
Die große Einladung – Gottes Gastfreundschaft und unser Auftrag
Predigt 2. Sonntag nach Trinitatis – Lukas 14,16–24 EÜ
Eine abgelehnte Einladung vor der Kapelle
Heute Morgen, eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst erschienen fremde Menschen vor die Christuskapelle vorgefahren. O, das sind neue Besucher, dachte ich. Der Fahrer stieg aus und sagte: „Pater, wir brauchen Benzin oder Geld. Kannst Du mir geben?“ „Woher seid ihr?“ „Wir kommen aus Ungarn. Ich kann nicht gut Deutsch.“ Ich antwortete ihm: „Bei uns beginnt gleich um 10 Uhr der Gottesdienst hier in der Christuskapelle. Ich lade euch vier Leute ein, daran teilzunehmen. Danach essen wir gemeinsam „Brunch. Dann könnt ihr mit eurem Kind auch mitessen. Kommt Ihr?“ „Oh, das geht nicht. Wir müssen heute noch weiter“.
Ich verstand. Die waren mit wehleidigen und mitleidserweckenden angelernten Worten auf Betteltour am Sonntagmorgen. Dann gab ihm trotzdem ein „Almosen von 20 € mit, auch dass wir nicht noch lang gestört den Gottesdienst pünktlich beginnen könnten.
DIE GROßE EINLADUNG GOTTES
Jesus erzählt hier von einem Menschen, der ein großes Abendmahl veranstaltet und viele einlädt. Doch dessen Einladung wird abgelehnt – und zwar nicht aus Mangel an Höflichkeit, sondern wegen eigennütziger Prioritäten. Drei Entschuldigungen werden genannt, die damals wie auch heute noch geistliche Gefahren für die Ewigkeit darstellen. Wir nennen diese die „3 B’s“.
1. Die Einladung – Gottes großzügiges Angebot
Der Hausherr in Jesu Gleichnis ist niemand anderes als Gott selbst. Und der Knecht, der die Einladung überbringt, ist sein Sohn – Jesus Christus. Er lädt ein zum großen Fest: Zum Heil in Christus, der Gemeinschaft mit Gott und dem ewigen Leben ein. Es ist eine Einladung zur Freude – und sie gilt zuerst seinem Bundesvolk, den Juden, aber heute auch allen, die Christus kennen, an sein Erlösungswerk glauben: Allen wahren Christen, also auch uns.
Diese Einladung geschieht nicht halbherzig. Denn Gott plant groß – lädt aber ein mit großem Ernst. Er will, dass alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Er möchte, dass sein Haus voll wird.
Auch wir als Christen sind durch den Missionsbefehl und dem Geist Gottes aufgerufen, mit derselben Liebe und Ausdauer einzuladen – zu Gottes Reich, zu seiner Gemeinde, zum Mahl des Heils.
2. Die Entschuldigungen – Spiegel unserer Herzen und jeder kulturellen Gesellschaft
Doch die zuerst Geladenen lehnen unter verstecktem Vorwand ab. Nicht ärgerlich oder mit offener Rebellion, nein, sondern scheinheilig, höflich, aber bestimmt: „Ich habe einen Acker gekauft…“, „Ich habe fünf Ochsengespanne…“, „Ich habe gerade geheiratet…“.
Es sind keine schlimmen Dinge an sich – nämlich Besitz, Arbeit und Familie – oder 3xB. Doch diese alltäglichen Dinge und Beziehungen werden zum Vorwand genom-men, Gottes Einladung nicht anzunehmen.
Hier liegt unser aller Problem: Das Gute, das Gott uns irdisch schenkt, wird wichtiger als das Höchste. Weltliche, geldliche, menschliche Dinge verdrängen geistliche Prioritäten, sie entfernen uns von Gott.
Der Acker steht für Besitz und finanziellen Gewinn. (Nach der Thora / Gesetz gehört er Gott und ist immer 50 Jahre ausgeliehen.) Wer immer zuerst mit den Augen auf diesen Boden und Besitz schaut und sich von diesen irdischen vergänglichen Dingen leiten lässt, wird den Blick zum Himmel und damit Gott verlieren. Text klicken zum Lesen: (z.B. der reiche Jüngling)

Die Frau steht für erfüllende Beziehungen und familiäres Glück. Umgekehrt der Mann für die Frau. Es sind oft der Ehepartner, die Familie, auch andere Beziehungen, die uns hintern die Einladung Gottes ausschlagen. Gerade diese Bindungen können zu unseren Götzen werden, wenn sie uns wichtiger als Gott selbst werden. – Familie zuerst oder Gott? Diese drei Themen stehen für die großen „B’s“ unserer Zeit: Besitz, Beruf, Beziehungen – Dies drei sind die häufigsten Gründe, warum heute Menschen Gottes Große Einladung heuchlerisch ablehnen.
Und gerade Christen sind nicht immun: Wer von uns regelmäßig den Gottesdienst vernachlässigt, die Gemeinschaft der Heiligen verpasst, sein Gebet aufschiebt, sich nicht mehr für das Reich Gottes engagiert, keine Last für die Nichtchristen und Nichterlösten hat, der folgt denselben Mustern heute wie damals.
Und wie geht Gott mit diesen Ausflüchten und absagenden Antworten um? Er nimmt diese Ablehnung ernst: „Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Mahl schmecken.“ – Und dies gilt natürlich auch gleichberechtigt für die Frauen, Jungen und Mädchen. Das ist aber keine Rache von Gott, sondern gerechte Konsequenz. Sollte nicht ein Geschöpf seinem Schöpfer danken und zuvorkommend antworten.
Wer aber Gott absagt, verpasst das größte Fest. Das Fest im Himmel, und Jesu Festmahl.
3. Seine Gnade für die Geringen
Doch Gott, der Gastgeber sagt das Fest nicht ab. Er öffnet die Türen weiter – für die Ausgestoßenen, Kranken, Blinden und Lahmen, für alle, die von der Gesellschaft übersehen werden. Damals waren es Zöllner, Bettler, Dirnen. Heute sind es Menschen ohne Stimme: die Armen, die Vergessenen, die geistlich Hungrigen. Ihnen gilt Gottes Einladung mit besonderer Liebe.
Und er sendet seine Apostel und treuen Nachfolger nach Pfingsten bis heute aus.
Als dann noch Platz ist, sendet er seinen Knecht „an die Hecken und Zäune“. Ein Bild für das Hinausgehen über alle Grenzen: geografische, kulturelle und religiöse. Hier beginnt nun die Mission unter den Völkern. Die Apostel – besonders Paulus – führen diese Einladung über die jüdische Welt hinaus und laden ein: Die Griechen, die Römer, die Germanen – laden ein die Heiden. Das Evangelium überschreitet damit alle Grenzen bis nach Spanien, nach England, zum Schwarzen Meer und mit dem Apostel Thomas kommt es bis nach Indien.
4. Die „Hecken und Zäune-Mission“, unser Auftrag heute!
Doch das Haus Gottes ist noch nicht voll. Seine Einladung gilt weiterhin – und er sucht gerade heute seine Boten: Menschen, Männer und Frauen, die wie der Gottes-Knecht Jesus selbst, die Einladung zum Reich Gottes weitertragen. An die „Hecken und Zäune“! In unserer Zeit sind dies die Orte, wo Menschen fern vom Glauben leben: Die Großstädte, die sozialen Brennpunkte, die Flüchtlings-Unterkünfte, auch die weiten digitalen und virtuellen Räume – überall dort, wo das Evangelium kaum gehört wird, gib’s „Hecken und Zäune“. Auch wir als anglikanische Gemeinde in Deutschland stehen in dieser Berufung. Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele Namens-Christen Gottes diese Einladung gleichgültig ablehnen, aber auch viele äußerlich gehetzte Menschen sind im Inneren einsam und warten, dass sie jemand anspricht.
Darum lautet unser Auftrag auch heute:
Geht hin! Ladet ein! Mit Liebe, mit Ernst, mit Ausdauer. Nicht nur zum Sonntagsgottesdienst – sondern zu Christus selbst, ihm nachzufolgen. Nicht nur mit Worten – sondern auch mit Gastfreundschaft, Barmherzigkeit und dem Zeugnis unseres täglichen Lebens, Glaube im Alltag.
5. Gott freut sich über ein volles Haus
Er gibt sich nicht zufrieden mit einem halbleeren Haus. Er möchte, dass viele gerettet werden. Und er gebraucht uns dazu. „Es ist noch Raum da“, sagt der Knecht. Diese Worte gelten auch heute – in den leeren Kirchen, in unserer Wohnung und für unsere Stadt. Auch in Deutschland, dass die vielen Ausländer das Evangelium annehmen.
Möge der Herr uns gebrauchen, als Boten Seiner Einladung. Mögen wir nicht auf der Seite der sich Entschuldigenden zu finden sein, sondern bei denen, die einladen und sagen komm. Wollen wir fest im wahren Glauben stehen – und von dort andere mit uns ziehen – zum großen Gastmahl Gottes.
Amen. Bf. Meyer
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