
Römer 15,4–13 – Predigt zum 2. Advent
Tagesgebet zum 2. Advent
Gepriesener Herr. Du hast die gesamte Heilige Schrift uns zur Belehrung schreiben lassen. Schenke, dass wir sie so hören, überdenken und in unseren Herzen bewegen, dass wir durch die Geduld und den Trost Deines Wortes die selige Hoffnung des ewigen Lebens ergreifen und auch immer festhalten, die Du uns in Jesus Christus, unserem Erlöser, verliehen hast. Amen.
Die 3fache Schriftwirkung:
1) Die Schrift gibt Hoffnung
Am zweiten Advent – oft im Anglikanischen auch „Bibelsonntag“ genannt – erinnert uns Römer 15,4 daran, warum die Heilige Schrift uns gegeben ist:
„Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre oder Belehrung geschrieben, dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben.“
Unser 2. Adventsgebet schließt sogar damit, dass wir das ewige Leben in Christus für immer festhalten.
Paulus spricht hier zunächst vom Alten Testament, dass es uns belehrt auf Hoffnung. Doch genauso gilt dies für die Schriften des Neuen Testaments: Die Bibel ist für unser Lernen geschrieben. Es geht allerdings nicht darum, Verse wie Gedichte mechanisch auswendig aufzusagen. Die Schrift hat ein größeres Ziel:
Wir sollen Gott erkennen – sein Wesen, seine Liebe, seine Gnade, seine Heiligkeit. Regelmäßiges Lesen der Bibel lehrt uns, wie barmherzig Gott mit seinem Volk umgeht und wie er Menschen trotz ihrer Schuld annimmt.
Die Schrift zeigt uns auch unseren eigenen Zustand: den kranken, sündigen Menschen, der getrennt von Gott lebt. Sie zeigt uns den Weg der Heilung – allein durch Jesus Christus. Und sie lehrt uns, wie wir als erneuerte Menschen mit Gott und dem Nächsten leben sollen.
Wer die Bibel aufmerksam liest, bemerkt: Der Mensch hat sich in Jahrtausenden kaum verändert. Die gleichen Sünden und Probleme, die Paulus beschreibt, sind heute gegenwärtig – oft in verschärfter Form. Moderne Menschen halten sich gerne für „aufgeklärter“, aber die Bibel hält uns einen ehrlichen Spiegel vor.
Doch das Ziel des Bibellesens ist nicht bloße Information, sondern Transformation. Gott will unser Denken, unser Herz oder auch Willen und so unser ganzes Leben verändern. Hoffnung in unserem Leben entsteht dann, wenn die Botschaft der Bibel unser Herz erreicht und deutlich verändert.
Ein Beispiel dafür: Ein amerikanischer Millionär, Eugene Lang, versprach in New York einer verarmten Schulklasse jedem Schüler ein bezahltes Studium – wenn sie die Schule durchhalten. Zum ersten Mal hatten diese Kinder ein Zukunftsziel eine wirkliche Hoffnung für Ihre Zukunft. Die Folge war: Fast alle bestanden ihren High School Abschluss. Wir erkennen: Echte Hoffnung bewegt zur Veränderung im Leben. Dies zeigt in kleinem Maß, was Gott in großem Maß durch sein Wort in deinem Leben tut kann.
Die Heilige Schrift schenkt echte Hoffnung – und diese Hoffnung gründet sich auf Christus, auf die Frohe Botschaft:
• Sein Kommen in die Welt – Advent
• Sein Sterben und Auferstehen – Ostern
• Seine Himmelfahrt
• Seine Wiederkunft in Herrlichkeit
Besonders im Advent richten wir unseren Blick nun auf seine zweite Wiederkunft: Jesus wird seine Gemeinde, die Gemeinschaft der Heiligen sammeln und alle vollenden und das ewige Leben schenken. Hoffnung bedeutet für uns: Wir wissen jetzt, wohin wir gehen. Und darum können wir geduldig warten.
2) Die Schrift erneuert Gemeinschaft
Die Hoffnung, die die Schrift schenkt, wirkt sich praktisch unter uns aus: Sie verändert den Umgang und die Beziehung unter uns Christen.
Paulus fordert deshalb zur Einheit auf (V. 5–6). Einheit bedeutet nicht, dass alle Christen dieselbe Meinung über zweitrangige Dinge haben müssen. Im Kapitel 14 zeigt Paulus, dass Gläubige unterschiedliche Gewissensfragen verschieden beantworten können – über Fleisch essen oder Alkohol trinken, solange es nicht um klare Sünde geht.
Doch trotz aller Unterschiede in der Lebensgestaltung sollen wir uns gegenseitig würdigen und annehmen:
„Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat zur Herrlichkeit Gottes.“ (V. 7)
Christus hat Juden und Heiden, Gläubige aus allen Volksgruppen zusammengeführt – zu Pfingsten, als die Kirche gegründet wurde, und in der weltweiten Mission danach. Deshalb gibt es in seiner Christus-Gemeinde keinen Platz für Überheblichkeit, kulturelle Abwertung oder soziale Ausgrenzung. Das Ziel der Einheit ist klar:
„…dass ihr eines Sinnes mit einem Mund Gott verherrlicht…“ (V. 6)
Gemeinsame Anbetung – trotz Verschiedenheit der Herkunft und Bildung. Das ist ein kraftvolles Zeugnis. Liturgie, die gemeinsame Energie der gemeinsamen Gebete und gemeinsamen Bekenntnisse im Gottesdienst erinnern uns daran: Wir sprechen und beten zu Gott mit einer Stimme, wir gehören zu demselben Herrn. Was uns selbst persönlich trennt, das verbindet Christus.
Wenn wir uns einander annehmen, wie Christus uns und alle Menschen angenommen hat, jeder der so ganz anders ist, wird die Gemeinde Gottes zu einem Ort der Hoffnung – für uns selbst und für die ganze Welt.
3) Die Schrift verfestigt das ewige Leben in Christus
Paulus schließt mit einem Segenswunsch, der das Ziel des Glaubens klar vor Augen stellt: „Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr vollkommene Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes.“ (V. 13)
„Hoffnung“ ist im biblischen Sinn keine zweideutige Wunschvorstellung, sondern eine feste Gewissheit: Gott hält sein Wort.
Die Grundlage dieser Gewissheit ist:
• Gottes Liebe gilt zu uns
• Christi Opfer ist für uns
• der Heilige Geist, wirkt und wohnt in uns.
Hoffnung, Freude und Frieden – das sind Früchte des Geistes (Galater 5,22). Gott selbst wirkt sie in uns durch seinen Geist. Deshalb ist diese Hoffnung stärker als unsere persönlichen Umstände. Sie trägt uns durch Leid, Zweifel und Wartezeiten. Sie verändert unser ganzes Leben – von innen heraus.
Die Bibel hält uns die Zukunft vor Augen:
Wir erwarten Christus. Wir leben hin auf Gottes Herrlichkeit. Wir wissen, wem wir gehören. Und weil wir wissen, wohin wir gehen, können wir heute mutig, liebevoll und treu leben.
Schlussgedanken
Die Adventszeit lädt uns ein, die Bibel neu aufzuschlagen und ihr zu vertrauen – denn:
- Die Heilige Schrift schenkt Hoffnung
Gottes Wort lehrt uns und richtet unseren Blick auf Jesus, der unsere Zukunft sichert. - Die Heilige Schrift erneuert Gemeinschaft
Wer Christus kennt, lernt, andere anzunehmen – so entsteht geistliche Einheit. - Die Heilige Schrift verfestigt das ewige Leben in Christus
Durch den Heiligen Geist wächst in uns Freude, Frieden und eine feste Hoffnung.
So wird der Advent zu einer Zeit der Bibel – einer Zeit, in der Gott unser Herz stärkt, unsere Gemeinschaft erneuert und unsere Hoffnung in Christus für das ewige Leben verfestigt.
Der Gott der Hoffnung sei mit uns – heute und bis zu seiner Wiederkunft.
Amen.
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