Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis

Thema: Gott und sein Volk
Textgrundlagen: Jeremia 7,1–11; 1. Korinther 12,1–11; Lukas 19,41–47a
Wochenspruch: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ (Ps 33,12)

Liebe Christus-Gemeinde, Teilnehmer über ZOOM oder Leser auf Word-Press.
Der Wochenspruch in unserem anglikanischen Gebetbuch sagt uns heute:

„Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist…“

 Was für ein wunderbarer Zuspruch! Wir dürfen uns zu diesem Volk zählen, denn Gott hat uns durch Jesus Christus erwählt. Aber was bedeutet das eigentlich – erwählt zu sein? Bedeutet das, dass wir uns zurücklehnen können, weil wir „auf der sicheren Seite“ sind? Oder bedeutet es etwas anderes?

Heute wollen wir gemeinsam entdecken, was es heißt, Gottes Volk zu sein. Drei biblische Texte begleiten uns dabei: Jeremia ruft sein Volk zur Umkehr, Paulus erinnert an die Gaben des Geistes, und Jesus weint über Jerusalem.

Diese Texte zeigen uns einen roten Faden vom AT zur Epistel: Gottes Gaben und Jesu Sorge im Evangelium über sein Volk um die wahre Anbetung – unsere Anbetung heute.

Denn Gottes Volk lebt nicht aus äußerer Form und Festhalten an Religion, sondern aus innerer Hingabe zu Jesu – und sie empfängt von ihm geistliche Gaben zum Dienst für Gott.

Jeremia predigt vor dem beeindruckenden wundervollen Tempel in Jerusalem. Er ruft den Menschen zu: „Macht eure Wege und Taten gut, lasst euer Leben als Kinder Gottes mit seinem Willen übereinstimmen. so will ich bei euch wohnen!“ Warum dieser Ruf? Weil das Volk zwar den Tempel verehrt, aber Gott vergessen hat. Sie meinen: „Wir haben den Tempel, wir sind sicher.“ Doch Gott sagt: „Meint ihr, mein Haus sei eine Räuberhöhle?“ – Ja euer Inneres steht an erster Stelle und ist voller Raub.

Das ist für sei eine unbequeme Botschaft: Es reicht nicht, am heiligen Ort zu stehen, wenn das Herz fern von Gott ist. Erwählung ist kein Freibrief, sondern ein Ruf zur Heiligung, Heiligung, nach den Geboten Gottes, seinem Willen leben..

Wie ist das bei uns? Auch wir können versucht sein, uns auf Äußerlichkeiten zu verlassen: „Ich gehe in die Kirche, in die Gemeinde, ich bete.“ Vielleicht auch nur, weil es da einen guten Brunch gibt. Aber Gott fragt uns: „Lebst du nach meinem Willen? In der Heiligung? Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Liebe – sind das deine Wege? Das ist Glaube im Alltag!“

Gottes Volk erkennt man nicht daran, dass es fromme Worte kennt, kopiert und postet, sondern daran, dass es Gottes Willen tut. Das ist die erste Lektion: Erwählung bedeutet nicht Selbstzufriedenheit, sondern Umkehr.

Der zweite Text bringt eine wunderbare Ergänzung: Wenn ein Volk sich Gott zuwendet, dann schenkt Gott seinem Volk Gaben. Paulus schreibt: „Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist.“

Was bedeutet das? Gott gibt jedem Christen eine Gabe – nicht zu seinem eigenen Ruhm, sondern zum Nutzen aller. Die Gemeinde ist kein Ort des Konsums, sondern ein Leib, in dem jeder Teil eine Aufgabe hat.

Vielleicht fragst du dich: „Was kann ich schon tun?“ Aber Gott hat dir etwas gegeben, was nur du einbringen kannst. Vielleicht ein offenes Ohr, ein ermutigendes Wort, die Gabe der Fürbitte, der Musik, der Organisation oder des praktischen Helfens.

Gottes Volk ist nicht nur erwählt, sondern auch begabt. Und wenn wir unsere Gaben einsetzen, wird die Gemeinde lebendig.

Der dritte Text führt uns auf den Ölberg. Jesus sieht Jerusalem vor sich – die Heilige Stadt, das Zentrum des Glaubens – und er weint. Warum? Weil sie nicht erkannt haben, was Ihnen zum Frieden dient. Sie kannten alle religiösen Formen, die religiöse Autorität dachte nur an Macht und Geld, aber sie hörten nicht auf Gottes Ruf.

Dann geht Jesus in den Tempel. Er sieht, wie daraus ein Marktplatz geworden ist – und er handelt radikal: „Mein Haus soll ein Bethaus sein, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.“

Liebe Christus-Gemeinde, das ist eine ernste Mahnung: Auch wir können Gefahr laufen, dass unser Gottesdienst ein Ort wird, an dem wir unsere Traditionen, unsere Vorstellungen und unser Ego pflegen, dass aber Gott draußen bleibt. Jesus ruft uns: „Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein!“ Das ist nicht nur der Kirchenraum, das ist auch und besonders unser Herz. Ist unser Herz ein Ort der Begegnung mit Gott – oder ist es voll anderer, Egogedanken- und Worte und Umsetzung eigener Wünsche in den Alltag? Aber nichts nach dem Willen Gottes?

Wollen wir festhalten:

Mein Herzenshaus soll immer ein Bethaus sein. Dort soll niemand drin wohnen als Jesus allein.

Diese drei Texte malen uns ein Bild vor die Augen, was es heißt, wirklich Gottes Volk zu sein:

  1. Erwählung heißt gleichzeitig Umkehr. Nicht: „Jetzt bin ich sicher erwählt“, sondern: „Herr, erneuere mich in und durch deine Erwählung.“
  2. Gottes Volk empfängt Gaben. Nicht: „Ich konsumiere“, sondern: „Ich diene Gott und seinem Volk mit diesen Gaben.“
  3. Jesus ruft uns in die Nähe Gottes. Nicht äußerer Schein wie bei den Pharisäern zählt, sondern ein Herz, das auf Jesus hört und in Gottes Gegenwart betet.

Der Wochenspruch fasst es zusammen: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist…“ – Ja, wohl uns, wenn wir auf Jesus hören und in seinen Wegen gehen.

Darum: Lasst uns heute neu fragen: „Herr, wo rufst du mich zur Umkehr? Welche Gabe hast du mir gegeben, und wo setze ich sie in der Gemeinde ein? und ganz wichtig: Wie kann mein Herz ein Haus des Gebets werden?“

Wenn wir als Christus-Gemeinde diesen Weg gehen – im Hören, im Gebet und gemeinsamen Dienst – dann wird sich das Versprechen erfüllen: Gottes Volk lebt in seinem Segen.

Gebet

Barmherziger Herr, öffne unsere Ohren für Dein Wort und unsere Herzen für Deine Nähe. Lehre uns, Deine Wege zu gehen. Zeige uns, wie wir unsere Gaben zum Wohl der Gemeinde einsetzen können. Mach unser Leben zu einem Haus des Gebets.

Dies bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.