16. Sonntag nach Trinitatis – aus AGB – https://rekd.de/

Jesus Christus ‑ der starke Trost
Wochenspruch: „Christus Jesus hat dem Tod die Macht genommen und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium.“ (2 Tim 1,10b)
Tagesgebet: O Herr. Wir bitten Dich: Reinige und beschütze Deine Kirche durch Dein fortwährendes Erbarmen. Und da sie ohne Deinen Beistand nicht unversehrt bestehen kann, erhalte sie stets durch Deine Hilfe und Güte. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Von der Auferstehung überrascht. Lukas 7,11-17
Einleitung:
Von der Freude überraschte – Surprised by Joy – C.S. Lewis – Surprised by Joy“ von C. S. Lewis ist eine spirituelle Autobiografie, die seinen Weg vom Atheismus zum Christentum anhand des zentralen Konzepts der „Freude“ als transzendenter Sehnsucht beschreibt. – Hier: Von der Auferstehung überrascht!
V 11 Und es begab sich danach, dass er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge.
Ein ehemaliger Landwirt aus unserem Nachbarort sagte: „Glauben Sie, dass noch etwas nach dem Tod kommt? Jemand anderes erwiderte: „Wir wissen doch alle: Leben und Tod gehören zusammen; und ohne den Tod gibt es kein Leben!“
Diese Aussage trifft genauso heute wie damals aufeinander. Auch zu Jesu Zeiten trafen sich Tod und Leben mitten im Alltag und in unserer Geschichte genau am Stadttor, vergleichbar heute mit unserem Rathaus. Und zwar dort, wo alle wichtigen Dinge des Lebens erledigt wurden: Hochzeiten, der Kauf von Grundstücken und Äckern, Eintragung in Steuerlisten, der Abschluss von Verträgen u. v. m. Und gerade dort am öffentlichen Leben, mitten durch die Tagespolitik zog ein Leichenzug hindurch. Er zog aus der Stadt Nain durch dies Tor in Richtung Friedhof. Und genau an der Stadtgrenze außerhalb der Stadtmauer trafen zwei Gruppen aufeinander. Hier traf der Todesumzug aus Nain auf den Lebensumzug Jesu. – So heißt es:
V 12 Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr.
Jene Menschen damals gingen mit dem Tod noch anders um als wir heute. Damals wurde niemand schnell ins Krankenhaus gebracht, um dort zu sterben, sondern er starb zuhause, mitten im Kreis seiner Lieben. Und obwohl die Beerdigung schnell geschehen musste, wegen des sehr warmen Klimas, wurde doch niemand im Krematorium eingeäschert: Verbrennen, das geschah nur bei den Vielgöttern verehrenden heidnischen Römern und kriegerischen Germanen, doch nicht aber bei gläubigen Juden und Christen. In unserer Geschichte wollte man die Leiche des Jünglings wahrscheinlich zu den Gebeinen seines bereits verstorbenen Vaters legen, in die Gruft oder Begräbnisstätte.
Wenn aber ein Leichenzug vorbeizog, dann blieb damals aller Betrieb für eine Zeit stehen, und alle folgten der Prozession des Todes. Doch dieser Trauermarsch auf den Friedhof war jedoch in unserem Fall ein tragischer.
Hier führte nicht der Priester oder Pfarrer vorne den Zug an, sondern eine hoffnungslose Witwe ging vor dem Sarg her, vor ihr lag eine ungewisse Zukunft. Und bedenken wir: Diese Frau hatte bereits ihren geliebten Mann verloren, nun auch noch ihren einzigen Sohn.
Meist jedoch geschieht dies im Leben umgekehrt. Aber auch wir kennen Fälle, dass Kinder schon vor ihren Eltern starben. Ist dies nicht herzzerreißend und entsetzlich? Und doch lässt es Gott zu. Damals bedeutete dies aber, dass eine Witwe keinen Ernährer mehr hatte. Eine Mutter zu ehren, bedeutete damals konkret, ihr Unterkunft und Ernährung zu geben. Ob sie noch andere Verwandte hatte, die dann in Zukunft diese Verpflichtung übernahmen? Oder musste sie nun betteln gehen oder um Gelder von der Synagoge oder dem Tempel nachsuchen? So bedeutete dieser Todesfall für sie auch ein sehr ungewisses Rentenalter.
Weil aber in unserer Geschichte die Frau vorn alleine herging und ebenso Jesus zuerst an der Spitze seiner Jünger-Truppe, traf der Meister direkt auf diese Witwe, quasi auf Augenhöhe. Das Leben trifft hier auf den Tod und die Hoffnung auf die Verzweiflung. Was würden wir ihr aber sagen? Herzliches Beileid! Oder einen Bibelvers? Oder würden wir wie einige damalige Philosophen: Trauere nicht Frau, denn es wird dir nicht guttun! sagen? Sollte denn die Frau hoffnungslose und ni n Trauer einfach über ihre Gefühle hinweg gehen?
V 13 Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht!
Jesus ist ganz anders. Diese Situation lässt ihn nicht kalt. Er geht nicht an ihr mit einem leichten Psalm-Spruch vorbei. Nein, er hat Mitleid mit ihr. Es jammerte ihn, genauso wie es am Grab des Lazarus geschah, als Jesus die Tränen kamen! Doch Jesu Mitleid ließ ihn nicht einen Trauergesang anstimmen. Jesus stoppt sicherlich auch die Klageweiber, weiter zu klagen, die hinter dem Sarg hergingen. Denn er spricht zu der Trostlosen: Frau, weine nicht! Warum denn? Denn Jesus hatte etwas anderes im Sinn, wie er ihre Trauer stoppen wolle. Er will ihr so konkret helfen, damit er die Ursache der Trauer bei der Witwe beseitigen wird.
V 14 Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf!
Jesus wusste aber, dass er sich an diesem toten Jüngling unrein machen würde. Denn es hieß: Lev. 19, 11 Wer irgendeinen toten Menschen anrührt, der wird sieben Tage unrein sein.
Ob Jesus nun den Sarg berührte oder den toten jungen Mann selbst, das machte keinen Unterschied. Jener Sarg war einfach eine Art Tragbare auf dem der gesalbte Leichnam lag. Würde sich der Gottessohn nun verunreinigen? Mit dem Tode verunreinigen? Nein, Jesus würde nicht mit dem Tod in Berührung kommen, sondern diesmal würde es genau umgekehrt sein! Der Tote würde sich durch die Berührung bei Jesus, mit dem Leben an sich infizieren; das Leben Jesu würde den Tod verschlingen in einen Sieg, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der Frau würde in Hoffnung verwandelt werden.
So wie geschrieben steht: 1 Kor 15,53 heißt: Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht: »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
In dieser Situation verschlingt die Unsterblichkeit, die von Jesus ausgeht, den Tod und der Sieg gehört Jesus allein. Er, der Sohn Gottes, ist der Hoffnungsträger des neuen Lebens.
Dieses Zeichen, dass Tode auferstehen, sollte auch das Vor-Zeichen des neuen messianischen Zeitalters sein.
V 22 Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt;
Erstaunlicherweise hat Jesus nur drei Menschen vom Tod auferweckt hatte. Das Töchterlein des Jairus, hier den Jüngling zu Nain und später seinen guten Freund Lazarus.
Jesu Sieg über den Tod sieht nun folgendermaßen aus:
V 15 Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter.
Welch eine Antwort. Welch eine Hilfe. Welch ein überreicher Trost. Und nicht nur ein Trost für die Zukunft, sondern ein anfassbarer für die Mutter. Er gibt der Witwe den Sohn lebend zurück, ihren irdischen Versorger und Beschützer. Welch ein Gott der Barmherzigkeit und des Trostes?
Gibt es noch weitere Toten-Auferstehungen in der Bibel? Im Alten Testament finden wir zwei Toten-Auferweckungen bei jungen Männern, und zwar durch die Propheten Elia und Elisa.
1Kön 17,20 und Elia rief den HERRN an und sprach: HERR, mein Gott, tust du sogar der Witwe, bei der ich ein Gast bin, so Böses an, dass du ihren Sohn tötest? 21 Und er legte sich auf das Kind dreimal und rief den HERRN an und sprach: HERR, mein Gott, lass sein Leben in dies Kind zurückkehren!
22 Und der HERR erhörte die Stimme Elias, und das Leben kehrte in das Kind zurück, und es wurde wieder lebendig.23 Und Elia nahm das Kind und brachte es hinab vom Obergemach ins Haus und gab es seiner Mutter und sprach: Sieh da, dein Sohn lebt!
2 Kön 4,36 Und Elisa rief Gehasi und sprach: Ruf die Schunemiterin! Und als er sie rief, kam sie hinein zu ihm. Er sprach: Da, nimm hin deinen Sohn!
In unserer Auferstehungsgeschichte heißt es:
V 16 Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht.
Als die Leute Gott priesen, erinnerten sich sicherlich viele an die beiden AT-Begebenheiten, denn die Worte: und gab ihn seiner Mutter finden wir bereits wörtlich bei Elia vor. Als diese Menschenmenge Jesus so pries, wussten sie zweifellos, dass dieser Jesus der neue Elia war.
Außerdem liegt der Ort Nain ganz in der Nähe des historischen Sunem, wo die Sunemiterin z.Z. des Elisa lebte. Auch diese Frau erhielt ihren Sohn wieder durch Auferweckung vom Tode.
Durch diese Begebenheit soll hier folgendes ganz deutlich werden. Jesus ist dieser Prophet, auf den das Volk Israel und alle Welt wartete. Es ist der Menschensohn, von dem der Prophet Daniel einst sprach, der göttlicher Herrscher über alle Welt. Denn solch ein Wunder der Totenauferweckung kann nur er vollbringen und kein anderer. Er ist der, der nicht nur drei Menschen, sondern alle vom Tode auferwecken wird, die einen zum ewigen Leben und die anderen zur ewigen Strafe. –
V 17 Und diese Kunde von ihm erscholl in ganz Judäa und im ganzen umliegenden Land.
Welche Kunde war dies? Es war die Entdeckung, dass der Gott, der schon einmal in dieser Gegend vor ca. 1000 Jahren zwei Tote auferweckt hatte, diese Totenauferweckung als neues Zeichen der Endzeit gab. Ein Zeichen der Hoffnung. Die Bedeutung liegt darin, dass nicht nur irgendein Prophet, sondern der verheißene Prophet, der Messias, unter ihnen aufgetreten war. Gott hatte nun bestätigt, dass er durch seinen Sohn sein Volk besuchte.
Wozu?
1) Einmal, um uns alle zu trösten, uns sein Mitleid und Erbarmen zu zeigen.
2) Dann aber auch, uns klarzumachen, dass alle, die er wie den Jüngling von Nain berühren wird, die an ihn als Erlöser glauben, zum ewigen Leben auferstehen werden.
Christus ist die Auferstehung und das Leben. Er ist der Erste, der vom Tode auferweckt wurde und jetzt ewig lebt.
So wird er auch alle wahrhaft Gläubigen, dich und mich, auferwecken zum ewigen Leben. Er ist der Hoffnungsträger der Auferstehung. Er ist auch der Garant für unsere und deine Auferweckung. Amen
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