Predigt zum 1. Sonntag nach dem Christfest –  hier Download: 

Dein Platz bei der Krippe

Krippenspiel 2013

Nah oder fern am Krippenplatz? – Hast Du Deinen Platz gefunden

 + Bischof Gerhard Meyer

 Beinahe war es ein Christkind. Am 23. Dezember 2009 wurde Maximilian P. in Österreich geboren. Die Mutter ist M.  geb. Meyer, Tochter meines Bruders Alexander. Wir alle waren hocherfreut. Mutter und neugeborener Sohn waren wohlauf. Doch lag dieser nicht in einer Futterkrippe, sondern in einem Kinder-Bettchen im Krankenhaus in Klagenfurt.

Ist es nicht etwas Bestaunenswertes, solch ein kleines „Buschi“ – wie die Schweizer sagen – in den Armen zu wiegen, so klein und niedlich, lebendig und schon richtiger Mensch. Wer kann da schon abseits stehen und unberührt bleiben, selbst Außenstehende und Nichtverwandte?

Unser vertrautes Bild, dass uns Matthäus 1 und Lukas 2 zeichnet, ist das der Heiligen Familie zusammen mit all den Besuchern von Nah und Fern. Sie alle haben sich um die Krippe geschart. Ja, Krippenplätze sind heute wieder begehrt.  Plätze für Babys und Kleinkinder. Krippenplätze sollen sogar gesetzlich festgeschrieben und auch gefördert werden. Nicht aber wegen der Kinderfreundlichkeit in Deutschland oder der Sorge um die Kinder, sondern mit dem unterschwelligen Ziel, dass viele Mütter in den Arbeitsprozess eingespannt sind und dann die wohl begehrten Steuern an den Staat fließen.

Um Krippenplätze, um die Sorge um den Säugling war es aber auch zurzeit Jesu schon schlecht bestellt. Es war kein Platz in der Herberge, dem Gasthaus. Maria und Joseph mussten in aller Armut etwas selbst zusammensuchen, in Niedrigkeit sich mit einer schmutzigen Futterkrippe zufrieden geben. Was kann man aber da in einer Futterkrippe noch bestaunen, huldigen, anbeten?

 

  1. Der engste Kreis: Das waren einmal die Eltern. Maria, die Mutter des Kindes. Jesus war ihr ein und alles, ihr Erstgeborener und ihre Hoffnung. Wofür steht auch noch Maria? Sie steht für Eva, die den Samen, den Nachkommen und Retter der Welt hervorbringt, der dann dem Satan den Kopf zertritt, ihm die Herrschaft dieser Welt entreißt und am Ende siegt. Maria hat den menschlichen und göttlichen Sohn hervorgebracht. Sie ist die Erfüllung der alten Prophezeiungen. Damit ist sie mit der Bezeichnung der Kirchenväter auch „theotokos“ die Gottesgebärerin oder Mutter Gottes hier auf Erden. Somit ist Christus erst ganz Mensch und ganz Gott, und das mit der Geburt in Zeit und Ewigkeit.

Anw. Wollen auch wir wie Maria antworten, wenn Gott uns anspricht und antworten:

Siehe hier bin ich, deine Magd. Tue mir, was du willst, du als Frau, du als Mann?

Sie brachte die höchste Form des Willens Gottes hervor: Gott durch ihr Fleisch und Gott: Christus in Fleisch und Blut. Gott kommt ins wirkliche Menschsein. Bringe auch du Christus in Deine Welt, in dein Menschsein, in deinen Alltag.

Nun zu Joseph, der menschliche Adoptivvater. Er steht besonders als ein Zeichen für das, was Gott mit uns gefallenen Menschen auf Erden vorhat. Wie Joseph will Gott uns als seine vollwertigen Kinder an Kindesstatt annehmen. Denn dies tat Joseph mit Jesus. Obwohl er nicht leiblicher Vater war, nahm er Jesus als seinen eigenen Sohn an. Dies tut Gott mit allen wahrhaften Gläubigen. Er adoptiert uns wie seinen eigenen Sohn in die Familie Gottes.

Anw: Wollen wir wie Joseph antworten und handeln: Jeden aus jeder gesellschaftlichen Schicht berufene Menschen als vollwertig und erbberechtigt fürs Reich Gottes anzunehmen, als Bruder und Schwester in Christus.

Deshalb gilt uns: Nehmet einander an, wie auch Gott euch in Christus hat angenommen.

  1. Der erweiterte Kreis der Sterndeuter

Sie stehen für alle Philosophen, Priester und Wissenschaftler. Sie benutzen ihre intellektuellen und geistlichen Fähigkeiten, um aus Geistes- und Naturwissenschaften etwas über die göttliche Konstellation der Erscheinung herauszufinden: Was sagt die Wissenschaft über das Zentrale des Universums und der Erde? Wen sollen wir dort suchen, huldigen, verehren und beschenken? Ist das nicht auch die Frage aller Menschen? Jene suchten allumfassend: In Natur- und Geisteswissenschaft, in Politik- und Gesellschaftswissenschaft und am Ende in Bibel- und Pastoralwissenschaft. In ihrer Forschung und ihrem Einsatz sind sie uns ein Vorbild. Am Ende fanden sie aber Jesus, den neugeborenen König der Juden im göttlichen Krippenplatz liegend. Und diesen einmaligen Ort war es wert, zu unterstützen: mit Gold, für den noch in Windeln liegenden König, mit Weihrauch für den hier zukünftigen Hohenpriester, mit Myrrhe für den kommenden Propheten, zur Heilung der Sündenkrankheiten des Volkes.

Singen wir jetzt die Strophe:  Mit den Weisen will ich geben, was ich Höchstes hab im Leben, geb` zu seligem Gewinn ihm das Leben selber hin

Anw. Wollen wir doch Christus huldigen und Ihm unser Höchstes, unsere Begabung und unsere finanziellen Werte zur Verfügung stellen, damit er als König, Priester und Prophet in dieser Welt herrschen kann.

  1. Der große Kreis der Hirten

Es ist zwar bekannt, dass die Hirten oft arm waren und eine unter Schicht repräsentierten, doch die bekanntesten Hirten des AT waren, Abraham, Isaak, Jakob, auch Hiob mit seinen Herden, reich aus der Oberschicht. Selbst das gesamte Volk Israel war in Ägypten als Viehzüchter bekannt. Auch Saul und David wurden von ihren Herden weg geholt und durch Gott zu Hirten seines Volkes Israel eingesetzt. Moses wurde nach 40 Jahren Hirtentätigkeit in der Wüste zum 40jährigen Dienst über das Volk Israel als Hirte eingesetzt. Deshalb als Hirten in Israel werden vorerst die Staatsmänner, dann aber auch die Obersten Priester bezeichnet. Hes 34, 1-2 sagt:

1 Das Wort des Herrn erging an mich: 2 Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet, und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden.

Müssen denn die Hirten nicht die Herde weiden?

Nun kommen solche Hirten, um zu erkunden was der Engel ihnen gesagt hatte:

11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

Die zentrale Botschaft der Hirten ist und bleibt nur eine: Jesus ist der Retter, der Messias, der Herr.

Diese Botschaft verkündeten sie nach ihrem Treffen an der Krippe an alle, die sie danach trafen, zuerst den einheimischen Juden, dann aber auch den Nichtjuden.

a) Diese Hirten repräsentieren aber vorrangig Bischöfe und verantwortlichen Leiter der Zweige der weltweiten Kirche Christi. Sie haben nur eine Botschaft in ihrem eigenen Schafstall zu verkünden und diese Botschaft auch zu bewahren. Jesus ist: der Retter, der Messias und der Herr. Er ist unser Oberhirte und bringt allein das Heil dieser Welt.

b) Aber auch die Fürsten Israels, die Staatsführer werden als Hirten bezeichnet. Auch sie sollen diese Botschaft bewahren und verkündigen. Denn nur durch die Botschaft von Christus wird es Rettung für Politik, Wirtschaft und Umwelt geben. Nicht durch: Rettet das Klima, die Umwelt, die Eisbären.

Anw:  Auch wir, wenn wir zur Krippe kommen, sollen wie diese Hirten zurückkehren und Gott rühmen und preisen für das, was wir gehört und von Christus gesehen haben. Staune, bete an und verkündige.  

  1. Wir – nah oder fern – am Krippenplatz

Zum Schluss wollen wir uns aber fragen. Wo stehen wir an der Krippe? Sind wir wie ein Holzschnitzer, der seit seiner Geburt an seinem eigenen Lebenswerk schnitzt, Jahr für Jahr etwas Neues entwirft, aber mit seinem Leben der Krippe fern bleibt? Der sagt:

Das Kind in der Krippe, der fleischgewordenen Jesus, das ist mir zu emotional, das ist mir zu touchy. Dazu will ich meine Gefühle nicht äußern, dem will ich mich nicht aussetzen. Alles unlogisch.

Ich schnitze einfach weiter an meinem Leben, lasse die anderen zur Krippe gehen. Aber ich stelle mich nicht dazu. Und wenn ich ehrlich bin, ich passe auch nicht dahin. Ich bin ein Intellektueller- habe Zirkel, Winkel, I-Pod oder bin ganz Praktiker – kann schneiden, schnitzen, schaffen. Die Begabungen gehören mir, aber ich will sie nur für meine Vorstellungen gebrauchen. Und ich bin zum Schluss gekommen: Mein Leben einfach aus der Ferne von der Krippe zu führen. Ich kann mit dem Jesuskind nichts anfangen. Ich bleib einfach da draußen stehen. Egal, was macht’s? Aber, ich habe auch gemerkt, dass mir etwas fehlt. Dann haben andere mich da draußen gefunden und zur Krippe gebracht. Und seltsamerweise wurde ich zum Kreis der Familie gebracht, um das Zentrum der Krippe gestellt. Ich stehe jetzt neben dem Heiligen Paar, neben den Sterndeutern und Hirten, stehe genau zwischen Ochs und Esel; dem Ochsen, der alle starken Völker der Welt repräsentiert, und dem Esel, der das störrische Israel darstellt. Und nun schaue ich mit all diesen auf den einzigartigen und wertvollsten Krippenplatz der Welt. Aber von hier aus schaut mich Jesus an. –  Langsam begreife ich etwas, nachdem ich auch alle hier in der Runde angeschaut habe. Sie alle kommen von Nah und Fern, mit den größten Unterschieden und doch gemeinsamen Interessen, mit  wenigen und großen Begabungen, doch mit dem einen Ziel, an der Krippe den neugeborenen König und Retter der Welt zu bestaunen, ihn anzubeten und ihm mit den eigen Gaben zu dienen. Ich erkenne langsam, dass ich mit dazugehöre, dass im Schauen und gemeinsamen Staunen über die Krippe mein Leben verändert wird, dass ich im Schauen und Staunen nun meinen Retter und König erkenne, dass ich ja auch mit zur Familie Gottes gehöre.

Hast du aber deinen Platz bei der Krippe gefunden? Hast du deine Gaben mitgebracht, deinen Zirkel, Winkel und Schnitzmesser? Und hast du erkannt, dass hier in dieser christlichen Familie dein Zuhause und dein Auftrag ist? Wenn ja, dann bleibe ab heute beim Christuskind in der Krippe und in dieser Familie Gottes.