Die Herrlichkeit Christi und unsere Reinigung, damit wir leuchten werden

(Letzter Sonntag nach Epiphanias | Matthäus 24,23–31 | Jesaja 60,2)
Am Ende der Epiphaniaszeit stellt uns die Kirche Gottes noch einmal die Herrlichkeit Christi vor Augen – nicht nur seine Herrlichkeit in der Geburt, sondern auch seine Herrlichkeit bei seiner Wiederkunft. Gerade, bevor die Passionszeit beginnt, ist das ein geistlicher „Vorausblick“: Wir schauen schon jetzt über Kreuz und Leiden hinaus auf die kommende Vollendung.
Der Wochenspruch bündelt diese Spannung:
„Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jes 60,2)
Die Welt ist dunkel – aber Gottes Herrlichkeit bricht ungehindert durch.
Und das Tagesgebet macht daraus eine Bitte mit dem Zweck: Christus ist erschienen, die dunklen Werke des Teufels zu zerstören und uns zu Kindern und Erben des ewigen Lebens zu machen. Darum bitten wir: „Verleihe, dass wir uns in dieser Hoffnung selbst reinigen, gleichwie er rein ist; damit, wenn er in Kraft und großer Herrlichkeit wiederkommen wird, wir … ihm ähnlich gemacht werden.“
Die Logik ist klar: Die kommende Herrlichkeit Christi → die Hoffnung seiner Gemeinde → die Reinigung unseres Lebens → die baldige Herrlichkeit mit Christus.
Aus Matthäus 24,23–31 treten drei Schwerpunkte hervor.
1) Die kommende Herrlichkeit Christi ist unverwechselbar – darum jagt nicht dem unechten Modernen nach.
Jesus warnt zuerst: „Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus!, oder: da!, so sollt ihr’s nicht glauben.“ (Mt 24,23) Es gibt Zeiten, in denen religiöse Sensationen, starke Persönlichkeiten oder „Retterfiguren“ auftreten. Jesus sagt nicht nur: „Passt auf“, sondern: Lasst euch nicht dadurch treiben.
Denn die Wiederkunft Christi braucht keine Werbung, auch nicht das Internet! Sie ist nicht verborgen, betrifft keine Elitetruppe, ist auch nicht nur für speziell „Eingeweihte“. Sie ist so eindeutig, dass man sie nicht verwechseln kann. Darum ist jede Botschaft, die sagt: „Christus ist hier – aber nur wir wissen es“, schon entlarvt.
Anwendung:
- Prüfen wir, wovon wir geistlich „gezogen“ werden: Von frommer Aufregung oder von Christus selbst?
- Reinheit beginnt oft mit Nüchternheit: nicht alles auf dem Smartphon anklicken, nicht jedem „Internet Propheten“ folgen, nicht auf jeder Angstwelle mitreiten.
- Wer Christus liebt, lernt zu sagen: Ich bleibe beim Gottes-Wort, beim Gebet, bei meiner Gemeinde, bei dem schlichten Gehorsam – statt beim christlichen Spektakel.
Das erst bewirkt Reinigung: Ein Herz, das nicht ständig „neueste Lichter“ sucht, sondern beim wahren Licht bleibt.
2) Die Wiederkunft kommt wie der Blitz – öffentlich, mächtig, furchterregend für die Finsternis
Jesus beschreibt sein Kommen: „Wie der Blitz ausfährt vom Osten und scheint bis zum Westen, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein.“ (Mt 24,27). Kein Geheimnis, kein Schatten, kein „vielleicht“.
Das Kommen des Messias wird von weltumfassenden Zeichen begleitet – an Himmelskörpern, so dass alle Menschen es sehen. „Dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel … und sie werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ (Mt 24,30) Wahrscheinlich aber ist Christus selbst „das Zeichen“ – der letzte, entscheidende Hinweis. Und diese kommende Herrlichkeit ist nicht neutral: Sie ist Gericht über die Finsternis der Welt. Darum „werden wehklagen alle Geschlechter der Erde“ – besonders aber die, die ihn ablehnen.
Anwendung:
- Epiphanias zeigt: Christus ist das Licht. Matthäus 24 zeigt: Dieses Licht wird alles offenlegen.
- Reinigung ist darum heilsame Vorbereitung: Herr, bring ans Licht, was nicht in dein Reich passt.
- Wer aber in dunkler Sünde „wohnen“ will, fürchtet den hellen Blitz. Wer Christus vertraut, lernt: Der Blitz ist nicht nur Schrecken – er ist auch Rettung. Endlich kommt der König. Endlich wird die Lüge beendet. Endlich kommt Licht in die Dunkelheit. So wird aus dem Wochenspruch ein Trost:Finsternis bedeckt die Erde – aber über dir geht der Herr auf.
3) Der Ruf der Posaune Gottes sammelt die Seinen – darum lebt jetzt als Kinder des Lichts.
„Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden.“ (Mt 24,31). Die Posaune ist ein alttestamentliches Bild –Ein königlicher Herold verkündet Gottes furchtbares Erscheinen, er sammelt die Treuen, und das Heer Gottes bricht auf. Es ist Gott, der ruft, und niemand kann ihn mehr überhören.
Und entscheidend ist: Nicht alle werden dann trauern. Die einzigen, die nicht wehklagen, sind seine Erwählten. Nicht, weil sie besser wären – sondern weil sie zu Christus gehören. Und genau darum betet die Kirche: „Verleihe, dass wir uns in dieser Hoffnung selbst reinigen … damit wir ihm ähnlich gemacht werden.“
Anwendung:
- Reinigung heißt: Ich lebe heute schon so, wie ich bei seinem herrlichen Kommen gefunden werden möchte.
- Reinigung heißt: Ich verberge und rechtfertige nichts mehr vor Gott.
- Reinigung heißt auch: Ich stelle mich ins Licht: Beichte, Vergebung, Versöhnung, klare Schritte weg von dem, was mein Gewissen verdunkelt.
Wenn Christus uns sammelt, dann nicht, um uns zu beschämen, sondern um uns heimzuholen – und uns wirklich herrlich zu machen, ihm ähnlich, mit ihm herrlich.
Ermutigung
Die bevorstehende Passionszeit führt uns zum Kreuz und zum Mitleiden. Aber dieser heutige Sonntag sagt: Schau nicht nur auf das Dunkel – sieh doch den schon kommenden Glanz. Der Herr, der in Niedrigkeit und Krippe geboren wurde, kommt am Ende in Macht und Herrlichkeit. Der Herr, der sich am Kreuz hingab, kommt bald als König über sein Reich.
Darum: Reinige dich schon heute „in dieser Hoffnung“. Nicht aus Angst, sondern weil du zu Jesus gehörst, nicht weil du aktiv selbst an dir arbeitest, sondern als Antwort auf seine Gnade.
Und wenn du dich auch schwach fühlst: Genau dafür beten wir gemeinsam in der Kirche – dass Gott selbst die Reinigung wirkt. Bitte ihn einfach:
Herr Jesus Christus, du Licht der Welt: heile, was finster ist in mir. Reinige mich so, wie du rein bist.
Und lass dein Licht so über und in mir aufgehen, dass ich jetzt schon als Kind des Lichts lebe – bis du kommst in großer Herrlichkeit. Amen.
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