November 2025


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( Sprüche 14,34; Jesaja 1,10–17; Römer 2,1–11)

Liebe Geschwister in Christus,

der Buß- und Bettag wir kaum noch beachtet. Er erinnert uns an etwas, das in unserer Zeit beinahe vergessen scheint – die Verantwortung des Menschen vor Gott. Es ist ein Tag der inneren Einkehr, an dem wir nicht zuerst auf die Fehler anderer, sondern auf das eigene Herz schauen sollen. Der Tagesspruch bringt dies auf den Punkt: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, der Völker Schmach ist die Sünde.“

Hier geht es nicht nur um Moral oder politische Ordnung. Es geht um den geistlichen Zustand einer ganzen Gesellschaft – und um das einzelne Herz, das vor Gott steht. Ein Volk wird nicht durch Reichtum, Technik oder Bildung groß, sondern durch Gerechtigkeit – durch Menschen, die das Rechte tun, weil sie Gott fürchten und lieben. Wo aber Sünde, Selbstsucht und Ungerechtigkeit überhandnehmen, da zerbricht die innere Kraft eines Volkes.

1. Gott sucht nicht äußere Formen, sondern ein reines Herz (Jesaja 1,10–17)

Der Prophet Jesaja richtet sein Wort an ein Volk, das Gott noch eifrig verehrt – Opfer, Gebete und Gottesdienste waren zahlreich. Doch Gott sagt: „Ich habe die Brandopfer eurer Widder satt … eure Feste hasse ich; sie sind mir eine Last.“

Warum diese harten Worte? Weil die äußere Frömmigkeit nicht mit dem inneren Leben übereinstimmte. Man ehrte Gott mit den Lippen, aber die Hände waren voll Blut, das Herz war kalt, das Leben ungerecht. Gott aber sagt: „Wascht euch, reinigt euch! Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten!“

Wahre Buße besteht also nicht nur im Bekenntnis der Schuld, sondern in einer Umkehr, die Frucht bringt. Wo ein Herz zerbrochen ist über die eigene Schuld, da öffnet sich Raum für Gnade.

2. Der Maßstab Gottes ist gerecht und ohne Ansehen der Person (Römer 2,1–11)

Der Apostel Paulus führt diesen Gedanken weiter: Wir alle neigen dazu, auf andere zu zeigen. Doch er sagt: „Darum bist du nicht zu entschuldigen, Mensch, der du richtest … denn worin du den andern richtest, verurteilst du dich selbst.“

Gott misst nicht nach menschlichen Maßstäben, sondern nach Wahrheit. Ob Jude oder Heide, religiös oder säkular – „Gott wird einem jeden vergelten nach seinen Werken“. Das ist keine Drohung, sondern eine ernste Erinnerung: Es gibt keinen Zufall in Gottes Gericht. Seine Gerechtigkeit ist vollkommen.

Aber mitten in dieser Strenge leuchtet das Evangelium auf: Gott will nicht verdammen, sondern zur Buße leiten. „Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr leitet?“ Das ist der Kern des heutigen Tages. Die Güte Gottes ist der Ruf zur Umkehr – nicht Strafe, sondern Gnade will uns verändern.

3. Das zerschlagene Herz – Quelle wahrer Freiheit

Das Tagesgebet fasst dies wunderbar zusammen:
„Schaffe in uns neue und zerschlagene Herzen, dass wir – unsere Sünden beklagend und unser Elend erkennend – vollkommene Verzeihung und Vergebung erlangen.“

Ein zerschlagenes Herz ist kein zerstörtes Herz. Es ist ein Herz, das aufhört, sich selbst zu rechtfertigen – und sich Gott anvertraut. In solcher Demut liegt die wahre Freiheit. Denn wer seine Schuld bekennt, der muss sie nicht länger verstecken. Wer sich in die Hand des barmherzigen Gottes begibt, der wird von der Macht der Sünde befreit.

Buße ist also kein düsteres Ritual, sondern der Weg ins Licht. Sie führt uns von der Selbsttäuschung zur Wahrheit, von der Last zur Ruhe, von der Schuld zur Vergebung.


4. Anwendung: Buße als Anfang von Erneuerung

Wenn ein Volk durch Gerechtigkeit erhöht wird, dann beginnt diese Erneuerung nicht in der Politik, sondern in den Herzen. Es beginnt dort, wo Christen mit zerbrochenem Herzen beten: „Herr, erneuere mich, und erneuere unser Land.“

Die Geschichte zeigt: Erweckung und Erneuerung kommen immer dort, wo Menschen ihre Schuld bekennen und

Gott ernst nehmen. Nicht Empörung über die Welt, sondern Demut vor Gott verändert sie.

Darum ist der Buß- und Bettag ein Tag der Hoffnung. Denn Gott ist noch derselbe: Er verwirft niemanden, der reumütig zu ihm kommt. Sein Ziel ist nicht Verdammnis, sondern Heil.

Schlussgedanke

Gerechtigkeit erhöht ein Volk – aber diese Gerechtigkeit wächst nicht aus eigener Kraft, sondern aus dem Kreuz Christi. Dort hat Gott selbst unsere Schuld getragen.
Wer das erkennt, kann mit David beten:
„Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten“ (Psalm 51,19).

Möge dieser Tag uns lehren, Buße zu tun – nicht aus Furcht, sondern aus Vertrauen – und möge Gottes Gnade unser Herz erneuern, dass auch unser Volk durch seine Gerechtigkeit erhöht werde.

Amen.

TAGESGEBET:
O Gott, dein gepriesener Sohn ist erschienen, die Werke des Teufels zu zerstören und uns zu Kindern und Erben des ewigen Lebens zu machen. Verleihe, dass wir uns in dieser Hoffnung selbst reinigen, gleichwie er rein ist; damit, wenn er in Kraft und großer Herrlichkeit wiederkommen wird, wir in seinem ewigen und herrlichen Reich ihm ähnlich gemacht werden. Amen.

Die letzten Sonntage des Kirchenjahres richten unseren Blick nach vorn – auf die Wiederkunft Christi. Viele Menschen verbinden damit Angst: Gericht, Ende, Katastrophen. Doch das Tagesgebet und der Text aus dem 1. Thessalonicher lenken uns auf einen ganz anderen Schwerpunkt: Hoffnung.
Paulus schreibt an eine junge Gemeinde, die in Sorge war. Einige ihrer christliche Geschwister waren gestorben, und man fragte sich: Werden sie den großen Tag des Herrn verpassen? Würden sie beim Kommen Christi benachteiligt sein?

Paulus antwortet mit einer einfachen, aber alles verändernden Wahrheit:

„Wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist.“ (V.14)

Das ist das wichtigeste Fundament christlicher Hoffnung. Wer an den auferstandenen Christus glaubt, braucht sich nicht zu fürchten – weder vor dem Tod noch vor dem, was kommt. Unser Herr hat den Tod besiegt. Seine Auferstehung ist der erste Sieg, unsere eigene Auferstehung ist die Folge.

Deshalb beginnt christliche Hoffnung nicht erst am Ende der Zeit, sondern heute. Wir leben in der Gewissheit: Was immer geschieht – Christus kommt wieder, um zu vollenden, was er begonnen hat. Diese Hoffnung reinigt uns von Angst und Verzweiflung und lässt uns nüchtern, mutig und getröstet leben.

Paulus führt seine Gemeinde weiter hinein in das Geheimnis dieses kommenden Ereignisses. Er beschreibt, wie der Herr selbst vom Himmel herabkommen wird – mit Macht und Herrlichkeit, mit dem Ruf des Erzengels und der Posaune Gottes. Kein dunkles, stilles Ende, sondern ein triumphaler Beginn der Ewigkeit.

Die Toten in Christus werden zuerst auferstehen, danach werden wir, die wir leben, zusammen mit ihnen entrückt werden.“ (V.16–17)

Das ist nicht Spekulation, sondern Trost. Christus lässt keinen seiner Erlösten zurück. Alle gehören zu ihm – die Lebenden und die Entschlafenen. Nichts kann uns trennen von seiner Liebe, nicht einmal der Tod.

Und das Ziel: „Wir werden allezeit beim Herrn sein.“ (V.17)
Das Tagesgebet fasst diesen Gedanken wunderbar zusammen: „…damit wir in seinem ewigen und herrlichen Reich ihm ähnlich gemacht werden.“

Das ist die höchste Hoffnung des Christen: nicht einfach mit letzter Puste in den Himmel zu kommen, sondern Christus gleich zu werden. In Reinheit, in Herrlichkeit, in vollkommener Liebe. Die Wiederkunft Christi ist nicht nur ein himmlisches Ereignis – sie ist die Vollendung unserer Verwandlung.

Doch Paulus und das Gebet erinnern uns: Diese Hoffnung ist nicht passiv. „Verleihe, dass wir uns in dieser Hoffnung selbst reinigen, gleichwie er rein ist.“

Das bedeutet: Wer auf Christus wartet, soll heute schon beginnen, so zu leben, wie er ist. Hoffnung und Heiligung gehören zusammen.
Paulus sagt nicht: „Lasst uns auf das Ende warten und abwarten.“ Er sagt vielmehr: „Lebt heute in einer Weise, die dem Herrn gefällt.“ (vgl. 4,1)

Die Zukunft formt die Gegenwart.
Wer weiß, dass Christus kommt, achtet darauf, wie er heute lebt.
Wer hofft, ihm ähnlich zu werden, beginnt schon jetzt, in seinem Charakter verändert zu werden.

Wie geschieht das?

  • Durch tägliche Gemeinschaft mit Christus – im Gebet + in seinem Wort.
  • Durch den Heiligen Geist, der in uns wirkt und die Gesinnung Christi in uns formt.
  • Durch unsere praktische Liebe im Alltag, die das Wesen Christi widerspiegelt.

Die Hoffnung auf die Wiederkunft ist also kein theologisches Wissen, sondern eine Kraft zur Reinigung unseres Wesens. Sie verändert, wie wir über Geld, Zeit, Beziehungen und das eigene Herz denken. Sie macht uns wachsam, dankbar und bereit.

Viele Christen denken, die Verwandlung zur Christusähnlichkeit geschehe erst im Himmel. Doch die Schrift zeigt: Sie beginnt schon hier auf Erden.
Paulus schreibt an anderer Stelle:

„Wir alle spiegeln mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit.“ (2. Kor 3,18)

Das heißt: Jeder Schritt des Glaubens, jedes Überwinden von Sünde, jedes Wachsen in Liebe ist bereits ein Vorgeschmack des Himmels. Wenn wir vergeben, wo andere verbittern, wenn wir dienen, wo andere herrschen wollen, wenn wir hoffen, wo andere verzweifeln –
dann zeigt sich schon jetzt etwas von der zukünftigen Herrlichkeit Christi in uns.

Die Wiederkunft ist also nicht nur das Ende, sondern das Ziel, auf das unser jetziges Leben hinwächst. Jeder Gottesdienst, jedes Gebet, jedes Opfer, jeder Akt der Liebe ist eine Vorbereitung auf den Tag, an dem wir JESUS sehen, wie er ist (1. Joh 3,2).

Paulus schließt mit einer Aufforderung:

„Darum ermutigt einander mit diesen Worten.“ (V.18)

Die Hoffnung auf Christi Wiederkunft ist nicht nur persönlicher Trost – sie ist gemeinschaftliche Ermutigung.
In Zeiten von Krankheit, Tod oder Unsicherheit dürfen wir uns gegenseitig daran erinnern:
Christus kommt.
Unsere Lieben in Christus sind nicht verloren. Die Geschichte endet nicht im Chaos, sondern in der Herrlichkeit seines Reiches. Diese Hoffnung lässt uns anders trauern, anders leben, anders lieben.
Sie reinigt uns – weil sie uns auf das Ziel hinführt: Christus gleich zu werden.
Und sie tröstet uns – weil sie uns zeigt: Kein Leid, keine Trennung, keine Dunkelheit hat das letzte Wort.

Am Ende dieses Kirchenjahres, wenn das Licht kürzer und die Tage dunkler werden, ruft uns das Wort Gottes zu einer hellen, festen Hoffnung:
Der Herr kommt.
Er kommt, um alles neu zu machen,
um das Werk des Teufels endgültig zu zerstören,
um uns zu Kindern der Herrlichkeit zu vollenden.

Bis dahin leben wir – gereinigt durch seine Gnade,
gestärkt durch seine Hoffnung,
verwandelt durch seinen Geist.

Darum:
Lasst uns in dieser Hoffnung selbst reinigen, wie er rein ist – damit wir, wenn er kommt, ihm ähnlich werden in Ewigkeit.

Amen.