Predigt in der Christusgemeinde zum 1. Advent

Von Prädikat Branislav Tot, Ulm.

Herr, lasse dir Wohlgefallen die reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens.

O Herr, mein Fels und mein Erlöser!

In Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Amen

 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Heute zündet man in vielen Häusern, Wohnungen, Heimen und Kirchen erste von vier Kerzen an, als Zeichen für das erste Advent. Advent kommt aus lateinisch und bedeutet Ankunft, eigentlich richtig heißt es „Adventus Domini“ und bedeutet „Ankunft des Herrn“.

Advent bezeichnet die Jahreszeit, in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu Christi, Weihnachten vorbereitet. Und zugleich erinnert uns Adventszeit das Christen auch das zweite Kommen Jesu Christi erwarten sollen.

Dabei geht es nicht nur um Vorfreude auf etwas, sondern auch um die Freude über etwas.

In meinem Predigttext heute morgen freut sich einer; Er freut sich über etwas, nämlich die Geburt seines kleinen Sohnes. Und er freut sich auf etwas; nämlich darauf, was dieser kleine Sohn einmal für eine große Aufgabe haben wird.

Freude und Vorfreude miteinander verbunden.

Ich lese aus dem heiligen Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nach Lukas 1. Kapitel, die Verse 67 bis 79.

Der Lobgesang des Zacharias

67 Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach:

68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk

69 und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David,

70 wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten,

71 dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen,

72 und Barmherzigkeit erzeigte unsern unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund

73 an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben,

74 dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht

75 unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.

76 Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herr vorangehen, dass du seinen Weg bereitest

77 und Erkenntnis des Heiles gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden,

78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe.

79 auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.      

    

Der Text den ich gerade gelesen habe, bekannt auch als Benedictus wird in vielen Kirchen als teil der Liturgie jeden Morgen in Morgenlob vorgelesen und er besteht aus einem einzigen, begeisterten Lobgesang. Be – geistert, im wahren Sinne des Wortes.

Schauen wir zuerst, wer war dieser Zacharias?

Zacharias ist ein alter Mann. Mit seiner ebenfalls schon hoch betagte Frau Elisabeth lebt er allein. Kinder haben sie keine, und längst haben sie die Hoffnung aufgegeben, doch noch eins zu bekommen.

Damals hieß das neben dem persönlichen Schmerz, keine Versorgung, keine soziale Absicherung im Alter.

Zacharias ist Priester – das hat die Situation vermutlich erleichtert, denn als Priester hatte er Anteil an der allgemeinen Priesterversorgung.

Der Schmerz, kinderlos zu bleiben, hat Elisabeth und ihn trotzdem begleitet.

Und dann passiert das Erstaunliche: Elisabeth wird schwanger.

Aber nicht urplötzlich, sondern auf Ankündigung.

Gottes Engel Gabriel kommt zu Zacharias und verkündigt ihm:

„Dein Gebet ist erhört worden. Du wirst einen Sohn bekommen. Er wird einen besonderen Auftrag von Gott bekommen. Und er soll einen besonderen Namen haben. Das was wir vielleicht nur langweilig finden und versuchen manchmal zu überspringen sind die Zählungen Volkes Israel im 4. Buch Mose das auch heißt Numeri. Aber für die Hebräer haben die Baumstämme mit Vaters Namen eine besondere Bedeutung. Johannes heißt: „Gott ist gnädig“.

Jetzt aber gibt es ein Problem. Zacharias kann nicht so ganz diese Botschaft glauben.      Er fragt den Engel Gottes „Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt, und mein Weib ist betagt.“ Und weil er nicht so ganz glauben kann, wird er vorübergehend stumm.

Und erst als sein Sohn geboren ist, erst als er mit acht Tagen beschnitten wird und Zacharias gefragt wird, wie denn das Kind heißen soll – da schreibt er auf eine Tafel :  Er soll Johannes heißen.

In dem Moment lässt sich seine Zunge wieder und Zacharias singt das Loblied, das wir gerade gehört haben: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, denn er hat besucht und erlöst sein Volk!“

Zwei Dinge gehen diesem Loblied voraus.

Das eine ist die Zeit des Schweigens. Beten nennt man auch eine Gespräch mit Gott.

Gebet ist, einfach gesagt, ein Gespräch. Nicht ein Gespräch mit sich selbst, sondern ein Gespräch mit Gott. Gott lädt uns ein, mit ihm zu reden und ihm die Dinge zu sagen, die uns bewegen. Also geht es im Gebet auch nicht nur darum, Gott etwas zu sagen. Gott will auch uns etwas sagen!

Und das kann er, wen wir aufhören zu sprächen.

Wenn wir uns heute fragen, warum uns so selten danach zumute ist, wie Zacharias Gott in lauten Tönen zu loben, dann hat es vielleicht auch damit zu tun, dass wir so selten dazu kommen, einmal still zu werden und einmal still zu sein.

Unser Leben ist so wie es ist. Von Morgens bis Abends sind wir unterwegs. Termine jagen uns Tag ein, Tag aus; Arbeit, Schule, Bank, Arzt u.s.w.. Zeit ist richtig Mangelware geworden.

Viele sind nicht mehr gewohnt einmal wirklich zur Ruhe zu kommen, nichts zu tun, zu schweigen und zu hören.

Dabei: Wenn Gott uns etwas zeigt, wenn er zu uns redet – dann meistens in der Stille. Jesus ist extra auf Berge gestiegen, um Zeiten der Stille zu haben, der Einsamkeit, oder besser gesagt, der Zweisamkeit mit seinem himmlischen Vater.

Schweigen  und Stille gehen dem Loblied des Zacharias voraus. Das ist eine.

Und das andere: Zacharias wird mit dem heiligen Geist erfüllt. Er erlebt Gottes Gegenwart ganz unmittelbar.

Das was Zacharias erlebt hat, können oder dürfen wir auch. Jesus sagt auch uns zu:

„Wenn wir unserem Vater im Himmel bitten, dass er uns seinen Geist gibt, dann wird er uns diese Bitte erfüllen.

In ganzen Neuen Testament ist das entscheidend:

Veränderung geschieht da, wo Menschen vom heiligen Geist erfüllt werden – wenn Gott ihnen begegnet.

Gott sehnt sich danach, uns zu begegnen.

Das ist die Hoffnungsbotschaft im Advent.

Gottes  Sehnsucht zu uns hat ihn vor zwei Tausend Jahren dazu getrieben, sich klein zu machen und zu uns zu kommen.

Diese Hoffnungsbotschaft besingt Zacharias in seinem Loblied:

„Er hat besucht und erlöst sein Volk“.

Im Alten Testament schreibt Prophet Sacharja etwas ähnliches:

In Buch Sacharja 2 Kapitel, Vers 17 steht:

„ Alle Welt schweige in der Gegenwart des Herrn. Denn er tritt hervor aus seiner heiligen Wohnung“.

Gott hat uns nicht vergessen. Er hat uns ja in seine Hände gezeichnet. Gott vergisst nicht seine Kinder.

Ein Besucher könnte eingeladen oder nicht eingeladen sein. Ist die Person eingeladen, spricht man von einem Gast.

Und jetzt stellt sich die Frage, war Jesus eingeladen. Und falls er war, von wem.Wessen Idee war es?

Es war leider nicht unsere Idee und bestimmt nicht von dieser Welt. Keiner auf dieser Erde hat ihn eingeladen.

Im Gegenteil: Noch bevor Jesus geboren wird, erlebt er, dass der Welt ihn nicht haben will. Bevor er geboren wird, gab es keinen Raum in der Herberge. Alles zu. Gott dieser Welt kommt, – schön und gut, aber es ist hier kein Platz für ihn. 

Und weil es keinen besseren Ort gab, musste er in einem Stall zu Welt kommen.

Paulus in schreib in Galater Brief 4,4:

„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan“.

Es ist allein Gottes Idee, seine Initiative, sein Eingreifen, dass dazu führt, dass er uns besucht und uns erlöst.

Denn es ist ein Besuch und Erlösung aus Gnade.

„Gott ist gnädig“ – diesen Namen soll Zacharias seinem Sohn geben, damit für alle deutlich wird: Gott hat sich auf den Weg gemacht.

Er beschenkt uns mit seinem Licht, mit seiner Liebe, mit seinem Heil.

Gerade jetzt in vorweihnachtlichen Zeit kann man bunte Lichter überall sehen. Echte Kerze, Elektrische Kerze, leuchtende Bäume, Häuser und Fenster.

Aber wird dadurch die Dunkelheit vertrieben?

Was sagt uns heutige Bibeltext?

„Das aufgehende Licht aus der Höhe wird uns besuchen und denen erscheinen, die in Finsternis und Todesschatten sitzen“.

Ich werde so frei sein und behaupten dass überall um uns Finsternis und Todesschatten herrscht. Wir die erlöst sind, sind da rausgegangen, aber all die Menschen um uns die noch selber nicht zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind, sitzen in Finsternis und Todesschatten, und mag noch so viel bunte lichter überall leuchten.

Und das uns dieses Licht aus der Höhe erscheinen ist, stehen wir in der Pflicht anderen Menschen die noch in Dunkelheit sitzen, auf dieser Licht aufzeigen.  

Das aufgehende Licht aus der Höhe wird uns besuchen und unsere Füße auf den Weg des Friedens richten.

Das ist eine Verheißung. Das ist eine heilvolle Zusage! Das ist kein Wunschtraum, sondern ein Wort, dass so gewiss gilt, wie Gott uns versprochen hat, dass er uns nicht vergisst.

Wir können jetzt schon diese heilvolle Erwartung vor Augen haben. Nicht als ein Bild in der Ferne, sondern als Verheißung, die jetzt schon spürbar ist, jetzt schon Auswirkungen hat.

Den Gottes Geist ist jetzt schon unter uns.

Adventszeit ist Zeit der Freude und der Vorfreude, Zeit der Stille und Zeit des Lobesund der gespannten Erwartung.

Bedeutung des Namens Zacharias bedeutet: Gott hat sich erinnert, Gott gedenkt.

Und Elisabeth Name hat eine Bedeutung, nämlich; Gott hat geschworen.

Ja Gott hat uns nicht vergessen, er hat sich erinnert und uns geschworen dass er uns nie verlässt.

Meine Ganze Predigt lässt sich in einem einzigem Satz zusammenfassen.

„Gott hat besucht und erlöst sein Volk“

Möge uns diese Satz in der nächsten Woche und in vorweihnachtlichen Zeit begleiten.

Last uns beten:

„Allmächtiger Gott. Verleihe uns die Gnade in diesem vergänglichen Leben, in das Dein Sohn Jesus Christus in großer Niedrigkeit uns zu besuchen kam, dass wir die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anlegen, damit wir am jüngsten Tag, wenn er in seiner herrlichen Majestät wiederkommen wird, um die Lebenden und die Toten zu richten, auch wir zum unsterblichen Leben auferstehen werden. Durch ihn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.