Eucharistie oder das Abendmahl von Christus eingesetzt wurde, eine wahrhaftige Teilhabe an Seinem Leib und Blut zu sein, ein Sakrament unserer geistlichen Nahrung und unseres Wachstums in Ihm und ein Unterpfand unserer Gemeinschaft mit Ihm und miteinander als Glieder Seines geheimnisvollen Leibes. Es gibt nur ein Opfer für die Sünde ・ das eine Opfer Christi, ein für alle Mal dargebracht am Kreuz. Dieses eine Opfer ist die vollkommene Erlösung, Sühne und Genugtuung für die Sünden der ganzen Welt. Somit kann die Eucharistie nicht als Sühneopfer an Gott den Vater bezeichnet werden. Schließlich kann die mittelalterliche Transsubstantiationslehre, wie es in Artikel XXVIII heißt, „aus der Heiligen Schrift nicht bewiesen werden・, noch kann irgendeine dogmatische Definition das Geheimnis der Realpräsenz Christi in der Eucharistie erfassen. Das Geheimnis der Realpräsenz kann nur durch Glauben bekräftigt werden.“ [ABP IV, Bekräftigung, letzter Absatz]

Anhang
Übersicht über die Neununddreißig Artikel (1562 Latein / 1571 Englisch)
Die Neununddreißig Artikel leiten sich in ihrer Grundstruktur von einem frühen anglikanisch-lutherischen Konsensdokument noch aus der henricianischen Reformation ab, den Wittenberger Artikeln von 1536. Mehrere wichtige Passagen sind direkt der Confessio Augustana oder der Confessio Wirttembergia (Eingabe württembergischer lutherischer Theologen an das Tridentinum) entnommen.
Art. I-V (Dreifaltigkeit und Inkarnation): Inhalt des Apostolikums
Art. VI-VIII (Offenbarung): Altes und Neues Testament sind das Wort Gottes, enthalten alles zum Heil Notwendige; die drei altkirchlichen Bekenntnisse sind zwingend aus der Heiligen Schrift beweisbar
Art. IX-XVIII (Anthropologie und Soteriologie, vgl. CA II, IV): Die Erbsünde hat den freien Willen, auch zur Hinwendung zu Gott zerstört; Rechtfertigung vor Gott und Heil wird den Auserwählten durch Christus allein zuteil; hieraus folgen notwendig Früchte guter Werke, die nicht überverdienstlich sein können.
Art. XIX-XXXIV (Ekklesiologie und Sakramentenlehre, vgl. CA XIV, XIII): Kennzeichen der wahren sichtbaren Kirche (reine Predigt und rechte Sakramentsverwaltung); Fehlbarkeit auch historischer bedeutsamer Teilkirchen; Unterordnung der Autorität der Kirche unter die Heilige Schrift; Abweisung gewisser römischer Lehren; Bedeutung von Ordination oder Beauftragung für öffentliche Wortverkündigung; Predigt in der Volkssprache; nur zwei Sakramente allgemein zum Heil notwendig; Sakramente nicht bloß Zeichen, sondern wirksame Zeichen; Verwerfung des Donatismus; Taufwiedergeburt; Präsenz Christi in den eucharistischen Elementen; Zurückweisung der Transsubstantiationslehre; Kommunion unter beiderlei Gestalt, Vollkommenheit des Kreuzesopfers Christi; kein Pflichtzölibat, auch nicht für Bischöfe.
Art. XXXVI (Vermischtes): Orthodoxie der eduardianischen Homilienbücher; Orthodoxie und Suffizienz des eduardianischen Ordinale; zeitliche Güter der englischen Kirche gehören dem Monarchen; Wehrdienst, Privatbesitz und Eide sind Christen gestattet.
Einführende deutschsprachige Literatur zum Anglikanismus
Artikel in LThK und TRE, ferner:
G. Gaßmann, Die Lehrentwicklung im Anglikanismus. Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte, Band 2, Göttingen 1998. S. 353-410

Unsere Begebenheit finden wir bei Matthäus, Markus und heute besonders bei Lukas 5,17-26 beschrieben.

Gelähmte Menschen und kleine Kinder haben viele Gemeinsamkeiten. Wenn sie ihre Begrenztheit und Hinfälligkeit erkannt haben, wissen sie, dass sie auf die Hilfe der anderen angewiesen sind. Beide wissen um ihre Schwäche und Hinfälligkeit, dass sie nicht selbst zu Christus gelangen können.

Deshalb sagt Jesus: Lu 18,14+15 Aber Jesus sprach: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich. Und er legte die Hände auf sie und zog von dort weiter

. Kinder müssen aber gebracht werden. Das ist eine gemeinsame Aufgabe. Gerade bei Kindern und Gelähmten erkennen wir am Deutlichsten auch das Prinzip der Gnade. Sie können sich selbst nicht das Heil aneignen, sie können durch keine eigene Anstrengung des Willens oder ihrer Entscheidungskraft zu Christus kommen. Sie sind hilflos und müssen gebracht. In unserem Falle wird der Gelähmte sogar von vier Freunden gebracht. Ziel ist körperliche und geistliche Heilung. Von diesem Gemeinschaftseinsatz können wir alle lernen. Nach der körperlichen Heilung geht dann allein um die freie Gnade Gottes, die den von Natur aus für den Glauben Gelähmten zugesprochen werden soll. diese Teamarbeit für diese beiden Gebiete wird von uns allen gefordert. So sind wir dann in den verschiedenen christlichen Kirche und auch als REK Gemeinde, ja alle Christen gefordert: Denn wenn die für Gott gelähmten Menschen nicht alleine zu Christus kommen können, dann müssen zwei oder drei Personen für diese aktiv werden und wenn notwendig, wie dieses Viererteam, den geistlich Gelähmten finden und ihn zu Christus unter Sein Wort bringen. Lasst uns für solche kleine Tragbaren-Teams beten, solche Teams zusammenstellen, die sich um Menschen, geistlich Gelähmte bemühen, damit sie zu Christus gebracht werden. Die einen sollen zu Kinder-, Jugend- oder in Erwachsenenkreise gebracht werden, dann aber Erlöste auch am gemeinsamen Gottesdienst teilnehmen. Glauben wir wirklich, dass solche fernstehenden, nichtkirchlichen Gelähmten gebracht werden müssen? In Berlin und Hamburg gibt es schon mehr als 60% solcher, die nichts mehr mit der Kirche, dem christlichen Glauben zu tun haben. Wie viele aber von diesen und den übrigen sind aber noch nie von Christus berührt wurden? Unser gemeinsames Dienen, für das wir heute beten wollen, wird sich in unseren Glauben und dann in der Praxis zeigen! Ob bei Evangelisationen oder Asylantenarbeit, bei Freekstock oder Campingmission, in Schule und Freizeitarbeit, beim Kaffeetreff oder Frauenfrühstück. Wir sind aufgefordert durch unterschiedliche Methoden unsere heutige Missionsaufgabe wieder aufnehmen. Es geht darum, die geistlich Gelähmten vor unserer Haustür, in unserem Ort und Kreis, zu finden und sie zu Christus zu bringen. Gelähmte schaffen es nicht, von sich aus zu kommen. Sie sollen von uns im gemeinsamen und stellvertretendem Glauben zu Christus gebracht werden. Wollen wir dies gemeinsam tun? Die Welt wird weltlicher. Christen verschwinden mehr und mehr aus unserer Gesellschaft. Das freudige gemeinsame Zeugnis fehlt heute mehr denn je. Dagegen breitet sich ein begeisternder Islam in Deutschland aus. Warum? Unsere Bundeskanzlerin ermutigte vor einiger Zeit: Man darf Muslimen nicht vorwerfen, dass sie mit leuchtenden Augen über ihren Glauben sprechen, wir aber nicht in der Lage sind, mit noch leuchtenderen Augen von unserm Glauben zur reden … Sprechen Sie mit fröhlichem Herzen vom „C“. – Damit meinte sie nicht ihre Partei, sondern Christus.

1. Hinderungsgründe im gemeinsamen Dienen

Der erste Hinderungsgrund in Mrk 2,2 war die im Wege stehende Menschenmenge. Es sind oftmals Menschen, auch christliche, fromme oder verwandtschaftliche Beziehungen, die zur Seite geschoben oder sogar freundlich umgangen werden müssen. Es gibt immer Gründe, einen gemeinsamen Einsatz wegen Verwandtschaftsbeziehungen aufzugeben. Gerade die ganz nahstehenden Menschen stehen oft zwischen Christus und einem gelähmten Sünder. Diese Probleme sollten wir erkennen und kreativ bewältigen. So kann es zweitens sein, dass ein Dach oder besser eine Decke im Wege steht. Es sind manchmal ganz praktische und materiellen Dinge, die im Wege stehen: Keine Fahrtgelegenheit, kein Auto, keine Zeit, usw. wegen Familie und Arbeit, Finanzen, etc. Wir hören oft alle möglichen Argumente, warum etwas dazwischengekommen ist und bestimmte Personen nicht oder nicht mehr kommen können. Oftmals müssen wir einfach sagen: Wir kommen, wenn Du keine Gelegenheit hast und holen dich mit dem Auto ab, und bringe dich wieder nach Hause oder bezahlen Dir auch das Busticket.

2. Weitere Widerstände im gemeinsamen Dienen

die finden wir jedoch unmittelbar in der Gegenwart Jesu: Da gibt es auch noch die Schriftgelehrten, die Gesetzeslehrer, die bibeltreuen Bibelkenner. Auch sie können ein Hindernis werden. Bei ihnen muss alles genau vorher geplant, aufgeschrieben und durchdacht sein. Es muss die rechte Schriftstelle benutzt werden, und außerdem muss alles noch etwas biblischer bedacht werden. Doch hört, auch übergenaue Bibeltreue können ein Hinderungsgrund sein, solche, die sich zu viele Sorgen um 150% Genauigkeit machen, vielleicht sogar verstecken, dass keine Zeit oder Begeisterung mehr da entsteht, Gelähmte zu Christus zu bringen. Doch Christus will keine Schriftgelehrten empfangen, sondern nur Gelähmtenträger. Er wartet doch nur darauf, dass wir die Gelähmten zu ihm durch die Decke hinablassen. Deshalb, ist es oft besser, naiv im Glauben, ohne letzte Vorbereitungen zu sein und gegen alle christliche Knicke jemanden gemeinsam zu Christus zu bringen, als überhaupt nicht in Bewegung zu kommen. Der vertrauensvolle Eifer und der aktive Glaube ist für die christliche Gemeinde oft wichtiger als die beengte kleingläubige Manier, ob denn auch alles richtig vorbereitet sei. Lasst uns also alle Hindernisse der Menschenmenge, der Dächer und der Gesetzeslehrer im Glauben überwinden und unsere Gelähmten unter das Wort des Christus bringen.

3. Das Ziel unseres gemeinsamen Betens und Dienens

Wenn nun die geistlich Gelähmten endlich vor Christus stehen, dann sollen sie trotz ihrer persönlich oft schweren Situation zuallererst die wichtigste und mutmachende Botschaft hören, ihr eigentlichstes Problem: „Meine Sohn, meine Tochter, fasse; Mut. Dir sind deine Übertretungen, die du gegen den Willen Gottes getan hast, deine Fehler vor Gott und Menschen, deine Schuld ist dir vergeben! Dies zu hören und zu erfassen bedarf schon Mut. Doch die Schuld vor Gott und Menschen ist die Grundursache allen Übels und auch aller Trennungen in Familie und Gesellschaft. Welch eine Ermutigung, wenn wir Vergebung zugesprochen bekommen: Deine Schuld ist vergeben, du bist mit Gott versöhnt, du hast Friede mit Gott. Die Ursache für deine Gelähmtheit und Haltlosigkeit ist von dir genommen. Ist dies nicht der größte Trost? Dafür lasst uns gemeinsam beten, dafür lasst uns gemeinsam dienen, Gelähmte zu Christus zu bringen. Und wenn Dir Christus heute alle Deine Schuld vergibt, dann reihe dich sofort in das Missionsteam ein, deine Nächsten zu Christus zu bringen. Amen.

TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT

mauerfall

Wir denken heute an den 3. Oktober 1990 zurück. Die eigentliche Wende und der Mauerfall begann am 9/10 November 1989.

Ich werde diesen Tag nicht vergessen. Damals befand ich mich gerade im alten Seminar der Ref. Episkopalkirche in Philadelphia. Da rief man mich in einen Seminarraum, in dem ein Fernseher stand.“ Come, look, the Berlin Wall is coming down“!

Wir befanden uns mit den Kindern gerade in den USA auf Reisedienst. Als ich dann abends wieder im Missionshaus eintraf, schauten wir auf dem alten Fernseher, was an diesem Tag alles geschah. Mauerspechte mit Hämmern und Pickeln!

 

Mir kamen die Tränen. Ich konnte dies nicht glauben. „Surprised by Joy!“ Überrascht von der Freude. So hätte es C.S. Lewis sicherlich genannt. Und wir: „Überrascht von der Einheit!“

Mir jedenfalls kamen minutenlang doch die Tränen. Das war einfach nicht zu glauben. Wer hatte dafür gebetet. Hatten deutsche Christen dies bereits jahrelang in ihren Gebeten bewegt und geglaubt ? So etwas geschah in Südkorea, wo Tausende Menschen für ihre Wiedervereinigung beteten, schon seit langem. Aber nichts geschah dort. Hier aber in Deutschland war Gott am Werk, obwohl möglicherweise keiner dafür betete. Und in Korea hat es trotzt vieler Gebete bisher noch keine Wiedervereinigung gegeben. Doch hier bei uns, nach 40 Jahren Trennung deutscher Familien, kam unvorbereitet, unerwartet und fast ungläubig plötzlich die Wiedervereinigung.

Wir lernen, was im Plan Gottes, in seiner Vorherbestimmung festgelegt ist, das geschieht trotz aller Umstände, mit oder auch ohne Gebet, denn unser Gott ist ganz souverän. Er bestimmt Zeit und Stunde in seiner Allmacht, Allwissenheit und durch seine Allgegenwart. Denn Gott ist Gott!

Deshalb fragt und verkündet Paulus über die Rückkehr und Wiedervereinigung des ungläubigen irdischen Volkes Israels mit dem gläubigen geistlichen Volk Israel: Römer 9, 18 So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. 19 Nun sagst du zu mir: Warum beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? 20 Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so? 21 Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen?
Alle waren sich damals bewusst: Dieser Tag ist ein Einschnitt nach 40 Jahren Prüfung in unsere deutsche Geschichte. Dieser Tag betraf jedes Leben. Es war ein ähnlicher Einschnitt wie beim Volk Israel, dass 70 Jahre vom Heimatland nach Babel weggeführt würde: Jeremia hatte das Volk gewarnt. Aber ohne Erfolg. Doch nach 70 Jahren hatte die Prüfungszeit ein Ende.

Wir hören von Daniel: 9, 1 Im ersten Jahr des Darius, des Sohnes des Ahasveros1, aus dem Stamm der Meder, der über das Reich der Chaldäer König wurde, 2 in diesem ersten Jahr seiner Herrschaft achtete ich, Daniel, in den Büchern auf die Zahl der Jahre, von denen der HERR geredet hatte zum Propheten Jeremia, dass nämlich Jerusalem siebzig Jahre wüst liegen sollte. 3 Und ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche. 4 Ich betete aber zu dem HERRN, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, du großer und heiliger Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! 5 Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen. 6 Wir gehorchten nicht deinen Knechten, den Propheten, die in deinem Namen zu unsern Königen, Fürsten, Vätern und zu allem Volk des Landes redeten. 7 Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen, die von Juda und von Jerusalem und vom ganzen Israel, die, die nahe sind, und die zerstreut sind in allen Ländern, wohin du sie verstoßen hast um ihrer Missetat willen, die sie an dir begangen haben.

Das Volk Israel kehrte danach mit Esra und Nehemia zurück ins verheißene Land. Das Volk wurde wieder eins. Hier erfüllte sich das Wort Jeremias: 29,10 Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.

Auch unsere 40 Jahre waren zu Ende. Für unser Volk wurde ein neues Kapitel der Geschichte aufgeschlagen. Man freute sich über die Zusammenführung oder Rückanbindung an die Bundesrepublik, man war dankbar für die neue errungene Freiheit, erfreut über die lang ersehnte Einheit unseres Volkes. Die Freude überdeckte alles vergangene Leid, alle Unterdrückung und alle Trennungen. Es gab Freibier und Begrüßungsgeld!

Heute schauen wir auf 23 Jahre nach der Wende zurück. Der eiserne Vorhang ist gefallen. Die plötzliche Begeisterung ist nun verflogen. Der Alltag hat sich wieder eingestellt. Viele Ideen und Hoffnungen sind wie Seifenblasen sind geplatzt. Nicht überall sind blühende Landschaften entstanden. Die Realität hat sich breit gemacht. Es gab Erfolge, aber auch Enttäuschungen, Verzweiflung und viele Neuanfänge. Viele erlebten im Rausch auch einen Bankrott. Doch das Leben nach mehr als 20 Jahren ist weitergegangen, Dinge des Ostens sind in den Westen importiert worden, Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen oder Westkapitalismus und Ellenbogengesellschaft sind im Osten erstanden. Neue Herausforderungen kamen auf Ost und West zu. Nun haben wir eine Bundeskanzlerin und einen Bundespräsidenten mit Ostwurzeln, die Gesamtdeutschland regieren oder repräsentieren.

Und wer meinte, die Menschen seien nach den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen nun zufriedener, gelassener oder vielleicht auch Gott dankbarer, der wird feststellen, dass sich im Geist und der Seele der Ossis und Wessis nicht viel geändert hat. Mehr als 60 % sind im Osten weiterhin nichtkirchlich oder kirchenfern. Von einem Verlangen nach Gott scheint man nicht viel zu merken. Großstätte wie Berlin oder Hamburg kommen auf eine Atheisten-Statistik wie im Osten. Eine Dankbarkeit gegenüber Gott ist kaum in Ost oder West festzustellen. Fast alle denken nur an sich, an ihr Vorankommen, an ihren Wohlstand, an ihr Überleben. Warum? Wir fragen? Hat es auch eine innere Wende nach der äußeren Wende gegeben? Wurde die Mauer, die zwischen Gott und Mensch war, die der Sündentrennung, bei vielen Menschen abgerissen? Ist der Eisernen Vorhang zwischen Gott und Mensch zur Seite geschoben worden? Das sind die eigentlichen Fragen, die wir nach der großen Wende, der trennenden Mauer des Eisernen Vorhangs zwischen Gott und den Menschen stellen müssen, gelöst? Denn es ist wichtiger, dass bei jedem in Ost und West, ganz persönlich die große Mauer zwischen Gott und Mensch abgerissen wird und die große Wende eintritt, dass anstatt der früheren Wende von Gott weg nun die Wende auf Gott zu beginnt.

Doch wir müssen ernüchtert feststellen: Der alte Adam in uns, die Neigung zum Bösen, wie es unser Glaubensartikel 9 oder der Römerbrief in 8,19 sagt: „Das Böse, was ich nicht tun will, tue ich!“ Das hat die damalige Wende auch noch überlebt. Die Neigung zum Bösen steckt noch genauso in uns wie damals in der Zeit vor der Wende – hier im Westen wie auch im Osten.
Doch uns ist an einer wirklichen Wende gelegen, einer Wende eines jeden unter uns zu Gott durch Jesus Christus, der für uns am Kreuz gestorben und Mittler geworden ist. Er will uns erlösen und unser Leben erneuern, verändern dass es gottähnlich wird, dass wir in das Ebenbild seines Sohnes umgestaltet werden. Es ist die Wende zum Leben, zu Christus, die nicht nur uns, sondern auch unsere Familien, unserer Beziehungen, unseren Arbeitsplatz und unsere Gesellschaft verändern wird.

Gott hat die Trennung, die Mauer zwischen Himmel und Erde abgerissen, durch den Tod seines Sohnes am Kreuz. Er hat eine Brücke zur Ewigkeit und eine Brücke der Versöhnung zu allen Menschen geschaffen. Die Mauer ist von Gott abgerissen worden, er hat Ost und West, Nord und Süd, Juden und Nichtjuden zusammengeführt hat. Er hat Frieden gemacht am Kreuz, Christus ist unser Friede. Er ist der Garant für Frieden und Einheit.

Dank, dass Gott in seiner Vorherbestimmung unser Volk wieder geeint hat; dank, dass er uns selbst zu sich gebracht hat, indem er die Trennmauer der Sünde abriss. Dank, dass Gott und Mensch durch Christus vereint sein kann.

Text: Lev. 19, 1-2, 9-18; Matthäus 22,34-40

 Christliche Liebe ist gelebte Heiligkeit: Heiligkeit zeigt sich weniger im in der Zurückgezogenheit vom alltäglichen Leben, sondern in der christlichen Nächstenliebe, die das praktische Alltagsleben durchdringt und gestaltet.

Das Gebot haben wir, dass wer Gott liebt, auch seine Bruder liebt.
AT: 3.Mo 19,1-2.9-18 Der heilige Gott fordert von uns einen heiligen Wandel.

Heiligkeit zeigt sich weniger in der Zurückgezogenheit vom täglichen Leben, sondern in der Nächstenliebe, die das praktische Alltagsleben durchdringt und gestaltet.

1. Komische Heilige Beispiele: Kein Fernsehen, keine Disco, kein Kirmesgang, kein Fußball, keine Zigarette rauchen Oder in der Vergangenheit: Säulenheilige, Zurückgezogene, Wüstenmönche

2. Definition von falscher und rechter Heiligkeit:
a) Falsche Heiligkeit: Zurückgezogenheit von äußeren Dingen, entsagen von Nahrung und Kleidung, Kontakt mit Sündern usw. – Es ist nicht eine rituelle äußerliche Heiligkeit an Leib, Land und Wohnung, obwohl durch äußerliche Handlungen Zeichen gesetzt werden.
b) Rechte Heiligkeit ist das fortgesetzte Wirken des Heiligen Geistes, durch das er den Sünder reinigt, dessen ganze Natur im Ebenbild Gottes erneuert und ihn befähigt, gute Werke zu vollbringen.

Zur ursprüngliche Heiligkeit und Gerechtigkeit: 23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn
24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

c) Herkunft der Heiligkeit:
Sie begründet sich in der Ebenbildlichkeit Gottes:“ Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde“. Der Mensch war im Anfang im Ebenbild Gottes geschaffen. Damit war er ganz vollkommen, ganz gut. Und er sollte der Werke Gottes tun, die Erde bebauen und sie beherrsche. Er sollte gute Werke vollbringen.

Die Äußerung der Heiligkeit: Sie beinhaltet Liebe. Denn Heiligkeit steht immer in Verbindung mit Gerechtigkeit. Gerechtigkeit aber äußert sich in liebendem Handeln.

3. Beispiele, dass unsere Heiligkeit sich vor allem in Liebe äußert. Lev 19
Weil Gott heilig ist, soll es auch überall im Leben gerecht zugehen: Die Heiligkeit des Lebens wird in Kap 18-20 betrachtet.

Sie beginnt mit dem Thema Nr. 1: Sex, der geschlechtliche Umgang im Leben. Hier werden die geschlechtlichen Verirrungen aufgezeigt. Hier muss es gerecht zugehen.
In Kapitel 19 betrifft nun viele Themen nämlich: von der Ecke des Ackers, bis zur Ecke des Bartes

Aber doch beginnt die Heiligung des Alltagslebens mit dem Thema Nr. 2. „Der Umgang der Kinder mit ihren Eltern.“ Und setzt sich fort mit:
a) Umgang mit dem Gottesdienst
b) Umgang vor Gericht
c) Umgang mit Armen
d) Umgang mit Reichen
e) Umgang mit Ausländern
f) Umgang mit ungerecht handelnden Nachbarn – Zurechtweisung usw.

Schlussfolgerung: Die rechte Heiligkeit im Alltag ist nichts anderes als der das gerechte verhalten in allen unseren Lebensgebieten. Es ist nichts anderes als gelebte Liebe:
Damit wird Liebe nicht als Gefühl, sondern als verantwortlicher und gerechter Umgang mit dem Nächsten bezeichnet. Der Brunnen heißt Heiligkeit. Daraus fließt Liebe.
Selbst unser Umgang gegenüber unseren Feinden wird davon betroffen. So spricht Jesus in der Bergpredigt, nachdem er die vollkommene Liebe des Vaters dargestellt hat, der die Sonne über Böse und Gute aufgehen lässt und es regnen lässt über Gerechte und Ungerechte:

Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. Mt 5,48
Gute Nachricht: Nein, wie die Liebe eures Vater im Himmel, so soll auch eure Liebe sein: vollkommen und ungeteilt.

Liebe oder praktische Heiligkeit ist eine besondere Qualität unseres Handelns, die alle unsere Lebensgebiete durchdringt, transformiert und verändert – nämlich zum Guten und Vollkommenen. Diese praktische Heiligkeit im Umgang mit den Mitmenschen betrifft aber alle familiären und sozialen Gebiete. Gottes Heiligkeit – Oder seine Vollkommenheit gut zu sein, macht uns verantwortlich ungeteilt gut zu handeln, nicht halbe Sache zu machen. Liebe deinen Nächsten ist nichts Neutestamentliches, auch nichts nur Innerliches. „Denn wir sollen unseren Bruder nicht hassen in unserem Herzen“ V17. Heiligkeit ist die Vollkommenheit Gottes, die durch sein Volk, durch mich handeln will, den andern vollkommen und gut zu machen. Die Heiligung unseres alltäglichen Lebens betrifft alles im Leben, alle Ecken werden von der vollkommenen Gutheit und dem vollkommen Heil betroffen.: die Ecken des Feldes – das etwas für die Armen zurückbleiben soll – bis zu den Ecken der Haare auf dem Kopf (kein Götzendienerhaarschnitt), die Ecken meiner Arme (keine Tätowiierung mit ungöttlichen Symbolen oder Ringen) und die Ecken der Gesellschaft, unser Umgang mit den Ausländern. Und last not least, zum Schluss unser Umgang mit den Alten, vor dessen graues Haupt man aufstehen und sie ehren soll: In der Straßenbahn und im Altenheim.
Die praktische Heiligung beginnt mit: den Eltern, aber hier sagt Gott aus der Praxis zuerst: Ein jeder fürchte seine Mutter – dies gilt für die Kinder – weil die Mutter gewöhnlich als erste untergebuttert wird – und es betrifft auch ihren Mann, der selbst zuerst eine hohe Achtung vor seiner Frau entwickeln muss, damit er diese Haltung den Kindern vorlebt, diese es beobachten und er sie dahin erziehen kann – nämlich eure Mutter zu fürchten. – Hier versagten viel so genannte heiligen Männer im Lebensalltag, die die Praxis nicht kennen.
Die Lebensheiligung endet mit. Ihr sollt in eurerm wirtschaftlich Handel, privat, auf dem Dorfmarkt , dem Autoverkauf, Internetverkauf und dem Weltmarkt gerecht und aufrichtig handeln, jeder soll verdienen, aber keiner darf übers Ohr gehauen werden. Auch dies ist praktische Heiligung oder anders unsere LIEBE in Aktion.

Damit ist Liebe immer eine Verantwortung, die sich im Umgang mit dem Anderen in Beziehungen und Taten ausdrückt. Liebe besteht immer in der Tat, Liebe besteht nicht in Worten, sondern in Gedanken und Gefühlen, die sich aber schließlich im Handeln ausdrücken. Wer sagt, er liebt, aber handelt nicht, dessen Worte sind heiße Luft und er lebt nicht in der praktischen Alltagsheiligung.

Jesus selbst sprach vom Zentrum der Gebote, Gott zu lieben von ganzem Herzen und den Nächsten wie sich selbst. Das Prinzip der Gebote, die Liebe, wurde von ihm in der Bergpredigt als Zusammenfassung so formuliert:
Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten. Mt 7,12.
Damit führt Jesus hier klar aus, dass das Zentrum der Gebote in einer Liebe besteht, die sich darin äußert, dass wir nach dem Wunsch anderer Leute handeln sollen. Echte Heiligung wird in handelnder Liebe bei uns im Alltag sichtbar.

Dieser 17. So. n. Trinitatis ist überschrieben mit dem Titel einer Lutherpredigt von 1520: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“.

Luther beginnt nun seine Predigt an den weisen Herrn Hieronymo Mühlpfordt, Stadtvogt zu Zwickau. Er entfaltet das Thema und er stellt zwei gegensätzliche Bibelstellen vor. Darauf hin folgen 30 Punkte seiner Predigt von ca. 11 A 4 Seiten, die, wenn sie ausdrucksreich gelesen wird, etwa 90 Minuten dauern würde.

Zum ersten sagt er: Dass wir gründlich mögen erkennen, was ein Christenmensch sei und wie es getan sei um die Freiheit, die ihm Christus erworben und gegeben hat, davon St. Paulus viel schreibt, will ich setzen diese zwei Beschlüsse:
Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.

Bei Christus selbst erkennen wir diese beiden Bewegungen auch hier im Evangelium. Unsere heutige Geschichte führt uns in das Haus eines Oberpharisäers. Es scheint so zu sein, dass der Sabbatgottesdienst, der mit Sonnenuntergang begann, zwischen 17-18 Uhr schon zu Ende ist. Danach trifft man sich zum Essen, hier ausgedrückt mit: Das Brot zu essen. Ob dies auch schon ein Hinweise im Evangelium war, dass die Christen dann später zusammenkamen, um am Auferstehungstag Christi das Gedächtnisbrot, Christus zu essen, an seinem Mahl und seinem Leib Anteil zu haben?
Bei diesem Essenstreffen gibt es zwei Abschnitte. Der erste Teil beschäftigt sich damit, dass die Gäste kommen, vielleicht noch stehen. Dann der Teil, wo sie sich schließlich setzen und nach und jeweiliger Rangordnung das Essen bald beginnt.
Auch hier ist dies der Fall.

1. Die Gäste kommen – und Jesu freie Predigt an die noch Stehenden.
Wir wissen nicht, warum Jesus eingeladen wurde, ob man ihn ehren, aushorchen oder ihm eine Falle stellen wollte. Doch er geht hin und macht sich zum Knecht aller. Knecht ist er. Da mitten im Stehen und warten taucht plötzlich einer auftaucht, der scheinbar nicht eingeladen war. Denn dieser geht bald wieder, bleibt nicht beim Essen, bzw. Jesus lässt ihn gehen oder schickte ihn weg. Dieser durchaus nicht ebenbürtige und ehrenwerter Mensch, steht da zwischen den anderen und Jesus erkennt, dass er ein Problem hat, dass sein ganzes Sein betrifft. Es sieht blass aus, ihm fehlt die Farbe, ist er krank? Nun, was er hat, ist die Wassersucht oder ganz einfach, bei ihm staut sich Wasser im Körper. Das gibt es auch heute noch bei vielen Menschen. Die Ursache kann vielfältig sein. Aber meist hat es mit dem Herz zu tun, dass nicht recht arbeitet, mit der Niere oder anderer Organen.
Das Brockhaus Lexikon erklärt: Wassersucht (Hydrops), ist eine krankhafte Ansammlung von wasserähnlicher Flüssigkeit in den Geweben oder Höhlen des lebenden Körpers, Symptom chronischer Nieren-, Herz- und Lungenkrankheiten.
Nun was hat Jesus mit solchen einem Gast zu tun? Er hätte ja wegschauen, vorbeigehen oder sich setzen können, um endlich Ruhe nach dem Sabbatgottesdienst am Ende der Woche zu haben. Doch Jesus ist nicht so. Er zeigt seine Nächstenliebe und will seinen Dienst diesem bedürftigen Menschen anbieten. Von nun an ist er wieder einmal nicht sich selbst gehörig, sondern einem anderen. Seine eigene Bedeutung unter den Oberrabbinern und Oberschriftgelehrt ist nicht wichtig. Sein Platz, vielleicht in Ehren schon vorbereitet in der Nähe des Gastgebers, den muss er nicht einnehmen. Alles und alle Handlungen ordnet er aus Liebe zum Kranken, der Herz- oder Nierenleidend ist, ihm zu helfen unter. Erkennen wir: Christus ist frei von allen Erwartungen des Gastgebers und den anwesenden studierten Menschen, frei von den Erwartungszwängen und frei gegenüber seinen eigenen Wünschen. Warum? Wir werden es gleich hören. Stellen wir fest: Er hat sich zum Diener des einen Kranken gemacht, der plötzlich oder geplant kurzfristig von draußen hereinkommt. Und Christus ist frei von allen Sach-, Personen und Traditionszwängen.
Nun antwortete er denen, die noch alle stehen und ihn belauern. Vielleicht war auch dieser Auftritt des Kranken geplant, um Christus öffentlich eine Falle zu stellen. Aber auch gegenüber der Hinterlist der Menschen ist Christus frei. Er vertraut allein auf Gottes Wort und steht im Vertrauen zu seinem Vater. Nichts kann ihn hier anhaben.
Er ist so frei, dass er sogar eine kurze Predigt beginnt, oder besser gesagt eine Antwort und Argument auf die Situation: Nein, er hält nicht den Mund. Wahre Freiheit handelt, auch wenn sie anstößig wirkt oder auch verletzt. Wahre Liebe muss in Freiheit handelt. Und so sagt er:
Ist’s erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht? Sie aber schwiegen still.
Jesus wusste, dass die Pharisäer traditionell die Schrift gut auslegten. Denn für sie galt: Wenn am Sabbat ein Ochs oder Esel in den Brunnen oder in ein Loch fällt, dann dürfen sie diese herausholen. Auch dass sie am Ruhetag das Vieh nicht verdursten lassen würde, sondern tränken dürften. Dagegen sagte die Qumram-Gemeinschaft, die Essener: Lasst nicht zu, dass einem Tier geholfen wird, dass am Sabbat gebiert, und wenn eins am Sabbat in ein Loch fällt, lasst es nicht zu dass es an diesem Tag herausgeholt wird. (CD 11.13-14)
Jesus wartet kurz, ob ihm jemand antwortet. Aber sie schwiegen alle. Damit erkennen sie Jesus als Autorität an, ansonsten hätten Schriftgelehrt noch stundenlang weiter debattiert.
Jesus handelt aber in Freiheit der Tradition und der väterlichen Schriftauslegung, vor Gott und vor Menschen. Er fasst den Kranken an, ob mit Gebet oder ohne: Aber er heilt ihn von seinem Herz – oder Nierenleiden, sodass die Schwellungen und das Wasser in den Füßen, Beinen oder Armen weggeht. Welch eine herrliche Freiheit zu solchem Handeln!
Worauf gründet sie sich?
Schauen wir nach. Jesus antwortet: Würdet ihr nicht eure Kuh am Ruhetag aus dem Wasserloch ziehen? Natürlich! Und er fügt noch etwas Persönlicheres hinzu: Würdet ihr nicht euren eigen Sohn aus dem Brunnen ziehen? Natürlich!
Jesu gründet sich hier einmal auf das, was der normale Menschenverstand tun würde. Auch der weiß, dass er in Not jedem helfen sollte, dem Vieh oder dem Sohn des Nachbarn.
Doch Jesu Entscheidung gründet sich auf mehr als nur auf einen gesunden helfenden Menschenverstand. Jesus Freiheit zu helfen, gründet sich auf die Sendung des Vaters und auf die Heilige Schrift:

Heißt es nicht in 2 Mo 22,1ff Wenn du dem Rind oder Esel deines Feindes begegnest, die sich verirrt haben, so sollst du sie ihm wieder zuführen. 2 Wenn du deines Bruders Rind oder Schaf irregehen siehst, so sollst du dich ihrer annehmen und sie wieder zu deinem Bruder führen.
3 So sollst du tun mit seinem Esel, mit seinem Kleid und mit allem Verlorenen, das dein Bruder verliert und du findest; du darfst dich dem nicht entziehen.
4 Wenn du deines Bruders Esel oder Rind unterwegs fallen siehst, so sollst du dich ihrer annehmen und ihnen aufhelfe.

Jesu Freiheit zum Handeln gründet sich hier auf diese Schrift, die sogar sagt, das man der niedrigen Schöpfung seine Hilfe nicht versagen darf. Heißt es nicht auch bei Paulus, „Dies ist nicht geschrieben um des Ochsen willen, sondern um euretwillen?“ Jesus handelt hier eindeutig und klar, weil er ganz in der Schrift verwurzelt ist, auch diese nicht verbiegt oder macht, was er will – gegen die Schrift und bestehende Obrigkeiten, sondern er will sie auf den jeweiligen Fall, den Menschen, der in Not ist, anwenden.
Und, stand in diesem Falle in 5. Mo 23 etwas davon, dass man am Sabbat nicht dem Esel oder das Rind seines Feines oder Bruders helfen sollte? Nein. Davon stand nichts. Deshalb, wie viel mehr ist der Mensch, wie viel notwendiger ist es der höheren Schöpfung, dem Herz- und Nierenkranken zu helfen? Viel mehr!
Was war die Antwort der anwesenden, noch stehenden Gelehrtenrunde? Es kam nichts, keine Antwort.
Damit hat Jesus die Freiheit eines Christenmenschen gezeigt, das er frei von der Tradition und Gelehrtenweisheit und Umgangssitten ist, frei von Erwartungen der anderen, aber dass er sich zum Diener einer einzigen bedürftigen Person gemacht hat. Er hatte sich frei von eigenem Vorhaben und Wünschen gemacht und ihm geholfen, gesund zu werden.

2. Das Setzen am Tisch – und Jesu freie Predigt zu den Gästen
Als sie sich nun setzen wollten, bemerkte Jesus an ihrem Benehmen und vielleicht Drücken und Drängeln, dass es ihnen darum ging, die besten und geehrtesten Plätze zu bekommen.
Auch hier beweist er seinen Mut, seine Evangelische Freiheit. Er gebraucht ein Gleichnis von einer Hochzeitsfeier. Ist es nicht so, dass heute meist Platzkarten verteilt werden und neben dem Brautpaar vor Kopf aller anderen Gäste die Trauzeugen, die nächste Freundin, Freund und die Eltern des Paares sitzen. Es wäre doch unverschämt, sich einfach dort hinzusetzen.

Eigentlich wäre es nicht Jesu Auftrag, sondern des Gastgebers selbst, sich um diese gesellschaftliche Ordnung und die Ehrenplätze zu kümmern. Doch auch hier ist Jesus ganz frei. Er will weder den einen beleidigen, noch in ein anderes Amt greifen.
Auch hier erwähnt er zuerst den normalen Menschenverstand wie: In einer Gesellschaft setzt man sich zuerst an die normalen freien Plätze, und erst, wenn der Gastgeber sagt: Setze dich zu mir, dann geh. Damit wirst du öffentlich geehrt. Ansonsten schickt er dich weg, öffentlich verweist der dich dann auf die niedrigen Plätze. Welch eine Scham!
An dem aber, was er noch am Ende hinzufügt, erkennen wir, worauf Jesus seinen Rat zum Handeln stützt. Ist dies nicht ein durchgängiges Prinzip der Schrift:
Wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden.

Jesus, in seiner Freiheit zu unterweisen, gründet sich auch hier wiederum auf die Schrift:
Spr. 23,6+7 Prange nicht vor dem Könige und stelle dich nicht zu den Großen; denn es ist besser, dass man zu dir sage: Tritt hier herauf!, als dass du erniedrigt wirst vor einem Edlen, den deine Augen gesehen haben.

Erkennen wir, wie sich Jesus hier zum Diener aller macht? Und er weiß, dass er dabei auch beleidigt werden könnte. Doch er handelt in Evangelischer Freiheit, um auf die Überhebung des sündigen Herzen der Anwesenden hinzuweisen. Auch derjenige bekommt noch eine Mahnung, der noch weitere Menschen aus niedriger sozialer Schicht, wie den Wassersüchtigen, hätte einladen können. Denn solche Menschen können nicht wiederum einladen oder es mit einem Dankesmahl vergelten.
Nutzen wir so unsere christliche Freiheit wie Jesus? Amen.

Die Rede über das Himmelreich Matthäus 13,1-52
Der abgelehnte König spricht vom vorläufigen Himmelreich – (während Israels Ablehnung)A.Der König im Boot – am See V 1-2 (Meer der Völker)

A) Der König im Boot – am See V 1-2 (Meer der Völker)

Diese Gleichnisse finden wir nur vollständig bei Matthäus.
Das Himmelreich wurde von Kap. 3-11 besonders durch Johannes, Jesus vorgestellt und war Israel bereits klar von den AT Propheten verkündigt worden. Dieses hatte Jesus bis Kap. 11 verkündigt.
Ab Kapitel 11 beginnt bereits deutlich der Hinweise auf die Ablehnung des Vorläufers Jesu. Johannes der Täufer wurde nicht von den Juden gehört, weiter ein Hinweis auf das kommende Gericht über die Städte in Galiläa als Folge sowie, dass der Vater im Himmel anderen, den Unmündigen seinen Willen offenbaren will. Das geschieht nun besonders ab Kap. 13.

In Kapitel 12 kommt es nun zur vollkommenen Ablehnung des Königs. Er spricht von der nicht vergebenden Sünde und der damaligen Generation (die zwar kurzzeitig durch die Botschaft Johannes und Jesus gereinigt), nun aber als ein Besessener bezeichnet wird, in die ein Dämon eingekehrt ist,.

In Kap. 13 wird von einem etwas anderem Reich gesprochen. Nicht ein Reich, das in Kap 3-11 offenbart und verkündet wurde, sondern von einem, wenigstens kurzzeitig verborgenen Reich. Es ist ein geistliches – ein mit dem Auge nicht äußerliche sichtbares Reich, welches von der Zeit der Ablehnung des Königs, seiner Kreuzigung und Auferstehung bis zu seinem zweiten Kommen in Herrlichkeit sein wird. Dann, wenn Israel ihn erkennen und als König und Messias annehmen wird.
Dies Geheimnisse, die hier den Unmündigen offenbart werden, waren im AT nicht bekannt (Kap 13,11.34-35).

B. Gleichnisse (Geheimnisse) des Himmelreichs:

ZEIT: Sie betreffen die Zeit, in der der Weinberg des Herrn (Israel) unbearbeitet und wüst liegt: Jes 5,1-7
5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde.

ZWECK: Kap 13,10-17 Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen es nicht. … Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllt, die da sagt (Jesaja 6,9-10):

1. Acker der Welt wird besät 3-23
2. Guter Samen und Unkraut 24-30 (Erklärung in 36-43)
3. Senfkorn 31+32 Schnelles Wachstum in aller Welt – Vögel: (gut oder böse?)
4. Sauerteig und „Frau“ V 33 Vermischung mit falschen Lehren.
5. Schatz im Verborgenen (Israel?) V 44 – und Jesus Einsatz am Kreuz, um ihn zu bergen
6. Jesus, der Kaufmann 45+46 (und die Gemeinde) (verkaufte alles, gab sein Leben, um seine Braut, die Gemeinde zu retten)
7. Netz – Gut und Böse bleibt – bis es am Ende der Weltzeit getrennt wird. 47 -52.

C. Weitere Ablehnung Jesu in seiner Heimat. 54-58

Matthäus 12,46-50 / Heilige Familie Gottes

Besonders um Weihnachten wird der Heiligen Familie, Joseph, Maria und Jesus, eine Menge Beachtung geschenkt. Und das ist auch richtig.
Maria insbesondere erhält von römischen Katholiken und orthodoxen Christen eine sehr große Beachtung.
In unserer Bibelstunde wollen wir über die Heilige Familie reden, welche natürlich die Familie Gottes ist. Über die Jesusfamilie, in der Jesus aufwuchs, haben wir zusätzlich zur Heiligen Schrift keine Informationen oder Einsichten.

Wir wollen nachdenken über die Ankündigung der Geburt Jesu an Maria und wie sie demütig und gläubig dieses Nachricht dieses großen Segens angenommen hat; dann an die Hirten und Engel denken, die sich zur Geburt Jesu eingefunden hatten, sowie über Josephs großen Gehorsam, in dieser Angelegenheit Adoptivvater zu werden. Weiter denken wir noch an die Sterndeuter, die später die Jesusfamilie besuchten. Und dann kennen wir noch das Ereignis über den 12-jährigen Jesus im Tempel und seine Eltern, die ihn suchten, die Gespräche dort führten und seine Ein- und Unterordnung danach in die Familie.
In unserem Text –  Mt. 12,46-50  – lesen wir mit großem Interesse, dass die Jesusfamilie, Maria und seine Brüder, unerwartet erscheinen und Jesus sehen wollen.

Mit einer besonderen Würdigung, der Maria von einigen Christen bedacht wird, könnten wir erwarten, dass Jesus sich hier schnell beeilen, sie grüßen und besonders ihr öffentliche Anerkennung schenken würde.
Aber es ist schon befremdend, dass wir nicht zu hören bekommen, was Jesus zu Maria sagte. Es scheint so, als würde er sich überhaupt nicht darum sorgen, dass sie da ist. In dieser Geschichte kann Maria warten, und sie scheint einfach zweitrangig zu sein. Zweitrangig wem gegenüber? Das ist die wunderbare kleine Geschichte, die sich dort am Ende von Kapitel 12 befindet. Worum geht es eigentlich? Dass Jesus sich so sehr um andere Angelegenheiten kümmert, dass er Maria, seine Mutter, so vernachlässigt, sie nicht beachtet?
Diese erstaunenswerte Sache betrifft damit uns, seine Jünger, seine Familie Gottes.
Wir würden erwarten, dass Jesus sich erhebt, sich in eine erhobene Position begibt, dann auf Maria zuläuft und dabei seine Jünger perplex zurücklässt.
Aber, er tut es nicht. Dagegen antwortete er jenen, die ihm sagten, dass seine Mutter und Brüder draußen stehen, „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?“ V48. In anderen Worten sagt Jesus, dass hier gegenwärtig etwas stattfindet, das wichtiger ist als seine leibliche Mutter, der „Mutter Maria“.
Mt 12,49-50 Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.
Was für eine erstaunliche Aussage! Sehen wir, was Jesus hier getan hat? Er hat uns damit auf die Ebene von Maria gehoben, auf ihre gleiche Position gebracht! Er hat hier den Willen seines vollkommenen himmlischen Vaters über den Willen seiner fehlbaren und irdischen Mutter gestellt. Das heißt nicht, irgendetwas von ihr zu nehmen oder sie zu demontieren oder sie zu erniedrigen. Doch sie ist wirklich hier nicht die Hauptsache, sondern wir, seine Jünger.

Jesu Belehrung an seine Jünger soll uns schockieren wegen dessen, was Jesus an sich ist und tut. Tatsächlich erhebt er uns zu sich selbst. Das soll nicht heißen, dass wir eine niedrige Sicht von der Mutter Maria haben, sondern es bedeutet, dass ich eine Hochachtung vor dem habe, was Jesus für jeden tut, der wahrhaftig sein Jünger ist. Das trifft zuerst auf Maria zu, aber auch auf uns, wenn wir den Willen unseres Vaters im Himmel tun. Genauso wie der Heilige Geist in Maria einzog, so zieht er auch in uns ein (natürlich nicht auf dieselbe Weise). Doch Jesus hat uns ausersehen, dass wir Mitglieder seine Familie sind, und so sind wir genauso wichtig wie seine Mutter.
Was Jesus hier tut, ist etwas so Wunderbares wie Gott es mit Maria getan hat, als er durch den Heiligen Geist Jesus zu ihr brachte. Was Jesus hier für uns tut ist, dass er uns zu sich bringt und somit zum Vater, dass wir eins mit ihm werden. Was Jesus also tut ist, dass er uns mit ihm zum Himmel erhebt, wenn wir den Willen des Vaters tun.

Er sagt uns damit, dass er sich wünscht, so eins mit uns zu werden, wie er es mit dem Vater ist: Durch Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters. Deshalb kam Jesus auf die Erde; und das ist es, was wir tun sollen. Mt 7,21; Jo 5,30.

Durch diesen Abschnitt bringt uns Jesus mitten in seine Familie hinein – die Heilige Familie. Stellen wir uns vor, wir wären wirklich einer der Brüder Jesu oder eine seiner Schwestern in Nazareth! Wie würde das sein? Würde es nicht fantastisch sein! Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es hatte nicht viel seinen Brüdern gebracht, die ursprünglich nicht an ihn glaubten. Aber, wir träumen viel zu wenig. Wenn wir sagen, dass Jesus uns zu Mitgliedern seiner Heiligen Familie macht, meinen wir nicht nur Maria und Joseph und Jakobus, Joses, Simon und Judas (Markus 6,3 Matthäus13,55).

Jesus macht uns zu Mitgliedern der noch größeren Heiligen Familie zu dem der Vater, der Sohn und der Heilige Geist gehört. Was bedarf es nun, um am Leben der Heiligen Dreifaltigkeits – Familie teilzunehmen? Der eigentlichen „ Heiligen Jesusfamilie“? Diese Frage bedarf einer Antwort. Es ist ein erhabener und gesegneter Traum, den Jesus als erfahrbare Wirklichkeit hervorgehoben hat. Denn, wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Ruf zum Gehorsam – Ruf zur Einheit und zur Familie Gottes
Denken wir über dieses heute nach: Jedes Mal, wenn wir den Willen des Vaters tun, sind wir verbunden mit der Heiligen Dreieinigkeit.
Jedes Mal, wenn du wie ein Sohn oder Tochter Gott gehorchst, dann bist du ein Sohn oder eine Tochter Gottes.
Jedes Mal, wenn du den Willen des Vater tust, dann demonstrierst du damit, dass du zu Jesus Christus gehörst und Teil seiner Familie bist.
So gehören wir dann zur weltweiten Familie Gottes –zur katholischen/allumfassenden Kirche, die den Willen Gottes tut (dazu gehört die militante Kirche auf Erden, die noch kämpft gegen Sünde, Selbst und Satan, und auch die triumphierenden Kirche, die bereits im Himmel bei Christus ist, die abgerufenen Christen bei Gott). Das ist unsere wirkliche Familie.
Der Ruf zum Gehorsam ist nicht so sehr ein Warnruf, wenn wir versagen, dass wir bestraft werden, sondern ein Ermutigungsruf und eine Herausforderung zu der Familie der gesegneten Gehorsamen unseres himmlischen Vaters zu gehören. Wir sind dann Teil dieser Heiligen Familie Gottes.

Ich werde deshalb gehorchen, nicht aus Furcht, auch nicht einfach aus Pflicht, sondern aus Liebe und Freude, die dadurch entsteht, dass ich mit dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist verbunden bin.

Zum Nachdenken:
1. Was sind die Segnungen als Ergebnis, dass wir Teil der Heiligen Familie Gottes sind?
2. In welcher Weise ruft Gott uns, ihm zu gehorchen, damit wir Teil von ihm wirst und dass er uns segnet?

Entscheidung:
Ich entscheide mich für den heutigen Tag, dem Vater so zu gehorchen, wie er es mir aufgetragen hat.

  • Jesus und das Reich Gottes  & wir selbst – ein Geheimnis 

zum Bibelgespräch mittwochs: Text Matthäus 12,14-30 zuvor lesen.

Jeden Mittwoch 19 Uhr - Bibelgespräch im Wintergarten - Richbergstr, 11, Schwarzenborn

Bibelgespräch im Wintergarten

Info zu Beelzebul – 
die ursprüngliche Bedeutung ist Mist- oder Fliegengott oder: Herr der Wohnungen (von Dämonen). Satan wird als Führer der bösen Geister dargestellt, die in Menschen schwere Krankheiten seelischer oder leiblicher Art bewirkten oder sie versklavten.

Jesus ist geheimnisvoll, mysteriös, er ist schwer zu verstehen:
Er tut Wunder, damit Menschen an ihn glauben. Aber, wenn Leute ein Wunder herbeiwünschen, dann tut er oft kein Wunder. Und wenn er wunderbare, göttliche Dinge tut, dann warnt er oft, von diesen göttlichen Dingen nicht irgendetwas zu erzählen.
Warum das? Will Gott denn nicht, dass alle Leute diese Großtaten von ihm hören?
Jesus heilt in einer Weise, wie nur Gott es tun kann. Aber er kommt zu uns selbst nicht als Herrscher und König, sondern begegnet uns Christen wie ein Diener. Aber, er sagt trotzdem, dass er ein König mit einem Königreich ist, und dies Reich soll schon unter uns oder in unserer Mitte vorhanden sein.
Jesus tut Gutes und lehrt Gutes, und gerade darum wollen die Pharisäer und Schriftgelehrten ihn umbringen. Die Oberen jagen ihn wie ein gehetztes Stück Wild. Dieser Jesus ist wirklich mysteriös, ein Geheimnis.
Und nun 2000 Jahre später in unser Zeit? Auch wir sollen ihm gegenüber Stellung einnehmen. Denn wir hören hier V 30: Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
Es ändert auch nichts daran, dass die meisten modern denkenden Menschen etwa so antworten: Jesus ist ein guter Lehrer, er ist ein guter Mensch, er lehrt doch was die anderen bekannten Lehrer des Altertums auch gelehrt haben.
Doch das entspricht nicht der Wahrheit. Außer seinen Jüngern, den Aposteln, hat es niemand gewagt zu sagen, dass er ganz Gott sei. Jesus selbst hat dies gesagt und hat dies dann auch durch seine Wunder bewiesen.
Aber, weder Buddha, Mohammed oder Konfuzius oder der jetzige Dalai Lama haben wundersam geheilt, Wasser in Wein verwandelt, 5000 Menschen mit wenigen Stücken Brot und Fisch gesättigt oder jemanden vom Tod auferweckt. Und diese Religionsgründer, sind selber sind nicht vom Tod wieder auferstanden, nur Jesus.
Wir aber wissen, wer Jesus ist: Er ist der Sohn Gottes, der Fleisch, Menschsein angenommen hat; und er allein ist der Retter der Welt.
Doch er ist immer noch für uns heute mysteriös, ganz geheimnisvoll.
Jesus ist: allmächtig, allwissend und allgegenwärtig. Wir wissen, dass er Wunder getan, Krankheit geheilt und die Natur und Dämonen bezwungen hat und auch Macht über das Leben an sich hat.
Aber, warum gibt es Zeiten, da er sich uns nicht zeigt, da er sich vor uns versteckt? Es scheint Zeiten zu geben, dass er, obwohl wir wissen, was er kann, sich uns nicht zeigen oder offenbaren will.
Persönlich: Es gibt Zeiten, da ich völlig ausgelaugt und am Ende bin, Zeiten, wo ich selber nicht mehr ein noch aus weiß, wo ich mir selber ein Geheimnis bin, ich selber ein Mysterium bin. Ich aber habe einen tiefen Glauben an meinen Herrn, aber ich kann ihn nicht wirklich spüren, noch erfahren.
Dann frage ich mich: Wo ist die Kraft und die Herrlichkeit dieses Starken, der jene bösen, starken Mann, Satan, gebunden hat und in sein Haus eingedrungen ist? Wo ist dieser König und Herr, dessen Königreich durch Engeln aus der Höhe anbrach und der solche Wunder wirkte?
Und warum sind da noch die Leiden? Und warum sündigen wir immer noch, obwohl der Heilige Geist in uns wohnt? Und warum können Menschen so wunderbar gut und gleichzeitig so hässlich und böse sein?

Persönlich: Ich fühle mich oft wie dieser blinde und stumme Mann. In unserem Kapitel wird er von anderen zu Jesus gebracht, und er wird geheilt. Aber bei mir? Nichts geschieht!

Doch unser Vorteil heute ist der, dass wir nicht zu Jesus gebracht werden müssen wie dieser taube und stumme Mensch. Wir müssen nicht lange warten, sondern können zu Jesus zu irgendeiner Zeit kommen. Und das sogar, wenn ich Jesus gerade nicht sehen und hören kann. Gerade dann darf ich zu ihm kommen, um ihn zu bitten, dass er mich heilt, dass er sich mir wieder zeigt. Und ich weiß, dass er es wieder tun wird. Denn ich weiß, dass er bereits jenen starken, bösen Mann aus meinem Leben vertrieben hat. Denn Jesus ist in mein Leben eingezogen. Ich bin überzeugt, selbst wenn Jesus sich mir nur langsam offenbart, wird er sich zur rechten Zeit ganz zeigen. Ich weiß sogar, dass er mich selbst in meinen blinden, gehörlosen und stummen Momenten meines Lebens nicht verlassen wird.
Ich weiß auch, er hat die Macht über jede Krankheit und Schwachheit meines Lebens, über Blindheit, Gefühllosigkeit und über mein ganzes Leben.
Selbst wenn er entscheidet, sich zurückzuziehen und mir auf unsichtbare oder unbegreifliche Weise zu helfen, werde ich zufrieden sein, denn ich kenn ihn, auch dann, wenn er sich in den Schatten der Erde oder in dunklen Orten meines Lebens zurückzieht. (Ps. 139).
Trotz allem weiß ich, was ich tun soll, denn ich kenne diesen geheimnisvollen Herrn. Deshalb werde ich ihn auch in meinen dunkelsten, einsamen und gefühllosesten Stunden meines Lebens suchen und ihn um Heilung bitten.
Und weil ich ihn kenne, werde ich ihn bitten, was immer für mich notwendig ist, mir für jeden Tag zu geben. Auch wenn es mir zu wenig erscheint, wird er mir genau das geben, was ich heute benötige, wenn ich ihn nur darum bitte.
Dann sage ich: Hier bin ich Herr, auch wenn ich Dich an diesem Tag nicht sehen oder hören kann. Hier bin ich, und ich bin mir oft selbst ein Geheimnis. Hier bin ich. Sei du zu mir barmherzig, erhöre mein Gebet. Gib mir, was ich heute benötige. Schenke dich mir selbst, dann bin ich glücklich.

Gebet
Hier bin ich Herr, obwohl ich dich heute nicht sehen oder fühlen kann. Ich bin mir selbst ein Geheimnis. Hier bin ich. Erhöre barmherzig mein Gebet und gib mir, was ich für den heutigen Tag benötige. Schenke dich mir selbst, und so will ich glücklich sein.  Amen.

Zum Nachdenken:
1. Wie wirkt sich die  Tatsache bei mir bereits aus, dass das Reich Gottes in Jesus schon gekommen ist und  Jesus den Starken, Satan, schon gebunden hat?
2. Was ist meine Antwort auf die Erfahrung, dass sich Gott sich scheinbar vor mir verbirgt, ich ihn nicht spüre? Was ist die beste Haltung und Reaktion in solchen Zeiten?

Meine Entscheidung:
Ich entscheide mich, Gott zu bitten, all das bei mir zu lösen, was mich bindet, damit ich ihn heute besser hören und erkennen kann.

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