Predigt zum Tagesgebet des Sonntags:
14. Sonntag nach. Trinitatis – bezogen auf die drei Lesungen im Gottesdienst.

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Vermehr in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Und damit wir das erlangen, was Du verheißt, wirke in uns die Liebe zu dem, was Du gebietest. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.
Kaum ist die Logik des Evangeliums so kurz und bündig beschrieben worden, wie in diesem Kollektengebet, diesem Sammelgebet, aus: „Das Allgemeine Gebetbuch“ dass sich auf unsere drei biblischen Lesungen an diesem Sonntag bezieht.
Im 1.Teil der Bitte wird für die Vermehrung der geistlichen Wesenszüge in uns gebetet. Nämlich für Glaube, Liebe Hoffnung. Dies bezieht sich zuerst auf 1. Kor. 13.
Im 2. Teil der Bitte wird dann zentral für den wichtigsten Wesenszug der Bibel gebetet. Die Liebe: Wirke in uns die Liebe zu dem, was Du gebietest.
Diesen besonderen Wesenszug besitzen wir nicht von Natur aus. Wirkliche Liebe fehlt allen und jedem Menschen, Männern, Frauen und Kindern, auch den heiligsten und frömmsten unter ihnen. Hier geht es aber nicht um die Liebe zu unserm Nächsten, sondern um die Liebe zu alle dem, was Gott geboten hat: Wie wir uns selbst im Alltag verhalten und was wir tun sollen.
In beiden Teilen der Fürbitte ist zu erkennen, dass etwas vermehrt werden soll, was schwach ist und was jedem fehlt: Das was unser geistliches Leben betrifft: „Glaube, Liebe und Hoffnung!“ Dann aber, was bei uns prinzipiell fehlt und erst bewirkt oder neu in Gang gesetzt werden soll: Die Liebe zu Gottes Geboten, und auch die Liebe, die freiwillig und gerne den besonderen Willen Gottes tut.
1. Dankbar für unser Heil. Evangelium: Lukas 17,11-19 <- LINK->
Bei dem Evangelium haben wir folgende Lektion. Der vom Aussatz geheilte Samariter kehrt um, preist Gott mit lauter Stimme und fällt dann Jesus zu Füßen und dankt ihm.
Die Grundvoraussetzung ist aber zuerst die Heilung von Sünde und Aussatz durch Jesus Christus. Dieses Heil hat Gott in Bewegung gesetzt. Wenn wir dies erkennen, dann bewirkt er in uns auch die Freude darüber und die Dankbarkeit, die über unsere Lippen kommen soll. Denn wir können keinen Dank selbst produzieren. Aber Gott kann ihn bewirken und kann ihn vermehren. Dafür wollen wir beten.
2. Dankbar aus empfangen und reichlich geben – 1.Chr 29,9-21a <–Link
Bei der AT-Lesung aus 1 Chr. 29 lernen wir folgendes:
Gott hat David als Hirtenjunge von der Schafhürde weggenommen und König werden lassen. Als König bereitet David alles im Detail vor, damit sein Sohn Salomo den Tempel baut.
Genau das ist auch die Aufgabe des Königs, sich um den Tempel, das Haus Gottes zu kümmern. Dazu benutzt er einmal alle die Beute, die er in Kriegen gewonnen hatte.
Aber dies genügt ihm nicht, nur die Beute anderer weiterzugeben. Sein eigenes Anliegen ist es, darüber hinaus von seinem persönlichen Gut und Besitz Gott zu spenden. Er gibt aus Dankbarkeit. Und er spendet sehr, sehr viel. Er ist vorbildhaft für die Stammesführer und Oberhäupter.
Dann aber schließen sich die Vorsteher an, als sie Davids Gebefreudigkeit sehen und geben für Gottes Haus großzügige Geschenke, im Übermaß.
Nun aber sieht dies auch das ganze Volk, und auch sie werden motiviert und geben und spenden für das Gotteshaus und freuen sich.
Daraufhin betet David. Wir erkennen die Verbindung zwischen Geben und Gebet. Geben und Dankgebet sollen immer gemeinsam einhergehen. Der Dank und das Geben für die Kirche und das Reich Gottes gehören zusammen. David betet und sagt, was recht ist: Alles kommt o Herr von Dir, und was wir dir geben, stammt aus Deiner Hand. Und diesen Vers sprechen oder singen wir auch während unseres Gottesdienstes.
Auch hier sehen wir, dass aller Besitz von Gott kommt. Unsere Kraft, unser Besitz, unser alles. Es ist Gott, der die wirkliche Dankbarkeit schenkt, wie auch in 2 Mose 35,4ff. Dort gab das Volk Israel so viel zum Bau der Stiftshütte ihres Besitzes, dass Mose das Geben stoppen musste. Weiterhin brachten sie ihre künstlerischen Gaben als Opfergabe zum Einsatz. Auch wir können dies nicht aus uns selbst heraus produzieren. Aber Gott kann auch bei uns Dank in Form von großzügigem Geben bewirken. Auch dafür wollen wir beten, dass dies geschieht. Wer aber von innen her geben und spenden kann, der ist frei von inneren Zwängen, frei von Habgier, frei von der Ichsucht. Wo beginnen wir aus Dankbarkeit, das Gott zu geben, was ihm sowieso gehört? Zum Geben gehört ein freies Herz, einen geordneten, sparsamen Lebensstil und Augen, die den Mangel im Reich Gottes und die Bedürftigkeit des Nächsten sieht.
Wie viel Geld gibst Du monatlich neben dem Lebensnotwendigen für eigene Wünsche und Annehmlichkeiten aus? Und vergleiche dann, wie viel gibst Du aus Dankbarkeit Gott – oder sollte dies nicht zuerst kommen?
3. Empfangene Gnade tut gern Gottes Willen – Epistel (Gal 5,16-24) <–LINK
In der Epistel sehen wir noch einmal deutlich, was aus dem Menschen normalerweise herauskommt, die Werke des Fleisches, die ungezügelte Lust, wie es auch das Evangelium sagt: Böse Gedanken, Neid, Bitterkeit, Hass, usw. Solche Menschen können nicht dankbar sein, weder durch Geben als Dank noch im dankbaren Gebet.
Aber der Mensch des Geistes, den Gottes Geist berührt hat, dessen Herz verändert worden ist, bei ihm bewirkt Gott die Liebe, die Hoffnung und den Glauben. Und noch viel mehr. Alle die christlichen Charakterzüge, genauso, wie sie in der Epistel Galater 5,22 als die Frucht des Geistes beschrieben werden. Aber vor allem geht es heute um unseren Dank, dass alles, was wir sind und haben, von Gottes Güte herkommt und von ihm in unserem Leben entsteht, besonders aber unsere Sündenvergebung und unser ewiges Heil, unsere Errettung, unseren ewigen Platz im Himmel. Haben wir dies erkannt, dass Gott dies alle wirkt, dann werden wir so lieben, wie er uns befiehlt.
Gott kann bewirken, dass wir ins solch einem geistlich geführten Leben alle die Untaten des Fleisches, die egoistischen und narzisstischen Worte, Gesten und Handlungen lassen und den Gehorsam, in Gottes Liebe unser Leben zu führen in uns vermehren.
Darum wollen wir Gott heute bitten, dass er in uns das vermehrt, was wir selbst nicht hervorbringen können: den Glauben, die Hoffnung und vor allem die Liebe.
1. Wo Christus uns heilt und vergibt, da darf Dankbarkeit wachsen wie bei dem geheilten Samariter.
2. Wo wir erkennen, dass alles, was wir besitzen, aus Gottes Hand kommt, da können wir wie David mit einem freien Herzen geben.
3. Und wo der Heilige Geist unser Leben bestimmt, da wächst seine Frucht und das alte, selbstbezogene Wesen verliert seine Macht. So wird aus empfangener Gnade ein dankbares Leben und aus der Liebe Gottes die Bereitschaft, seinen Willen gerne zu tun. Darum lasst uns nicht zuerst fragen, was wir für Gott leisten können, sondern ihn bitten, dass er selbst in uns wirkt, was ihm gefällt.
Lasset uns beten:
Allmächtiger und ewiger Gott, wir danken Dir für alles, was wir aus Deiner Hand empfangen haben, vor allem für die Vergebung unserer Sünden und das Heil in Jesus Christus. Vermehre in uns Glauben, Hoffnung und Liebe und schenke uns ein dankbares und freies Herz. Wirke durch Deinen Heiligen Geist in uns die Freude für Deinen Willen, damit unser Reden, Geben und Handeln Dich ehrt und unserem Nächsten dient. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.