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Liebe Gemeinde und entfernte Zuhörer,

die Fastenzeit führt uns näher an das Kreuz Christi. Der heutige Sonntag erinnert uns daran, warum Jesus als Hohepriester kam:

Er kam, um uns von toten Werken zu befreien, unser Gewissen zu reinigen und uns fähig zu machen, dem lebendigen Gott zu dienen.

Hebräer 9,11-15

11 Christus aber ist gekommen als Hohepriester der künftigen Güter durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist. 12 Nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut ist er ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und so hat er eine ewige Erlösung bewirkt. 13 Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden, 14 um wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst als makelloses Opfer kraft des ewigen Geistes Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen. 15 Und darum ist er der Mittler eines neuen Bundes; sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt, damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten.

Das Evangelium ist nicht nur Vergebung der Vergangenheit – es ist besonders die Erneuerung für unsere Gegenwart und Sendung für in unsere Zukunft.

Im Alten Testament hatten alle Priester eine wichtige Aufgabe: Sie brachten sündige Menschen dem heiligen Gott nahe. Durch Opfer, durch Reinigungsrituale und ihren Dienst im Heiligtum, im und um den Tempel Gottes wurde deutlich, dass Sünde nicht einfach übergangen werden kann. Niemand sollte sich als Sünder beschmutzt ins Heiligtum Gottes begeben,.

Die äußere Reinigung war vorerst notwendig, damit Menschen wieder am Gottesdienst teilnehmen konnten. Auch das Heiligtum selbst musste immer wieder gereinigt werden. Einmal im Jahr trat der Hohepriester in das Allerheiligste ein und brachte Opfer für sich und für das Volk dar.

Doch all diese Handlungen hatten eine Grenze. Sie konnten das Gewissen der Menschen nur für eine kurze Zeit erleichtern – aber nicht endgültig befreien. Die Opfer mussten jedes Jahr wiederholt werden. Und so wartete das Volk wartete auf eine tiefere Erlösung, auf den vorgeschatteten Messias, das wirkliche Lamm Gottes.

Anwendung:
Auch heute versuchen Menschen, ihr Gewissen durch äußere Leistungen zu beruhigen: durch religiöse Aktivität, moralische Anstrengung oder soziales Engagement oder auch psychologische Behandlung und Befreiung. Das alles kann hilfreich sein – aber es ersetzt nicht die innere Reinigung durch Christus, es ersetzt nicht den Gemeindehirten und Priester Gottes, der zuhört und die Vergebung zuspricht.

Die jetzige Fastenzeit lädt uns ein, uns zu prüfen: Vertraue ich auf meine eigenen Werke und Befreiungsversuche oder wirklich auf das Opfer Jesu? Suche ich äußere Ordnung, Selbsterlösung und Techniken – oder echte Versöhnung und Vergebung mit Gott durch Christus?

2. Christus, der Hohepriester des neuen Bundes – Reinigung des Gewissens

Jesus ist nicht nur ein weiterer Priester. Er ist der vollkommene verheißene Hohepriester. Er bringt nicht fremdes Blut dar, sondern sein eigenes. Sein Opfer geschieht nur ein für alle Mal.

Damit erfüllt sich die Sehnsucht des Alten Bundes. Christus trägt die Sünde nicht nur symbolisch oder zeitlich fort – er nimmt sie wirklich weg, ein für allemal. Sein Opfer reicht bis in das himmlische Heiligtum.

Das Ziel seines Handelns ist klar: unser Gewissen von toten Werken zu reinigen. Tote Werke sind Handlungen ohne Glauben, ohne Liebe zu Gott und dem Nächsten, ohne Ausrichtung auf Gott. Sie prägen unser altes egozentrisches Leben.

Christus ruft uns heraus aus diesem antigöttlichen Zustand. Er schenkt echte Vergebung und neues Leben. Wer an ihn glaubt, ist nicht mehr gefangen in Schuld oder Selbstrechtfertigung und Verzweiflung. Der neue Mensch in Verbindung mit Christus darf wachsen.

Anwendung:
Ein gereinigtes Gewissen entsteht nicht automatisch. Es wird aber genährt durch Gottes Wort, durch Gebet, durch ehrliche und beständige Umkehr. Wo das Gesetz, der Wille Gottes, ernst genommen wird, wächst auch ein feines Gewissen.

In unserer Zeit erleben wir oft das Gegenteil: Die meisten Menschen fühlen sich nur sich selbst verantwortlich. Sie vergeben sich selbst. Doch Christen wissen: Wir leben vor Gottes Angesicht.

Darum ist es wichtig, dass wir regelmäßig die Heilige Schrift lesen, die Predigt hören, unser Leben ständig prüfen. Ein empfindsames Gewissen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von geistlicher Lebendigkeit.

Das Ziel der Reinigung ist nicht Passivität. Gott reinigt uns, damit wir ihm dienen können.

Christlicher Dienst beginnt im Alltag. Er geschieht mit Händen und Herz: in Besuchen bei Kranken, in Fürsorge für Bedürftige, in Treue in der Familie, in ehrlicher Arbeit. Jeder Christ ist berufen, Gottes Liebe sichtbar zu machen.

Doch auch der feiernde Gottesdienst gehört dazu. Unsere Gaben sollen eingebracht werden – in Gemeindegruppen, in der Evangelisation, in der Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation.

Ein gereinigtes Gewissen schenkt Freude im Dienst. Wir müssen Gott nichts beweisen. Wir dürfen ihm aus Dankbarkeit dienen.

Fragen wir uns konkret:
Wo kann ich in der kommenden Woche dienen?
Welche Gabe hat Gott mir anvertraut?
Wo ruft er mich zu mehr Einsatz oder zu neuer Hingabe auf?

Vielleicht ist es ein Besuch, ein ermutigendes Wort, Mitarbeit in der Gemeinde oder mutiges Zeugnis im Alltag.

Der Heilige Geist gibt Kraft dazu. Er erneuert unsere Motivation. Er macht aus Pflicht Freude und aus Unsicherheit Vertrauen.

Liebe Geschwister, die Botschaft dieses Sonntags ist äußerst trostreich und zugleich herausfordernd.

Christus hat alles vollbracht. Sein Opfer am Kreuz reinigt unser Gewissen. Wir dürfen frei werden von der Last der Vergangenheit. Für immer!

Doch diese Freiheit führt uns in die Verantwortung. Gott ruft uns zu einem freien, eifrigen und hingegebenen Leben.

Lasst uns deshalb in dieser Fastenzeit neu zum Kreuz kommen. Lasst uns Vergebung durch den Hohenpriester annehmen, unser Gewissen von Handlungen des Unglaubens reinigen lassen – und dann mit neuer Freude dem lebendigen Gott dienen. Amen.