Liebe Mitbürger nah und fern – rückblickende und vorausschauende Menschen.

Am 3. Oktober gedenken wir mit Dankbarkeit der Wiedervereinigung unseres Landes vor nunmehr 35 Jahren. Damals fiel die Mauer, als ich in Philadelphia weiter Theologie studierte und im Seminar der Ref. Episkopalkirche dies Ereignis auf einem schwarz-weißen Fernseher fast ungläubig mit ansah. Nun Weltgeschichte, auch unsere persönliche und die biblische Geschichte ist sehr wichtig. Der Mitreformator und Humanist Melanchthon sagte einst: Der Mensch ohne Kenntnis der Geschichte ist wie eine beständige Blindheit und fortwährende Kindheit.

In diesem Sinne erinnert uns der Wochenspruch in unserem anglikanischen Gebetbuch www.rekd.de dabei an den Ursprung allen Segens, der von unserem Schöpfer Himmels und der Erden stammt:

Die Einheit und Freiheit im Himmel, auf Erden und in unserem Land sind kein Werk menschlicher Kraft allein, sondern ist ein Geschenk Gottes, das wir in Demut empfangen dürfen.

In der alttestamentlichen Lesung (5. Mose 8,2–6) werden die Israeliten daran erinnert, wie Gott sie durch ihre 40-jährige Wüstenwanderung dann in die Freiheit geführt hat, damit sie lernen, auf ihn weiter zu vertrauen. Auch die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert ist geprägt von schweren Wegen, Trennung und Leid über 40 Jahre (ca. 1949-1989/90). Doch Gott hat uns aus dieser Zeit der „Wüste und Versuchung“ geführt – nicht, weil wir die Einheit verdient hätten, sondern weil er treu ist und die Hoffnung auf die Wiedervereinigung und viele Gebete erhört hat.

Die Epistel (1. Petrus 2,13–17) weist uns auf die rechte Haltung in Freiheit hin:

Wir sollen die Freiheit nicht als Deckmantel des Bösen gebrauchen, sondern als Diener Gottes leben – Menschen, die der Obrigkeit in Ordnung und Frieden begegnen, die aber ihr Herz an Christus gebunden haben. Wahre Freiheit im Leben ist nicht Willkür, sondern ein Leben, das aus der Bindung an Christus Freiheit lebt und praktiziert.

Im Evangelium (Johannes 17,20–26) hören wir das hohepriesterliche Gebet Jesu. Christus bittet seinen Vater darum, dass seine Jünger „eins seien, so wie er und der Vater eins sind“. Diese Einheit ist mehr als politische oder gesellschaftliche Einigkeit – sie ist geistliche Gemeinschaft in Verbindung Christus, die äußere Mauern und Schwierigkeit überwindet und Herzen mit dem Nächsten verbindet. Ohne diese innere Einheit bleibt jede äußere Einheit, ob kirchlich oder politisch brüchig.

Tagesgebet:

Wollen wir dankbar zurückschauen auf die neu gewonnene Einheit unseres Vaterlandes, aber noch mehr nach vorn schauen: dass unser ganzes Volk, unsere christliche Kirche und unser persönliches Leben zuerst aus der Güte Gottes heraus gestaltet werden.

Gebet:
Herr, unser Gott, wir danken Dir für die Gabe der Einheit und Freiheit unseres Landes. Erneuere uns durch Deinen Heiligen Geist, dass wir nicht nur äußerlich vereint bleiben, sondern in Dir, Christus, wahrhaft eins werden. Amen.