„Das WORT wurde Fleisch – und macht uns zu Kindern Gottes“
Einleitung
Lola – (geändert) wurde als Säugling adoptiert. Ihre Adoptiveltern machten daraus nie ein Geheimnis. Schon als Kind hörte sie nicht: „Du bist zufällig bei uns“, sondern: „Du bist gewollt.“ Diese einfache, klare Botschaft gab ihr festen Boden unter den Füßen. Adoption war kein Makel, sondern ein Geschenk – und zugleich Verantwortung.
Viele Jahre hatte Lola keinen inneren Druck, nach ihrer Herkunft zu suchen. Sie hatte eine Familie, die sie liebte und prägte. Erst als sie selbst Mutter wurde, kamen neue Fragen: Woher komme ich? Wie sieht meine Geschichte ganz aus? Mit Hilfe einer Beratungsstelle fand sie ihre leibliche Mutter. Das Treffen war nicht von Anklage bestimmt, sondern von Würde: Die leibliche Mutter hatte in schwerer Lage einen Schritt getan, der Lola ein gutes Zuhause eröffnete.
So wird Adoption zu einem Bild des Evangeliums:
Gott nimmt uns an – nicht, weil wir perfekt sind, sondern weil er liebt.
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen“ (Joh 1,14a).
Dieses Wort ist keine Weihnachtsromantik. Es ist die große, tröstliche Tatsache: Gott hat nicht aus sicherer Distanz gerettet, sondern ist uns tatsächlich nahegekommen. Unser Tagesgebet fasst diese Wahrheit in drei starken Punkten zusammen:
Christus nimmt unsere Natur an,
wir werden Gottes Kinder, und
der Geist erneuert uns täglich.
1) Der Sohn Gottes nimmt unsere Natur an – Gott zieht bei uns ein
Johannes sagt nicht: „Das Wort tat so, als wäre es Mensch geworden.“ Er sagt: Es wurde Fleisch. Gott wählte nicht nur einen Propheten, nicht nur ein Symbol, nicht nur eine Idee. Der ewige Sohn nahm unsere wirkliche Menschlichkeit an – mit allem, was menschlich ist, nur ohne Sünde.
Damit wird Joh 1,14 zum Trost für alle, die sagen: „Mein Leben ist zu schwer, zu zerbrechlich, zu verworren.“
Christus ist nicht in eine heile Welt gekommen, sondern in eine Welt, die ihn nicht kannte, ja, die ihn ablehnte. Und gerade dort „wohnte“ er unter uns – wörtlich: er „zeltete“ unter uns. Der heilige Gott schlägt sein Zelt, wie das AT Bundeszelt, in unserer Nachbarschaft auf.
Hier passt der Gedanke sehr gut: Gottes Heil geschieht nach seinem Plan und zu seiner Zeit. Prophetie ist dabei nicht nur ein Beweisstück, sondern ein Trost: Gott handelt nicht hektisch, nicht zufällig, nicht improvisiert, sondern lange geplant. Die Geburt Jesu ist also keine religiöse Legende, noch eine schöne Geschichte, sondern Gottes festes Handeln in Raum und Zeit. Darum dürfen wir sagen: Wenn Gott sein Wort in Christus erfüllt hat, dann wird er auch seine Verheißungen an uns persönlich erfüllen.
Und das Ziel der Menschwerdung Jesu ist sehr klar: „Du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“ Christus kommt jedoch nicht zuerst, um unsere Umstände zu verschönern, damit es uns gut geht, sondern um unsere Schuld zu tragen und die Krankheit der Trennung mit Gott zu heilen. Seine Krippe weist schon auf sein Kreuz: Er wurde Fleisch, ganzer Mensch, für uns, damit er für Fleisch und Blut, für uns Menschen, sterben konnte.
2) Neugeburt und Adoption – Weihnachten schafft Familie
Das Tagesgebet geht weiter: „Verleihe, dass wir, die von neuem geboren und als Deine Kinder adoptiert wurden…“ Hier liegt ein Evangelium im Evangelium. Weihnachten ist nicht nur Gottes Nähe, sondern Gottes Annahme. ICH DARF KIND GOTTES SEIN!
Adoption ist mehr als ein schönes Bild. Es bedeutet: Gott sagt nicht nur „Ich dulde dich“, sondern „Du gehörst zu mir“. Wer an Christus glaubt, wird nicht bloß verbessert, sondern neu geboren. Wir werden nicht durch Leistung Kinder Gottes, sondern durch gnädige Annahme. So werden rechtlich Kinder Gottes.
Hier kann uns Joseph als stiller Zeuge helfen. Was macht Joseph so wertvoll für diesen Sonntag? Er zeigt, wie Gott in unsere zerbrechlichen Geschichten hineinwirkt: Da ist Unverständnis, Angst, Fragen. Joseph lernt, Gottes Wort mehr zu glauben als Gerüchten, mehr als eigener Schlussfolgerung, mehr als öffentlicher Meinung. Er nimmt zuerst Maria an – und übernimmt Verantwortung.
Hier finden wir ein Echo der großen Wahrheit. Und weiter, wie Joseph den nicht eigenen Sohn, Jesus, annimmt und ihn rechtlich als seinen Sohn adoptiert, so nimmt Gott uns in Christus an. Gott adoptiert uns durch Glauben an Jesu Versöhnungstat und äußerlich durch das Zeichen der Taufe.
Und wer sich so angenommen weiß, kann anfangen, selbst anders zu handeln: Als Gotteskind, aus Zugehörigkeit zu ihm, weil ich von Gott geliebt bin.
3) Tägliche Erneuerung durch den Heiligen Geist – die Krippe wird Alltag
Der dritte Schwerpunkt ist der vielleicht praktischste und schwierigste: „…dass wir … täglich durch Deinen Heiligen Geist auch erneuert werden.“ Beachten wir dieses Wort: täglich. Das Christfest ist kein einmaliger Höhepunkt, der dann wieder in den Alltag abfällt. Es ist der Beginn einer täglichen Erneuerung. Christsein beginnt bei Dir in der Krippe, mit der Ernährung durch regelmäßige und reine Milch des Wortes Gottes und zunehmen, wachsen, dadurch.
Was erneuert der Geist Gottes? Nicht nur schöne Gefühle, sondern meinen ganzen Menschen: Besonders mein Denken, mein Wollen, mein Reden und dann mein tägliches Leben und Handeln. Und diese Erneuerung ist nicht Selbstoptimierung, ich gebe immer mein Bestes, sondern Christus nimmt so Gestalt und Handeln in meinem Leben an: Der Geist Gottes formt uns nach dem, dessen Herrlichkeit wir in der Krippe gesehen und nach dem Leben und Handeln Jesu erkannt haben.
Das heißt sehr konkret:
Wenn Christus „unter uns wohnt“, dann darf er auch in unseren Beziehungen wohnen: in Ehe und Familie, in Gemeinde, am Arbeitsplatz, Verwandtschaft und unter Freunden. Der Geist schenkt Geduld, wo wir ansonsten ausflippen oder schnell hart werden. Er schenkt Wahrheit, wo wir ausweichen. Er schenkt Versöhnung, wo wir uns festgefahren haben, uns nicht verändern wollen.
Wenn wir adoptierte Kinder sind, dann müssen wir nicht mehr um jeden Preis Recht behalten oder gut dastehen. Kinder Gottes dürfen Fehler machen, Fehler bekennen, umkehren und wieder neu anfangen.
Wenn der Geist uns täglich erneuert, dann gibt es Hoffnung für Gewohnheiten, die uns binden. Nicht durch Druck werden wir verändert, sondern durch neue Liebe, durch Christi Liebe in uns.
Ermutigung
Liebe Geschwister: Weihnachten sagt nicht nur „Gott war einmal da“. Es sagt: Gott ist immer noch da – und er bleibt für immer. Das Wort ist Fleisch geworden. Der Sohn nahm unsere Natur, unser Wesen an. Gott hat uns zu Kindern gemacht, uns in seine Familie adoptiert. Und er erneuert uns in dieser Beziehung täglich durch seinen Heiligen Geist.
Darum gehen wir in diese neue Woche nicht mit einer Last: „Ich muss besser werden“, sondern mit dem Trost: „Christus wohnt jetzt bei mir.“
Wir bitten ihn nun:
„Herr, erneuere heute so mein Herz, dass es die Krippe für Jesus ist. Lass deine Gegenwart meine Gedanken, meine Worte und mein Haus prägen.“.
Denn wer die Herrlichkeit des Sohnes Gottes gesehen hat, der wird für immer Kind Gottes bleiben. Amen.
Erleuchteter Knüll Aussichtsturm – bis 6. Januar als Kerze
Liebe Verwandte, Freunde und Unterstützer unseres gemeinsamen Dienstes,
das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu – und mit der Weihnachtszeit danken wir neu für das größte Geschenk:
Christus ist gekommen, um uns mit Gott zu versöhnen. Krippe, Kreuz und Krone gehören zusammen: Jesus trat in unser menschliches Leben ein, trug unsere Schuld und schenkt allen, die an ihn glauben, ewiges Leben. Dieser Trost trägt – auch durch ein bewegtes Jahr 2025.
(Haupteingang – im Hintergrund: Hauptgebäude)
Dieses Jahr war voller Aktivitäten und Ermutigungen im Knüllcamp (www.knuellcamp.de) und im Kirchendienst (www.rekd.de). Wir sind dankbar für die vielen Gäste, die Gott zu uns geführt hat: Familien, Gruppen, Tagesgäste – und Menschen, die einfach einen Ort der Ruhe und ein offenes Ohr brauchten.
Eine der größten Gruppen war eine Motorradfahrerinnen-Gruppe – etwa 200 Frauen mit großen Maschinen. Ein beeindruckender Anblick – und für uns ein Zeichen dafür, wie weit Gastfreundschaft reichen kann, wenn Türen offenstehen und man mit Freude dient.
Kurz darauf feierten wir unser jährliches Jausenfest mit einem Blasorchester. Rund 160 Personen waren dabei: Zuerst fand ein Gottesdienst im Freien statt, nach drei Stunden gab es anhaltender Regen – und dennoch ging es weiter, dicht gedrängt im Jausen-Restaurant, mit Musik und Begegnung. Solche Momente zeigen, was das Camp sein kann: Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Gott ehren und christliche Gastfreundschaft ganz praktisch erleben.
Unser Motto für Jause und Camp:
„Das ist der Freundschaft wahrer Sinn, einander Ruhe zu geben auf dem Weg nach dem ewigen Zuhause.“
Unsere Übernachtungen 2025
1.851 in Gebäuden und 176 in Zelten. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, eine Familie, eine Geschichte – oft verbunden mit Gemeinschaft, Erholung und Gesprächen über den Glauben.
Übergang in der Camp-Leitung
Ende Juli kamen zwei Ehepaare aus Texas, um die Arbeit im Camp fortzuführen. Wir ziehen uns damit aus der täglichen Leitung zurück und sind dankbar, dass unser HERR Menschen bereitgestellt hat, die das nächste Kapitel mitgestalten werden. Bitte betet für ein gutes Ankommen, weise Entscheidungen und tragfähige Beziehungen.
Die rechtliche Übertragung des Knüllcamps ist noch nicht vollständig abgeschlossen, aber wir sind in der Endphase. Die Treffen mit Notaren und Rechtsberatern laufen weiter, damit Grundstück und Gebäude vom bisherigen Träger (Euro Ruf Mission / Mission GO) in eine neue Struktur (Board of Foreign Mission / REC, USA) übergehen können. Wenn Gott es schenkt, soll der Abschluss Anfang 2026 erfolgen. Wir danken Euch sehr für eure Gebete um Klarheit, Frieden und einen geordneten Übergang.
Dienst außerhalb des Camps
In der Anglikanischen Kirche in Deutschland (www.rekd.de) diente Bischof Meyer regelmäßig in der Christus Gemeinde Schwarzenborn – neben der Verantwortung als Geschäftsführer der Euro Ruf Mission. Im Jahr 2025 durfte er zwei Männer zu Geistlichen in der AKD weihen.
Auch das Seminar (www.benediktseminar.org) lief weiter: Vier Präsenz-Wochenenden mit intensiven Lehrveranstaltungen (auch durch andere Dozenten), um Grundlagen für Theologie, Gemeindearbeit und Leitung zu vermitteln – zur Ausbildung von Diakonen/Diakoninnen und Pfarrern besonders für die AKD in Deutschland.
Im Mai 2025 nahm Bischof Meyer an einer Bischofsweihe der Free Church of England teil und weihte gemeinsam mit anderen anglikanischen Bischöfen zwei neue Bischöfe in Liverpool. Das erinnert uns: Christus baut seine Kirche ordentlich und fundiert – damit das Evangelium an vielen Orten neue Frucht bringt.
Persönliches
Im Herbst waren wir dankbar für zwei Wochen Erholung an der Ostsee mit dem Wohnwagen (https://www.camping-california.de/). Diese Zeit tat gut – und wir kehren gestärkt in die kommenden Aufgaben zurück.
Danke – Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr
Ihr Lieben, danke für eure Gebete, eure Ermutigung und unterschiedliche Unterstützung. Dies hilft mit, dass Gastfreundschaft, Seelsorge, Lehre und Glaubens-Gespräche im Zusammenhang mit dem Knüllcamp und der Anglikanischen Kirche in Deutschland weiter möglich sind. Wir nehmen Eure Anteilnahme nicht als selbstverständlich hin und vertrauen, dass Gott Eure Großzügigkeit segnet.
Möge Christus – der in Demut gekommen ist und in Herrlichkeit wiederkommen wird – euer Zuhause mit Frieden erfüllen, euren Glauben stärken und euch Freude im Heiligen Geist schenken wird.
Mit herzlichem Dank, weihnachtlichen und Neujahrs-Grüßen
CHRISTUS sendet seinen Boten, damit wir bereit werden, IHN zu empfangen.
1) Christus sendet seinen Boten und handelt zuerst
Das Tagesgebet des 3. Advent erinnert uns daran: Gott kommt nicht zufällig in die Welt – er kommt mit Absicht, mit Verheißung und mit Vorbereitung. „Bei deiner ersten Ankunft hast du deinen Boten gesandt, deinen Weg zu bereiten.“ Advent heißt: Wir schauen zurück auf die erste Ankunft Christi – und zugleich nach vorn auf sein zukünftiges Kommen.
Darum stellt die Schrift uns Johannes den Täufer so deutlich vor Augen. Er ist nicht nur eine interessante Gestalt am Rand der Weihnachtsgeschichte, sondern Gottes Weckruf vor Gottes Kommen. Die Verheißung Maleachis klingt mit: „Siehe, ich sende meinen Boten … der deinen Weg bereiten soll.“ Johannes ist nicht „ein Rohr, das der Wind bewegt“. Er ist kein religiöser Entertainer, kein politischer Taktierer, kein „Fähnchen im Wind“. Sein Auftrag kommt „vom Himmel und nicht durch Menschen“.
Und gerade das ist für den Advent wichtig: Wenn Gott kommt, dann ruft er uns aus der Bequemlichkeit heraus. Johannes’ Leben passt zur Botschaft: Wüste, Bußgewand, Einfachheit – nicht weil äußere Strenge uns rettet, sondern weil sein ganzes Dasein sagt: „Es geht nicht um mich. Es geht um den Herrn.“ So wirkt Gott: Er stellt uns einen Zeugen hin, der von sich wegzeigt – damit wir auf Christus sehen.
Das ist auch ein Trost: Wir müssen den Weg zu Gott nicht „erfinden“. Gott bereitet ihn selbst. Er sendet den Boten. Er spricht. Er ruft. Und er ruft nicht, um uns klein zu machen, sondern um uns bereit zu machen für das größte Geschenk: den kommenden König.
2. Den Weg für Ihn zu bereiten bedeutet: unsere Herzen auf IHN hinzuwenden – unser Leben zu reinigen.
Das Tagesgebet bittet: Die Diener Gottes sollen Christi Weg bereiten, „indem sie die Herzen der Ungehorsamen zur Weisheit der Gerechten hinwenden“. Das ist Advent in einem Satz: Herzenswende. Nicht Kosmetik, sondern Umkehr. Nicht ein bisschen religiöser Glanz, sondern ein neuer Kurs.
Johannes predigt Buße – und Buße ist nicht Stimmung, sondern Neuaus-richtung. Umkehr von bösen Wegen, Taten, Worten, Gedanken. Johannes ruft alle Schichten: Fromme und Fernstehende, Zolleinnehmer und Soldaten. Er sagt nicht: „Bleibt, wie ihr seid, Gott wird’s schon richten.“ Er sagt: „Bereitet dem Herrn den Weg!“ – das heißt: räumt weg, was bei euch den Weg versperrt.
Hier trifft Johannes besonders unsere religiöse Selbstsicherheit. Damals sagte man: „Wir haben Abraham zum Vater.“ Heute sagen wir leicht: „Ich bin getauft. Ich gehöre zur Kirche. Ich bin christlich sozialisiert.“ Das ist alles wertvoll – aber das Tagesgebet und Johannes drücken uns auf den Punkt: Gott will nicht nur äußere Zugehörigkeit, sondern ein hingewendetes Herz. „Die Beschneidung des Herzens“ – so nennt es Paulus. Der Herr sucht kein äußeres Etikett, sondern Wahrheit im Inneren.
Darum ist der Advent auch eine Bußzeit – nicht freudlose Dunkelheit, sondern heilsame Klarheit. Wenn wir ehrlich werden, merken wir: Wie schnell tragen wir „schmutzige Kleider“ – Neid, Ärger, harte Worte, Unbarmherzigkeit, üble Gedanken, heimliches Richten über andere. Und dann klingt das Wort aus 1. Johannes 3 wie ein Lichtstrahl: Wer diese Hoffnung hat, reinigt sich, wie Christus rein ist. Nicht um sich selbst zu erlösen – sondern weil wir dem König begegnen wollen.
Das ist sehr praktisch: Willst du in dieser Adventszeit einen Schritt tun? Nicht nur „Kirche“ darstellen, sondern mehr Christus sein? Ein Gespräch klären. Ein bitteres Urteil lassen. Gott um Vergebung bitten. Einen Menschen segnen, statt schlecht über ihn zu reden. Das sind keine Nebensachen. Das ist Wegbereitung.
3. Um IHN zu empfangen und als annehmbares Volk (als Kirche Christi) gefunden werden.
Das Tagesgebet endet mit dem Ziel: „dass wir bei deiner zweiten Ankunft … als ein annehmbares Volk gefunden werden.“ Johannes predigt also nicht Moral, sondern Erwartung. Der Advent schaut nach vorn: Christus kommt wieder, um die Welt zu richten – und gerade darum ist heute der Tag der Gnade.
Wie werden wir „annehmbar“? Nicht durch religiöse Leistung, sondern dadurch, dass wir den Kommenden selbst empfangen. Johannes zeigt nicht auf sich, sondern sagt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“ Der Kern ist: Christus trägt Schuld. Christus schenkt Vergebung. Christus rettet aus der Macht der Sünde und des Bösen. Wer ihn empfängt, wird wirklich Kind Abrahams – nicht äußerlich, sondern im Glauben wie Abraham.
Und Johannes sagt noch mehr: „Ich taufe mit Wasser – er aber wird mit Heiligem Geist und Feuer taufen.“ Das heißt: Christus will nicht nur vergeben, er will erneuern. Er will Herzen entzünden, Gewohnheiten verwandeln, Glauben stärken, Liebe wachsen lassen. Advent ist deshalb nicht nur Rückblick und nicht nur Warnruf, sondern Hoffnung auf echte Veränderung – jetzt schon, bevor wir ihn einst „sehen, wie er ist“.
Für die Gemeinde heißt das: Lasst uns Christus nicht nur „denken“, sondern aufnehmen. Gib ihm dein Herz als Krippe. Lass ihn wohnen, regieren, heilen. Und lass deine Stimme – wie Johannes’ Stimme – andere nicht an dich binden, sondern zu Christus hinführen.
Ermutigender Abschluss: Liebe Christen, der 3. Advent ist kein drohender Zeigefinger, sondern eine offene Tür. Gott bereitet uns den Weg. Gott ruft zur Umkehr. Gott schenkt uns den Retter. Darum: Verliere nicht den Mut über das, was in dir noch unvollendet ist. Die Hoffnung ist nicht, dass du dich selbst perfektionierst – die Hoffnung ist, dass Christus kommt und dich reinigt. Geh heute einen Schritt ins Licht: bekenne, was dich bindet; nimm Vergebung an; bitte um den Heiligen Geist; und richte deinen Blick auf den Kommenden.
Dann wird Advent wirklich Advent – und du wirst nicht nur auf Sein Kommen warten, sondern ihm auch mit Freude entgegengehen. Amen
Gepriesener Herr. Du hast die gesamte Heilige Schrift uns zur Belehrung schreiben lassen. Schenke, dass wir sie so hören, überdenken und in unseren Herzen bewegen, dass wir durch die Geduld und den Trost Deines Wortes die selige Hoffnung des ewigen Lebens ergreifen und auch immer festhalten, die Du uns in Jesus Christus, unserem Erlöser, verliehen hast. Amen. Die 3fache Schriftwirkung:
1) Die Schrift gibt Hoffnung
Am zweiten Advent – oft im Anglikanischen auch „Bibelsonntag“ genannt – erinnert uns Römer 15,4 daran, warum die Heilige Schrift uns gegeben ist:
„Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre oder Belehrung geschrieben, dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben.“
Unser 2. Adventsgebet schließt sogar damit, dass wir das ewige Leben in Christus für immer festhalten.
Paulus spricht hier zunächst vom Alten Testament, dass es uns belehrt auf Hoffnung. Doch genauso gilt dies für die Schriften des Neuen Testaments: Die Bibel ist für unser Lernen geschrieben. Es geht allerdings nicht darum, Verse wie Gedichte mechanisch auswendig aufzusagen. Die Schrift hat ein größeres Ziel:
Wir sollen Gott erkennen – sein Wesen, seine Liebe, seine Gnade, seine Heiligkeit. Regelmäßiges Lesen der Bibel lehrt uns, wie barmherzig Gott mit seinem Volk umgeht und wie er Menschen trotz ihrer Schuld annimmt.
Die Schrift zeigt uns auch unseren eigenen Zustand: den kranken, sündigen Menschen, der getrennt von Gott lebt. Sie zeigt uns den Weg der Heilung – allein durch Jesus Christus. Und sie lehrt uns, wie wir als erneuerte Menschen mit Gott und dem Nächsten leben sollen.
Wer die Bibel aufmerksam liest, bemerkt: Der Mensch hat sich in Jahrtausenden kaum verändert. Die gleichen Sünden und Probleme, die Paulus beschreibt, sind heute gegenwärtig – oft in verschärfter Form. Moderne Menschen halten sich gerne für „aufgeklärter“, aber die Bibel hält uns einen ehrlichen Spiegel vor.
Doch das Ziel des Bibellesens ist nicht bloße Information, sondern Transformation. Gott will unser Denken, unser Herz oder auch Willen und so unser ganzes Leben verändern. Hoffnung in unserem Leben entsteht dann, wenn die Botschaft der Bibel unser Herz erreicht und deutlich verändert.
Ein Beispiel dafür: Ein amerikanischer Millionär, Eugene Lang, versprach in New York einer verarmten Schulklasse jedem Schüler ein bezahltes Studium – wenn sie die Schule durchhalten. Zum ersten Mal hatten diese Kinder ein Zukunftsziel eine wirkliche Hoffnung für Ihre Zukunft. Die Folge war: Fast alle bestanden ihren High School Abschluss. Wir erkennen: Echte Hoffnung bewegt zur Veränderung im Leben. Dies zeigt in kleinem Maß, was Gott in großem Maß durch sein Wort in deinem Leben tut kann.
Die Heilige Schrift schenkt echte Hoffnung – und diese Hoffnung gründet sich auf Christus, auf die Frohe Botschaft: • Sein Kommen in die Welt – Advent • Sein Sterben und Auferstehen – Ostern • Seine Himmelfahrt • Seine Wiederkunft in Herrlichkeit
Besonders im Advent richten wir unseren Blick nun auf seine zweite Wiederkunft: Jesus wird seine Gemeinde, die Gemeinschaft der Heiligen sammeln und alle vollenden und das ewige Leben schenken. Hoffnung bedeutet für uns: Wir wissen jetzt, wohin wir gehen. Und darum können wir geduldig warten.
2) Die Schrift erneuert Gemeinschaft
Die Hoffnung, die die Schrift schenkt, wirkt sich praktisch unter uns aus: Sie verändert den Umgang und die Beziehung unter uns Christen.
Paulus fordert deshalb zur Einheit auf (V. 5–6). Einheit bedeutet nicht, dass alle Christen dieselbe Meinung über zweitrangige Dinge haben müssen. Im Kapitel 14 zeigt Paulus, dass Gläubige unterschiedliche Gewissensfragen verschieden beantworten können – über Fleisch essen oder Alkohol trinken, solange es nicht um klare Sünde geht.
Doch trotz aller Unterschiede in der Lebensgestaltung sollen wir uns gegenseitig würdigen und annehmen:
„Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat zur Herrlichkeit Gottes.“ (V. 7)
Christus hat Juden und Heiden, Gläubige aus allen Volksgruppen zusammengeführt – zu Pfingsten, als die Kirche gegründet wurde, und in der weltweiten Mission danach. Deshalb gibt es in seiner Christus-Gemeinde keinen Platz für Überheblichkeit, kulturelle Abwertung oder soziale Ausgrenzung. Das Ziel der Einheit ist klar:
„…dass ihr eines Sinnes mit einem Mund Gott verherrlicht…“ (V. 6)
Gemeinsame Anbetung – trotz Verschiedenheit der Herkunft und Bildung. Das ist ein kraftvolles Zeugnis. Liturgie, die gemeinsame Energie der gemeinsamen Gebete und gemeinsamen Bekenntnisse im Gottesdienst erinnern uns daran: Wir sprechen und beten zu Gott mit einer Stimme, wir gehören zu demselben Herrn. Was uns selbst persönlich trennt, das verbindet Christus.
Wenn wir uns einander annehmen, wie Christus uns und alle Menschen angenommen hat, jeder der so ganz anders ist, wird die Gemeinde Gottes zu einem Ort der Hoffnung – für uns selbst und für die ganze Welt.
3) Die Schrift verfestigt das ewige Leben in Christus
Paulus schließt mit einem Segenswunsch, der das Ziel des Glaubens klar vor Augen stellt: „Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr vollkommene Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes.“ (V. 13)
„Hoffnung“ ist im biblischen Sinn keine zweideutige Wunschvorstellung, sondern eine feste Gewissheit: Gott hält sein Wort. Die Grundlage dieser Gewissheit ist:
• Gottes Liebe gilt zu uns • Christi Opfer ist für uns • der Heilige Geist, wirkt und wohnt in uns.
Hoffnung, Freude und Frieden – das sind Früchte des Geistes (Galater 5,22). Gott selbst wirkt sie in uns durch seinen Geist. Deshalb ist diese Hoffnung stärker als unsere persönlichen Umstände. Sie trägt uns durch Leid, Zweifel und Wartezeiten. Sie verändert unser ganzes Leben – von innen heraus.
Die Bibel hält uns die Zukunft vor Augen: Wir erwarten Christus. Wir leben hin auf Gottes Herrlichkeit. Wir wissen, wem wir gehören. Und weil wir wissen, wohin wir gehen, können wir heute mutig, liebevoll und treu leben.
Schlussgedanken
Die Adventszeit lädt uns ein, die Bibel neu aufzuschlagen und ihr zu vertrauen – denn:
Die Heilige Schrift schenkt Hoffnung Gottes Wort lehrt uns und richtet unseren Blick auf Jesus, der unsere Zukunft sichert.
Die Heilige Schrift erneuert Gemeinschaft Wer Christus kennt, lernt, andere anzunehmen – so entsteht geistliche Einheit.
Die Heilige Schrift verfestigt das ewige Leben in Christus Durch den Heiligen Geist wächst in uns Freude, Frieden und eine feste Hoffnung.
So wird der Advent zu einer Zeit der Bibel – einer Zeit, in der Gott unser Herz stärkt, unsere Gemeinschaft erneuert und unsere Hoffnung in Christus für das ewige Leben verfestigt. Der Gott der Hoffnung sei mit uns – heute und bis zu seiner Wiederkunft. Amen.