August 2025


Wochenspruch:
„Denn Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade.“ (1 Petr 5,5c)

Einleitung:

Vor vielen Jahren verabschiedeten sich zwei Politiker von der Bildfläche: Einer war ein Mitglied der CDU der andere der FDP:

Es war der fallschirmspringende Möllemann und der Fernsehmoderator Friedmann. Möllemann mit seinen erhofften 18% für seine FDP, stürzte sich am 5. Juli 2013 nach einer Immunitätsaufhebung in den Tod, als er aus dem Flugzeug sprang, ohne den Fallschirm zu öffnen.

Friedmann dagegen, dessen Show „Vorsicht Friedmann“, hieß, zog beim Auffliegen seiner Ungesetzlichkeiten die Konsequenzen anders. Er legte seine Messlatte genauso, aber hart an sich selbst, wie in seinen Talkshows bei anderen und trat von allen seinen öffentlichen Ämtern zurück. Wer von den beiden hatte nun aufrichtige Buße getan? Heute machen wir einen Rückblick auf zwei von Jesus erwähnte Personen, besonders steht ihr Charakter im Mittelpunkt.

Liebe christliche Gemeinde, lieber Leser,

in der Lesung des heutigen Evangelium begegnen uns zwei sehr unterschiedliche Menschen: Der Pharisäer und der Zöllner. Jesus stellt uns diese beiden als Beispiele für den rechten und den falschen Weg der Demut und Buße vor.

Der Pharisäer ist ein Mann, der von sich überzeugt ist, dass er gerecht vor Gott steht, während der Zöllner als ein Mann voller Schuldbewusstsein und Demut beschrieben wird.

Wir erinnern uns heute an ein Gleichnis, das uns hilft, den Blick auf das eigene Herz zu werfen und uns vor Selbstgerechtigkeit zu hüten. Wer sind wir in diesem Bild: der Pharisäer oder der Zöllner?

Jesus erzählt uns, dass der Pharisäer im Tempel steht und sich selbst in den höchsten Tönen lobt. „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Menschen: Räuber, Unrechtshandlanger, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.“ (Lk 18,11)

Der Pharisäer ist davon überzeugt, dass er durch sein Verhalten Gott gefallen wird. Er fastet zweimal die Woche und gibt den Zehnten von allem, was er verdient. Doch trotz dieser religiösen Disziplin und Hingabe erkennt er nicht, dass seine Haltung vor Gott nicht das ist, was er erwartet.

Dieser Pharisäer ist stolz auf sich selbst. Der Blick in den Tempel, der Blick zu Gott, ist für ihn ein Moment der Selbstverge-wisserung. Er fühlt sich besser als die anderen und vergleicht sich mit dem Zöllner, den er als weniger wertvoll ansieht. Er ist so beschäftigt damit, sich selbst zu bestätigen, dass er nicht bemerkt, wie er sich von Gott entfernt hat.

In unserem Leben gibt es vielleicht auch Menschen, die aus ähnlichen Motiven heraus ihr Leben gestalten. Sie sind in der Gemeinde aktiv, sie tun „gute Werke“, sie leben nach den Geboten Gottes. Doch im Inneren sind sie stolz und vergessen, dass wahre Gerechtigkeit vor Gott nicht aus äußeren Taten kommt, sondern aus einem demütigen Herzen, das erkennt, dass es auf Gottes Gnade angewiesen ist.

Im Gegensatz zum Pharisäer steht der Zöllner ganz hinten. „Er aber stand fern und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Bru und sagte: Gott, sei mir Sünder gnädig.“ (Lk 18,13) Der Zöllner steht nicht im Vordergrund und prahlt nicht mit sich und seinen Taten. Er weiß, dass er vor Gott schuldig ist und bittet ihn um Gnade. In seiner Haltung erkennen wir wahre Buße und Demut.

Der Zöllner ist sich seiner Unwürdigkeit bewusst. Er zeigt keinen Stolz, keine Selbstgerechtigkeit, die ihn hindern würde, vor Gott zu treten und seine Sünden zu bekennen. In seinem Gebet geht es nicht um sein dickes Ich, nicht um tolle Taten oder Vergleiche mit anderen, sondern um die tiefe Erkenntnis, dass er allein auf Gottes Gnade  und Hilfe angewiesen ist. Diese Demuts-Haltung ist der wahre Weg der Buße zu Gott.

Was können wir aus diesem Gleichnis lernen? Wir sind alle wie der Zöllner. Wir sind in unserem Leben immer wieder schuldig geworden vor Gott und den Mitmenschebn, ob in Gedanken, Worten oder Taten. Wie oft neigen wir dazu, uns mit anderen zu vergleichen und uns besser zu darzustellen als diejenigen, die uns in irgendeiner Weise als „schlechter“ erscheinen? Aber das führt uns von der Wahrheit über uns und zu Gott weg. Der Zöllner zeigt uns den richtigen Weg: Er erkennt seine Fehler und bittet um Gnade.

Die wahre Buße zeigt sich nicht in Worten allein, sondern in einer ersten und beständigen Haltung der Demut. Es geht nicht darum, wie gut wir uns an religiöse Regeln halten oder wie oft wir in der Kirchengemeinde sind. Es geht darum, dass wir uns unserer Unwürdigkeit bewusst sind und vor Gott kommen, ohne dabei auf unsere Taten zu vertrauen. Der Zöllner schlägt sich an die Brust und spricht: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Die äußere Haltung stimmt mit seiner inneren überein. In dieser einfachen, aber echten Bitte steckt die ganze Wahrheit über unser wirkliches Verhältnis zu Gott.

a) Buße und Gnade – der Weg zur Rechtfertigung durch Gott
Jesus schließt das Gleichnis mit den Worten: „Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, der Pharisäer aber nicht.“ (Lk 18,14)

Der Zöllner wird gerechtfertigt, weil er in einer Haltung der Demut und Buße (Umkehr) zu Gott kommt. Der Pharisäer hingegen geht leer aus, weil er sich selbst für gerecht hält und keine Gnade von Gott erbittet.

Auch wir sind allein auf Gottes Gnade angewiesen. Wir dürfen unsere leeren Hände ausstrecken, um sie von Gott füllen zu lassen. Wir können uns selbst nicht rechtfertigen, vor Gott als gut hinstellen. Und je mehr wir uns in unserem Stolz auf unsere eigenen guten Werke verlassen, die wir nicht für Gott, sondern zu unserer eigenen Ehre tun, desto weiter entfernen wir uns von Gottes Gnade und Erlösung.

Doch wer sich in Demut vor Gott beugt, erniedrigt, der empfängt die Gnade, die uns in Jesus Christus angeboten wird. Denn nur durch das Opfer Jesu am Kreuz, für unsere Verfehlungen, können wir durch ihn vor Gott gerechtfertigt werden. Nur durch unser Vertrauen auf Jesus Sühnopfer am Kreuz werden wir vor Gott als gerechtfertigt angesehen und werden angenommen.

b) Anwendung auf unser Leben
Wenn wir heute auf unser eigenes Leben schauen, erkennen wir, wie oft auch wir in der Gefahr stehen, uns selbstgerecht zu fühlen und darzustellen. Aber gerade in dieser falschen Haltung sind wir weit entfernt von Gott. Der Weg zur Gnade Gottes führt nur über die innere Haltung der Demut und Buße. – Erst ein zerschlagenes und demütiges Herz wird Gott nicht verachten.

Lasst uns daher wie der Zöllner kommen und Gott um Gnade, seine Hilfe, bitten. Lasst uns mit einem zerbrochenen Herzen zu ihm kommen und sagen: „Gott, sei auch mir Sünder gnädig.“

Ein Schlussgedanke
Erinnern wir uns noch an den FDP Politiker Möllemann, der von seiner eigenen Überlegenheit überzeugt war, stürzte 2013 sich tragisch in den Tod, ohne den Fallschirm zu öffnen, und ohne seine politischen Fehler einzugestehen. Jedoch der Fernsehmoderator Friedmann mit seiner Show: „Vorsicht Friedmann“ hingegen zeigte Einsicht. Er trat zurück und bekannte seine persönlichen Mängel. –

Auch in unserem Leben gibt es immer wieder Momente, in denen wir an unserem Stolz und unserer Selbstgerechtigkeit arbeiten müssen. Aber nur, wenn wir unsere Unwürdigkeit erkennen und Gottes Gnade annehmen, finden wir echten Frieden und echte Rechtfertigung. – Hast du Frieden mit Gott? Möge dir die Haltung des Zöllners ein Vorbild sein: Es ist die Demut vor Gott, das Eingeständnis unserer Fehler und das Vertrauen allein auf Gottes Gnade allein. Nur so können wir in Gottes Gnade stehen und ihm die Ehre geben. Amen.

Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis

Thema: Gott und sein Volk
Textgrundlagen: Jeremia 7,1–11; 1. Korinther 12,1–11; Lukas 19,41–47a
Wochenspruch: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ (Ps 33,12)

Liebe Christus-Gemeinde, Teilnehmer über ZOOM oder Leser auf Word-Press.
Der Wochenspruch in unserem anglikanischen Gebetbuch sagt uns heute:

„Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist…“

 Was für ein wunderbarer Zuspruch! Wir dürfen uns zu diesem Volk zählen, denn Gott hat uns durch Jesus Christus erwählt. Aber was bedeutet das eigentlich – erwählt zu sein? Bedeutet das, dass wir uns zurücklehnen können, weil wir „auf der sicheren Seite“ sind? Oder bedeutet es etwas anderes?

Heute wollen wir gemeinsam entdecken, was es heißt, Gottes Volk zu sein. Drei biblische Texte begleiten uns dabei: Jeremia ruft sein Volk zur Umkehr, Paulus erinnert an die Gaben des Geistes, und Jesus weint über Jerusalem.

Diese Texte zeigen uns einen roten Faden vom AT zur Epistel: Gottes Gaben und Jesu Sorge im Evangelium über sein Volk um die wahre Anbetung – unsere Anbetung heute.

Denn Gottes Volk lebt nicht aus äußerer Form und Festhalten an Religion, sondern aus innerer Hingabe zu Jesu – und sie empfängt von ihm geistliche Gaben zum Dienst für Gott.

Jeremia predigt vor dem beeindruckenden wundervollen Tempel in Jerusalem. Er ruft den Menschen zu: „Macht eure Wege und Taten gut, lasst euer Leben als Kinder Gottes mit seinem Willen übereinstimmen. so will ich bei euch wohnen!“ Warum dieser Ruf? Weil das Volk zwar den Tempel verehrt, aber Gott vergessen hat. Sie meinen: „Wir haben den Tempel, wir sind sicher.“ Doch Gott sagt: „Meint ihr, mein Haus sei eine Räuberhöhle?“ – Ja euer Inneres steht an erster Stelle und ist voller Raub.

Das ist für sei eine unbequeme Botschaft: Es reicht nicht, am heiligen Ort zu stehen, wenn das Herz fern von Gott ist. Erwählung ist kein Freibrief, sondern ein Ruf zur Heiligung, Heiligung, nach den Geboten Gottes, seinem Willen leben..

Wie ist das bei uns? Auch wir können versucht sein, uns auf Äußerlichkeiten zu verlassen: „Ich gehe in die Kirche, in die Gemeinde, ich bete.“ Vielleicht auch nur, weil es da einen guten Brunch gibt. Aber Gott fragt uns: „Lebst du nach meinem Willen? In der Heiligung? Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Liebe – sind das deine Wege? Das ist Glaube im Alltag!“

Gottes Volk erkennt man nicht daran, dass es fromme Worte kennt, kopiert und postet, sondern daran, dass es Gottes Willen tut. Das ist die erste Lektion: Erwählung bedeutet nicht Selbstzufriedenheit, sondern Umkehr.

Der zweite Text bringt eine wunderbare Ergänzung: Wenn ein Volk sich Gott zuwendet, dann schenkt Gott seinem Volk Gaben. Paulus schreibt: „Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist.“

Was bedeutet das? Gott gibt jedem Christen eine Gabe – nicht zu seinem eigenen Ruhm, sondern zum Nutzen aller. Die Gemeinde ist kein Ort des Konsums, sondern ein Leib, in dem jeder Teil eine Aufgabe hat.

Vielleicht fragst du dich: „Was kann ich schon tun?“ Aber Gott hat dir etwas gegeben, was nur du einbringen kannst. Vielleicht ein offenes Ohr, ein ermutigendes Wort, die Gabe der Fürbitte, der Musik, der Organisation oder des praktischen Helfens.

Gottes Volk ist nicht nur erwählt, sondern auch begabt. Und wenn wir unsere Gaben einsetzen, wird die Gemeinde lebendig.

Der dritte Text führt uns auf den Ölberg. Jesus sieht Jerusalem vor sich – die Heilige Stadt, das Zentrum des Glaubens – und er weint. Warum? Weil sie nicht erkannt haben, was Ihnen zum Frieden dient. Sie kannten alle religiösen Formen, die religiöse Autorität dachte nur an Macht und Geld, aber sie hörten nicht auf Gottes Ruf.

Dann geht Jesus in den Tempel. Er sieht, wie daraus ein Marktplatz geworden ist – und er handelt radikal: „Mein Haus soll ein Bethaus sein, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.“

Liebe Christus-Gemeinde, das ist eine ernste Mahnung: Auch wir können Gefahr laufen, dass unser Gottesdienst ein Ort wird, an dem wir unsere Traditionen, unsere Vorstellungen und unser Ego pflegen, dass aber Gott draußen bleibt. Jesus ruft uns: „Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein!“ Das ist nicht nur der Kirchenraum, das ist auch und besonders unser Herz. Ist unser Herz ein Ort der Begegnung mit Gott – oder ist es voll anderer, Egogedanken- und Worte und Umsetzung eigener Wünsche in den Alltag? Aber nichts nach dem Willen Gottes?

Wollen wir festhalten:

Mein Herzenshaus soll immer ein Bethaus sein. Dort soll niemand drin wohnen als Jesus allein.

Diese drei Texte malen uns ein Bild vor die Augen, was es heißt, wirklich Gottes Volk zu sein:

  1. Erwählung heißt gleichzeitig Umkehr. Nicht: „Jetzt bin ich sicher erwählt“, sondern: „Herr, erneuere mich in und durch deine Erwählung.“
  2. Gottes Volk empfängt Gaben. Nicht: „Ich konsumiere“, sondern: „Ich diene Gott und seinem Volk mit diesen Gaben.“
  3. Jesus ruft uns in die Nähe Gottes. Nicht äußerer Schein wie bei den Pharisäern zählt, sondern ein Herz, das auf Jesus hört und in Gottes Gegenwart betet.

Der Wochenspruch fasst es zusammen: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist…“ – Ja, wohl uns, wenn wir auf Jesus hören und in seinen Wegen gehen.

Darum: Lasst uns heute neu fragen: „Herr, wo rufst du mich zur Umkehr? Welche Gabe hast du mir gegeben, und wo setze ich sie in der Gemeinde ein? und ganz wichtig: Wie kann mein Herz ein Haus des Gebets werden?“

Wenn wir als Christus-Gemeinde diesen Weg gehen – im Hören, im Gebet und gemeinsamen Dienst – dann wird sich das Versprechen erfüllen: Gottes Volk lebt in seinem Segen.

Gebet

Barmherziger Herr, öffne unsere Ohren für Dein Wort und unsere Herzen für Deine Nähe. Lehre uns, Deine Wege zu gehen. Zeige uns, wie wir unsere Gaben zum Wohl der Gemeinde einsetzen können. Mach unser Leben zu einem Haus des Gebets.

Dies bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.