Trinitatis – Ein festloses restliches Kirchenjahr bis Advent?
Oder die liturgische Farbe Grün – als Zeit des geistlichen Wachstums?

TRINITATIS – SONNTAG – Wer dient wem?
Oder: Spiegelt unser Gottesdienst den himmlischen wider?
Offenbarung 4,1–11
Gottesdienst ist Verpflichtung und zugleich Privileg des Volkes Gottes – im Alten wie im Neuen Bund. Immer wieder stellt sich die Frage: Was ist rechter Gottesdienst? Hat Liturgie zuerst mit uns Menschen zu tun oder mit Gott? Geht es darum, dass wir etwas „mitnehmen“, dass wir aufgebaut werden und eine gute Zeit haben? Oder geht es zuerst darum, dass Gott geehrt wird?
Viele heutige Gottesdienstformen scheinen stark von den Bedürfnissen der Besucher bestimmt zu sein. Man fragt: Hat es mir gefallen? Hat mich die Musik angesprochen? Habe ich etwas gespürt? Doch die entscheidende Frage lautet: Dient im Gottesdienst Gott uns – oder dienen wir Gott? Geht es um menschliche Bedürfnisbefriedigung oder um die Ehrerbietung Gottes?
Wir wollen diese Frage nicht allgemein liturgiegeschichtlich beantworten, sondern aus unserem Predigttext: Offenbarung 4,1–11. Johannes erhält einen Blick in den himmlischen Thronraum. Dieser himmlische Gottesdienst ist Vorbild und Maßstab für unseren irdischen Gottesdienst.
1. Wer ist der Gegenstand der Anbetung?
Im Mittelpunkt steht „Er“, der auf dem Thron sitzt. Der Thron spricht von Würde, Herrschaft und Macht. Gott wird in leuchtender Heiligkeit beschrieben, mit Farben, die an Erlösung, Gericht, Herrlichkeit und den Regenbogen des Schöpfungsbundes erinnern.
Um den Thron sind die 24 Ältesten. Sie stehen sinnbildlich für das eine Gottesvolk aus Altem und Neuem Bund: Israel und die Gemeinde aus den Völkern. Auch die vier lebendigen Wesen erscheinen als mächtige himmlische Diener Gottes. Alles kreist um den Thron.
Damit ist klar: Der Mittelpunkt der Anbetung ist nicht der Mensch, nicht seine Stimmung, nicht seine religiöse Erfahrung, sondern Gott allein. Die Kirche des Alten und Neuen Bundes und die Engel beten gemeinsam den einen heiligen Gott an.
2. Was sind die Handlungen ihrer Anbetung?
Die vier lebendigen Wesen leiten den himmlischen Lobpreis ein. Sie geben den Ton an. Danach fallen die 24 Ältesten nieder, beten Gott an und legen ihre Kronen vor seinen Thron.
Diese Kronen sind Zeichen geschenkter Ehre. Doch selbst diese Ehre behalten sie nicht für sich. Alles, was sie empfangen haben, geben sie Gott zurück. Vor Gottes Thron gibt es keine Selbstdarstellung, keinen Stolz auf Amt, Können oder Leistung. Alle Würde des Geschöpfes wird zur Anbetung des Schöpfers.
Das ist auch für unseren Gottesdienst wichtig. Wir kommen nicht zusammen, um uns selbst zu präsentieren. Prediger, Musiker, Liturgen und Gemeinde stehen nicht im Mittelpunkt. Alles, was uns gegeben ist, soll Gott wieder zu Füßen gelegt werden.
3. Was sind die Worte der Verehrung?
Die himmlischen Wesen sprechen:
„Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.“
Der Gottesdienst beginnt mit Gottes Heiligkeit. Gott ist vollkommen, allmächtig und ewig. Danach sprechen die Ältesten:
„Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft.“
Das sind Worte der Würdigung. Gott ist es wert, angebetet zu werden. Nicht weil wir gerade innerlich bewegt sind, sondern weil er Gott ist.
Auffällig ist auch: Die Anbetung geschieht geordnet, verständlich und gemeinsam. Die Worte sind nicht beliebig, sondern von Gottes Wesen und Werk geprägt. Biblischer Gottesdienst braucht biblische Worte. Stellvertretende Gebete der Leiter und gemeinsam gesprochene Gebete der Gemeinde haben hier ihren guten Platz. So betet das Volk Gottes „mit einem Mund“.
Vor dem Thron Gottes sehen wir keine ungeordnete Gleichzeitigkeit, kein religiöses Durcheinander, keine Anbetung, die sich selbst sucht. Alles geschieht ehrfürchtig, klar und auf Gott ausgerichtet. Das ist Anbetung „im Geist und in der Wahrheit“.
4. Was ist der Grund ihrer Anbetung?
a) Gott ist der Schöpfer aller Dinge
Die Ältesten sprechen: „Denn du hast alle Dinge geschaffen.“
Das ist der erste Grund der Anbetung: Wir sind Geschöpfe. Unser Leben kommt nicht aus uns selbst. Gott schuf Himmel und Erde, den Makrokosmos und den Mikrokosmos, sichtbare und unsichtbare Wirklichkeit.
Und weil der Mensch in Sünde fiel, schuf Gott in Christus den neuen Menschen. Durch Wiedergeburt macht er uns zu Kindern Gottes. Darum darf kein geschaffenes Ding, keine Idee, kein Mensch und keine Macht angebetet werden. Der Schöpfer allein ist Grund und Ziel unserer Verehrung.
b) Gott ist der Erhalter aller Dinge
Weiter heißt es: „Durch deinen Willen waren sie“ – oder: „sind sie.“
Gott ist nicht wie ein Uhrmacher, der die Weltenuhr einmal aufgezogen hat und sie nun sich selbst überlässt. Er hält alle Dinge in seiner Hand. Er trägt die Schöpfung, hält unser Leben, bewahrt den Glauben und sichert das ewige Leben seiner Kinder.
Darum sollen wir nichts und niemanden anbeten, der selbst von Gottes Willen abhängig ist. Alles lebt nur durch ihn.
c) Gott ist Ursache und Ziel aller Dinge
Alle Dinge wurden durch seinen Willen geschaffen. Gottes Ratschluss besteht von Ewigkeit her und führt zu seinem Ziel. Ein Katechismus fragt: Warum hat Gott dich und alle Dinge erschaffen? Die Antwort lautet: Zu seiner eigenen Verherrlichung.
Darum ist Gottesdienst nicht zuerst Menschenpflege, sondern Gottesverherrlichung.
Schlussgedanke:
Der himmlische Gottesdienst mit Blick auf Offenbarung Kap. 4 beantwortet unsere Frage: Der Apostel Johannes sagt uns durch die persönliche Offenbarung von Jesus: „Im Gottesdienst steht allein Gott im Mittelpunkt. Der heilige, allmächtige und ewige Schöpfer ist Grund, Ziel und Zentrum aller Anbetung“
Darum dürfen wir uns jetzt prüfen: Trete ich vor Gottes Thron? Erkenne ich seine Heiligkeit? Beuge ich mich vor ihm – im Herzen, mit meinem Körper, mit meinem ganzen Leben? Spreche ich Worte biblischer Anbetung?
Dann verlieren manche Fragen ihr Gewicht: Hat mir der Gottesdienst gefallen? Hat mir die Musik zugesagt? Habe ich etwas gespürt?
Wir sind heute am Trinitatissonntag vor Gott versammelt, um ihm zu geben, was ihm gebührt:
Unser Lob, unser Bekenntnis, unser Hören, unsere Hingabe, unser ganzes Leben. Amen.