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( Sprüche 14,34; Jesaja 1,10–17; Römer 2,1–11)

Liebe Geschwister in Christus,

der Buß- und Bettag wir kaum noch beachtet. Er erinnert uns an etwas, das in unserer Zeit beinahe vergessen scheint – die Verantwortung des Menschen vor Gott. Es ist ein Tag der inneren Einkehr, an dem wir nicht zuerst auf die Fehler anderer, sondern auf das eigene Herz schauen sollen. Der Tagesspruch bringt dies auf den Punkt: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, der Völker Schmach ist die Sünde.“

Hier geht es nicht nur um Moral oder politische Ordnung. Es geht um den geistlichen Zustand einer ganzen Gesellschaft – und um das einzelne Herz, das vor Gott steht. Ein Volk wird nicht durch Reichtum, Technik oder Bildung groß, sondern durch Gerechtigkeit – durch Menschen, die das Rechte tun, weil sie Gott fürchten und lieben. Wo aber Sünde, Selbstsucht und Ungerechtigkeit überhandnehmen, da zerbricht die innere Kraft eines Volkes.

1. Gott sucht nicht äußere Formen, sondern ein reines Herz (Jesaja 1,10–17)

Der Prophet Jesaja richtet sein Wort an ein Volk, das Gott noch eifrig verehrt – Opfer, Gebete und Gottesdienste waren zahlreich. Doch Gott sagt: „Ich habe die Brandopfer eurer Widder satt … eure Feste hasse ich; sie sind mir eine Last.“

Warum diese harten Worte? Weil die äußere Frömmigkeit nicht mit dem inneren Leben übereinstimmte. Man ehrte Gott mit den Lippen, aber die Hände waren voll Blut, das Herz war kalt, das Leben ungerecht. Gott aber sagt: „Wascht euch, reinigt euch! Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten!“

Wahre Buße besteht also nicht nur im Bekenntnis der Schuld, sondern in einer Umkehr, die Frucht bringt. Wo ein Herz zerbrochen ist über die eigene Schuld, da öffnet sich Raum für Gnade.

2. Der Maßstab Gottes ist gerecht und ohne Ansehen der Person (Römer 2,1–11)

Der Apostel Paulus führt diesen Gedanken weiter: Wir alle neigen dazu, auf andere zu zeigen. Doch er sagt: „Darum bist du nicht zu entschuldigen, Mensch, der du richtest … denn worin du den andern richtest, verurteilst du dich selbst.“

Gott misst nicht nach menschlichen Maßstäben, sondern nach Wahrheit. Ob Jude oder Heide, religiös oder säkular – „Gott wird einem jeden vergelten nach seinen Werken“. Das ist keine Drohung, sondern eine ernste Erinnerung: Es gibt keinen Zufall in Gottes Gericht. Seine Gerechtigkeit ist vollkommen.

Aber mitten in dieser Strenge leuchtet das Evangelium auf: Gott will nicht verdammen, sondern zur Buße leiten. „Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr leitet?“ Das ist der Kern des heutigen Tages. Die Güte Gottes ist der Ruf zur Umkehr – nicht Strafe, sondern Gnade will uns verändern.

3. Das zerschlagene Herz – Quelle wahrer Freiheit

Das Tagesgebet fasst dies wunderbar zusammen:
„Schaffe in uns neue und zerschlagene Herzen, dass wir – unsere Sünden beklagend und unser Elend erkennend – vollkommene Verzeihung und Vergebung erlangen.“

Ein zerschlagenes Herz ist kein zerstörtes Herz. Es ist ein Herz, das aufhört, sich selbst zu rechtfertigen – und sich Gott anvertraut. In solcher Demut liegt die wahre Freiheit. Denn wer seine Schuld bekennt, der muss sie nicht länger verstecken. Wer sich in die Hand des barmherzigen Gottes begibt, der wird von der Macht der Sünde befreit.

Buße ist also kein düsteres Ritual, sondern der Weg ins Licht. Sie führt uns von der Selbsttäuschung zur Wahrheit, von der Last zur Ruhe, von der Schuld zur Vergebung.


4. Anwendung: Buße als Anfang von Erneuerung

Wenn ein Volk durch Gerechtigkeit erhöht wird, dann beginnt diese Erneuerung nicht in der Politik, sondern in den Herzen. Es beginnt dort, wo Christen mit zerbrochenem Herzen beten: „Herr, erneuere mich, und erneuere unser Land.“

Die Geschichte zeigt: Erweckung und Erneuerung kommen immer dort, wo Menschen ihre Schuld bekennen und

Gott ernst nehmen. Nicht Empörung über die Welt, sondern Demut vor Gott verändert sie.

Darum ist der Buß- und Bettag ein Tag der Hoffnung. Denn Gott ist noch derselbe: Er verwirft niemanden, der reumütig zu ihm kommt. Sein Ziel ist nicht Verdammnis, sondern Heil.

Schlussgedanke

Gerechtigkeit erhöht ein Volk – aber diese Gerechtigkeit wächst nicht aus eigener Kraft, sondern aus dem Kreuz Christi. Dort hat Gott selbst unsere Schuld getragen.
Wer das erkennt, kann mit David beten:
„Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten“ (Psalm 51,19).

Möge dieser Tag uns lehren, Buße zu tun – nicht aus Furcht, sondern aus Vertrauen – und möge Gottes Gnade unser Herz erneuern, dass auch unser Volk durch seine Gerechtigkeit erhöht werde.

Amen.